F3J Weltmeisterschaft in Grafignana(Lodi)/ITA
Zum bereits 15. Mal fand die Weltmeisterschaft im Segelflug Klasse F3J mit Seilstart statt.
Österreich war nach längerer Abstinenz 2024 in Norwegen auch heuer wieder mit einem kompletten Team dabei. Ins Finale hat es Hermann Haas geschafft und dann den 3. Platz belegt. Mannschaft AUT wurde 5.
Das Team (Bild Nr. 11) bestand aus:
Mannschaftsführer-Assistentin Schnabl Gertrude
Wettbewerber Bachler Herbert
Wettbewerber Haas Hermann
Wettbewerber/Mannschaftsführer Hoffmann Peter
Der Autor wurde als Jurymitglied zu dieser WM eingeladen, was manchmal auch ein Vorteil für uns sein kann.
Austragungsort
Die FAI F3J-Weltmeisterschaft 2026 für Modellsegelflugzeuge wurde vom Aero Club Volevelistico Toscano unter der Schirmherrschaft des Aero Club d'Italia organisiert. Italien hat die WM von der Schweiz kurzfristig übernommen und auch sehr gut organisiert, wenngleich man hie und da doch die Unerfahrenheit noch sehen konnte aber mit dem italienischen Improvisationsgeschick dann doch gelöst.
Mussten die Helfer bei der ersten EM 1996 in der damaligen Tschechoslowakei, WM 1998 Großbritannien und 2000 in Griechenland/Korfu, an der ich als Mannschaftsführer teilnahm, noch mit 175m Nylonseil im Handstart wie die Büffeln ziehen, hat sich mittlerweile das Reglement mit einem Windenstart analog der Klasse F3B geändert.
Auch wurde im Reglement dieser Klasse das Gedränge der Punkte, welche die Besten erzielen können ein bisschen entschärft, indem für die Landepunkte der letzte Meter in 20cm Abschnitte unterteilt wurde. Das war auch ein Mitgrund warum Österreich längere Zeit nicht an F3J Bewerben zu Gunsten von F3B teilnahm.
Trotzdem war es auch diesmal wieder sehr knapp unter den Besten. Hermann fehlten nur 6,3 Punkte zum Zweiten und 12 Punkte zum Ersten Platz in den 6 Finalrunden.
Teilnehmer
Die Teilnehmerzahl war im Vergleich zu den Jahren vor der COVID-Pandemie relativ gering. Die Startliste umfasste 29 Teilnehmer, darunter 3 Junioren und 3 Frauen. Alle Teilnehmer gehörten den jeweiligen Nationalmann-schaften an; zusätzliche Einzelstarter gab es nicht.
Vertreten waren Mannschaften aus 10 Nationen:
• Australien (AUS)
• Österreich (AUT)
• Deutschland (GER)
• Italien (ITA)
• Japan (JAP)
• Norwegen (NOR)
• Neuseeland (NZL)
• Schweiz (SUI)
• Türkei (TUR)
• USA
Zwei Nationalmannschaften (NOR und USA) bestanden aus fünf Mitgliedern einschließlich Junioren und Frauen. Eine Mannschaft (AUS) bestand aus drei Männern und einer Frau. Vier Mannschaften (AUT, GER, ITA und SUI) traten mit jeweils drei Männern an. Drei Piloten starteten als Einzelteilnehmer (JAP, NZL und TUR).
Leider reichte die Zahl der Junioren nicht für eine eigenständige Junioren-Weltmeisterschaft aus. Ebenso war die Zahl der weiblichen Teilnehmerinnen zu gering, um offizielle WM-Medaillen für die Frauenwertung zu vergeben.
Sind in der Vorrunde noch eine Mannschaft mit Joe Wurt (NZL), Yu Nishimura (JPN) und Erel Cancan (TUR) als gemischte Mannschaft angetreten, so muss bei einer WM das Land vertreten werden.
Organisation
Zur Ansage von Vorbereitungs- und Arbeitszeit kam ein automatisches Zeitnahmesystem zum Einsatz, das von der Schweizer F3J-Organisation zur Verfügung gestellt wurde. Die Arbeitszeit wurde auf zwei großen Anzeigen an den Enden des Startkorridors dargestellt. Akustische Signale wurden über sechs entlang des Startkorridors gleichmäßig verteilte Lautsprecher an die Piloten übertragen um die Akustischen Laufzeiten gering zu halten. Gesteuert wurde das gesamte System durch die Software GliderScore.
Die Ergebnisse wurden nahezu unmittelbar nach jedem Durchgang auf der Internetseite von GliderScore veröffentlicht. Eine WhatsApp Gruppe für Teilnehmer und Interessierte verteilte Infos unmittelbar, was auch leidlich ausgenutzt wurde, wenn kurzfristige Planänderungen auftraten. Trotzdem möchte man die Vorteile der Smartphones nicht mehr missen.
Wetter
Während der gesamten Weltmeisterschaft einschließlich des Vorwettbewerbs herrschten sonnige und sehr heiße Wetterbedingungen bis 40°. Die Windgeschwindigkeit reichte von Windstille bis zu einer leichten Brise. Der Wind wehte überwiegend aus südlicher Richtung, sodass die Startlinien während des gesamten Wettbewerbs unverändert bleiben konnten.
Der Veranstalter versuchte, den Flugplan an die hohen Tagestemperaturen anzupassen, indem zwischen den einzelnen Durchgängen zusätzliche Hydration-Breaks eingelegt wurden.
Die anhaltend sonnige Witterung sorgte für gute Thermikbedingungen. Dadurch verbrachten die meisten Teilnehmer nahezu die gesamte Arbeitszeit in der Luft. Die Unterschiede zwischen den erzielten Flugzeiten waren deshalb sehr gering, was von den Zeitnehmern eine außerordentlich hohe Genauigkeit verlangte.
Unterkunft und Verpflegung
Der Veranstalter bot Campingmöglichkeiten direkt auf dem Fluggelände an, die von zahlreichen Mannschaften genutzt wurden. Hermann und Gerti waren zwar mit Camper und Hund da, entschlossen sich aber wegen der hohen Temperaturen doch in einem Hotel zu übernachten.
Mittagessen für Teilnehmer und Helfer wurde in einem großen Zelt auf dem Fluggelände ausgegeben. Die Mahlzeiten waren schmackhaft, typisch italienisch viel Pasta und aldente.
Außerdem stellte der Veranstalter allen Anwesenden kostenlos Trinkwasser in ausreichender Menge kostenlos zur Verfügung. Hierfür standen im großen Zelt drei Kühlschränke bereit.
Sicherheit
Die Sicherheitszonen entsprachen den während der Teammanager-Besprechung festgelegten Bereichen und wurden dem Reglement entsprechend nur bei Landungen darin geahndet.
Während der gesamten Weltmeisterschaft musste keine Strafe wegen eines Verstoßes gegen die Sicherheitszonen ausgesprochen werden.
Auf der Westseite kollidierte das Modell von Herbert (Bild Nr. 2) mit einer Hochspannungsleitung (110 kV). Das Modell blieb beschädigt in der Leitung hängen, ohne jedoch Schäden an der Stromleitung zu verursachen. Ein zufällig anwesender Modellflieger der bei der Netzbetreibergesellschaft angestellt ist hat die Bergung ohne Kosten für uns organisiert, nachdem das Modell 2 Tage abgehangen hatte.
Bewerb
Für die WM waren 14 Vorrunden geplant, die nach Intervention von Hermann und Jo Grini (NOR) wegen Zeitmangel auf 13 reduziert wurden. Es hatte doch mehrmals wegen Computerausfall eines Refly´s bedurft.
Nachdem Herbert eine Außenlandung und einmal in der Leitung hängengeblieben war sowie Peter (7) auch einen Flug nach 6 Minuten beenden musste, war an einen Finaleinzug nicht zu denken (1). Nur Hermann hat mit einer konstant hohen Leistung es ins Finale als 2. geschafft. Da hat Gerti Schnabl (Bild Nr. 3) als seine Partnerin und Helferin, mit der er alle Bewerbe bestreitet, maßgeblich beigetragen.
Die USA hat mit einer starken Mannschaft die Vorrunden dominiert und auch alle 3 ins Finale gebracht. Dort wird allerdings 15 statt 10 Minuten geflogen uns so war auch für deren Besten (Gordon Buckland) nach der ersten Außenlandung Schluss mit einer Bestplatzierung. Ebenso erwischte es Jo Grini (NOR) in Runde 4, nachdem er souverän geführt hatte. Pech hatte Nic Chabrol (AUS) der mit seiner Partnerin als Helfer um 15m zu kurz gelandet war und es in die top 3 geschafft hätte. Beide waren übrigens zu Pfingsten in Oberpullendorf beim F5J dabei und ich durfte in der Mannschaft mit ihnen fliegen. Stark auch das zusammengewürfelte Vorrundenteam, wo nur Joe wegen eines Modellverlustes es nicht ins Finale schaffte.
Einige Teilnehmer versuchten sich einen Landevorteil zu verschaffen indem der Landepunkt gewässert wurde um ein rutschen zu vermeiden. Nachdem aber dabei ein Lederfleck und das Maßband beschädigt wurden hatte es dem Wettbewerbsleiter gereicht und es wurde unterbunden.
Teilnehmer auf den Plätzen 1-5 hatten sich keinen Patzer geleistet und der Unterschied lag nur in der kürzeren Startzeit und genauen Landung (Bild Nr. 9).
Gewonnen hat Marco Gallizia/ITA der den „Heimvorteil“ geschickt auszunutzen wusste vor Yu Hishimura/JPN und Hermann Haas/AUT (Bild Nr. 6).
Teamwertung ging an USA, AUS, ITA. (Bild Nr. 10)
Eröffnungs- und Schlussfeier
Die Eröffnungsfeier fand nach der Siegerehrung des Vorwettbewerbs im Cortile Girona in Sant'Angelo Lodigiano statt.
Die Mannschaften marschierten vom nahegelegenen historischen Turm der Mura Spagnole ein und stellten sich halbkreisförmig um die Fahnen auf. Jede Mannschaft wurde, wenn vorhanden, von einem Junior begleitet, der ein Schild mit dem Namen der jeweiligen Nation trug.
Nach der Eröffnungsfeier wurde ein Vortrag über Thermikfliegen von Joe Wurts gehalten. Er ist der Einzige der in allen 3 Segelflugdisziplinen (F3B, F3J, F5J) Weltmeister wurde. Auf eine Frage wer der längstdienende Teilnehmer in F3J sei, antwortete der Amerikaner der in Neuseeland lebt: Es ist Peter Hoffmann, der ja ein Jahr vor der ersten WM in Poprad/CZE schon dabei sein konnte. (Bild Nr. 4,5)
Die Siegerehrung und Schlussfeier fanden im Innenhof des Castello Bolognini in Sant'Angelo Lodigiano statt. Der Beginn verzögerte sich um eine Stunde, da der Veranstalter die FAI-Flagge nicht finden konnte.
Bei jeder Ehrung wurde die Nationalflagge des jeweiligen Siegers gehisst und dessen Nationalhymne gespielt.
Das Abschlussbankett fand in einem großen Saal desselben Castello Bolognini statt. Den Teilnehmern wurden dabei ausgezeichnete italienische Spezialitäten serviert.
Auch hat uns ein Besuch der Deibl´s (Bild Nr. 8) gefreut, die ihren Urlaub dort verbrachten und uns zusehen konnten.
Nachworte
Technisch gesehen sind die F3J Modelle verstärkte F5J Modelle ohne Motornase und mit 20g/dm2 Mindestflächenbelastung schwerere Modelle aber in Punkto Gleitleistung und Thermikeigenschaften ebenbürtig, wenn nicht überlegen, weil die Turbulenzen des Motors fehlen. Auch braucht man nicht Ballast, weil sie eh schon schwer genug sind.
So ist es nicht verwunderlich, dass auch ältere Modelle bei den guten Piloten vorne mitmischen können.
Der Sieger flog übrigens Explorer 4, Team NZL/JPN/TUT die MAXA und Hermann Haas Pike PK2 von Samba Model.