DI Heimo Stadlbauer, 1. EMFK Langenwang

Geschichte des Modellflugs

Der Österreichische Aeroclub wurde heuer 120 Jahre alt. Die Sektion Modellflug entstand dann im Jahr 1936. Im folgenden Artikel wird dazu ein Rückblick auf die Entwicklung des Modellflugs dargestellt.

Kaum jemand zerbricht sich den Kopf, wenn man heute ein Modellflugzeug startet und überwiegend ferngelenkt das Modell durch die Lüfte steuert. Zahllose Modellflugzeuge gibt es in der heutigen Zeit teilweise flugfertig zu erwerben. Der Spaß am Bauen ist leider meistens hintangestellt. Das Motto lautet oft: heute kaufen, heute oder morgen fliegen.

Das Flugmodell bildet eigentlich die Basis der Flugtechnik. Dabei ist der Modellflug keineswegs ein Kind der neueren Zeit. Erste, nicht erfolgreiche Versuche soll es schon in der Antike, aber auch im Spätmittelalter gegeben haben. Leonardo da Vinci (1452-1519) betrieb flugtechnische Studien und orientierte sich am Vogelflug. Aber erst im 19. Jahrhundert brachten systematische aerodynamische Untersuchungen erste Erfolge.

Sir George Cayley (1773-1857) aus England legte nach zahlreichen Versuchen die grundsätzliche Struktur eines Flugzeugs (Rumpf, Flügel, Leitwerk, Fahrgestell) fest. Weiters erkannte er die Zusammenhänge zwischen strömender Luft und der Wölbung von Flächen, was ja wesentlich für den Auftrieb ist. Die Entdeckung der Stabilitätsmomente auf Höhen-und Seitenruder geht auch auf ihn zurück. Bereits ca. 1804 baute er zum Studium des Schwerpunkts Gleiter.

Auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Cayley bauten die Engländer William S. Henson und John F. Stringfellow 1842 ein mit Dampfmaschine angetriebenes Modell, der Erfolg blieb jedoch aus. Stringfellow (1799-1883) verfolgte das Konzept aber konsequent weiter und hatte ca. 1848 Erfolg mit einem drei Meter spannenden Flugmodell. Für den Vortrieb sorgte eine Dampfmaschine mit zwei Luftschrauben. Es flog immerhin ca. 30 Meter.

1891 flog in Australien L. Hargrave (1850-1915) erfolgreich ein mit einer Dampfmaschine betriebenes Modell und erzielte eine Flugstrecke von ca. 73 Metern. In den USA experimentierte Samuel P. Langley (1834-1906) mit Modellen mit Dampfantrieb, aber auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts bereits erstmals erfolgreich mit einem 5-Zylinder Benzin-Stern-Motor.

Ebenso in Frankreich wurde ein neues Antriebskonzept entwickelt: der verdrillte Gummimotor. Alphonse Pénaud (1850-1880) aus Frankreich baute neben Freiflugmodellen1871 auch den „Planophore“, angetrieben mittels verdrillten Gummisträngen und Druckpropeller. Das Modell hatte erstmals bereits ein stabilisierendes Leitwerk und einen definierten Einstellwinkel. Die Tragflächen waren gewölbt und an den Enden zu stabilisierenden Zwecken leicht nach oben gebogen. Pénaud’s Forschungen prägten den Flugmodellbau wesentlich und bildeten die Basis für weitere Entwicklungen. Ebenfalls in Frankreich beschäftigte sich Felix du Temple (1823-1890) mit Federwerk- und Dampfmaschinen-Antrieben und flog ebenfalls erfolgreich seine Konstruktionen. Er meldete sein Modell sogar zum Patent an.

Weitere Antriebsarten kamen hinzu; und zwar der Pressluft-und Kohlensäure Antrieb. Neben Hargrave beschäftigte sich auch M. V. Tatin (1843-1913)  mit den Pressluftmotoren. Der Rumpf wurde gleich als Druckbehälter genutzt. Kohlensäure (CO2)-Antriebe wurden vom Deutschen Josef Hofmann ab 1897 erfolgreich eingesetzt.

Auch in Österreich wurde die Entwicklung von Modellflugzeugen wesentlich von Wilhelm Kress (1846-1913) geprägt. Die Zusammenarbeit mit Alphonse Pénaud wirkte sich positiv auf seine Konstruktionen aus. Seine freifliegenden Modelle waren sehr erfolgreich, im Gegensatz zu seinem manntragenden Motorflugzeug auf Schwimmern.

Nach der Jahrhundertwende entwickelte sich der Modellflug vor allem nach den ersten motorgetriebenen Erfolgen der Gebrüder Wright rasant weiter. Flugzeugbauer wie z.B. Hans Grade (1879-1946), Alexander Lippisch (1894-1976) und Igo Etrich (1879-1967) konstruierten Flugmodelle, um die dabei gewonnen Erkenntnisse im Großflugzeugbau zu verwenden. Der Erste Weltkrieg beeinträchtigte sicherlich für einige Jahre die weiteren Entwicklungen in der Modellfliegerei. In der Zwischenkriegs-und NS-Zeit erhielt der Modellflug wieder einen hohen Stellenwert. Der systematische und staatlich gelenkte Modellbau sollte ja Flugzeugbauer und Piloten herausbringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Fliegerei verboten, nach ersten Lockerungen und ab 1955 konnte der Modellflug jedoch wieder uneingeschränkt betrieben werden. Pioniere wie z.B. Oscar Czepa, Gerd Kirchert, Josef Sperl, Rudolf Salzmann, Johann Niederwimmer oder Fred Militky bei Graupner prägten mit ihren Konstruktionen und Engagement den Modellflug.

Festgehalten wird noch, dass heute weiterhin beim Freiflug in den entsprechenden international geflogenen Klassen Gummimotor-(Wakefield) und CO2-Antriebe eingesetzt werden.

Mit diesem Bericht wurde einmal versucht, einen sicherlich nicht vollständigen Überblick über die ersten Schritte der Modellfliegerei bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg näher zu bringen.

 

Fotos: Heimo Stadlbauer

--1: Das erste Modellflugzeug aus dem Jahr 1804 vom Engländer Sir George Cayley (1773-1857). Er legte die grundsätzliche Struktur eines Flugzeugs (Rumpf, Flügel, Leitwerk, Fahrgestell) fest. (NASM Washington DC)

--2: John F. Stringfellow (1799-1883) aus England gelang 1848 der erste Modellflug mit einer speziell dafür konstruierten Dampfmaschine.(Deutsches Museum München)

--3: In Australien flog L. Hargrave (1850-1915) erfolgreich das im Vordergrund mit einer Dampfmaschine betriebene Modell. (NASM Washington DC)

--4: Die von Hargrave verwendete Dampfmaschine. (Deutsches Museum München)

--5: Samuel P. Langley (1834-1906) aus den USA begann mit Dampf betriebenen Flugmodellen, nutzte aber bereits erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts einen Verbrennungsmotor (NASM Washington DC)

--6: In Frankreich entwickelte Alphonse Pénaud (1850-1880) den verdrillten Gummimotor. (Verkehrshaus Luzern)

--7: Wilhelm Kress (1846-1913) aus Österreich nutzte das Modellflugzeug bereits als Vorstufe für sein Großflugzeug. (Technisches Museum Wien)

--8: Das „Flugmaschinenbuch für unsere Jugend“ aus 1917 sollte den Jugendlichen den Modellflug näherbringen

--9: Während der NS-Zeit wurde der Modellflug systematisiert und staatlich gelenkt. Dieses Buch „Modellflug im NS-Fliegerkorps“ stammt aus 1942