DI Heimo Stadlbauer, 1. EMFK Langenwang | Werner Pitter, MFC Hofkirchen bei Hartberg

Messerschmitt Me 323 „Gigant“, Bau-und Flugbericht

Die Messerschmitt Me 323 war mit ihren 55 m Spannweite ein wahrlicher „Gigant“. Ihre ca. 45 Tonnen Gesamtfluggewicht brachten sechs französische Gnôme-Rhône Doppelsternmotoren mit ca. insgesamt 7000 PS (ca. 5150 KW) in die Luft. Das damals größte Landflugzeug, eingesetzt im zweiten Weltkrieg, begann eigentlich ab ca. 1940 als riesiger Lastensegler Me 321 Die anfängliche Schleppmethode mit drei Messerschmitt Bf 110 (Troika-Schlepp) bewährte sich nicht, da sie sehr unsicher und gefährlich war. Die Heinkel He 111 Z „Zwilling“, zwei über die Tragflächen verbundene He 111 mit einem fünften Motor, brachte erst Sicherheit bei der Schleppmethode. Trotzdem wurde dann ab 1941 die Me 323 „Gigant“ zuerst nicht erfolgreich mit vier, dann ausschließlich mit sechs Motoren eingesetzt.

Wie kam Werner Pitter, Mitglied des MFC Hofkirchen bei Hartberg, zum Bau einer Me 323 „Gigant“? Sein Vater war während des Krieges auf verschiedenen Feldflugplätzen ua. auch in Russland bei einer Nachschubeinheit für die Entladung von Nachschubgütern ( z. B. auch aus Me 323) und deren Verladung auf LKWs zuständig. Schon als Kind erweckte daher besonders dieses Flugzeug sein Interesse. Aber erst ca. 1980, nach der „üblichen“ Modellflug-Karriere, baute Werner nach den Plänen von Klaus Nietzer die viermotorige Me 323 “Gigant“ und erfreute sich an den tollen Flugeigenschaften. Diese Maschine mit einer Spannweite von 3200 mm wurde anfänglich mit vier OS 3,5 ccm, danach elektrisch eher erfolglos mit vier Speed 600 Motoren und 24 NiCd-Akkus betrieben. Erst der Umbau auf bürstenlose Antriebe mit LiPo-Akkus brachte wieder die tollen Flugeigenschaften zu Tage.

Aber inzwischen reifte schon der Gedanke, die sechs-motorige Me 323 „Gigant“ im Maßstab 1:10 zu bauen und zwar ganz aus Holz. Sperr-, Balsaholz und Kiefernleisten wurden im Keller in ca. zweijähriger Bauzeit zu einem „Gigant“ geformt. Zeitaufwändig war die Erstellung der dreiteiligen Motorgondeln, aber auch des Fahrwerks. Für die zehn einzeln aufgehängten Räder mussten die entsprechenden Alu-Schwingen mittels CNC erstellt werden. SIG-Koverall war das Bespann-Material, fünf Servos betätigten die entsprechenden Ruder. Das 5500 mm spannende Modell und die ca. 21000 g Fluggewicht mussten ja auch in die Luft gebracht werden. Bürstenlose Motoren (Langratec, 710 U/V) geregelt mit Hobbywing Skywalker 80 A, 4s LiPo Akkus 5000 mAh und 14x7 rechts-und linkslaufende Dreiblatt-Propeller bewerkstelligten dies ohne Probleme. Rauchpatronen und zu öffnende Bugtore vervollständigen das fantastisch aussehende Modell.

Werner Pitter führte beide Messerschmitt Me 323 „Gigant“ bei den vom Autor in der Steiermark organisierten Elektroflug- und Retro-Meetings immer wieder gekonnt vor. Die große Maschine lag neutral in der Luft, Leistung war genug vorhanden und nach ca. zehn Minuten Flugzeit schwebte die Me 323 gemächlich zur Landung herein.

Zum Original sei noch gesagt, dass von den ca. 210 gebauten Maschinen nur ein Wrack unter Wasser vor der Küste Sardiniens bisher gefunden wurde. Wer die riesigen Ausmaße der Tragfläche sehen will, kann einen Flächen-Hauptholm im Luftwaffenmuseum in Berlin Gatow besichtigen. Werner berichtete noch über ein Foto, das seinen Vater (siehe Pfeil am Foto) nahe einer Me 323 „Gigant“ zeigt. Sein Vater erzählte ihm, dass nach der Beladung ca. zehn Männer das Heck zu Boden zogen. Pendelte die Maschine auf dem hinteren Räderpaar, so stimmte der Schwerpunkt, die Ladung wurde verzurrt und die Maschine konnte starten.

Der Autor hofft, dass Werner seine Messerschmitt Me 323 „Gigant“ noch oft auch auf den Treffen in Hofkirchen bei Hartberg (Retro-Meeting, 16./17.5 2020) und in Dietersdorf am Gnasbach (Elektroflug-Meeting, 5./6.9.2020) vorfliegen wird.

Dank an Werner Pitter, der die entsprechenden Unterlagen und einige Fotos zur Verfügung gestellt hat.

FOTOS:

--1: Die sechsmotorige Messerschmitt Me 323 „Gigant“ beim tiefen Überflug (Herbert Majeron)

--2: Von unten sieht man erst die gigantischen Ausmaße der Me 323 (Heimo Stadlbauer)

--3: Werner Pitter setzt zur Landung an. Elegant schwebt die Me 323 herein. (Heimo Stadlbauer)

--4: Die Me 323 „Gigant“ mit den Autoren Werner Pitter (li.) und Heimo Stadlbauer. Die Maschine wartet mit geöffneten Bugtoren auf Fracht (Heimo Stadlbauer)

--5: Die viermotorige Variante der Me 323 beim langsamen Überflug (Egon Gaksch)

--6: Viel Holz wurde für den Bau des“ Giganten“ verarbeitet (Werner Pitter)

--7: Der Rohbau zeigt zusammengebaut schon einmal die gigantischen Ausmaße (Werner Pitter)

--8: Die sechsmotorige Me 323 beim Lackieren. Rechts die viermotorige Variante und im Vordergrund der Rumpf des Lastenseglers DFS 230 (Werner Pitter)

--9: Je Motorgondel sind neben dem BL-Elektromotor auch der Regler und der Akku untergebracht (Werner Pitter)

--10: Die beiden Piloten warten schon auf den ersten Einsatz (Werner Pitter)

--11: Die Me 323 „Gigant“ bei einem Einsatz irgendwo in Russland. Die richtige Verteilung der Ladung wird geprüft. Zog man das Heck herunter und pendelte die Maschine auf dem hinteren Räderpaar, passte der Schwerpunkt. Werners Vater (Pfeil) sah interessiert zu. (Familienarchiv Werner Pitter)

--12: Im Luftwaffenmuseum Berlin-Gatow kann man einen originalen Tragflächen-Hauptholm bestaunen (Heimo Stadlbauer)