Ing. Wolfgang Vallant | KFC-Modellflug Thon / Kärnten

Peilsender für Modellflugzeuge

Aufgrund der regen Nachfrage vieler Modellflugfreunde zu unserem Peilsendersystem habe ich mich dazu entschlossen, einen kurzen Testbericht zu diesem Thema zu verfassen.

Ausgangssituation:
Üppig wachsender Mais, Getreidefelder, hohe Gräser und dichte Wälder zählen gerade im Sommer zu den natürlichen Feinden des Modellflugpiloten. Immer wieder kommt es vor, dass das eine oder andere Modell nicht mehr sicher zur Landepiste zurückkommt. Auch beim Seglerschlepp kann es vorkommen, dass Notsituationen ein Ausklinken auf beiden Seiten (Segler und Schlepper) erzwingen. Die Schleppschnur ist dann meist verloren.

Aus diesen Gründen wurde im Frühjahr 2019 ein Peilsendersystem der Firma „GIRAFUS“ angeschafft und ausgiebig am Modellfluggelände des KFC-Modellflug-Thon in Kärnten getestet. Das eigentlich für Haustiere entwickelte System nennt sich „Pro-Track-Tor 227PA“ und wird über das Internet mit einem aktuellen Verkaufspreis von ca. 75-120 Euro (je nach Ausstattung) vertrieben. Kaufentscheidend war auch die Tatsache, dass keine Folgekosten wie z.B. bei GPS-Systemen mit SIM-Karte zu erwarten sind.
Das Komplettpaket beinhaltet bis zu 4 Stück Peilsender (sog. Tags), ein Suchgerät sowie Akkus und ein USB-Ladegerät. Auch Silikonhüllen zum Schutz der Peilsender sind mit dabei. Jeder der 4 Tags ist auf das beiliegende Handsuchgerät gebunden, ähnlich wie unsere Empfänger mit der Fernsteuerung.

Praxisbetrieb:
Die Handhabung im Alltag ist einfach. Der ca. 8 Gramm leichte Peilsender wird einfach mit einem beiliegenden Klettband am oder im Modell bzw. an der Schleppschnur befestigt. Nun kann geflogen werden. Das 2,4GHz Frequenzband des GIRAFUS-Systems hat dabei keinerlei störende Einflüsse auf den Empfänger im Modell, selbst wenn dieses aktiviert ist und ständig sendet. Sollte es zu einer „Außenlandung“ oder Verlust des Peilsenders (mit/ohne Modell) kommen, so wird einfach das Handgerät aktiviert, das den Piloten sicher zu seinem verlorenen Gegenstand lotst. Färbige LEDs und ein Summer zeigen sowohl optisch als auch akustisch die Richtung und Intensität des verlorenen Peilsender-Signals an. Damit ist eine einfache Bedienung selbst für Nicht-Techniker gewährleistet.

Technische Daten vom Peilsender (Tag-Modul):

Maße mit Silikonhülle

ca. 40 x 28 x 15 mm

Gewicht komplett mit Akku, Silikonhülle und Klettband

ca. 13 Gramm

Sendefrequenz

2,40 – 2,48 GHz (codiert / gebunden)

Reichweite

bis zu 430 Meter (tats. gemessen)

Akku

LIR2032 (beiliegend)

Betriebstemperatur

-15°C bis 40°C

 

Reichweite:
Wie beeinflusst die umliegende Vegetation die Wirksamkeit der kleinen Helferchen? Der Hersteller verspricht eine unglaubliche Reichweite von 500m im freien Feld. Im bebauten bzw. bepflanzten Gebiet wird dieses Ziel aber wohl schwer erreichbar sein.
Darum wurden intensive Tests unternommen, um eine fundierte Aussage darüber treffen zu können, wie gut das System im harten Modellflugalltag zurechtkommt.

  • Test im Maisacker:
    Im Maisfeld hat der kleine „Piepser“ echt zu kämpfen.
    Schweißtreibende Tests im August unter härtesten Bedingungen (quer verlaufende Maisreihen, voller Bewuchs, Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit) zeigten eine treffsichere Reichweite von 25 bis 30 Metern. Das klingt nach nicht viel, jedoch ist dies in Anbetracht der widrigen Umstände ein guter Wert. Das Blattwerk ist in allen Höhen derart dicht, so dass es unerheblich ist, in welcher Höhe sich der Peilsender befindet (durch Messungen bestätigt).
    Übrigens, Mobiltelefone haben im ausgewachsenen Maisacker keinen GPS-Empfang, wodurch derartig basierende Suchsysteme wirkungslos sind.

Praxiserfahrung: Ein Kollege verlor sein Aufsteckfahrwerk für seinen Elektrosegler im Maisacker und fand es kurz daraufhin mit Hilfe dieses Suchsystems.

  • Test im Getreidefeld (ca. 60-80 cm Höhe):
    Hier zeigte sich, dass die erreichbare Reichweite bei ca. 180-220m liegt. Ein Schleppgespann trat hierbei unfreiwillig als Versuchsobjekt an den Start. Wie üblich befestigten sie einen Peilsender an der Schleppschnur. Dies klappte auch einige Male bis es tatsächlich zu einer brenzligen Situation kam, worauf hin beide Piloten zugleich ausklinken mussten. Mithilfe des Suchgerätes konnte die Schleppschnur im Getreidefeld sicher geortet und gefunden werden. Die ganze Suchaktion dauerte nicht länger als 20 Minuten.

  • Weitere Tests unterstrichen die relativ große Reichweite im offenen Gelände, hier konnten 430 Meter bestätigt werden.

Alle Reichweiten wurden mit dem Mobiltelefon über GPS-Ortung ermittelt. Im Maisacker wurde das Telefon oben aus dem dichten Blattwerk gehalten um die genaue Position bestimmen zu können.

Akku-Betriebsdauer:
Ein wichtiger Punkt ist das Akkumanagement. Die wiederaufladbare LIR-Knopfzelle hält im täglichen Betrieb ca. 14 Tage bis sie schwach wird und aufgeladen werden sollte. Aus Gründen der Akkusicherheit (Tiefentladeschutz) wird der Peilsender softwaremäßig abgeschaltet, sollte er länger als 6 Tage nicht verwendet (geortet) worden sein. Danach muss der Akku ab- und erneut angeschlossen werden und der Sender ist wieder in Betrieb – daher sollte immer vor Flug die korrekte Funktion des Suchsystems überprüft werden!

Fazit:
Das GIRAFUS – Pro-Track-Tor 227PA Peilsendersystem ist eine echte Bereicherung für unseren Modellflugplatz und nach anfänglicher Skepsis freundeten sich schnell viele Piloten mit den „Piepserln“ an. Es wird nach wie vor regelmäßig verwendet und gibt ein Gefühl von Gewissheit, dass im Falle des Falles keine tagelangen Suchaktionen mehr nötig sein müssen.