Christian Fink

Windrad Pokal in Zistersdorf

Am 25. Mai 2019 um 6:30 Uhr starteten mein Freund und langjähriger Clubobmann des HSV MBC Feldbach Ernst Röck und ich die Reise nach Zistersdorf zu unserer ersten gemeinsamen RC-MS „Auswärtsmeisterschaft“. Dort angekommen, waren wir sofort von der Weite und Flachheit des Modellflugplatzes „Am Steinberg“ beeindruckt – landschaftlich gänzlich anders als bei uns zuhause im steirischen Hügelland. Die Silhouette ist geprägt von zahlreichen Windrädern mit beeindruckenden Ausmaßen. Untypisch für Zistersdorf war zum Glück der Piloten das Wetter - sonnig und fast windstill. Die Bedingungen waren für alle Teilnehmer sehr gut und der Beste sollte somit gewinnen.

Nach erfolgter Anmeldung wurde ich als bald 50-jähriger in der Kantine von den freundlichen Damen mit „Was darfs denn sein, junger Mann?“ begrüßt. Sollte das eventuell ein Hinweis auf das reife Alter und die unendliche Erfahrung der Teilnehmer sein? An dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an die Damen und Herren der Kantine aussprechen, die uns mit einem großartigen Mehlspeisenbuffet und einem ausgezeichneten Mittagessen verwöhnten. Teilnehmer hatten sich übrigens 12 angemeldet.

Ich erinnere mich an die Anfangszeiten des RC-MS vor mehr als drei Jahrzehnten, wo die Modelle mit ohrenbetäubenden 2 cm³ Verbrennungsmotoren angetrieben wurden. Damals nahmen bei den Meisterschaften oft über 30 Teilnehmer teil. Hat RC-MS in unserer heutigen Zeit an Reiz verloren? Ich denke - nein. Dieser Modellsport bietet neben dem puren Genuss des Thermikfliegens, dem Nervenkitzel bei der Landeeinteilung und den modelltechnischen Herausforderungen einiges an Reizen, die das Herz des Modellbauers erfreuen.

Bevor ich nun zum eigentlichen Bewerb komme, möchte ich ein paar Worte zu den modelltechnischen Herausforderungen ergänzen. Das Reglement von RC-MS besagt, dass man für einen Steigflug eine Energie von 6 Wmin pro 100 g Fluggewicht zur Verfügung hat. Entsprechend der Formel für die potentielle Energie E=m.g.h (Energie = Masse x Erdbeschleunigung x Höhe) sollte somit jedes Modell unabhängig vom Gewicht die gleiche Ausgangshöhe erreichen können. Gewinnen kann man bei RC-MS grundsätzlich mit jedem Modell, wobei eine komfortable Ausgangshöhe die Sache sehr erleichtert.

Die theoretische Höhe ermittelt sich aus der Formel für die potentielle Energie mit knapp 367 m. Da alle Komponenten eines Antriebsstrangs und auch das Modell (Luftwiderstand) naturgegeben mit Verlusten behaftet sind, liegt die reale Ausgangshöhe in der Praxis deutlich niedriger. Die Herausforderung ist hier, seinen Antrieb auf möglichst hohen Wirkungsgrad auszulegen. Für die Dimensionierung von Motor, Regler und Luftschraube gibt es einen sogenannten „Drive Calculator“. Dieses Software-Programm ist unter www.drivecalc.de frei zu beziehen und ist ein gutes Werkzeug zur Unterstützung bei der Antriebauslegung, das ich allen Piloten empfehlen kann.

Da die Wirkungsgrade von Motor und Regler im Verhältnis zum Wirkungsgrad der Luftschraube relativ hoch sind, ist es weiters von wesentlicher Bedeutung, die Luftschraube zu optimieren. Generell kann gesagt werden, dass große Luftschrauben einen besseren Wirkungsgrad haben als kleinere. Das ist auch der Grund, warum die meisten RC-MS Modelle mit Getriebemotoren ausgestattet sind. Aber nicht nur die Größe der Luftschraube hat einen wesentlichen Einfluss auf den Wirkungsgrad des Antriebssystems, sondern auch Steigung und Form und somit der Betriebspunkt von Luftschraube und Motor. Die Form der Luftschraube bzw. wie gut die Luftschraube am Rumpf anliegt, hat einen nicht zu vernachlässigenden Einfluss auf den Luftwiderstand und damit auf die Leistungsfähigkeit des Modells. Aber nicht nur der Antrieb ist entscheidend für optimale Wettbewerbsvoraussetzungen, sondern natürlich auch das Modell. Wünschenswert sind unter anderem geringes Sinken, ein hoher Geschwindigkeitsbereich und möglichst stabile Flugeigenschaften für die Landung.

Zusammenfassend möchte ich hier nur kurz aufzeigen, dass die Antriebs- und Modellauslegung durchaus eine interessante Herausforderung darstellt und vielleicht den einen oder anderen noch nicht RC-MS-Piloten motiviert, mitzumachen. Durch das neue Reglement, worin dem Landeanflug und der Landung bei der Bewertung deutlich mehr Bedeutung beigemessen werden, entscheidet schlussendlich noch mehr das Fingerspitzengefühl des Piloten, ob es zum Sieg reichen wird.

So, nun aber wieder zurück zum eigentlichen Bewerb. Die beste Tagesleistung erflog Herbert Geyer vom UMFC Ikarus mit großartigen 6970 Gesamt-Punkten, gefolgt von unserem Bundesfachreferenten Bernhard Infanger vom MSG Steyr. Den dritten Platz erflog sich Johann Baumgartl vom FMBC Austria. Mit der Höchstwertung beider Punkterichter für Landeanflug und Landung und einer Flugzeit von exakt 5 min schaffte Herbert Geyer im 3. Durchgang sogar die max. mögliche Punktezahl von 2.780. Der Titel des niederösterreichischen Landesmeisters RC-MS 2019 geht ebenfalls an Herbert Geyer.

Bemerkenswert war auch, dass es der Präsident des niederösterreichischen Aeroclubs, Herr Roland Dunger, schaffte, nach einem erheblichen Schaden am Rumpf im 2. Durchgang und erfolgter Notreparatur, den Bewerb fortzusetzen. Dass man nie aufgeben sollte, zeigte unter anderen auch Erich Buxhofer. Er schaffte es in eindrucksvoller Weise, eine bodennahe Thermik auszukreisen. Abschließend möchte ich mich stellvertretend für alle Piloten beim Vereinsobmann, Herrn Walter Wittenberger, beim Wettbewerbsleiter Johann Müller, beim Organisationsleiter, Herrn Reinhold Seimann und allen Funktionären und Helfern vom UMFC-Zistersdorf für die perfekte Abwicklung dieses gelungenen Bewerbs bedanken.