Bernhard Infanger

Bratlfliegen

Im Grunde hat ein Bratl mit dem Fliegen überhaupt nichts zu tun. Vor allem lässt sich dies schwer mit einer Partie Eisstock schießen vereinen, oder? Die Grundidee wurde vor vielen Jahren in einer Flugpause geboren, als ein Kollege seinen Schlapfen auf den Rasen geworfen hatte und die Piloten herausforderte, möglichst nahe an diesem Punkt zu landen.

Das Ganze wurde dann in sehr einfache Regeln gefasst, die auch beim herkömmlichen Eisstockschießen gepflegt werden. Anstatt des Stocks hat jeder einen Segler und eine kleine Styroporkugel (etwa 8 cm) mit der Farbe seines Teams, das im Vorfeld ausgelost wird. Außerdem gibt es eine Taube, eine Styroporkugel mit etwa 13 cm Durchmesser, die in die Mitte des Platzes gelegt wird. Der „Moa“ landet an. An die Spitze des zum Stillstand gekommenen Modells wird seine Styroporkugel gelegt und der Flieger weggetragen. Nun landet der zweite „Moa“. Die zweite Kugel mit der anderen Farbe findet ihren Platz. Der nächste Pilot aus der Gruppe, deren Kugel weiter weg liegt, startet. Ein Teamwechsel erfolgt, wenn ein Pilot wieder „zieht“, also näher an der Taube zu liegen kommt. Nachdem alle Piloten gelandet sind, werden die Punkte 6-9-12 vergeben, je nachdem, wie viele Kugeln der besseren Mannschaft ziehen. Die erste Partie ist fertig, wenn ein Team 12 Punkte erreicht. Dies kann mit einer oder maximal erst mit der fünften Runde erreicht werden.

Es gibt nur wenige Richtlinien:

  • Gestartet wird mit Segler mit Motor, Gummi oder anderen Starthilfen. Die Modelle können auch ein (ungebremstes) Bugrad haben. Auch Deltas dürfen mitfliegen. Vorteilhaft sind Gebrauchsflieger, Edelkarossen bleiben im Kofferraum.
  • Nach „Motor aus“ wird gelandet. Ein zweiter Landeversuch ist ungültig.
  • Modelle, die bei der Landung in Mitleidenschaft gezogen wurden, nehmen trotzdem an der Wertung teil.
  • Die Landerichtung kann der Pilot beliebig wählen.

Nun steht jedem Piloten frei, ob er eine Maßlandung macht oder lieber aufräumt und damit die Taube und/oder andere Kugeln wegschießt. Dass dies meist nicht so ganz nach Wunsch gelingt, macht den Nachmittag erst spannend und sehr unterhaltsam. So manch ein Pilot verschätzt sich im Landestress und macht einen kleineren Spaziergang zu seinem Modell, was meist verbal quittiert wird. Hin und wieder endet ein gewagter Landeanflug vorzeitig im Gebüsch. Sowohl die Landegeschwindigkeit als auch die Höhe und Schräglage der Flächen (Hoch-/Mitteldecker) ist entscheidend, ob nur die Taube oder auch andere Kugeln verschoben werden. Maßband und Superkleber sind hilfreich. Die oft gewonnene Erkenntnis: Es kommt meist anders, als der Pilot denkt.

Wir pflegen diesen Wettbewerb seit mehr als zehn Jahren an den beiden Staatsfeiertagen (1. Mai und 26. Oktober). Am frühen Nachmittag werden die beiden Teams durch Lose bestimmt. Dann wird eine Uhrzeit vereinbart, zu der die letzte Partie gestartet wird. Der Preis für die Sieger ist das darauf folgende gemeinsame Bratlessen, das die zweite Mannschaft sponsert.

Fazit: Ein Haufen Gaudi, so manche fliegerische Erkenntnis, ein voller Bauch, ein gutes Bier (meist von Geburtstagskindern gesponsert) und damit ein massiver Beitrag zur Vereinsgemeinschaft.

 

Fotograf: Johann Littringer