BFR Ing. Peter Hoffmann | 12.10.2017

F3K WM 2017 in Lviv (Lemberg), Ukraine

Für die diesjährige Weltmeisterschaft hatten sich Hermann Haas, Gerhard Nössing und Peter Hoffmann qualifiziert. Als Junior war Felix Brand startberechtigt. Angesichts des Austragungsortes begannen schon Monate vor der WM die Erhebungen, was uns dort erwarten könnte. Die Reisedistanz ist mit etwas über 800 Kilometern von Wien nicht besonders groß, immerhin ist eine EU – Außengrenze zu überwinden. Das Team entschied sich für die Variante mit Wohnmobilen und Wohnwagen nahe dem Flugfeld zu campieren. Felix und der Junior-Teamchef Georg Steiner entscheiden sich für ein Hotel in der Nähe. Im Frühjahr 2017 nahmen wir an einigen Bewerben der Eurotour teil. Zwischen den Bewerben arbeiteten wir an den Wurfhöhen, die können natürlich nie hoch genug ausfallen.

Anreise

Hermann und Gerhard reisten schon am Dienstag an, um am Vorwettbewerb der WM teilzunehmen. Am Freitag kamen auch Herbert Bachler und ich in der Ukraine an. Damit war das Team komplett:


Piloten
Hermann Haas, Gerhard Nössing, Peter Hoffmann (und Teammanager), Felix Brand als Junior

Helfer
Gertrude Schnabel, Helmut Nössing, Herbert Bachler und Georg Steiner (und Teammanager für unseren Junior)


Die ersten Runden des Vorwettbewerbs wurden bereits am Freitag geflogen, am Samstag folgte der zweite Wettbewerbstag. Ich nutzte den Samstag, um meine Modelle startklar zu machen und war immer wieder einmal als Helfer für Hermann im Einsatz. Es herrschte recht ruhiges Sommerwetter mit sehr guter thermischer Entwicklung über den Tag, wenig Wind. Am Ende des Vorwettbewerbs sah das Ergebnis recht gut aus:

Der Sieg ging an Milan Havelka (Tschechien) vor Hermann Haas (Österreich) und Igor Butseroha (Ukraine). Der Sonntag war den organisatorischen Vorbereitungen der WM gewidmet. Nach der Modellabnahme blieb Zeit für einige Trainingsflüge und zur Erkundung des Geländes. Das ebene Gelände war von einigen Entwässerungsgräben durchzogen, das Gras wuchs auf einem torfigen Untergrund, im Start- und Landefeld war alles kurz gemäht. In der nachmittäglichen Mannschaftsführersitzung gab es keine großen Diskussionen, in den letzten Jahren wurde das Reglement wiederholt überarbeitet und verbessert. Vladimir Gavrylko hatte als Veranstalter, Organisator und Contest Director klare Vorstellungen über den Ablauf der Weltmeisterschaft. Am späten Nachmittag ging es zur Eröffnung der WM in das Stadtzentrum von Lemberg. Am Platz vor der Oper fand die künstlerisch umrahmte Eröffnung statt. Wir verzichteten auf das groß beworbene Abendessen in einem Hotel. Als das nächtliche Gewitter aufzog, waren wir wieder zurück am Wettbewerbsgelände und konnten so noch unsere und fremde Zelte vor dem Abflug retten.

 

Vorrunden

Von Montag bis Freitag standen die geplanten 20 (!) Vorrunden auf dem Programm. Auf 6 Gruppen Seniors folgten jeweils 3 Gruppen Juniors. Das ergab immerhin 36 Rahmenzeiten, die pro Tag über die Bühne gehen sollten. Der Montag startete nach dem nächtlichen Gewitter mit einem sommerlichem Schönwetter. Hermann und ich kamwen ohne nennenswerte Verluste durch die ersten drei Runden, Gerhard hatte schon in der ersten Runde einige Punkte verloren. Gegen Abend war ich bei der heimtückischen Aufgabe „Kleine Leiter“ einen Moment unaufmerksam – und schon waren 230 Punkte verloren. So etwas ist ärgerlich, besonders wenn es alle anderen Konkurrenten schaffen. Felix hat leider auch einige Punkte abgegeben – Georg musste sogar den Snipe wieder fit machen. Den lauen Sommerabend nutzten wir zum Grillen und sahen den Kollegen beim Fliegen zu. Wir sparten unsere Kräfte, die Woche hatte noch mindestens 4 Tage Wettbewerb zu bieten. Der Dienstag begann mit einer schwierigen Aufgabe: in 7 Minuten Rahmenzeit kam der längste Flug, maximal aber 5 Minuten, in die Wertung. Wie angekündigt hatte man versucht, die Aufgaben so am Tag zu starten, daß sie möglichst schwer zu erfüllen waren. Bei null Wind und noch fehlender thermischer Entwicklung war diese Aufgabe nur für die Hochwerfer annähernd erfüllbar. Als notorischer Niedrigwerfer schwante mir Böses, und so kam es auch: aus wohl nur halber Höhe erreichte ich nur 440 Punkte von 1000. Hermann war auch am Anfang dran und gab einige Punkte ab. Immerhin gab es ab der 4. Gruppe des Tages schon wieder Thermik, Gerhard konnte diesmal voll punkten. Die 5 x 2 Minuten- Aufgabe lief für uns zur Zufriedenheit ab, keine weiteren Probleme. In der Runde sieben stand erstmals die Aufgabe ‚Pokern‘ auf dem Programm. Die thermischen Verhältnisse waren etwas gleichmäßiger, sodass Hermann die 9:58 gleich direkt wagte und gewann. Gerhard und ich gingen konservativ an die Sache heran: zuerst einmal 1:30 zum Sondieren angesagt, um bei geeignet erscheinenden Verhältnissen mit dem zweiten Wurf direkt in die Thermik einzusteigen. Gesagt – getan, mit ganz wenig Verlustpunkten (durch die anfallende Bodenzeit) schafften Gerhard und ich ein gutes Ergebnis. Runde 8 bestand aus 1,2,3 und 4 Minuten Flügen in beliebiger Reihenfolge. Gegen Abend hatten wir bei mehr Wind und schwächelnden Thermik Probleme und gaben einige Punkte ab. Gerhard setzte seinen Snipe noch auf ein Mannschaftszelt und muß 100 Strafpunkte mitnehmen.

Den Mittwoch durften die Juniorengruppen eröffnen. Felix hatte auch schon Punkte abgegeben und in Runde 6 leider auch 100 Strafpunkte abgeholt. Immerhin gab es dank Georgs Reparaturarbeiten wieder zwei komplette Modelle um weitermachen zu können. Beim gleichzeitigen Start (3 Minuten Sollzeit) hatte ich diesmal eine Gruppe mit gutem Wetter erwischt und konnte alles voll fliegen. Hermann und Gerhard gaben jeweils 90 Punkte ab, da thermisch ab und an große Lücken klafften. Für den Rest des Tages schlugt sich Hermann sehr gut, Gerhard und ich hatten jeweils einen schwachen Flug dabei. Am Abend dann die Zwischenbilanz:

Nikola Francic – uns bestens bekannt von seinen Heimwettbewerben in Kroatien – war unumstrittener Führender. Bei den weiteren Favoriten waren schon überraschend hohe Verluste zu beklagen, die Schweden und Neuseeländer waren für die Teamwertung nicht mehr im Rennen. Leider galt das auch für uns, Hermann war am Platz 20 gereiht, Gerhard und ich haben sich um den Rang 50 eingegraben. Das große Ziel den ‚Cut‘ in das Finale zu schaffen, war also bestenfalls für Hermann möglich.

Die Nacht brachte das vierte Gewitter in Folge, aber der nächste Morgen war aber wieder klar und windschwach. Es wurde mit Runde 13 – Aufgabe ‚Poker‘ fortgesetzt. Gerhard und ich gingen ‚All in‘ und flogen auch tatsächlich die angekündigten 9:58. Bei Hermann war das Wetter nicht klar erkennbar, mit der Sicherheitsvariante von 1:30 plus einem Flug bis zum Ende der Rahmenzeit gingen nur 8 von 1000 Punkten verloren. Die 5 Minuten Flug in 7 Minuten Rahmenzeit schafften fast alle Piloten, bei den weiteren Aufgaben des Tages (5x2Minuten und 3x3 Minuten) wurden im Durchschnitt mehr Punkte abgegeben, aber für uns lief dieser Donnerstag recht gut.


Der Freitag musste die Entscheidung über die Finalteilnehmer bringen. 4 Flüge der Vorrunde waren noch ausständig, wir lagen genau im ursprünglichen Zeitplan. Es waren noch folgende Aufgaben zu fliegen:


-          1,2,3 und 4 Minuten in beliebiger Reihenfolge

-          All up, last Down (5-fach)

-          Die Grosse Leiter

-          3 x 3:20


Entgegen den Wettervorhersagen war auch der Freitag ein sonniger Sommertag, der Wind wurde erst ab Mittag etwas kräftiger. In Runde 17 waren wir fast am Maximums unterwegs, die thermischen Verhältnisse waren gut lesbar. Runde 18 ist durch die jeweils 5 gleichzeitigen Starts etwas anstrengender, Hermann und ich flogen wieder die maximalen 1000 Punkte ein. Gerhard verzeichnete eine Aussenlandung, 800 von 1000 möglichen Punkte waren die Folge.  Am Nachmittag lief es leider nicht mehr so gut, der Wind hatte zugelegt, die Aussenlandungen mit den sehr stark ins Lee driftenden Ablösungen häuften sich. Hermann hielt noch am besten mit und schrieb bei der ‚Grossen Leiter‘ 944 Punkte ein. Bei Gerhard und mir lief es nicht mehr so gut, 100 Punkte sind zu wenig, um sich deutlich zu verbessern. In die letzte und 20. Runde gingen wir mit dem Wissen, daß keiner von uns das Finale erreichen wird. Wir rauften bei schwächelnder Thermik und zunehmenden Wind so halbwegs, 816 Punkte für Hermann, 700 wieder für Gerhard und mich.

 

Nach ein paar Minuten steht das Ergebnis der Vorrunden fest:

Hermann auf Platz 23, Gerhard belegte Rang 50 und ich Rang 49 im Feld der 87 Teilnehmer.

Für Felix ist es auch nicht gut gelaufen, er belegt den Rang 19 von 23 Teilnehmern.

Für viele der favorisierten Nationen gab es diesmal nur einen oder sogar keinen Finalplatz:

Mit Neuseeland hatte das Weltmeisterteam von 2015 keinen Finalplatz, die traditionell erfolgsgewohnten Schweden und die Schweizer müssen sich auch in Genügsamkeit üben. Mit Tschechien, der Ukraine und Kroatien gab es 3 Nationen mit jeweils 2 Finalisten.

Wir verstauten unsere Modelle. Ich hatte für den Moment einmal genug Flieger zusammengebaut, geworfen und geflogen in den letzten Monaten.

Finale

Die 12 Finalteilnehmer haben heute 6 Runden zu bestreiten, es wurde kein Ergebnis gestrichen.

Die erste Aufgabe war bei etwas Wind noch von allen ganz gut zu schaffen, 5 Minuten in 7 Minuten Rahmenzeit dienten den Finalisten nur zum Aufwärmen.

Mit zulegendem Wind sind die 3 x 3:20 schon selektiver. Nach 2 Minuten sind die Modelle schon sehr weit ins Lee gedriftet und es war einiger Höhengewinn nötig, um wieder gegen den Wind ins Startfeld zurückzukehren. Die dritte Finalrunde wurde als Pokeraufgabe geflogen, alle Teilnehmer flogen diese Aufgabe in Etappen ab, die Thermikentwicklung war bei gut 8 m/s Wind nicht mehr einzuschätzen. Es gab zahlreiche (zu) kurze Flüge mit und ohne Außenlandung und dadurch auch teilweise hohe Punkteverluste.

Vladimir Gavrylko hatte als Veranstalter und Contest Director eine Mittagspause eingeplant. Der Wind legte derweil weiter zu, in den ruhigeren Fasen war er wohl bei 5 m/s, aber für einige Zeit sicher über 10 m/s.

Es wird mit der Aufgabe ‚Zwei letzte Flüge mit mx. 4 Minuten‘ fortgesetzt. Das Ganze wurde komplett unübersichtlich, die Piloten starteten und landeten im Sekundentakt, weil der Einstieg in die fallweise vorbeirasenden Blasen extrem schwierig geworden war. Als Folge davon gab es wieder eine extreme Streuung der Ergebnisse.

Finalrunde 5 mit der Aufgabe 1,2,3 und 4 Minuten in beliebiger Reihenfolge‘ streut etwas weniger. Es herrschte eine Phase mit moderatem Bodenwind und durch die frei zu wählende Reihenfolge der Flüge konnte von den Teilnehmern taktisch angepasst werden.

Als letzte Aufgabe der WM war ‚5 x Allup, last down‘ vorgesehen. Durch den gleichzeitigen Start war in dieser Aufgabe für den Zuschauer mehr Klarheit gegeben. Der schwierigste Teil des Fluges war immer das Ankämpfen gegen den Wind, um am Ende das Startfeld wieder zu erreichen. Am Ende herrschte für eine gute halbe Stunde Unklarheit, wer als neuer Weltmeister zu erwarten war. Zu unübersichtlich waren die Ergebnisse bei den grenzwertigen Windverhältnissen.

Die Siegerehrung fand am späten Nachmittag in einer Hotelanlage in Lemberg statt. Das abschließende Bankett gab neben dem guten Essen auch die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.

Aus Sicht des österreichischen Teams war die WM sehr gut organisiert. Dank des guten Wetters konnte auch der Zeitplan eingehalten werden und 20 Vorrunden geflogen werden.

 

Modelle

Es waren ausschließlich Vollkarbonmodelle am Start, alle in bester Bauqualität. Durch die Wetterverhältnisse war es immer wieder nötig, mit Ballast zu fliegen. Besonders im windstarken Finale wurde zu den Maximalbeladungen gegriffen.

 

Von der FAI wurde ein Technisches Meeting abgehalten, bei dem einige wenige Verbesserungen des bestehenden Regelwerkes diskutiert wurden. Durch die große Anzahl der Vorrunden und das doch überraschende Ergebnis wurden Wünsche laut, die Vorrundenergebnisse in die Endwertung einzubeziehen (in einer noch festzulegenden Gewichtung gegenüber den Finalflügen).