23.05.2017 | Ing. Wolfgang Semler

Convergence – Multirotor oder Flächenflugzeug?

Normalerweise werden Multicopter oder Flächenflugmodelle im Fachhandel angeboten, wobei hier unterschiedliche Zielgruppen von Piloten angesprochen werden. Doch muss das immer so sein? Kann man nicht beide Gruppen miteinander verbinden? Genau das hat Horizon Hobby mit dem Modell Convergence ausprobiert. Das Modell startet und schwebt wie ein Multicopter und nach Umlegen eines Schalters verwandelt es sich in ein herkömmliches Flugmodell und kann wie ein solches geflogen werden. Als Ergänzung dazu gibt es noch die Möglichkeit, das Modell mit einer FPV-Kamera auszustatten. Dank moderner Elektronik ist das alles heute machbar!

Der erste Eindruck
Die Convergence kommt in einem sehr großen, jedoch immer noch handlichen Karton beim Kunden an. Nach dem Öffnen des für Horion Hobby bekannt bunten Kartons kommt das Modell, sehr gut vor Beschädigung geschützt, zum Vorschein. Bis auf die Montage der beiden Heckfinnen und der Hauptrotor-Luftschrauben ist das Modell komplett fertig aufgebaut. Aufpassen muss man, darauf welche Auslieferungsvariante man gewählt hat, denn im Gegensatz zur BNF-Version, besitzt die PNP keinen Empfänger, er muss gesondert geordert werden. Letztere ist für jene Piloten interessant, die kein Spektrum- Fernsteuersystem besitzen und ihr eigenes System verwenden möchten. In diesem Fall liegen noch die erforderlichen dreipoligen Kabel für die Verbindung vom Empfänger zum Flugsteuermodul bei. Gefallen kann die optisch auffällige Oberseite des Modells, die eine Erkennung im Fluge deutlich erleichtert.

Auslegung
Ausgeführt ist die Convergence als Deltaflügelmodell, an dem  zwei Triebwerkspylonen ihren Platz haben. Die daran befindlichen Antriebsmotoren sind schwenkbar gestaltet, wodurch der Umstieg zwischen Schwebe- und Vorwärtsflug ermöglicht wird. Zur Stabilisierung im Schwebeflug besitzt das Modell im Heckbereich zwischen den beiden Finnen einen dreiblättrigen Ausgleichsrotor. Der Flugakku findet seinen Platz unter der abnehmbaren Cockpithaube und wird mittels Klettband- und -schlaufe gegen Verrutschen gesichert. Das optional erhältliche FPV-Set kann nach Öffnen der unteren Rumpfabdeckung auf dem hierfür vorgesehenen Platz installiert werden. An dieser Stelle ist auch die Montage des Sechskanalempfängers bei der PNP-Variante vorgesehen. Die Convergence besitzt kein Fahrwerk, gestartet und gelandet wird sie auf dem Bauch bzw. auf den äußeren Flügelenden.

Programmierung
Zunächst steht erst einmal die Bindung des Senders mit dem Empfänger auf dem Programm. Die  genaue Beschreibung des Bindevorgangs ist in der beigefügten Anleitung sehr gut beschrieben. Wer die BNF-Variante gewählt hat, der kann anschließend gleich mit der Bindung und Programmierung seiner Spektrum Fernsteuerung beginnen. Als Sender- wird ein solcher mit mindestens sechs Kanälen und zwei offenen Zweiwegschaltern benötigt. Für die  Programmierung des Spektrum-Senders hat der Hersteller auf der Homepage www.sprektrumrc.com ein Konfigurtationsfile bereit gestellt, das downgeloaded und mittels SD-Karte übertragen werden kann. Bei der PNP-Variante und der Verwendung von fremden Fernsteuerfabrikaten ist zuerst, wie bereits erwähnt, der gewünschte Empfänger einzubauen, erst danach kann die Programmierung erfolgen. Wer keine Möglichkeit hat, das Datenfile auf seine Fernsteuerung zu kopieren oder eben ein Fremdfabrikat besitzt, der kann sich an den Angaben in der Betriebsanleitung orientieren. Über den Kanal 5 (Schalter mit der Bezeichnung A) wird zwischen dem Stabilitäts- und Kunstflugmodus gewechselt. Der erste begrenzt den Winkel von Schräglage und Neigung, wobei bei Loslassen der Senderknüppel sich das Flugmodell wieder ausrichtet. Im Kunstflugmodus sind keine Beschränkungen vorhanden und das Modell richtet sich nicht nach Loslassen der Knüppel selbstständig aus. Dieser Modus ist für erfahrene Piloten gedacht, die mit dem Fliegen von Modellen vertraut sind. Den Übergang zwischen Schwebe- und Vorwärtsflug wird mit Kanal 6 und dessen zugehörigem Schalter (jener mit der Bezeichnung H) aktiviert. Bevor es dann erstmals in die Luft geht, muss noch der Schwerpunkt kontrolliert werden, er liegt zwischen 154 und 168 mm je nach persönlichem Empfinden. Dabei ist es wichtig, dass die beiden Hauptrotoren in senkechter Position stehen.

Flugerprobung
Diese erfolgte an einem wunderschönen, sonnigen Frühlingstag im Rahmen eines Erstflugs eines Modellbusinessjets auf einem Großflugplatz. Das war die perfekte Kulisse dafür, stilgerechter konnte es ja wohl kaum gehen. Nach der Kontrolle der Ruderfunktionen ging es  auch schon mit dem Schwebeflug los. Dabei stellte sich recht schnell heraus, dass die beiden Hauptrotoren nicht hundertprozentig senkrecht nach oben standen, wodurch das Modell gleich nach dem Abheben nach vorne driftete. Durch Betätigen des Steuerknüppels konnte dies auskorrigiert werden, jedoch bedarf es hier einer mechanischen Korrektur an den Gestängen. Ansonsten lässt sich die Convergence wie ein Quadrocopter steuern und besitzt auch dieselben Flugeigenschaften.
Der nächste Versuch fand am darauffolgenden Tag statt. Nun hob die Convergence senkrecht und ohne Abdriften ab und stieg bis auf Sicherheitshöhe. Nach dem Umlegen des Schalters auf der rechten Seite und durch Gaszugabe wechselte das Modell vom Schwebezustand in den Vorwärtsmodus. Nun flog sie wie ein herkömmliches Flächenmodell, wobei das Flugverhalten als unkritisch eingestuft werden kann. Empfehlenswert ist an dieser Stelle, vom trägen Stabilitätsmodus in den agileren Kunstflugmodus zu wechseln. In diesem Modus liegt eine bessere Steuerbarkeit vor und das Modell reagiert nicht so träge. Ansonsten ist einfacher Kunstflug, wie Rolle, Überschlag oder Trudeln durchaus möglich. Durch den Differentialschub der beiden Motoren sind Schleuder- und Sturzmanöver realisierbar und machen viel Spaß. Auch die „Rückverwandlung“ in den Coptermodus sollte in größerer Höhe erfolgen, um dann wieder zur Landung einzuschweben.      

Fazit
Das Modell der Convergence von Hobby Horizon ist mit Sicherheit ein außergewöhnliches Modell, mit dem man am Modellfluggelände auffällt. Die ungewöhnliche Form und die Auslegung als Deltamodell machen es interessant für Piloten, die das nicht Alltägliche lieben. Der besondere Reiz liegt daran, dass man die Convergence als Multicopter starten kann und durch Umlegen eines Schalters als Flugmodell weiterfliegen kann. Als Ergänzung dazu ist die Ausrüstung mit einem FPV-System möglich, das als Zubehör angeboten wird. Dies wurde jedoch bei dem Testmodell nicht realisiert. Angeboten wird die Convergence in zwei Varianten, wobei die PNP-Variante für jene Piloten interessant ist, die keine Spektrum- Anlage besitzen. Die recht handlichen Abmessungen sorgen dafür, dass der Transportaufwand sich hier in Grenzen hält und der Transport auch in einem kleineren Fahrzeug ohne Probleme möglich ist.                    

Technische Daten
Modellname: Convergence
Typ: VTOL-Modell
Bauweise: Foam
Hersteller/Vertrieb: Horizon Hobby

Aufbau
Rumpf: FOAM
Tragfläche: FOAM
Leitwerk: FOAM

Abmessungen
Spannweite: 651 mm
Länge: 682 mm
Tragflächeninhalt: 1883 cm²
Flächenbelastung: k.a
Tragflächenprofil: k.a
Gewicht (Herstellerangabe): 771,1 Gramm
Fluggewicht Testmodell: 780 Gramm

verwendeter Antrieb
Motor: BL-2210-1450 kV (Hauptmotoren), 2730-1550 kV (Heckmotor)
Propeller: k.a.
Regler: BL-20A
Akku: 3s mit 2.200 mAh

verwendete Komponenten
Sender: Spektrum DX9
Empfänger: AR 610 bzw. FPV-Racing Serial Receiver
Höhe/Quer: 2 x 9 Gramm Metallgetriebe Servos

Bezug
Fachhandel

Eflite Convergence