Wolfgang BAIER, BFR u. Mannschaftsführer

Europameisterschaft der Klasse F1E 18.07. – 24.07.2016 in TURDA, Rumänien

Warum eine einzigartige Geschichte?

Im Vorjahr fanden beide F1E-Weltcupbewerbe nicht wie immer in TURDA, sondern in RUPEA, einer in Zentralrumänien gelegenen Ortschaft statt. Da für uns F1E-Flieger ein ganz neues Gelände, waren wir natürlich sehr neugierig und beschlossen uns dieses Gelände anzusehen. Außerdem war es für uns sehr wichtig, denn es war bereits geplant, die EM 2016 dort auszutragen. Dort erlebten wir dann im wahrsten Sinn des Wortes unser „blaues Wunder“. Die Startstellen waren nur mit allradangetriebenen Fahrzeugen zu erreichen; keine Zufahrten, einfach quer durchs Gelände. Nicht auszudenken, bei eintretenden Regen, wäre ein Fortbewegen nicht mehr möglich und außerdem zu gefährlich gewesen.  Das Fluggelände selbst hat uns auch nicht überzeugt. Nicht nur wir, sondern auch andere Nationen waren sehr enttäuscht. Wir hatten nach einer internen Besprechung beschlossen, wenn in diesem Gelände die EM 2016 doch stattfinden sollte, dann allerdings ohne uns, denn Sicherheit steht immer noch an oberster Stelle.

Gemäß FAI-Kalender war im Dezember immer noch Rupea der Austragungsort. Am Weihnachtsabend erhielt ich die erfreuliche Botschaft, dass die EM 2016 doch in Turda stattfinden wird. Gott sei Dank! Eine Sorge weniger, Im Jänner kam dann das Bulletin Nr.1 mit sehr vielen Fehlern. Zwei Wochen später kam dann das korrigierte Bulletin Nr.1, das wieder nicht stimmte. Einmal sollte die EM am 20.7. beginnen, das andere Mal am 18.7. Was nun? Wurde dann geklärt. Das Wetter Ende August wurde auch immer beschrieben, obwohl die EM schon Ende Juli stattfinden wird. Eine alte Vorlage wurde umgeschrieben und dabei wenig Sorgfalt eingesetzt. Einmal kann schon etwas passieren aber gleich dreimal dieselben Fehler in den Bulletins, das geht doch ein wenig zu weit. Die letzte Information kam erst Anfang Juli.

Der 18. Juli war Anreisetag; da wir schon sehr früh gestartet sind konnten wir das 750 km entfernte Turda nachmittags erreichen und planmäßig die Anmeldung durchführen. Das Hotel, wo die Anmeldung durchzuführen war, war bekannt, doch wir mussten uns erst durchfragen, um diesen kleinen Raum zu finden. Ausschilderung war für den Veranstalter ein Fremdwort. Nichts war ausgeschildert, auch der Weg zur Startstelle natürlich auch nicht. Die Bauprüfung fand im Gelände statt; die Reihenfolge konnten wir auch nur durch Zufall erfahren. Wie sinnvoll diese Bauprüfung speziell mit den Eckdaten in der Klasse F1E überhaupt ist, sei dahingestellt.

Der Höhepunkt dieses Tages war wohl die Eröffnung. Erstmalig fand diese im Gelände statt. Die Fahnen und die Nationentafeln wurden einfach ins Gras gelegt und somit war unser Aufstellungsplatz schon festgelegt. Für eine EM mehr als primitiv. Der verantwortliche Durchführende (sein Markenzeichen immer einen Kaugummi kauend) machte das recht locker; kurze Ansprache ohne Mikrofon, Eröffnung durch den Vorsitzenden der Jury und die rumänische sowie die FAI-Hymne kam von den Lautsprechern eines Autos. In der Kürze liegt eben die Würze. Positiv war die Vorverlegung der Teammanagerbesprechung von 2100 auf 1930 Uhr. Wie so oft wurde um des „Kaisers Bart“ gestritten, als würde es kein Reglement für diese Klasse geben und wie immer „viel Lärm um nichts“.

Der Tag der Europameisterschaft für die Senioren. Gott sei Dank, kein Regen aber die schlechtesten Windverhältnisse; nur Seitenwind. Ohne Ankündigung begann der 1. Durchgang. Reinhard WOLF fehlten nur 9 sec auf die Max; kein schlechter Anfang. Der Wind kam nach wie vor von der Seite, teilweise sogar von hinten. Norbert HEISS hat es leider voll erwischt; sein Modell wurde seitwärts abgetrieben und nach 50 sec war der Flug vorbei. Ein Stockerlplatz für die Mannschaft war somit schon außer Reichweite. Reinhard MANG, der Dritte in unserem Team, konnte auch nur 155 sec schaffen; auch er wurde ein Opfer der Windverhältnisse. Der Wind wurde nicht besser. Der 2. Durchgang war wiederum reine Glückssache. Einige Starter hatten das Glück, dass der Wind eher von hinten kam und so konnten einige Max. erflogen werden, wir hatten leider nicht das Glück. Reinhard WOLF und Reinhard MANG gelang im 3. Durchgang eine Max. Die Mittagspause wurde verlängert, da es zu regnen begann. Wir hatten in der Früh das große Zelt aufgestellt und waren sehr froh, dass sich alles unter „Dach“ befand. Reinhard WOLF konnte noch eine Max. für sich verbuchen und das war es dann. Das war der 10. Platz im Endklassement. Reinhard MANG wurde 26. und Norbert HEISS, der an diesen Tag gar nicht zurückdenken möchte, erreichte den 32.Platz. Einmal oben, einmal unten; so ist es halt im Sport. Europameister wurde der Pole F. KANCZOK vor dem Schweizer H. BLEUER und dem Tschechen J. OREL In der Mannschaftswertung siegte Polen vor Slowakei und Tschechien.

Bemerkenswert ist zu erwähnen, dass alle 5 Durchgänge mit 240 sec durchgeführt wurden und es trotzdem keinem Teilnehmer gelang, 5 Max. zu erreichen. Bei einer EM oder WM auch noch nie dagewesen.

Leider muss hier etwas erwähnt werden, was alles andere als von Sportlichkeit zeugt. In der Klasse F1E gibt die Möglichkeit nach Beendigung des Fluges die Thermikbremse mittels Funkfernsteuerung auszulösen. Bei dieser EM wurde beobachtet, dass von dieser Regelung bereits während des Fluges Gebrauch gemacht wurde, um einen Fehlstart (Flug unter 20 sec)  bewusst herbeizuführen, was heißt, dass dieser Flug wiederholt werden darf. Sollte dies grundsätzlich erlaubt sein (man hörte oft sagen, es steht ja nirgends, dass es verboten ist und somit muss es ja erlaubt sein), wäre das für uns sicher das Ende dieser Klasse. Niemand von uns ist gewillt dabei zu sein, wenn mit solch unlauteren Mitteln gearbeitet wird und dadurch die sportliche Fairness in Frage gestellt wird. Sollte nicht Fairness allen anderen Teilnehmern gegenüber das oberste Gebot sein?

Nun zur Siegerehrung. Diese fand in einem Hotel statt, welches erst im Frühjahr 2016 fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben wurde. Natürlich ganz neu und deshalb ein tolles Ambiente. Doch die Probleme tauchten schon am Beginn auf. Das Mikrofon funktionierte nicht (hätte man auch schon vorher überprüfen können) und da es sich um einen großen Saal handelte, konnten die meisten gar nichts verstehen. Leider wurden auch Hymnen vertauscht und die Sache mit dem Flaggenhochziehen war auch so eine zittrige Sache. Dann war Warten angesagt; es dauerte sehr lange, bis die Vorspeise serviert wurde und noch länger, bis die Hauptspeise daher kam. Das Essen selbst war sehr gut aber die Portionen offenbar nicht abgezählt, denn die Schweizer bekamen nur mehr eine Sorte Fleisch auf ihr Teller. Zum Getränk sei noch festgestellt: Mineralwasser und ein rumänischer eher nach Essig schmeckender Wein waren bereitgestellt; Bier hingegen musste allerdings um relativ viel Geld bezahlt werden.

Am nächsten Tag (Sonntag) fand dann noch der 2. Weltcup (Turda Cup) statt. Da ist es für uns mehr als gut gelaufen. So hätte es bei der EM sein sollen, dann wäre auch ein Stockerlplatz drinnen gewesen.  Reinhard WOLF 5. Platz, Reinhard MANG 7. Platz und Norbert HEISS mit einem 14. Platz; Mannschaftwertung ergab einen 3. Platz. Das ist doch der Beweis, dass wir immer noch ganz vorne sein können.