Bericht und Bilder von Mannschaftsführer Fuss Helmut

Freiflug-WM 3.-10.8.2013 in Moncontour, Frankreich

Das österreichische Team:
Aringer Gerd, F1A und F1C; Aringer Luca, F1A und F1C; Fuss Helmut, F1A und Mannschaftsführer; Greiml Verena, F1B; Meusburger Harald, F1B und MF-Assistent; Truppe Reinhard, F1C
Ganz im Westen Frankreichs, ca. 60 km von der Atlantikküste bei La Rochelle entfernt, wurde heuer die Freiflug-WM in den Klassen F1A/B/C ausgetragen. Die Gegend ist vielen Freifliegern bestens bekannt, findet doch dort alljährlich der Wettbewerb von Thouars statt.

Im Vorfeld der WM fanden bereits ab 26. Juli int. und Weltcup-Wettbewerbe in Beauvoir-sur-Niort, auf dem WM Gelände in St.Jean de Sauves und in Thouars statt.

Da durch den langen Winter im heurigen Jahr die Vegetation gut 2 Wochen im Rückstand ist, waren die meisten Felder noch nicht abgeerntet, die Landwirte arbeiteten aber Tag und Nacht, um wenigstens das WM-Gelände frei von Getreide und Raps zu bringen. 

In Beauvoir-sur-Niort war ich der einzige Österreicher am Start und erreichte den 5. Platz. Der Wettbewerb in St.Jean de Sauves war nicht gerade vom Wetterglück verfolgt, starker Wind und zeitweise Regenschauer prägten diese zwei Tage. Gerd hörte nach dem 3., Luca und ich nach dem 4. Durchgang auf, nachdem die Böen in Schauern zeitweise bis 15 m/sec. erreichten und wir so knapp vor der WM unser Modelle nicht riskieren wollten. Nur 2 Teilnehmer von 93 erreichten das Fly-off, ich wurde 45., Luca 51. Und Gerd 69. Auch der Wettbewerb in Thouars stand unter keinem glücklichen Stern. Im 1. Durchgang der Klassen F1B/C landeten die meisten Modelle in den erntereifen Kornfeldern, die Teilnehmer liefen oder fuhren in Scharen hindurch. Die betroffenen Landwirte legten ihre Befürchtungen bezüglich Ernteverlust dar und der Wettbewerb mußte ersatzlos gestrichen werden. Am 3. August begann nun die WM, nun stieß auch Harald zu uns, das österreichische Team war komplett. Die Unterbringung der Teilnehmer erfolgte wunschgemäß in Hotels, Bungalows, Containern, bei privaten Zimmervermietern oder auf dem Campingplatz.

Als sehr positiv möchte ich die zur WM durchgeführte Beschilderung erwähnen, im Ort selbst und auf dem Weg zum Gelände, bei jedem noch so kleinen Feldweg stand ein Wegweiser.

1. Tag, 3.8.2013
Der offizielle Anreisetag, Beginn der Bauprüfungen, Training

2. Tag, 4.8.2013
Bauprüfung für uns um 9.20 Uhr, danach Training, um 16.00 Uhr Eröffnungsfeier, nach der Versammlung am Sportplatz von Moncontour, marschieren alle Teilnehmer unter reger Anteilnahme der Bevölkerung durch den kleinen Ort zur eigens für die WM errichtete Aero-Village.

3. Tag, 5.8.2013
Weitere Bauprüfung, immerhin sind 43 Nationen die jeweiligen Titelverteidiger sowie die Junioren-Weltmeister am Start. Weiters Training, um 16.00 Uhr Mannschaftsführerbesprechung, wichtige Message: absolutes Verbot, verbrennungsmotorbetriebene Fahrzeuge jeglicher Art zur Rückholung der Modelle einzusetzen, auch auf den Zufahrtswegen und Straßen. Kraftfahrzeuge dürfen nur an den gekennzeichneten Parkplätzen abgestellt werden. Zuwiderhandlungen führen zur sofortigen Disqualifikation, schlimmstenfalls des ganzen Teams, sowie Meldung an die Gendarmarie. Das verhieß lange Märsche mit der gesamten Ausrüstung. (teilweise über 20 kg. je Teilnehmer) Begründet wurde dies als Maßnahme zum Umweltschutz. Heute heißt es bald zur Nachtruhe gehen, morgen wird es ernst.

4. Tag, 6.8.2013
Heute ist F1A (Segler) Tag: Um 6.00 Uhr aufstehen, schnelle Morgentoilette und ab zum 12 km entfernten Fluggelände. Beginn des Wettbewerbes um 8.00 Uhr. Das Wetter meint es gut für uns. Anfangs stark bewölkt, wird es im Laufe des Tages immer sonniger, Wind 0 – 3 m/sec. 116 Teilnehmer sind am Start. Maximalzeiten wie üblich im 1. DG 210, 2.-7. DG 180 sec. Die ersten beiden Durchgänge verlaufen gut, sichere Mäxe für uns drei, im 3. DG erwische ich zum Start einen vollkommen flauen Moment. Der leichte Wind wechselt ständig die Richtung und ich habe Mühe, das Modell oben zu halten. Nach einigen Minuten Schleppen endlich bleibt das Modell über Kopf kreisend oben, schnell auf Startposition und ausgeklinkt. Zum Entsetzen sinkt das Modell schnell auf ca. 20 m Höhe kämpft dann um noch so kleine tragende Felder und liegt schließlich nach 150 sec. am Boden. Aus der Traum von einer möglichen Spitzenplatzierung. Gerd und Luca fliegen voll. Die Durchgänge 4 bis 7 fliegen wir alle wieder sehr sicher voll. Gerd und Luca sowie 60 weitere Teilnehmer haben es ins Stechen geschafft. Das 1. Fly-off findet um 19.00 Uhr statt, 54 Teilnehmer voll (300 sec.), darunter Gerd und Luca. 19.45, 2. Fly-off, 420 sec., 24 Teilnehmer schaffen diese Zeit, beide Österreicher noch drin, 3. Fly-off, 20.30 Uhr, 540 sec. Flugzeit, dies sollte die Entscheidung bringen. Weltmeister wird der Kroate Robert Lesko mit 445 sec. im 3. Fly-off, 2. Der Rumäne Szijjarto Szilard mit 421 sec., 3. Der Ukrainer Viktor Stamov mit 380 sec. Die Plazierungen unseres Teams: 

Gerd 14. 1290 + 300 + 420 + 297, Luca 24. 1290 + 300 + 420 +258, ich (Helmut) 74. 1260. Die Teamwertung ging an Argentinien vor Italien und Israel, wir belegten den 11. Platz. Immerhin hatten wir es geschafft, in der Teamwertung früher so erfolgreiche Nationen wie Russland, die Ukraine und auch unsere deutschen Nachbarn zu schlagen. Um 22.30 kommen wir in unseren Quartieren an.

5. Tag, 7.8.2013
F1B (Gummimotor), frühmorgens das gleich Ritual wie gestern. Heute hat es etwas mehr Wind als gestern, dies sollte aber ebenfalls keine Probleme mit dem Rückholen aufkommen lassen. Eine mögliche gute Teamwertung ist heute ausgeschlossen, da wir in dieser Klasse nur 2 Teilnehmer am Start haben. Aber auch in der Einzelwertung hatten unsere Teilnehmer keinen guten Tag, beide konnten schon im 1. DG die geforderten Maximalzeiten von 240 sec. nicht erreichen. Harry erwischte noch 2 mal einen kleineren und einen größeren Absaufer, Verena setzte noch viermal (davon einer sehr knapp) daneben. So erreichten sie in diesem hochkarätigem Feld die Platzierungen 84. Harald und 98. Verena, 103 Teilnehmer. Weltmeister wurde der Russe Bulatov Albert 1320 + 300 + 385 sec., 2. Platz Yurtseven Ismet aus der Türkei 1320 + 300 + 291 sec. 3. Der amtierende Juniorenweltmeister in dieser Klasse, Pacelli Brian, USA, 1320 + 300 + 274 sec., Teamwertung: 1. USA vor Polen und Russland, wir wurden 33. von 37 Teams. Heute kommen wir etwas früher zur Nachtruhe.

6. Tag, 8.8.2013 
F1C (Verbrennungsmotor) Heute ist es wieder ein eher ruhiger Tag sowie vorgestern. Lediglich am Vormittag ist es stark bewölkt, zeitweise fällt etwas Nieselregen. Nach langen Jahren haben wir wieder ein komplettes Team am Start. Heute ist auch ein Tag der ausgedehnten Wanderungen. Bereits im 1. DG dreht der Wind um ca. 45 Grad, was eine Verlegung der Startlinie um ca. 500 Meter nach sich zieht. Nach dem 5. DG das gleiche Bild. Wieder hat der Wind gedreht, diesmal heißt es einen guten Kilometer zu übersiedeln. Das erfreuliche – alle drei österreichischen Teilnehmer erreichen das Fly-off. Heute sind 73 Teilnehmer genannt, 49 erreichen das 1. Stechen, 43 das Zweite, 26 das Dritte. In dieser Klasse muß am nächsten Morgen ein 4. Stechen die Entscheidung bringen.

Weltmeister wird der Australier Summersby Roy mit 1320 + 300 + 420 + 540 + 447 sec., der 2. Platz geht an den Titelverteidiger Verbitsky Eugene, Ukraine mit 1320 + 300 + 420 + 540 + 321 sec., 3. wird Rekhin Nikolay aus Russland, 1320 + 300 + 420 + 529 sec.

Die ausgezeichneten Ergebnisse der Österreicher : 11. Aringer Gerd, 1320 + 300 + 420 + 464 sec., 23. Truppe Reinhard, 1320 + 300 + 420 + 370 sec., 46. Aringer Luca, 1320 + 186 sec., Die Teamwertung geht an diesem Tag an Israel vor Tschechien und die USA, unser Team erreicht den hervorragenden 6. Platz. Auch heute wird es wieder 22.30, ehe wir am Campingplatz eintreffen. Morgen können wir (leider) ausschlafen.

7. Tag, 9.8.2013 
Ist als Reservetag vorgesehen und für Sightseeing oder relaxen, am frühen Morgen wird noch das 4. Fly-off in F1C geflogen. Wir entscheiden uns geschlossen, den Tag zur Ruhe von den vergangenen Strapazen zu nützen. 

8. Tag, 10.8.2013 
Vormittags Ausspannen, Vorbereitungen für die Heimreise treffen, nachmittags Siegerehrung, in der Gesamtwertung aller 3 Klassen sind wir 17. geworden (mit nur 2 TN in F1B), abends Bankett, ein würdiger Abschluß einer gut organisierten Veranstaltung.

9. Tag, 11.8.2013 
Abreise der Teilnehmer.

Was es sonst noch zu berichten gibt Sehr gute Leistungen im österreichischen Team, gute Stimmung. Besonders hervorheben möchte ich die Leistung von Luca: In 2 Klassen am Start, in beiden im Fly-off – und das, obwohl er mit seinen 15 Jahren der absolut jüngste Teilnehmer dieser WM war. In F1A hat er beide amtierende Juniorenweltmeister geschlagen. Trotz seiner Jugend fliegt er vollkommen selbständig und professionell und lässt viele erfahrenere Teilnehmer alt aussehen. Meiner Meinung hat es ein solches Talent in jungen Jahren bislang in Österreich noch nicht gegeben.

Ein besonderer Dank gebührt auch unseren Helfern, Christian und Stefan, sowie auch Ivan und Johannes am F1C Tag. Ihrem Einsatz ist es zu verdanken, daß wir Teilnehmer unsere Modelle rechtzeitig zum nächsten Durchgang wieder zur Verfügung hatten.

Ein besonderer Dank gebührt auch der Organisation und der finanziellen Unterstützung durch den österreichischen Aeroclubs, namentlich Monika Gewessler und Manfred Dittmayr.

In 2 Jahren geht es zur nächsten WM, diesmal nach Ulan Bator in die Mongolei, wo wir die Ergebnisse von Moncontour noch übertreffen wollen.