Wolfgang Semler

Von der Idee zur Realität- die Bo-105 als Modellhelicopter

Jeder von uns hat sein Traummodell, das er irgendwann eines Tages bauen möchte. Dazu führen mehrere Wege, entweder ist das langersehnte Modell käuflich erhältlich, oder man muss zur Eigeninitiative ergreifen und hier einen kompletten Eigenbau erstellen. Manchmal hat man wie Walter Schefbänker Glück und das ersehnte Modell ist bereits flugfertig erhältlich. Doch der Reihe nach:
Auf der ersten Welser Modellbaumesse 2013 bei der Walter mit seinem Airwolf für das Conrad Action Team flog. Dabei sah er die  Red Bull Bo-105 mit 1,8m Rotordruchmesser von Bernhard Teufl. Walter hatte die Idee geboren, auch eine solche Red Bull Bo-105 nachzubauen und natürlich zu fliegen.

Nach der Messe ließ ihn die Idee nicht mehr los und er begab sich auf die Suche nach einer gebrauchten Bo-105, die er für seine Zwecke adaptieren konnte. Fündig wurde er auf der Schnäppchen-Seite von prop.at, wo Günter Käfer ein entsprechendes Modell anbot. Nach einem Testflug kaufte Walter die Bo105, die damals noch eine andere Lackierung besaß. Auch war die Antriebsleistung für die von Walter vorgesehenen Zwecke zu schwach, sodass er den Antriebsstrang auf einen Kontronik-700 Motor mit einem, ebenfalls von Kontronik stammenden 120A-Regler tauschte. Als Akkus kommen nun 12s-7000mAh SLS-Akkus zum Einsatz. Im Zuge der Adaptierung musste das komplette Getrieben von 10 auf 15mm verstärkt werden (hier noch herzlichen Dank an Jan Henseleit). Später musste noch ein Zahnrad getauscht werden, bei dem Sepp Buchner eine große Hilfe war, denn ohne ihn würde die Bo-105 nicht wieder starten können. Den neuerlichen Erstflug hatte das Modell Ende 2013 und aufgrund der verbesserten Antriebsleistung, konnte Walter mit der Bo-105 nun auch Kunstflug betreiben. Damit er auf Flugvorführungen das Red Bull Design offiziell verwenden darf, hat Walter bei Red Bull die entsprechende Genehmigung eingeholt. Das FlugprogrammDoch es blieb nicht nur bei der Red Bull Bemalung, denn er wollte mehr. Sein Ziel war es,  ein Programm zu präsentieren, dass die Flugfiguren und Musik der Originalvorführung von Blacky Schwarz mit seiner Bo-105 möglichst getreu wiedergibt.

Hierbei half ihm seine Bekanntschaft mit Blacky Schwarz, den er über den befreundeten ÖAMTC- Hubschrauber Piloten Franz Putz kennenlernte. Denn auch Blacky Schwarz flog für den ÖAMTC Rettungseinsätze. Diese Verbindung half ihm die Genehmigung für die Verwendung der Originalmusik zu erhalten. Walter benötigte viel Zeit für das Designen des Flugprogramms, damit die Abstimmung der Flugfiguren auf die Musik passt und natürlich eine gewisser Spannungsbogen für die Zuschauer gegeben ist. Walter verwendet zusätzlich noch ein paar Flugfiguren als Ergänzung, wie z.B. Messerflug oder invertierte Piruette, die Blacky mit seinem Original nicht fliegen kann. Derzeit gibt es niemanden der ein ähnliches Programm mit einem Scale-Hubschrauber in dieser Grösse fliegt.
Das die Erstellung eines solchen Programms keine einfache Sache ist, versteht sich von selbst, denn es kommen hier immerhin 57 Flugfiguren zur Anwendung. Für die Feinabstimmung des Programms und natürlich zur Einstudierung übte Walter zunächst sehr fleißig am Flugsimulator, bevor er sich an das Modell wagte. Er ist derzeit übrigens der Einzige, der dieses Programm mit offizieller Genehmigung von Red Bull fliegen darf.  Erste AuftritteZum ersten Mal war Walter Schefbänker mit seinem Modell beim Helitreffen 2014 in der Silbergrube zu sehen. Nach vielen erfolgreichen Auftritten 2014 erfolgte heuer die Einladung zum Schaufliegen bei der Modellbaumesse in Wels. Aufgrund des Erfolges beim Publikum ist, bzw. war Walter laufend auf namhaften Flugveranstaltungen, wie im Showteil der Heli-WM, den Rotordays, Airchallenge, Red Bull-Airrace usw. zu sehen.
Zusammenarbeit mit Sepp SchmirlDa die beiden Originale der Red Bull Bell- Cobra AH1-F und Bo105 ein gemeinsames Flugprogramm vorführen, lag es nahe, dass auch die Modellnachbildungen irgendwann eine gemeinsame Präsentation vorführen werden. Den ersten Kontakt mit Sepp Schmirl hatte Walter Schefbänker auf einem Flugtag in Mollram, wo Walter ihn angesprochen hatte, ob sie nicht gemeinsam auf Flugveranstaltungen fliegen wollen. Der erste Versuch fand dann auf einem Flugtag in Desselbrunn statt, wo sie jedoch noch kein einstudiertes Programm flogen, sondern eben nur einen gemeinsamen Showblock. Doch aufgrund der hier gemachten Erfahrungen, vereinbarten sie einen Trainingstermin. Jedoch dauerte es aus terminlichen Gründen eine Weile, bis dieser zu Stande kam. Als es dann doch soweit war, haben die Beiden zuerst ihr Training mit zwei Helicoptermodellen der 700er Klasse absolviert, um erste Erfahrungen zu machen. Sobald sie hier einigermaßen sattelfest waren, erfolgte das weitere Training mit den beiden Red Bull- Maschinen. Im Gegensatz zur Vorführung der Originalmaschinen, beginnt zuerst Sepp mit dem Programm und Walter stößt erst später dazu. Damit wollen sie die Kombination von Sepps turbinengetriebener Hightech Cobra und Walters kunstflugtauglicher Bo-105 präsentieren. Für die Zukunft plant Walter Schefbänker das Modell der Bo-105 im Maßstab 1:4 mit einem Rotordurchmesser von 2,40m zu bauen, damit wird das Modell den Masstab wie die Cobra von Sepp besitzen.
Das Original und Modell der Bo-105
Bei den Rotordays in Turnau Ende August 2015 hatte Walter Schefbänker erstmals die Gelegenheit, mit Blacky Schwarz in seiner Bo-105 mitzufliegen. Dies war für ihn eine wertvolle Erfahrung, denn dadurch lernte er, wie sich das große Vorbild im Fluge verhält. Außerdem stellte Walter fest, dass das Fliegen von Figuren mit dem Original viel schwieriger ist, als mit dem Modell. Durch die dabei gemachten Erkenntnisse, kann er seine Präsentation mit dem Modell weiter optimieren und weiter vorbildgerechter gestalten.  Ein weiterer Höhepunkt war sicherlich das gemeinsame Fliegen mit dem Original der Bo-105, das hier in Turnau seine Weltpremiere erlebte. Mit Bernhard Teufl als Ergänzung, zeigten sie zu Dritt ein kurzes Programm, das die anwesenden Zuschauer in dieser Form sicher nicht sobald wieder zu sehen bekommen. 
Zur Person:
Hubschrauber haben Walter Schefbänker seit jeher schon immer fasziniert und da der Flugschein für die großen Vorbilder zu aufwändig und teuer war, wandte er sich dem Modellflugsport zu. Er begann vor 11 Jahren mit dem Modellfliegen und stieg gleich in das Fliegen von Helicoptermodellen ein. Sein erstes Modell war ein Lama von Hirobo und er durchlief den uns allen bekannten Lernprozess, bis er so weit war, dass er Modelle auf Flugshows vorführen konnte.  Beruflich fliegt er bei der größten deutschen Luftgesellschaft Airbusse der Type A330/A340.

Technische Daten Bo-105:
Rotordurchmesser: 1,85m
Länge: 1.75m
Gewicht: 11kg
Antrieb: Kontronik 700
Regler: Kontronik 120A 
Akku: 12s,7000mAh, SLS
           
Die Bo-105 auf Youtube:
Kunstflug erster Test: https://m.youtube.com/watch?v=iBcLqilOj-E
https://m.youtube.com/watch?v=YFCsvUv1Cjc
Musikkür: https://m.youtube.com/watch?v=m0P6_xsxFbs