Wolfgang Semler

11.Jet- Weltmeisterschaft in Leutkirchen/Deutschland

„Schön sind sie nicht, gut sind sie nicht, aber dafür Leiwand“ so kommentierte ein Schweizer Teilnehmer das Gruppenbild unsers Jet-Teams auf der Internetplattform Facebook. Immerhin nahmen acht österreichische Piloten die Herausforderung der Teilnahme an der Jet-WM in Leutkirchen an. Vom 23.- 29. August kämpften 15 Nationen mit 53 Piloten in zwei Klassen um den Titel der weltbesten Jetpiloten. Zugegeben, es hätte für das österreichische Team besser laufen können, doch Wettkampfgeist und persönlicher Einsatz machten so machen unglücklichen technischen Defekt bei den Wertungsflügen wieder wett. Fairerweise muss man auch anführen, dass das Team aus sehr vielen WM-Rookies bestand, die das erste Mal an einem solchen international hochkarätig besetzen Bewerb teilnahmen. Sie machten hier ihre ersten Erfahrungen und einige davon haben in der Zukunft sicher das Potential auf Spitzenplatzierungen.

Der Ort des Geschehens war der schon bereits erwähnte Flugplatz Leutkirchen im schönen Allgäu/Deutschland, auf halben Weg zwischen Stuttgart und Friedrichshafen. Das ansonsten als Verkehrslandeplatz genutzte Fluggelände bietet mit seiner Infrastruktur und der 810m langen Asphaltpiste beste Voraussetzungen zur Abhaltung einer solchen Großveranstaltung. Da sich um das Flugplatzgelände hauptsächlich Felder befinden, konnte durch Anmietung dieser das Parkplatzproblem leicht gelöst werden. Durch die zur Verfügung stehenden großzügigen Platzverhältnisse, ließ das Organisationsteam der Jet WM hier zwei große Zelte errichten. In dem einen war die Gastronomie- im anderen die Modelle der Wettbewerbspiloten untergebracht. Das letztere diente auch gleichzeitig als Reparatur- und Wartungshangar, um die Jets für den nächsten Wertungsdurchgang vorzubereiten.
Normalerweise war der Zutritt in diesen Bereich für Besucher gesperrt, doch zu bestimmten festlegten Zeiten wurden die Tore für die Allgemeinheit geöffnet und jeder konnte die Wettbewerbsmodelle aus der Nähe bewundern und Fragen an die Teams stellen. Dies wurde auch gerne genutzt und fand großen Anklang bei den Zuschauern, die auch unter der Woche zahlreich erschienen waren.

Auch für das leibliche Wohl war bestens gesorgt und es gab mehrere Stände mit unterschiedlichen regionalen Spezialitäten, die zum Kosten und Probieren einluden.

Auf dem Freigelände trennten Absperrgitter die Flightline vom Zuschauerbereich, wodurch ein hohes Maß an Sicherheit gegeben war. Jedoch wählte man den Abstand zwischen Runway und dem Publikum schon sehr großzügig, sodass die startenden und landenden Modelle, speziell in der 13,5kg- Klasse manchmal schlecht erkennbar waren.

Im westlichen Teil des Platzes hatten namhafte Firmen, wie. z.B. Graupner, Hobby Horizon, Multiplex, Powerbox, CARF, Unilight ihre Zelte errichtet und präsentierten hier ihre Produkte. In einem der Hangars fand die Baubewertung statt, die neben den im Flug erreichten Punkten ein wesentlicher Teil der Endbewertung darstellt.

Auftakt der Weltmeisterschaft bildete am Sonntag die internationale Airshow mit Modellen und manntragenden Flugzeugen. Über die Airshow berichtet Wolfgang Lemmerhofer anschließend an diesen Bericht.    

Ab Montag starteten die Wertungsflüge und die Baubewertung, wo es nun galt, den besten Jet-Piloten mit dem schönsten Modell zu ermitteln. Aus österreichischer Sicht belegte in der 13,5kg Klasse Ewald „Billy“ Zauner mit seiner Fouga Magister in den ersten beiden Tagen den 16. Platz, gefolgt von Christian Wimmer auf dem 18. Platz mit dem Modell der Fiat G91. Die Führung übernahm der Belgier Philip Avonds, der ebenfalls mit einer Fouga Magister angetreten war. Knapp dahinter folgte ihm der Italiener Frederico Rosina mit seiner Fiat G91R.

In der 20kg- Klasse sah es für das österreichische Team besser aus, denn der Vorarlberger Fabian Tschabrun lag mit seiner BAe Hawk Mk66 auf dem ausgezeichneten 7. Platz. Die weiteren Piloten des Teams lagen mit Jürgen Morbitzer (Fairchild A-10)an 31. Stelle, bzw. Helmut Hallemeier (Grumann Panther F9) an 35. Stelle und Bernd Seunig (M-346) am 36. Platz.

Bis zum Endergebnis und Berücksichtigung der Baubewertung konnte Ewald Zauner seinen 16. Platz halten, Christian Wimmer rutschte jedoch aufgrund zweier gestrichener Wertungsflüge auf den 21. Platz ab. Er ist einer der Rookies, der Wettbewerbsluft schnupperte und sich jetzt fest vorgenommen hatte, bei der nächsten Jet-WM kräftig mitzumischen.      

In der Klasse der 20kg Modelle gab es ein ähnliches Ergebnis, hier erkämpfte Fabian Tschabrun mit seiner BAe-Hawk als bester Österreicher den 19. Platz. Für eine bessere Platzierung fehlten ihm die Punkte in der Baubewertung, obwohl seine fliegerische Leistung mit jener der vorderen Plätze durchaus konkurrenzfähig ist. Weniger Glück hatten Jürgen Morbitzer und Bernd Seunig,  sie erreichten die Plätze 31 und 32. Weltmeister wurde, so wie auch schon bei der letzten WM in der Schweiz, der Russe Vitaly Robertus mit seiner sehr präzis und akribisch genau gebauten YAK-130. Er schaffte den Weltmeistertitel durch die Baubewertung für sein Modell, denn in der Wertung der Flüge lag er an zweiter Stelle. Der Titel des Vizeweltmeisters und der dritte Platz gingen an Stephan Voelker und Thomas Gleissner auf Aero L-39 ZA und Lockheed F-104 Starfighter aus Deutschland.           

Bei der Mannschaftswertung erzielte unser Team der 20 Kilo-Klasse den 9. Gesamtplatz von 15 Teams. Dabei ließen sie Teams aus den Niederlanden, Großbritannien und Thailand hinter sich. Den Weltmeistertitel erreichte zu wiederholten Male Deutschland vor Russland und der Schweiz.

Während der WM-Woche gab es jeden Abend ein Unterhaltungsprogramm im Festzelt, das einerseits die lokale Kultur den Piloten und deren Teams näher brachte, als auch für Partystimmung sorgte. Dies bot für alle Teilnehmer Abwechslung und Zerstreuung vom harten Wettbewerbs-Alltag.

Am Mittwochnachmittag überflogen als Showeinlage zwei Transall- Transportmaschinen der deutschen Bundeswehr im Tiefflug das Wettbewerbsgelände. Die von der nahe gelegenen Luftwaffenbasis stammenden Flugzeuge boten eine spektakuläre Vorführung, welche für Aufsehen unter den Zuschauern sorgte.   

Am Samstag, dem Abschlusstag fand nochmals von 11.00-16.00 Uhr eine kleinere Airshow mit den an der WM teilnehmenden Jetmodellen statt. Hier konnten sich nochmals alle austoben, bevor es anschließend zur Siegerehrung ging, wo die begehrten Trophäen an die Sieger überreicht wurden. Zum Ausklang der WM  fand dann im Festzelt die Abschlussparty statt, an der nochmals alle das Geschehen der letzten Woche Revue passieren lassen konnten. Nach einer ereignisreichen Woche endete die 11. Weltmeisterschaft und bekanntlich ist nach der WM bereits vor der WM, die in 2 Jahren in Italien stattfinden wird. Somit beginnt für unser Team schon sehr bald die Vorbereitungsarbeiten und Trainings, damit unsere Piloten beim nächsten Mal Topplatzierungen erzielen können.