Michael Pichler | Obmann des SMC Graz-Andritz

Österreichische Meisterschaft in RC-H2, ein Wettbewerbsbericht und einige Betrachtungen zur Klasse RC-H2

Der SMC Graz-Andritz wurde vom Österreichischen Aeroclub mit der Durchführung der Österreichischen Meisterschaft 2015 in der Klasse RC-H2 betraut und konnte diese, gleichzeitig auch als Steirische Landesmeisterschaft, am 20. / 21.6. am Plankogel / Sommeralm durchführen. Bevor näher auf den Wettbewerb und seine Ergebnisse eingegangen wird, soll die Klasse RC-H2 etwas genauer betrachtet werden.

Die Klasse RC-H2

Aus der Bezeichnung ist schon ersichtlich, dass es sich dabei um eine nationale Klasse handelt, also keine Klasse im Rahmen der FAI. Die Reglementierung erfolgt daher ausschließlich innerhalb des Aeroclubs und hat in den letzten Monaten vor Beginn der heurigen Wettbewerbssaison zu einigen Diskussionen geführt, auf die ich hier nicht eingehen möchte. Aufgabenstellung ist das Fliegen mit Segelflugmodellen im Hangflug, d.h. keinerlei Aufstiegshilfen, Start aus der Hand, und das beliebige Fliegen über eine vorgegebene Zeitdauer von 2 oder 3 Minuten (Vorgabe der Wettbewerbsleitung) wofür es 120 / 180 Punkte gibt. Zusätzlich soll möglichst nah am Mittelpunkt des Zielkreises (Durchmesser 30m) gelandet werden, je 20cm Entfernung wird 1 Punkt von den max. möglichen 75 abgezogen. Bei einem optimalen Flug, Landung genau am Mittelpunkt und exakt nach Ablauf der Flugzeit ergeben sich somit 195 / 255 Punkte, der beste Durchgang wird mit 1000 Punkten bewertet, die restlichen Platzierungen werden prozentuell  umgerechnet.  Es sind also nur Zeit und Entfernung zu messen, was dem Veranstalter eine nicht allzu aufwändige Durchführung und dem Piloten eine einfache Trainingsmöglichkeit ermöglicht, verfügen doch moderne Sender über eine Countdown-Funktion, und eine Fahne als Zielpunkt ist auch schnell in den Boden gesteckt. Daraus ersieht man, dass es sich dabei um keine „Hochtechnologie“-Klasse handelt, und als solche will sich die Klasse auch nicht verstehen, sondern eher um eine Einsteigerklasse. Die Zusammensetzung der Teilnehmer, deren Material und die erzielten Ergebnisse zeigen, wie weit die Bereiche gestreut sind. Das Alter der Teilnehmer reichte von 8 Jahren bis annähernd 83, das Material von der 2000 Euro Vollkarbon-Maschine über selbst gebaute Modelle mit Rippenflächen (180-200cm Spannweite), bis zur 150 Euro Schaumwaffel. Die Durchgangs-1000er haben sich auf alle Flugzeugklassen und über den gesamten Altersbereich verteilt. Somit hat diese ÖM gezeigt, dass ein Erfolg in dieser Klasse weder vom Alter, noch von dem Fluggerät abhängt. Können und Erfahrung zum Ausnutzen der Verhältnisse und ein gutes Auge beim Ziellanden führen mit entsprechender Übung zum Erfolg. Obwohl es sich dabei um keine internationale Klasse handelt, verdient sie eine verstärkte Teilnahme und kann dazu beitragen, dass vermehrt junge Modellflugkollegen in den Wettbewerbssport einsteigen. Leider konzentriert sich das Geschehen auf wenige Vereine in Österreich, resultierend in 5 Bewerben in 4 Bundesländern.

Der Bewerb

Nachdem beim Veranstalter 18 Nennungen eingegangen waren, konnten nach 5 Absagen aus einem Bundesland mit nicht nachvollziehbaren Begründungen, am Samstag dem 20.6. dann nur 13 Meldungen entgegengenommen und die Piloten vom Veranstalter begrüßt werden. Teilnehmer aus Salzburg, Oberösterreich und der Steiermark fanden sich am Startplatz auf dem Plankogel im Almenland Sommeralm / Teichalm ein. Der Start unmittelbar am Gipfel des Plankogels war auf einer Seehöhe von 1581m, der Zielpunkt unmittelbar neben der Startfläche. Entsprechend dem neuen Reglement war es das Bestreben des SMC Graz-Andritz, möglichst viele Durchgänge an den beiden Tagen zu fliegen, wobei wegen der teilweise weiten Heimreise der erwarteten Piloten, der Beginn des letzten Durchgangs für Sonntag 13 Uhr angesetzt war. Abbau, Auswertung und Siegerehrung waren zu berücksichtigen. Nachdem der erste Durchgang nach der Begrüßung und dem Briefing pünktlich gestartet wurde, konnten drei Durchgänge bei teilweise starkem Wind (bis zu 11 m/s Windgeschwindigkeit) zügig durchgeführt werden. Eine immer näher kommende, und auch für den Nachmittag von der Zentralanstalt für Metrologie und Geodynamik (ZAMG) angekündigte, Regenfront trieb den Veranstalter im vierten Durchgang zur Eile, die aber nicht belohnt wurde. Beim vorletzten Piloten setzte der Regen ein und der Durchgang wurde unterbrochen. Piloten und Helfer stiegen in die nahe gelegene Stoakoglhütte ab und warteten bei hervorragender Verköstigung das schlechte Wetter ab. Nach Durchzug der Front wurde wieder aufgestiegen und auf Grund der Dauer der Unterbrechung der vierte Durchgang neuerlich gestartet und auch beendet. Die Aussicht auf weiteres Schlechtwetter veranlasste den Veranstalter zur Beendigung des Wettbewerbes für den Samstag. War es das Ziel vom Veranstalter mindestens 8 Durchgänge zu fliegen, so war nach dem Samstag schon die Hälfte erreicht. Ein pünktlicher Beginn am Sonntag und die zügige Durchführung ermöglichten die Durchführung weiterer 6 Durchgänge bei hervorragenden Bedingungen. An dieser Stelle sei den Piloten und dem Wettbewerbsleiter Gerhard MÜLLER sowie allen Helfern für ihren Einsatz gedankt. Die Starts erfolgten im 2 Minuten-Takt, auch das Vermessen am Landepunkt und Notieren der Flugzeit behinderte den Ablauf nicht.  Das abwechslungsreiche Terrain und die unstabile Wetterlage machten das Erkennen der Aufwindfelder oftmals schwierig, einzelne „Absaufer“ blieben nicht aus. Leider musste im Bewerb auch ein Bruch einer Maschine beklagt werden, ein Schaden an der Höhenruderanlenkung führte zu einer Außenlandung und dabei zur Beschädigung der Maschine, ein Ersatzmodell konnte eingesetzt werden.

Im Anschluss an die Auswertung konnte bei der Stoakoglhütte, ca. 200m unterhalb des Plankogelgipfels, die Siegerehrung für die ÖM und die LM vorgenommen werden. Von den zehn geflogenen Durchgängen wurde die zwei schlechtesten gestrichen Nachfolgend die einzelnen Ergebnisse:

Österreichische Meisterschaft Einzelwertung:

NIEDERHOFER Gerhard

Union Eisenerz / Stmk

7.608 Punkte

FELBERMAYR Karl

SMBC Kirchdorf / OÖ

7.514 Punkte

INFANGER Bernhard

MSG Steyr / OÖ

7.098 Punkte

 

Österreichische Meisterschaft Mannschaftswertung:

FELBERMAYR, INFANGER, SCHUSTER

Oberösterreich

21.581 Punkte

NIEDERHOFER, STURM, HAIDN

Union Eisenerz

20.860 Punkte

BENE, PICHLER, SULZER

SMC Graz-Andritz

20.675 Punkte

 

Steirische Landesmeisterschaft Einzelwertung:

NIEDERHOFER Gerhard

Union Eisenerz / Stmk

7.645 Punkte

PICHLER Michael

SMC Graz-Andritz

7.139 Punkte

SULZER Robert 

SMC Graz-Andritz

7.089 Punkte

Resumee:

Die diesjährige ÖM hat sich durch die Rahmenbedingungen bedingt, deutlich von jenen der vergangenen Jahren unterschieden. Das Fluggelände auf 1581 m hat deutlich andere Windbedingungen als die Plätze an denen die letzten Meisterschaften ausgetragen wurden, Windgeschwindigkeiten von 11-12m/s wurden von allen Piloten und eingesetzten Flugmodellen problemlos beherrscht. Entsprechend ist auch der Almboden im Landefeld keine gemähter Rasen, sondern etwas uneben, was aber auch zu keinerlei Beeinträchtigung oder Schäden an den Modellen geführt hat. Seit über 40 Jahren werden auf diesem Gelände regelmäßig Flugwettbewerbe ausgetragen, wir hoffen dass sich daran in Zukunft nichts ändert. Die Durchführung mit insgesamt 10 Durchgängen wurde von allen Teilnehmern begrüßt, war aber nur mit entsprechender Disziplin der Wettbewerber und dem Einsatz der Wettbewerbsleitung und aller Helfer, möglich. Allen Beteiligten gilt hier nochmals mein Dank. Die Durchgangsergebnisse und die Gesamtwertung haben gezeigt, dass es sich bei RC-H2 in der Tat um eine Allgemeinklasse handelt, die selbst bei raueren Bedingungen mit handelsüblichen und günstig zu erwerbenden Modellen, erfolgreich bestritten werden kann.

Es ist nur zu hoffen, dass es den in den einzelnen Vereinen tätigen Kollegen gelingt, zusätzliche Piloten zur Teilnahme an den Bewerben dieser Klasse zu motivieren. Es ist auch angedacht, bei entsprechendem Interesse, die einzelnen Bewerbe in Österreich zu einer übergreifenden Cupwertung zusammenzufassen. Dazu ist es aber sicherlich auch erforderlich, dass Piloten auch bereit sind, an Bewerben anderer Vereine, verbunden mit entsprechendem Fahraufwand, teilzunehmen.

In diesem Sinne wird der SMC Graz-Andritz sich um die Durchführung der LM 2016 zu bewerben und diese auch als Pokalfliegen ausrichten.