Fuss Helmut

Freiflug WM 2015, Ulan Bator, Mongolei 27. Juli bis 3. August

Es war ein kleines Team, das am 23. und 24. Juli aufbrach. Die zu erwartenden hohen Kosten hatte so manch Qualifizieren davon abgeschreckt, teilzunehmen. Reinhard machte die Vorhut, er flog von Zagreb über Moskau mit Aeroflot, er wollte auch den Mongolia Cup fliegen. Der Rest der Mannschaft startete mit Turkish Airways von Salzburg bzw. Wien aus nach Istanbul, von wo die Reise gemeinsam nach Ulan Bator weiterging.

Die billigen Flüge waren bereits ausgebucht, so mussten wir Business Class fliegen, der Preisunterschied war auf dieser Strecke aber gering und es stellte sich heraus, dass wir durch das höhere Freigepäck von 40 kg in Summe kaum teurer unterwegs waren, ganz abgesehen vom Komfort und weiteren Annehmlichkeiten.

So landeten wir am 25. Juli gegen Mittag nach knapp 30-stündiger Reise etwas übernächtig in der Mongolei. Der Empfang war perfekt. Wir wurden vom Fahrer unseres Mietautos wie gewünscht mit einer Tafel mit rot-weiß-rotem Aufdruck und zusätzlich dem Wort Austria erwartet. Auf der Fahrt zum Hotel gewannen wir einen ersten Eindruck des Landes. Wo bis zum Stadtrand noch Jurten stehen erweist sich die Hauptstadt der Mongolei als moderne Großstadt westlicher Prägung. Überall moderne Neubauten aus Glas und Beton, lediglich die Infrastruktur ist mit dem Tempo der Neubauten nicht ganz mitgekommen. Auch das gebuchte Hotel entpuppte sich als modernes, sauberes Gebäude. Den Nachmittag bemühten wir uns munter zu bleiben um so einem möglichen Jetlag zu umgehen.

Sonntagmorgens fuhren wir gemeinsam zum Gelände, 75 Minuten über teils holprige Strassen, das letzte Stück Piste. Heute wäre Reinhards Tag für den Mongolia Cup. Auf Grund des starken Windes verzichtet er aber auf einen Start. Wir machen ein paar Trainingsflüge, der wind wechselt ständig seine Richtung, die Thermik brutal stark. Am frühen Nachmittag hören wir auf, da der Wind immer stärker wird. Wir haben ja noch zwei Tage zur Verfügung. Am Nachmittag dann eine Schrecksekunde. 2 Kilometer vom Fluggelände ist eine Jurtensiedlung errichtet worden, hier hätten wir auch übernachten können, in einer Vierbettjurte, sehr einfach, nur jeden 2. Tag warmes Wasser, hartes Lager und nur € 5.- billiger als unser 4-Stern Hotel. Es wurden auch Verpflegungszelte aufgebaut. Dort gibt es Speis und Trank zu erwerben. Es wird auch gegrillt. Und scheinbar wie überall auf diesem Planeten geht die ganze Sache den Köchen zu langsam, so dass sie zum Kanister mit brennbarer Flüssigkeit greifen. So gab es dann einen gegrillten Mongolen. Der arme Kerl stand mit seinem gesamten Oberkörper für ca. 10 Sekunden in Flammen, bevor er gelöscht werden konnte. Er wurde dann von der restlichen Belegschaft über eine Stunde ständig mit kaltem Wasser übergossen, bevor endlich ein Sanitätsfahrzeug eintraf. 

Am Montag, 27. Juli haben wir gleich um 10.00 Uhr Registrierung und Bauprüfung. Alles geht rasch und unbürokratisch vor sich. Habe ich eigentlich anders erwartet, wir sind positiv überrascht. An ein Training ist heute nicht zu denken, der Wind erreicht zeitweise Sturmstärke. Beim nachmittägigen Team Managers Meeting gibt es einen Protest der Engländer wegen der schlechten, vor allen unterschiedlichen Qualität des Treibstoffs für F1C. In jeder Flasche ist der Sprit anders, ein Einstellen der Motore ist unmöglich.  Am Abend ist die Eröffnungsfeier, sehr stimmungsvoll vor dem Denkmal des berühmtesten aller Mongolen, Djingis Kahn. Die Nachkommen des berühmten Eroberers habe ihm hier mitten in der Steppe, 65 km östlich von Ulan Bator ein 40 Meter hohes Reiterstandbild errichtet.

Dienstag, 28.Juli, es regnet und stürmt, Training unmöglich, dem Protest von Mike Woodhouse wurde stattgegeben, der Treibstoff wird noch einmal aus allen Flaschen zusammengeleert und vermischt. So wird eine gleichmäßig schlechte Qualität erreicht, neuen Sprit zu besorgen ist nicht möglich. Von seitens des Veranstalters wird versichert, dass zum Rückholen genügend Motorräder zur Verfügung stehen.

Mittwoch, 29. Juli, F1A Tag, ich bin heute der einzige österreichische Teilnehmer. Dietmar hat ein Motorrad ergattert, chinesische Qualität, der E-Starter geht nicht, es lassen sich nicht alle Gänge schalten. Es ist beinahe windstill. Nur die Richtung des leichten Hauches wechselt ständig. Mit so einem Wetter habe ich am allerwenigsten gerechnet. Ich muss ein Modell nehmen, das ich das letzte Mal im Herbst in Fürstenfeld geflogen habe, da ich sonst keine Chance habe, das Ding bei möglichem Rückenwind zu schleppen. Den ersten Durchgang mit 210 sek. geht alles gut aber bereits im 2. DG bringe ich das Modell nicht so richtig hoch, ich habe auch vor dem Ausklinken ein bisschen gezögert und bin nicht voll durchgelaufen. 3. Dg ok. im 4. Dg laufe ich zu spät los, der Übergang geht vollkommen daneben, aus 15 m Höhe erreiche ich den Thermikanschluß leider nicht. Auch der 5. Dg bringt kein Max. So habe ich mir die WM nicht vorgestellt, leider hat sich die fehlende Trainingsmöglichkeit voll negativ ausgewirkt.

Nach der Mittagspause hat sich das Wetter geändert. Der Wind bläst jetzt böig mit    6 – 9 m/sek. Jetzt fliege ich ein sicheres Max, obwohl mich beim Beschleunigen ein Konkurrent unterläuft und meine Leine kappt. Ärgerlich, nicht wegen des Materialwertes sondern wegen der stundenlangen Arbeit. Auch im 7. DG, es ist mittlerweile etwas ruhiger geworden, fliege ich ein hohes Max. Da ich beim Fly-off nichts mehr verloren habe fahren wir im Anschluss zurück zum Hotel. Morgen haben wir 3 Teilnehmer am Start.

Donnerstag, 30. Juli, F1B Tag, wir haben Probleme mit dem Vermieter der Motorräder. Gestern hat er zwar notiert, dass wir heute zwei bekommen, heute hat er einen anderen Zettel, wo Österreich gar nicht aufscheint. Mit viel Mühe gelinge es uns, eines zu ergattern, da hat sich aber Dietmar vorbehalten, da er sein Modell selbst sucht. Er bezahlt das Bilke auch aus eigener Tasche. Als Zweitfahrzeug erhalte ich nur ein Mountainbike, Made in China, so um die 20 kg leicht am Drehgriff lassen sich so 3 bis 4 Gänge schalten, auf dem Kettenblatt gar nichts, bloß nicht zu heftig schalten, sonst springt die Kette ab. Unser Helfer Christian muss heute leider strampeln. Es bläst etwas mehr als gestern morgens, so 1 bis 2 m/sek.

Harald startet als erster, nach schönem Steigflug beginnt das Modell zu pumpen und liegt mit 112 sek. am Boden, auch für ihn kein schöner Auftakt. Dietmar fliegt anschließend sicher voll, Verena dürfte eine ganz miese Schachtel Gummi erwischt haben, ihre Steigflüge enden so bei ungefähr 40 Metern.

Die nächsten vier Durchgänge fliegen Harri und Dietmar voll, Verena gelingt heute leider gar nichts. Nach der Mittagspause das gleiche Wetter wie gestern, der Wind hat deutlich zugelegt, unseren Teilnehmern, besonders Dietmar gefällt das gar nicht, er setzt sein Modell gleich zweimal daneben, Verena schafft wenigstens im 7. Dg. ihr einziges Max an diesem Tag. Leider wurde es auch heute nichts mit einer Teilnahme im Fly-off.

So zwischendurch sorgt auch Reinhard für allgemeine Beunruhigung im österreichischen Team. Er sitzt den ganzen Tag in seinem Sessel, bewegt sich kaum, isst und trinkt nichts und auf einmal kollabiert er beinahe. Angesichts dessen lassen wir unseren Bus zur Startstelle vorfahren, es wird uns ausnahmsweise genehmigt. Da der Wettbewerb weitergeht, kann ich mich nicht um ihn kümmern, Christian übernimmt diese Aufgabe. Heute ist auch ein Sanitätsfahrzeug am Platz, der Arzt stellt fest, dass Reinhard kein ernstes gesundheitliches Problem hat, trotzdem fürchte ich, dass er morgen nicht starten kann.

Freitag, 31. Juli, F1C Tag, Reinhard hat sich erstaunlicherweise gut erholt und ist voller Tatendrang. Mit dem Motorrad klappt es heute gut, wir bekommen das Bike mit der Nummer 6. Doch ein paar Minuten später wird uns dies von den Russen weggenommen mit der Begründung, sie hätten dieses für die ganze Woche gemietet. Der russische Mannschaftsführer und ich gehen zum Vermieter, der spricht von ´a misstake´ und gibt mir Bike Nummer 5. Doch auch diese Herrlichkeit hat bald ein Ende, die Australier erheben Anspruch darauf, sie hätten 2 Motorräder für die ganze Woche gemietet. Der Vermieter stellt uns nun sein Motorrad zur Verfügung. Ist zwar deutlich bessere Qualität, weil Yamaha, aber mit einer sehr kleinen Sitzbank. Dietmar gibt das Bike aber nicht mehr heraus, es sollen ja 2 Personen darauf Platz finden. Die Australier geben sich schließlich zufrieden, ist ja ein Fehler des Vermieters.

Reinhard fliegt den ganzen Tag fehlerfrei, er ist der einzige des österreichischen Teams, der das Stechen erreicht, dies ist auf 5 Minuten Flugzeit festgesetzt, welche er auch schafft. Wir warten auf den Beginn des 7 Minuten Stechens. Inzwischen zieht ein Gewitter immer näher. Wir entschließen uns, die Modelle abzubauen. Keine Sekunde zu früh, denn es bricht nun ein Sturm mit Böen so um die 80 – 100 km/h über uns herein. Unser Fahrer har das auch bemerkt und er bringt das Auto zur Startlinie, ist zwar verboten aber angesichts des Wetters eine ganz normale Reaktion. Die anderen Teams machen dies aber genau so. An eine Weiterführung des Wettbewerbes ist heute nicht mehr zu denken. Das nächste Stechen findet morgen um 6.30 Uhr statt. So haben wir nochmals eine kurze Nacht vor uns.

Samstag, 1. August, 10 Minuten stechen in F1C. 4.30 Uhr Tagwache. Wir fahren im Dunkeln zum Platz, im Licht der  Autoscheinwerfer werden die Modelle zusammengebaut. Das Stechen startet 15 min. verspätet wegen der  Sicht. Überall hängen dunkle Wolken, es sieht so aus, als würde es jederzeit zu regnen beginnen, zwischendurch fallen auch ein paar Tropfen. Reinhard hat einen sehr guten Start. Letztendlich reicht es für den 4. Rang, 9 sek. hinter dem Stockerl. Auch wenn es keine Medaille wurde, eine ausgezeichnete Leistung.

Für den Nachmittag wäre eintouristisches Programm am Gelände geplant, ein so genanntes ´Naadam´, Reitervorführungen und Ringen, vorerst fahren wir aber zurück ins Hotel, wo wir noch rechtzeitig zum Frühstück kommen. Die Nachmittagsvorstellung fällt dann aus, es regnet wieder. Am Abend können wir dann endlich einmal nach 4 Tagen wieder ordentlich essen gehen, in ein ausgezeichnetes Steakhaus, das Ganze kostet hier weniger als die Hälfte als bei uns zu Hause.

Sonntag, 2. August, am Nachmittag fahren wir zur Siegerehrung und Abschlußzeremonie, die so wie die Eröffnung vor dem Dschingis Kahn Memorial bei stürmischem Wind stattfindet.

Im Anschluss daran findet das Bankett statt, das es wert ist, erwähnt zu werden. Im Hangar der Sky Friends war das Buffet mit Selbstbedienung aufgebaut. Tische standen bereit, Stühle mussten selbst organisiert werden. Dann hieß es anstellen. Zum ersten für das Bier, welches nicht im Preis von € 40.- enthalten war. Dann für das Essen. Es gab auch ein Vorspeisenbuffet, welches aber nach den ersten 40 Personen leer geräumt war und nicht mehr nachgefüllt wurde. Der Rest war gegrilltes Fleisch mit Beilagen auf einem Plastikteller. Als mögliches enthaltenes Getränk gab es nur süße Limonaden, ja und nicht zu vergessen, zu später Stunde wurde pro Tisch noch eine Flasche Wodka gereicht, welche in dieser Menge eigentlich nicht benötigt wurde. Alles in allem ein 5 bis 7 Euro Essen um € 40.- Schade, denn bis auf die Pannen mit den Motorrädern war die Veranstaltung sehr gut organisiert.

Montag, 3. August, Reinhard ist am frühen Morgen nach Hause geflogen, wir machen unser eigenes touristisches Programm, besuchen eine budistische Tempelanlage, genießen den Blick über Ulan Bator von der Blue Sky Bar im 24. Stockwerk des gleichnamigen Hotels, gehen am Abend noch mal gut essen.

Dienstag, 4. August, heute endet auch für alle anderen Teammitglieder die WM2015, wir fliegen via Istanbul nach Hause, Dietmar und ich nach einer Nacht dort, da wir keinen Anschlussflug nach Salzburg haben. Auf Kosten von Turkish Airlines logieren wir in einem 5-Stern Luxushotel, auch ein Service für Business Passagiere.

Mittwoch, 5. August, Ankunft in Salzburg, ich werde von meiner Frau abgeholt, wir fahren gleich weiter zum Weltcupwettbewerb in Poitou (Frankreich), ich möchte meine Scharte von der WM ausbessern.