Tiroler Blickfang | BFR Manfred Stocker

Der „Eyecatcher“ von Robert Schweißgut

Meine Lunge sehnte sich schon einige Zeit wieder nach Balsastaub. Bei Durchsicht des Angebotes blieb ich bei Robert Schweißgut hängen, wobei mir sofort der „Eyecatcher „ (Blickfang) mit seiner außergewöhnlichen Flächenform ins Auge stach. Nach Mailanfrage bei Herrn Schweißgut über Lieferbarkeit (mit prompter Antwort) orderte ich einen Bausatz.

Die Lieferung erfolgte rasch, so dass ich sofort mit dem Bau beginnen konnte. Sauber verpackt zeigten sich die Balsaholz- und Zubehörteile (Bild 1). Eine 20 Seiten umfassende, ausführliche  Bauanleitung mit vielen nützlichen Tipps zur Herstellung und Fliegen liegt als Schnellhefter bei. Man merkt, die Anleitung wurde von einem echten Modellbauer geschrieben.

Rumpf: Der erste Bauschritt beginnt mit dem Rumpf. Beide Seitenteile Spiegelverkehrt auflegen (Bild 2), die Verstärkungen und Leisten ankleben. Dann die zwei Spanten an eine Rumpfseite kleben (an den Spanten ist die Kleberichtung angezeichnet). Nun die Seitenteile zusammenkleben. Durch die Spanten ergibt sich der korrekte Sitz. Damit das ganze stabiler wird, die obere Verstärkungsplatte ankleben. Dazu den Motorspant mit der Verstärkung vorne einkleben, das ganze „bezwingen“  und trocknen lassen  (Bild 3). Jetzt macht der Rumpf schon einen soliden und festen Eindruck. Da am Rumpfrücken noch ein durchgehender Deckel aufgebracht wird, ist jetzt schon zu erkennen, wie fest und solide das Rumpfboot wird. Nun noch den Spant für die Seitenruderhalterung einkleben. Sie haben die Wahl, das Rumpfende zu verschließen oder offen zu lassen. Ich habe es wegen der Luftabfuhr (Turbospinner) offen gelassen.  Die Kabinenhaube habe ich, um etwas Platz für die Kabel zu schaffen, ausgehöhlt (Bild  6). Vorne habe ich einen Schlitz eingearbeitet, der bei Bedarf die Unterbringung von einigen Gramm Blei ermöglicht.

Weiter geht es mit dem Einpassen der Messingrohre für die Flächenstahlhaltertung aus 6mm Rundstahl.  Diese werden durch die passgenauen Bohrungen exakt geführt. Innen gut mit Uhu Endfest vermuffen. Und weil wir schon dabei sind, kleben wir gleich auch noch die Magneten für die Flächenhalterung ein. Eine elegante Lösung, die sowohl  Bautechnisch als auch Festigkeitsmäßig keine Wünsche offen lässt. Nicht vergessen: vorher die Klebeseite der Magneten etwas aufrauen (richtige Polung beachten!). Vorweg genommen: freiwillig lösen sich die Flächen nicht vom Rumpf! Nun kann man das Seitenruder und den Sporn zusammenleimen und vorläufig auf die Seite legen.
Die Kühlluftöffnungen im Kopfspant habe ich etwas vergrößert, um bessere Kühlung zu erreichen. Anschließend habe ich den Motor eingepasst.

Motor: Beim Joker muss die Welle durch den Motor durchgedrückt werden, um eine Montage hinter dem Spant zu ermöglichen. Dazu löst man die Madenschraube auf der einen Seite. Empfehlenswert ist die Anfertigung eines Hartholzstückchens mit Bohrung, das etwas breiter sein soll als die Welle lang. Nun den Motor mit einem Heißluftgebläse etwas anwärmen, in den Schraubstock einspannen und die Welle vorsichtig durchdrücken. Jetzt ist nur mehr die Madenschraube wieder mit Loop zu sichern und anzuziehen sowie der Segerring von der Wellenspitze in die dafür vorgesehene Nut am Lager zu versetzen. Als Spinner kommt ein 40mm Cool von Planet Hobby für 3,2mm-Wellen zum Einsatz. Der passt wie die Faust auf das Auge. Als Regler verwende ich einen Talon 25 von Castle mit max. 25A und BEC. Er ist sehr klein und leicht.

Als Änderung am Rumpf habe ich im hinteren Kabinenbereich ein Brettchen eingeklebt, an dem der  Empfänger mit Klettband fixiert ist (Bild  Empfänger). So könnte der Akku unter dem Brettchen noch nach hinten geschoben werden, was sich aber als nicht notwendig herausstellte. Als Akku dient ein vorhandener 3S1P von Graupner mit 1600mAh. Falls Sie einen Hochstarthaken einbauen wollen, ist es empfehlenswert, ein kleines Sperrholzbrettchen vor der Aufbringung des Rumpfbodens mit einer Einschlagmutter versehen, einzukleben. So kann bei Bedarf der Haken jederzeit eingeschraubt werden (Bild  ). Wenn alles fertig ist, den Rumpfboden aufbringen und die Rumpfkanten rund schleifen.

Flächen: Als nächstes wenden wir uns den Flächen zu. Die Basisleisten auf eine ebene Platte auflegen, die untere Wurzelrippenbeplankung zwischen die Innenteile und die Randbogen an die äußeren Teile anlegen. Wenn Sie nun die Basisleisten fixieren, passen die Rippen mit ihren unten gefrästen (vorne und hinten) Nasen auf Anhieb in die vorgefrästen Schlitze. Ich hatte zum Glück eine Qualitätskontrolle, die stets ein waches Auge auf die Bauausführung hatte (Bild  4). Sie sollten dem Tipp der Bauanleitung folgen und nur die vorgefrästen Rippen aus den Platten lösen, die Sie verarbeiten wollen. Ich habe mir einen kompletten Rippensatz bereitgelegt. Sie müssen nur die kleinen Fräsnasen an den Rippen beschleifen. Nun habe ich die Kohlerohre entfettet und angeschliffen und die Rippen in der richtigen Reihenfolge aufgefädelt. Dies ist nicht unbedingt nötig, weil die Rohre auch nach Verklebung der Rippen exakt in die Rippenlöcher passen. Vermuffen der Rohre nicht vergessen! Sperrholz finden wir nur in den Verstärkungen zur Abstützung der Messingrohre der Flächenverbinder und bei den Servodeckel. Als nächsten Schritt habe ich die Platten zur Nasen- und Endleiste für die Servoabdeckungen eingepasst und geklebt. Eingepasst heißt, wie überall an diesem Bausatz, einfach ohne Nacharbeit zwischen die Rippen geschoben. Dem Servoeinbau sind zwei Seiten der Bauanleitung mit selbsterklärenden Skizzen gewidmet, weshalb ich nicht näher darauf eingehe. Sorgfalt ist bei der Montage der Klappenansteuerung nötig, um ein verklemmen der Mechanik zu verhindern. Die Klappen werden über Mitnehmerplatte und eine darin eingreifende M2-Schraube bewegt. Einfach und effizient. Lassen Sie sich nicht von der Größe (na ja, eigentlich der „Kleinheit“) der Klappen zu voreiligen Schlüssen verleiten. Sie wirken äußerst gut und ermöglichen einen Abstieg im Winkel von ca. 45° ohne Geschwindigkeitszunahme bei voller Steuerbarkeit. Zur Befestigung der Servobretter liegen 16 Stück M2 Senkkopfschräubchen bei, die mit je 4 Stück pro Servoplatte diese fixieren. senken Sie vor dem Bespannen die äußeren Schraublöcher, um eine plane Oberfläche zu erzielen. Die Anlenkungsdrähte (bereits abgekröpft) liegen ebenso bei wie die Gabelköpfe mit Gewindehülsen und die gefrästen Ruderhörner.

Wichtig ist, die Endleisten lt. Vorgabe, wie in der Bauanleitung beschrieben, korrekt mit 6mm  an der Endseite zum Baubrett anzukleben. Dies ergibt einen leichten S-Schlag im Profil, der so wie die Einstellung der Ruder wichtig für die Flugeigenschaften ist. Das ist ausführlich in der Anleitung beschrieben. Als Servos habe ich nicht die empfohlenen HS-81 (Kunststoffgetriebe) sondern Savöx SH-0263MG verwendet. Diese Servos sind bei mir bereits in Verwendung und glänzen durch Rückstellgenauigkeit und Kraft. Als Abschluss sind noch die Rippen mit einer Schleiflatte etwas abzuschleifen.  Sind Sie soweit gekommen, werden Sie mit Verwindungssteifen Flügel belohnt. Jetzt noch die Quer- und Höhenruder anpassen und der Flächenbau ist abgeschlossen. Die Bespannung ist jedem selbst überlassen. Es kann Papier, Folie oder Gewebefolie verwendet werden. An den Flugeigenschaften ändert das nichts.

Übrig bleibt nur mehr die Verlegung der Servokabel. Ich habe sie einfach durch die vorgefrästen Löcher der Rippen gezogen und mit Silikon gesichert. Snobs legen Außenhüllen von Bowdenzügen ein und lassen die Kabel darin verschwinden. Ich habe die Kabelverbindungen Fläche/Rumpf mit MPX-Steckern (Bild  MPX_1+MPX_2) auf die herkömmliche Weise gelöst. Zum Transport löse ich nur die linke Fläche, am Platz ist die einzige Arbeit das Anstecken der Flächenhälfte.

Auswiegen: mit allen Einbauten vorne (außer dem Akku) ist das Modell Hecklastig. Verwenden Sie einen 3S 2200mAh Akku, erreichen Sie eine leichte Kopflastigkeit. Mit einem 3S 1600mAh eine leichte Hecklastigkeit. Ein 3S 1800mAh müsste den korrekten SP bringen. Mit einigen Gramm Blei können Sie dann die Feinabstimmung vornehmen.

Einfliegen: dazu gibt es ausführliche Tipps in der Bauanleitung. Ich habe den Schwerpunkt etwas auf Hecklastig eingestellt. Mit dieser Einstellung ist das Thermiksuchen ein Vergnügen. Diese SP-Einstellung ist aber bei stärkerem Wind nicht zu empfehlen. Ich tausche dann einfach den 3S 1600er-Akku gegen einen 3S 2200er.

Fliegen: das Motörchen zieht den Eyecatcher mit einem Verbrauch von ca. 13,8A im 45° -Winkel bei Vollgas nach oben.  Bei Halbgas sind es moderate 4A.  Ich lege immer den Motorschalter auf einen 3-Wege Schalter, bei dem die Mittelstellung dem Horizontalflug entspricht. Im Zuge der Erprobung hatte ich bei den Fotoflügen 18 min. Motorlaufzeit bei einer Akku-Restkapazität von 27%. Etwas ungewohnt ist es schon, einen Nurflügler zu Fliegen. Da fe lt doch was! Siehe da, es geht auch ohne herkömmliches Leitwerk. Und das bestens!

Mein Fazit: ein durchdachter, qualitativ hochwertiger Bausatz um wenig Geld mit ausgezeichneten Flugeigenschaften. Der Thermikschnüffler für ruhige Zeitgenossen.

Ausstattung:

Spannweite: 2200mm
Fluggewicht E-Version: 1260g
Motor: Joker 2830-12, 980 U/V,  13A max. Dauer
Propeller: Aeronaut Cam Carbon 10x6
Regler: Castle Talon 25, 25A max. mit BEC
Servos: 4x Savöx SH-0263MG
Akku:     Graupner 3S1P, 1600 mAh, 20C
Preis:     120,00 €, Aufpreis für Störklappen 4,00€ + 6,00  € Versand
Bezug: Robert Schweißgut, http://www.wing-tips.at/