 Diesmal war der Schauplatz der Thermikkünstler das Waldviertel. Genauer gesagt Waidhofen a. d. Thaya! Eine wunderschöne, leicht hügelige Gegend mit sehr gastfreundlichen Menschen. Das Wahrzeichen dieser Gegend ist der Waldrapp. In unmittelbarer Nähe des Modellflugplatzes steht eine eiserne überlebensgroße Nachbildung dieses seltenen Vogels.
Das internationale Starterfeld war mit 28 Piloten aus 5 Nationen gut besetzt.
Allen voran Miljenko Francic (Cro) dem Gewinner des Eurocontest von Mollram, sowie den österreichischen Spitzenpiloten Wolfgang Zach, Matthias Gerstgrasser, David Kauran und anderen etablierten Piloten. Am frühen Morgen, beim Betreten des Klubhauses, duftete es schon nach Kaffee und frischgebackener Mehlspeise. Wie schon bei vorangegangenen Wettbewerben, in Waidhofen, bemühte sich auch diesmal eine engagierte Helferschar um das Wohl der Piloten. Deshalb möchte ich mich ganz besonders beim freiwilligen "Bodenpersonal" bedanken. Ohne die hilfreichen Geister wäre der Bewerb sicher nicht so angenehm verlaufen.
Das übliche Briefing fand um 9.00 Uhr statt. Das Festlegen der "Restricted Ärea", die Erklärung der Aufgaben, sowie die Ernennung der Jury waren rasch erledigt und bei strahlenstem Sonnenschein erfolgte kurz nach 10.00 Uhr der Start zum 1. internationalen F3/K Waldrapp Contestbewerb.
Der Bewerb:
Bei der ersten Aufgabe handelte es sich um eine bekannte Disziplin "Steigern um 15 Sekunden". Das ist eine flotte Start-Landeübung bei der es darum geht die Bodenzeit so gering wie möglich zu halten. Eine gelungene "wake up" Disziplin!
Gleich zu Beginn gab es eine kalte Dusche. Das Wetter, am Vormittag, war trotz Sonnenschein und klarem Himmel extrem schwer einzuschätzen. Der Wind drehte alle paar Minuten von Ost nach Süd und zeitweise kam eine kühle Brise aus Norden!
So schafften, im ersten Durchgang, gerade eine handvoll Teilnehmer ein Maximum. In weiterer Folge stellte sich heraus, dass das Wetter noch einige nette Überraschungen zu bieten hatte. Besonders um die Mittagszeit gab es sehr unterschiedliche Wetterverhältnisse. Vom lebhaften Wind bis Flaute, von Hammerthermik bis zum totalen Absaufer wechselte die Luft im Sekundentakt. Kein leichtes Unterfangen für die Piloten mit ihren ultraleichten Modellen. Einmal in der Absauffalle gefangen konnte man nur mehr sehr wenig gegen eine vorzeitige Landung tun. Es zeigte sich, dass selbst enorme Flughöhen nicht vor einer ungewollten Außenlandung schützen konnten. So mancher Pilot wanderte als Tourist, auf der Suche nach seinem Modell, in den Feldern Waidhofens umher, während der Bewerb unaufhörlich weiterlief. Konservatives Fliegen und zur rechten Zeit ein nicht zu großes Risiko eingehen brachte zwar keine tolle Wertung, aber es sollte sich herausstellen, dass der Weg zum Sieg nur über dieses Konzept gelingen sollte. Wie meist setzten sich die üblichen Verdächtigen vom Start weg durch!
Spätestens nach dem zweiten Durchgang, 4 x 120 Sekunden, war klar, es genügte nicht allein eine Thermik zu finden und in dieser Blase das Max auszufliegen. Das Kriterium in Waidhofen war immer genau dann eine neue Thermikblase zu finden, wenn die eigene Thermik bereits nachließ oder gerade zerfiel und rechtzeitig zu übersiedeln oder den Heimweg anzutreten. Ein paar Meter unterhalb oder neben einem wild steigenden Modell und schon gab es keinen Thermikanschluss mehr. Derartige Szenen sah man häufig. Im Gegenzug hatten Kollegen Lachfalten wenn eine Aufgabe erfolgreich geflogen werden konnte. Diese Wetterkapriolen würfelten das Klassement mehrmals durcheinander. Der spätere Sieger Miljenko Francic, das war bereits am Vormittag klar, zählte auch hier zum absoluten Favoritenkreis. Nicht unbedingt der beste Scorer am Platz flog er konstant gut! David Kauran, unser neuer Seriensieger büßte zu Beginn seinen Siegflieger infolge eines Defektes ein und musste auf die Ersatzmaschine umsteigen. Wolfgang Zach hatte einen ganz schlechten Start erwischt und es wurde nicht besser. Ludek Novotny, in dieser Phase vom Defektteufel gebeutelt, musste ebenfalls den Ersatzflieger bereit machen. Heinz Pfaffinger musste seinen HLG aus dem Sicherheitsnetz bergen und verlor beim Umstieg auf das Ersatzmodell wertvolle Zeit.
Im Gegensatz dazu führte Matthias Gerstgrasser vor wie man mit konstant guten Leistungen ein Anwärter auf einen Spitzenplatz sein kann. Das war deshalb so bemerkenswert als Matthias, laut eigener Aussage, bei seinen neuen Turbo 06 noch auf der Suche nach der optimalen Abstimmung ist. Um 12.30 wurde die Mittagspause eingelegt. Die Aktiven durften kurz verschnaufen und wurden von der vorzüglichen Küche verpflegt. Um 13.30 konnte der zweite Teil des Bewerbes beginnen.
Der Nachmittag brachte eine klare Verbesserung der Wettersituation. Zudem gab es ein paar sehr schöne Einzelaktionen von einigen Piloten, so auch von Jaroslav Kus und Nikola Francic. Beachtlich die Thermiknase des jugendlichen Nikola Francic (CRO). Immer noch zerplatzten die Thermikblasen, aber das Wetter hatte sich doch etwas stabilisiert. Vereinzelt gab es Gruppen wo alle Piloten einen 1000'er erreichten. Wenn man bei derart schwierigen Bedingungen "dabei" ist hebt so eine Leistung das Selbstwertgefühl enorm!
Trotz diesem Umstand, oder gerade deshalb, gab es überraschte Gesichter wenn sich ein sicherer Flug schließlich als Außenlandung entpuppte und damit die, theoretische, Siegchance verblasste. Selbst Wolfgang Zach, unser Thermikpapst, durfte sich einmal nach draußen bücken und seinen Turbo nach einem anscheinend "locker" geflogenen Max, nur eine Handbreit außerhalb gelandet, aufnehmen. Ein seltenes Bild!
So hatte praktisch jeder Teilnehmer sein eigenes persönliches Schicksal. Teilweise gab es sehenswerte Soloflüge von Matthias Gerstgrasser, Wolfgang Zach, Jaroslav Kus und einigen anderen Piloten. Teilweise rannten Piloten ihren Fliegern entgegen um die Fehlzeit zu reduzieren. Schön anzusehen wenn sich dann doch ein Flieger, unbemerkt von den übrigen Piloten, in den Rückraum, in Richtung Wolken verdrückte und es schaffte die Thermik auszukurbeln. Manchmal gelingt eine Soloflucht eben nach Wunsch!
Zum Abschluss sah man die Piloten bei der üblichen Schlussaufgabe "All up last down" an der Arbeit. Das ist eine spektakuläre Aufgabe und die Anspannung ist recht groß. Der Helfer darf nicht beim Piloten stehen und wird zum reinen Zeitnehmer außerhalb des Start und Landefeldes degradiert. Eine Angstnummer bei der sich schon so mancher Pilot den Gesamtsieg geholt, oder aber einen Streicher eingehandelt hat. Alles oder nichts ist hier die Devise. Manchmal heißt die Devise auch "retten was zu retten ist"! Dabei kommt es ausschließlich auf das Geschick und die Übersicht des Piloten an. Der Start erfolgt gleichzeitig! Oft entscheiden die ersten paar Sekunden nach dem Start über ein gelingen des Fluges. Die Einen heften ihren HLG an den Pulk und hoffen auf den richtigen Riecher der Kollegen, Andere suchen ihr Glück in vermeintlich guter Luft oder jagen ihren HLG einer soeben durchgezogenen Thermik hinterher. Wieder Andere suchen ihr Glück woanders und drehen großen Platzrunden in der Hoffnung irgendwo eine Thermik zu erwischen. Groß ist das Erstaunen wenn alle bis auf Einen am Boden sind und sich für den nächsten Start bereitmachen während dann doch noch ein Flieger aus dem Orbit auftaucht und mit Max landet. Das sind die so genannten spektakulären Big Points und es gibt schon mal ehrlich gemeinten Szenenapplaus. Auch von den Konkurrenten! Wenn man schon nicht gewonnen hat, dann freut man sich wenn wieder einmal ein kleines Husarenstück gelingt! Des Einen Freud, des Andern Leid. So auch diesmal! Heinz gewann in seiner Gruppe durch einen Soloflug. Für Matthias, in derselben Gruppe am Start, blieb noch die Hoffnung dass der direkte Konkurrent, Miljenko Francic, kein Max schreiben würde.
Diese Rechnung ging leider nicht auf! Am Ende siegte Miljenko Francic in recht spektakulärer Weise vor Matthias Gerstgrasser und Nikola Francic. Das Team Francic unterstützte sich dabei auf ungewöhnliche aber durchaus korrekte Weise. Nikola Francic auf dem Weg zum Gruppensieg brach seinen Flug, zugunsten seines Vaters, vorzeitig ab. Das brachte Miljenko Francic den Sieg in seiner Gruppe. Eine nette Taktik! Dadurch wurde der bis dahin führende Matthias Gerstgrasser noch abgefangen und musste sich mit Platz 2 begnügen. Ein Herzschlagfinish!
Fazit:
Alles in allem ein schwieriger und fairer Wettkampf mit wenig "mid-air" Begegnungen und etwas anderen Ideen der Teambildung! Die Hochwerfer hatten wieder Saison und es war ein wirklich spannender, sehr selektiver Bewerb.
Was F3/K so erfolgreich und einzigartig macht? Aus meiner Sicht handelt es sich hier um die Paarung von echtem Sport mit Modellflug sowie nicht übertriebener Paragraphenreiterei. Während des Bewerbes gibt es keine Leerläufe wo man sich den halben Tag die Beine in den Bauch steht. Der Tag vergeht wie im "Flug" und man hat Spass miteinander. F3/K kann trotz der sportlichen Note von jung und alt betrieben werden. Dabei kommt es zu einer gesunden beinahe freundschaftlichen Konkurrenz, üblicherweise ohne hässliche Proteste. Trotzdem wird die korrekte Abwicklung nicht vernachlässigt. Diese Klasse hat "Klasse und Charakter"! Wir wollen hoffen, dass F3/K auch nach der bevorstehenden Ernennung zur FAI-Klasse, das bleibt was es ist. Ein Riesenspaß!
Als sehr interessanten Abschluss des offiziellen Teiles gab es eine Pylonracer Vorführung. Dabei wurde eindrucksvoll gezeigt, welche enorme Leistung bereits in einem ganz normalen 400'er Motor um 7 Euro steckt.
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