Auch als Modell mit Raketenantrieb!
Kurz zur ME 163: Dies war der erste und einzige je in Serie gebaute Raketenjäger der Welt. Ende des zweiten Weltkriegs von den Deutschen noch eingesetzt, überschritt sie als erstes Flugzeug der Welt die 1000km/h-Grenze und klopfte an die Schallmauer an. Mit einer Brennzeit von 3 bis 8 Minuten, je nach Ausführung und Betankung, stieg sie fast senkrecht zu den feindlichen Fliegerverbänden empor, schoß was ging, um dann im antriebslosen Zustand im Sturzflug mit 800km/h zu flüchten und im Segelflug zu landen. Der erwartete Erfolg blieb aus, die Deutschen verloren trotz der Geheimwaffen V1, V2 und ME 163 den Krieg.
Als Modell-Hubschrauber-Pilot interessieren mich Flieger relativ wenig. Bei einem Besuch im Modellbaugeschäft fiel mir eines Tages die "ME 163" in der GFK-Version ins Auge. Doch der Preis und der Propeller-Antrieb gefielen mir ganz und gar nicht. Nach wiederholtem durchblättern von Katalogen fand ich eines Tages die ME 163 von MCT als Styrophor-Modell mit E-Motor, 70cm Spannweite, um lächerliche ATS 300,- (ohne Motor). Ob die mit Raketentriebwerk funktioniert?
Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los. Als erstes suchte ich nach Treibsätzen. Erster Gedanke war, bei einer Feuerwerksfirma anzufragen, doch die haben nur fertige Sachen. Als nächstes suchte ich im Internet, und fand bei "Winklers Schulbedarf" die "Held 1000" - Treibsätze. Im Zehnerpack um 250,- sind sie recht günstig. Der Schub beträgt 100g für 5,5 Sekunden. Zu schwach, wie sich bei Flugerprobungen zeigte. Dann studierte ich das Angebot von Simprop. Die liefern Treibsätze der Firma "Esters" in unterschiedlichen Ausführungen. Ich entschied mich für die Version "C6-4". Das heißt 600g Schub für 1,7 Sekunden Dauer. Die 4 hinten gibt an, daß nach 4 Sekunden ein Ausstoß-Knall erfolgt, um bei Modell-Raketen einen Fallschirm rauszuschießen.
Als nächstes bestellte ich die ME 163 in Styro, zwei Pico-Servos, einen Pico-Empfänger samt Mini-Quarz, und einen 10A-Mini-Regler RS 5-08, mit dem der Treibsatz ferngezündet wird. Der Aufbau geht recht zügig und sollte an einem Wochende zu schaffen sein. Das Styropor wird geschliffen, die Ruder ausgeschnitten und Schaniere eingeklebt. Wegen dem Schwerpunkt verwendete ich schwerere Akkus als gewollt, die ganz nach vorne eingebaut wurden. Als Ein/Aus-Schalter verwende ich einen Doppel-Dip-Switch, klein und leicht. Die Seitenflosse habe ich aus Balsa nachgeschnitten, des Gewichtes wegen. Als Nase habe ich rund geschliffenes Balsa verwendet. Zum Fixieren der unteren Rumpfhälfte habe ich vorne eine lange Schraube verwendet, auf den ich spaß- und originalhalber einen kleinen Propeller montierte. Dieser hatte beim Original die Funktion, den Stromgenerator anzutreiben. Aus einem Kleiderhaken habe ich noch einen Hochstart-Haken geformt und mit einem kleinen Brettchen eingeharzt.
Die Düse habe ich aus einem dünnen Blech gerollt, mit Draht umwickelt und gelötet, kein großer Aufwand. An einem Ende wurde eine Alu-Platte eingeharzt, fertig war die Düse. Der Rumpf wurde hinten mit einem Lötkolben "ausgeheizt", die Düse mit Epoxy eingeharzt. Nun noch alles zusammenstoppelt und verharzen, dann kann lackiert werden. Mit einer Sprühdose geht das blitzeschnelle. Wer mehr Details liebt, bitte gerne, ich klebte noch ein Cockpitglas und eine Landekufe drauf.
So, der Jäger ist fertig. Er wiegt flugfertig ca. 250g inklusive Treibsatz. Da die Düse 600g Schub erzeugt, wird das Ding sicher wegfetzen, dachte ich mir. Doch wie soll der Start vonstatten gehen? Nach ersten Handwurfversuchen entschied ich mich für den Start mit Gummiseil. Mein Freund und Starthelfer hat aus seiner Seglerzeit noch eine Trommel herumliegen, endlich wird sie mal wieder gebraucht.
Jetzt der erste Flug...
Grandios! Ich muß sagen, es sind zwar nur ca. 5 Sekunden Flugdauer, aber die sind einzigartig! Das muß man gesehen haben. Nachdem der Treibsatz anfangt zu zischen, läßt der Starthelfer los, der Jäger fetzt weg, hängt sich gleich aus, kurz ziehen, der Jäger schieß im wahrsten Sinne des Wortes geradewegs in den Himmel, dann geht auch schon der Treibsatz aus, es folgt ein Segelflug mit Bauchweh und einer holprigen Landung. Der zweite Flug war wesentlich spektakulärer, ich fing im Steigflug mit einer Rolle an, auf dem Rücken stellte der Motor ab, mit viel Mühe zog ich die Rolle durch, die Landung war dann auf der Schnauze. Mit Klebeband und Styro-Sekundenkleber war der Jäger gleich wieder einsatzbereit. Mittlerweile hat der Jäger einige Flüge zu verbuchen. Doch wie beim Vorbild sind rund die Hälfte der Starts keine Flüge geworden. Entweder überschlug er sich gleich nach dem Start, oder flog irgendwo hin, nur nicht gesteuert. Aber das alles mit Volldampf! Die gesteuerten Flüge waren von maximal 10 Sekunden Dauer. Etwas mehr, wenn im Flug noch der Ausstoß des Treibsatzes erfolgt, da bekommt der Jäger noch einmal einen Tritt.
Nach einigen Überlegungen, wie die Flugzeit zu verlängern sei, habe ich ein Gestell aus Kleiderhakendraht gebastel. Auf einen E-Segler montiert fliegt die ME163 huckepack in die Höhe, wird ferngesteuert ausgeklinkt und die Rakete gezündet. Da die ME163 jetzt schon Fahrt und Höhe hat, ist der Flug ein wahres Spektakel. Die ME163 faucht hintenraus eine Rauchfahne und zischt vorne mit einem Affentempo weg. Kurz Roll gegeben läßt den Flieger 3 Rollen durchsausen. Am Rücken gestoppt kurz gezogen und ein Abschwung geflogen. Sofort wird die Landeeinteilung getroffen, mit Höchstgeschwindigkeit geht’s dem Erdboden zu. Die Landung war vorbildhaft auf der Kufe, der Flieger blieb ganz! Der zweite Flug endete leider mitten im benachbarten Teich, doch Dank der Styrophorbauweise blieb die Elektronik über Wasser.
Wer fliegen will, für den ist das nichts. Wer aber das andere sucht, der erlebt eine Menge Spaß. Das Schöne ist, daß dieser Spaß nicht viel kostet. Der Jäger mit allem drum und dran kostet knappe ATS 1.800,-. Ein Treibsatz kommt auf knappe ATS 50,-, je nach Stärke. Ich probierte auch die "B6-5" aus, die Brenndauer beträgt nur 0,83 Sekunden. Bei gelungenem Start sind kurze Flüge drinnen. Für die ersten Flüge von Vorteil, da auch billig, sonst eher zu wenig. Einmal hatten wir eine "B6-5" als Hauptdüse und zwei "Held 1000" als Marschdüsen auf das Seitenleitwerk geklebt. Das Geräusch und der Anblick waren epochal-imposant-grandios, doch durch den versetzten Schubvektor purzelte der Jäger 5 Sekunden am Boden herum. Natürlich kann größerer Aufwand mit Raketenstufen oder mit Bündelung getrieben werden, doch zahlt es sich meiner Meinung nach kaum aus. Einzig bei Turbinen-Jets kann ich mir vorstellen, daß Sidewinder-Raketen einmal ferngesteuert wegschießen, was sicher in der Scale-Bewertung volle Punktezahl ergeben wird.
Als Fazit kann ich sagen, daß es einfach witzig ist, sonst nix. Doch die Originalität und das Experimentieren ist einfach schön, Modellbau als Hobby ist eben etwas Wunderschönes!
Wenn jemand diesbezüglich Fragen jeglicher Art hat, so kann er mich kontaktieren:
Friedrich Amtmann Tel.Nr.:0650/ 4324314 Mail: Fritzens@8ung.at.
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