 Anlässlich eines Contest HLG-Bewerbs in Chomutov (Tschechien) ist ein neuer HLG am Markt aufgetaucht. Der Long Shot! Dieser Flieger macht einen sehr interessanten Eindruck. Deshalb wollte ich der Sache auf den Grund gehen.
Nachdem dieses Modell noch zu neu ist um am österreichischen Markt erhältlich zu sein, bat ich unseren Werner Stark mir sein fertiges Exemplar zu Testzwecken zur Verfügung zu stellen, was er auch tat. Ich möchte mich auf diesem Weg für die unkomplizierte Möglichkeit den Flieger zu testen, bedanken!
Die Optik:
Beim Long Shot handelt sich um einen recht günstigen HLG mit GFK/Styrodur-Fläche in positiv Bauweise, einem sichtbaren Kern mit Kohle-Verstärkungen.
Der Flügel ist sehr sauber verarbeitet. Die Klappen sind leichtgängig und präzise.
Die Oberfläche des Flügels glatt und ohne Fehler. An stark beanspruchten Bereichen wurde das Glasgewebe doppelt gelegt.
Die Leitwerke aus Balsa sind etwas schwer geraten, weshalb Werner Stark die serienmäßigen Leitwerke gegen Eigenbau-Leitwerke tauschte.
Auch das Rumpfvorderteil, aus weiß eingefärbtem GFK, ist leider ziemlich schwer. Der Kohlekonus, als Träger des Leitwerkes wird auf den aus dem Rumpf herausragenden Stummel aufgeschoben und mit Superkleber gesichert. Einfach praktisch und funktionell!
Die Form des Flügels ist klassisch mit ausreichender Flächentiefe im Randbereich des. Das verspricht schon mal gutmütige Langsamflugeigenschaften! Gerade Flügelhinterkante und ein scharf auslaufendes Profil ergänzen das Bild. Auffallend ist, dass sich die sichtbaren Kohleverstärkungen minimal über die Profilkontur hinauswölben. Kaum merklich! Beim Fliegen konnte ich diesbezüglich keine negativen Auswirkungen feststellen und auch bei Speedstellung ist dieser Umstand nicht merkbar. Ein Schönheitsfehler!
Die Servos für die Querruder sollten, um Schwerpunktprobleme zu vermeiden, in den dafür vorgesehenen Platz in den Tragflächen untergebracht werden. Die Kabeldurchführungen sind bereits vorhanden, ebenso die Ausschnitte für die Querruderservos. Auffallend die Flächen! Sie sind für derartigen Leichtbau erfreulich drehsteif.
Flugbericht:
Die in der F3/K Klasse üblichen Mischeinstellungen für Start, Thermik und Speed, sowie die Landehilfen wurden von mir gemacht und an einem fast windstillen Freitagabend im Juli ging es los zum Flugplatz. Mario Testori erklärte sich bereit eine Serie Aufnahmen von dem neuen Flugzeug zu machen.
Schon beim ersten Wurf konnte ich feststellen, dass der Flieger sehr gut auf alle Ruder reagiert. Er lässt sich wunderbar langsam machen und auch die Starthöhen sind im Bereich von über 30 Metern. Werner Stark wirft mit Wurfwinglet, während ich den Stift bevorzuge. Bei ausreichendem Training mit der ungewohnten Wurfhilfe müssten ein paar Meter mehr drinnen sein. Mir ging es jedoch mehr um die Auslotung der
Flugeigenschaften und da erlebte ich eine Überraschung.. Gefühlsmäßig erinnert der Long Shot ein wenig an die Flugcharakteristik des Fireworks III. Das ist kein Wunder! Verwenden doch beide Flieger das gleiche AG Profil von Mark Drella. Wie auch schon beim Fireworks ist ruhiges Wetter für den Long Shot das Element in dem er am sich wohlsten fühlt. Bei dem Testmodell war das Seitenruder nicht angelenkt, was ich persönlich als Nachteil empfinde. Dennoch ließ sich der Long Shot erstaunlich exakt in die Kurve leiten und kippelt, auch bei großen Schräglagen und in engen Thermikbärten, nicht. Sehr gut! Wie überhaupt vermittelt der Flieger in allen Fluglagen ein sehr harmonisches, sicheres Fluggefühl. Die von mir bei null Thermik geflogenen Zeiten liegen im Bereich von 60 Sekunden.
Wird sehr langsam geflogen und eine gewisse Mindestgeschwindigkeit unterschritten geht der Long Shot in einen Sackflug über. Das bedeutet, dass der Flieger zwar voll steuerbar bleibt, aber das Sinken merklich zunimmt.
Fazit:
Dieser Flieger gefällt auf Anhieb!
Der Long Shot ist ein formschöner, angenehm zu fliegender HLG mit sehr gutmütigen Flugeigenschaften. Er lässt sich sehr eng Kreisen und ist jederzeit unter Kontrolle zu halten. Ein Überziehen ist kaum möglich. Wenn es trotzdem mal passiert, ist das kein Malheur. Der Long Shot hält das aus. Beim Umschalten auf die diversen Flugzustände (Start, Speed und Thermik) ist kein Kraftmoment erkennbar. Der Flieger bleibt stabil und leicht steuerbar in jeder Lage und muss kaum korrigiert werden. Die Streckenleistung ist für einen HLG gut.
Das Sinken könnte besser sein. Verantwortlich dafür ist aus meiner Sicht ein zu weit vorne liegender Schwerpunkt. Dadurch fliegt sich der Long Shot überstabil und kann nicht ganz an seinem Leistungszenit betrieben werden. Wenn der Schwerpunkt um 7-8 mm zurückversetzt wird müsste der Long Shot ein robuster und alltagstauglicher Wettbewerbsflieger sein mit dem der konkurrenzfähige Einstieg in die Wettbewerbsfliegerei ohne große Kosten möglich ist.
Bei Fragen kontaktieren sie mich bitte unter dieser Mail-Adresse: hpfaffin@telering.at
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