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KLEMM 35 'Spezial' von Graupner

Wir Modellsporler haben die Möglichkeit, Luftfahrtgeschichte, 'nachzufliegen' und mit unseren Modellen Geschichte lebendig zu vermitteln. Klemm, Wolf Hirth, Martin Schempp, Professor Georgie, Heini Dittmar, Peter Riedel, Hanna Reitsch, Ernst Heinkel, Ernst Udet uva. sind Namen, die Luftfahrtgeschichte geschrieben haben.

Der Test der KLEMM 35 Spezial von Graupner gibt uns die Gelegenheit, nicht nur über das Modell sondern auch über das legendäre Original und seinen Piloten zu berichten.
Das Original der KLEMM 35 »spezial« war die private Kunstflugmaschine von Wolf Hirth. 1957 ließ sich Wolf Hirth diese KLEMM umbauen. Da Wolf Hirth nur alleine fliegen wollte, wurde auf den vorderen Sitz verzichtet und dafür durch den gewonnenen Raum ein 160 PS starker Sechszylindermotor eingebaut. Der offene Pilotensitz wird durch eine geblasene Kabinenhaube abgedeckt. Seit 2003 befindet sich die KLEMM wieder im Besitz der Fliegergruppe Wolf Hirth e.V. und steht auf der Hahnweide bei Kirchheim/Teck.

Wenden wir uns jedoch nun dem Besitzer dieser Maschine zu.
Wolf Hirth, der im wahrsten Sinne des Wortes, sein Leben der Fliegerei gewidmet hatte. Der am 28. Februar 1900 in Stuttgart geborene Wolfram Hirth musste bei einem so begabten und in Erziehungsproblemen so fortschrittlichen Vater, der ihm schon in der Jugend die Freude an der Luftfahrt einimpfte und einem der Luftfahrt verschworenen älteren Bruder Hellmuth, zwangsläufig in der Fliegerei eine große Rolle spielen. Es war sein brennender Wunsch, einmal in der Taube seines umjubelten Bruders mitfliegen zu dürfen. Am 12. Mai 1911 bei einem Schaufliegen vor dem König von Württemberg auf dem Cannstatter Wasen durfte er sich den Passagiersitz mit Ernst Heinkel teilen. Unter den Zuschauern stehen Robert Bosch und sein Vater Albert Hirth beieinander. Von nun an gibt es für den jungen Wolf nur noch das Fliegen. Er wird Mitbegründer des Aero-Modellclubs, baut Modelle und veranstaltet Anfang des Jahres 1914 einen großen Modellflug-Wettbewerb, bei dem sein eigenes Modell 56 Meter weit fliegt. Er beschäftigt sich neben seinem Schulbesuch mit theoretischen Kenntnissen des Fliegens, versucht sich am Bau eines Gleitflugzeugs und legt 1918 das Notabitur ab. Da Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg keine Motorflugzeuge mehr bauen darf, hatte sich ein Häuflein unentwegter Pioniere dem Segelflug verschrieben. Zentrum der Segelfliegerei wurde die günstig gelegene Rhön. 1920 nimmt der nun zwanzigjährige Wolf an dem 1. Rhönwettbewerb für Gleitflugzeuge teil und baut innerhalb von nur fünf Tagen mit Freunden ein Gleitflugzeug, das beim Wettbewerb einen Trostpreis von 300 Mark erhält.

Wolf Hirth fehlte bei fast keinem Rhönwettbewerb. Und da die Segelflugzeuge immer größer und leistungsfähiger wurden, nahm auch die Gefahr zu. Das sollte Wolf Hirth bald am eigenen Leib erfahren, als er sich in Folge eines Absturzes eine Kehlkopfverletzung und einen schweren Beckenbruch mit Nervenentzündung zuzieht, wodurch der rechte Fuß für zwei Jahre gelähmt und dann bleibend verkürzt ist. Da Wolf Hirth mit dem Motorrad zur Rhön fährt und dabei des öfteren Pannen hat, lernt er die Motoren ausgiebig kennen. So verschreibt er sich auch dem Motorsport und erringt mit Motoren seines Bruders Hellmuth im Jahr 1924 bei zehn Rennen acht Siege. 1925 erleidet er einen Motorradunfall, bei dem er sich so schwer verletzt, dass ihm das linke Bein amputiert werden muss. Dieses Schicksal kann ihn nicht in seinem Tatendrang bremsen. Noch auf dem Krankenbett gründet er die noch heute bestehende »Akademische Fliegergruppe Stuttgart« (Akaflieg).

1928 beendet er sein Ingenieurstudium mit dem Diplom-Ingenieur und nimmt anschließend an einem Segelflugwettbewerb in Vauville/Frankreich teil, wo er einen vierfachen Sieg davonträgt. Zu dieser Zeit wendet er sich auch wieder dem Motorflug zu und erringt neben anderen Preisen auch den Hindenburgpokal. 1930 unternimmt er dann mit einer Klemm-Maschine einen Motorflug, der ihn mit Zwischenstationen in England, den Orkney-Inseln, Island, Grönland, Labrador und Quebec nach Nordamerika führen soll. Nach einem einwandfreien Flug - unter anderem fast tausend Kilometer über offenem Meer - kommt er in Island an und erfährt dort, dass die dänische Regierung entgegen früherer Zusagen auf einem Landegeld von zehntausend Kronen für Grönland besteht. Da Wolf Hirth diese nicht aufbringen kann, muss er seinen Plan aufgeben, ist aber immerhin der erste Flieger, der mit einem Landflugzeug Island erreichte.

1930 geht Hirth als Botschafter des Segelflugs in die USA und macht dort diesen schönen Sport populär. Und hier im Land der Wolkenkratzer entdeckt er die Gesetze der Thermik. Durch das so genannte  »Steilkreisen«, welches Wolf zwei Raubvögeln abgeschaut hat, gelingt ihm der erste Thermikstreckenflug in der Geschichte des Segelfluges. Nach mühsamen Verhandlungen mit den New Yorker Behörden erhält er die Genehmigung zu einem Segelflug über New York und startet am 10. März 1931 von einem winzigen Platz am Hudson-River. Da nach vierzig-minütigem Flug über der Stadt die Schaulustigen die Straßen verstopfen und sich ein Verkehrschaos anbahnt, wird er durch Signale zum Landen aufgefordert.

Nach Deutschland zurückgekehrt, übernimmt Wolf Hirth die Leitung der Segelflugschule in Grunau und konstruiert mit Edmund Schneider zusammen das berühmt gewordene Segelflugzeug »Grunau-Baby«. Im gleichen Jahr wird ihm das Internationale Silberne Segelflugabzeichen Nr. 1 und ein Jahr später - 1932 - für seine wissenschaftlichen und sportlichen Leistungen im Segelflug der Hindenburgpokal verliehen. Damit ist Wolf Hirth der einzige Flieger, der diesen Pokal sowohl für den Motor- wie für den Segelflug erhielt. Er fehlt fast bei keinem Rhönwettbewerb und erfliegt Welt-und sonstige Rekorde. Beim 14. Rhönwettbewerb gelingt ihm ein Streckenflug von 352 Kilometer, der ihn von der Rhön bis nach Görlitz trägt.

Dass Hirth bei seiner großen Praxis im Segelflug immer neue Methoden erprobt und einführt, um diesen von ihm so geliebten Sport noch leistungsfähiger und attraktiver zu machen, verwundert kaum. So unternimmt er bereits 1930 Versuche mit dem Autowindenschlepp und demonstriert auf einer Reise durch Pommern den Segelflug in der Ebene. Auch beim Schlepp des Segelflugzeugs durch Motorflugzeuge leistet er Pionierarbeit. 1933 baut Hirth das Segelflugzeug »Moazagotl«, das dann 1934 auf seiner Südamerikareise, an der auch Professor Georgie, Heini Dittmar, Peter Riedel und Hanna Reitsch teilnehmen, in den argentinischen Anden seine Bewährungsprobe besteht. Ein Jahr später - 1935 - betätigt sich Wolf Hirth dann in Japan als Segelfluglehrer und reißt mit seiner berühmten »Minimoa« - dem ersten in Serie gebauten Segelflugzeug der Welt - die Japaner zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Diese Maschine stammt aus der von Wolf Hirth zusammen mit Martin Schempp gegründeten Firma, die auch den Typ »Wolf« baut. Und da Hirth schon lange die Idee eines Volksflugzeugs verfolgt, baut er den Motorsegler »Hi 20 MoSe« nach seinem 1935 eingereichten Patent. Dieses Segelflugzeug mit schwenkbarem Hilfstriebwerk wurde zum Ahnherrn eines neuen Flugzeugtyps. Alle Entwicklungen werden durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs abrupt beendet.

Nach Ende des Krieges hatten die Menschen andere Sorgen und Bedürfnisse und so überbrückte Hirth diese Zeit mit der Produktion von Kunststoffschüsseln, Kinderwagen, Sesseln, Kücheneinrichtungen und Wohnwagen. 1950 wird der Deutsche Aeroclub gegründet, dessen erster Präsident Wolf Hirth wird.

Schon 1951 nimmt er die Produktion des Segelflugzeugs 'Goevier' auf. In der Folge setzt er sich mit ganzer Seele für den Gedanken des Flugsports ein, was durch die Verleihung der Lilienthalmedaille durch die Federation Aeronautique Internationale im Jahre 1958 volle Anerkennung findet. Dieser so aktive und durch keine Schicksalsschläge zu bremsende Pionier des Flugsports stürzt dann am 25. Juli 1959 mit dem Segelflugzeug Lo 150 ab und erleidet den Fliegertod. Das Flugzeug war nur leicht beschädigt und er selbst ohne nennenswerte Verletzung. Es war also kein tödlicher Absturz im herkömmlichen Sinne. Die Presse berichtete damals, dass er wahrscheinlich in der Luft gestorben ist und das Flugzeug im Gleitflug selbsttätig 'landete'. (Quelle Wikipedia)

Nun zum Modell
Öffnet man den Bausatz, so fällt sofort die sorgfältige Verpackung der Eilzelteile auf, die durch die Herkunft aus Fernost begründet ist.
Das Modell ist ganz in Holzbauweise aufgebaut und zeugt vom handwerklichen Können der Erbauer. Motorhaube und Radverkleidungen sind aus GFK und bereits fertig lackiert und verziert. Der Tragflügel besteht aus einem Mittelteil und zwei Außenteilen, ist in Rippenbauweise erstellt und wird mittels zweier stabiler Verbinder zusammengeklebt. Seiten- und Höhenruder werden über das bereits montierte Direct-Steel-System (DSS) angelenkt, das eine spielfreie Anlenkung der Ruder gewährleistet. Die Querruder werden mit zwei Servos spielfrei angelenkt. Rumpf, Tragflügel und Leitwerke sind bereits fertig zweifarbig mit Folie bespannt, müssen jedoch unbedingt 'nachgeföhnt' werden. (Achtung die Folie ist temperaturempfindlicher als gewohnt).

Beim Testmodell war auch zu bemängeln, dass die Holzqualität der Beplankungen sowohl des Rumpfes als auch der Tragflügel etwas zu weich ausgefallen ist. Der Beutel mit der 'Hardware' wie Räder, Schrauben, Heckfahrwerk etc. ist sehr reichlich ausgefallen und beinhaltet mehr Teile als in der Bauanleitung erwähnt und am Modell gebraucht werden. Die Bauanleitung selbst ist eher dürftig gehalten und besonders der Bereich Motoreinbau (Zug und Sturz) wird negiert. Weiters sind die in der Bauanleitung angeführten Angaben für Krümmer, Flexrohr und Dämpfer falsch. Also bitte im Fachgeschäft beim Kauf des Motors unbedingt ausprobieren.

Bedenkt man jedoch, das Preis/Leistungsverhältnis bei diesem Bausatz, so kann man ohne weiters über diese kleinen Unzulänglichkeiten hinwegsehen, denn Graupner bietet hier ein wunderschönes Modell zu einem sehr guten Preis an. In das Testmodell wurde der OS MAX FS 120 Surpass III eingebaut. Die stärkere Motorisierung wurde gewählt, um auch eine redaktionseigene MINIMOA (Graupner) stilecht schleppen zu können.

Flugerprobung
Leider konnte auf Grund der herrschenden Schneelage und des Wetters bisher nur ein Testflug durchgeführt werden. Das Modell fliegt sehr gutmütig und ruderfolgsam und ist eine wahre Augenweide im niedrigen Vorbeiflug mit Halbgas. Will man nicht Schleppen, so ist eine Motorisierung mit einem OS 90 iger wohl ausreichend und entspricht eher der Geschwindigkeit und dem Flugbild des Originals. Besonders in einfachen Kunstflugfiguren mit richtiger Fluggeschwindigkeit zeigt die KLEMM ihre Stärken und ist sicher auf jeden Flugtag eine Bereicherung und bereitet dem Piloten und den Zusehern sicher viel Freude. Mit diesem Modell bietet Graupner die Möglichkeit, mit relativ geringem Aufwand ein Stück Luftfahrtge-schichte nachzufliegen und persönlich zu erleben.

Technische Daten:
Spannweite(mm): 2070
Länge(mm): 1420
Fluggewicht(g): 5000
Antrieb: 15-20ccm 2/4-Takt

     Manfred Dittmayer
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