 Test: Fireworks III
Seit mein Freund ein leichtes Vorserienmuster des Fireworks III zu den Bewerben mitbrachte und ständig sehr gute Zeiten auch bei schlechten Bedingungen flog, wusste ich, der Fireworks III musste her, koste es was es wolle! Dabei handelt es sich um einen voll GFK/CFK-Hightech Handlaunch Glider. Für das Design zeichnet der österreichische Hersteller PCM (www.pcm.at) mit Markus Podevin verantwortlich. Aufgrund seines Aussehens hebt sich dieser Flieger etwas von der Masse der HLG's ab. In HLG-Kreisen werden mittlerweile Wunderdinge von dem Flieger erzählt. Das macht natürlich neugierig und ich entschloss mich der Sache auf den Grund zu gehen. Die unterschiedlichen Ausstattungsvarianten und Variationen der Bausätze bieten genügend Spielraum fürs Budget. Viel Eigenleistung mit nicht zu hohen Kosten. Wenig Eigenleistung und hoher Fertigungsgrad schlagen sich mit erhöhten Kosten zu buche. Dazwischen ist alles möglich!
Zum Bau:
Die Teile sind hochwertig und leicht. Das Rumpfvorderteil besteht aus CFK und geht mit seinem quadratischen Anschlussquerschnitt in das CFK-Heckrohr über, welches sich dann in einen runden Konus fortsetzt. Der Einbau der RC-Teile ist eigentlich vorgegeben und wird in den allermeisten Fällen unverändert zum Bauplan erledigt. Trotz relativ guter Zugänglichkeit zum RC-Equipment sind der Einbau und die Justierung der Anlenkungen ein wenig nervend und erfordert Fingerspitzengefühl. Die CFK-Haube kann komplett entfernt oder mit einem Griff zurückgeschoben werden. Super! Der Tragflügel, in GFK/CFK-Schalenbauweise mit kohleverstärkten Balsaholmen meines Testmodells wog gerade mal 117 Gramm. Beim verwendeten Flügelprofil handelt es sich um ein reinrassiges Klappenprofil, entwickelt von Mark Drella, dass im Wesentlichen auf die zwei wichtigsten Klappenstellungen, Speed und Thermik, optimiert wurde. Die Klappen sind sehr groß. Meine Befürchtung die Getriebe der 5,4 Gramm Servos könnten schlapp machen, war unbegründet. Selbst extreme Kraftstarts bzw. Abstiege aus größerer Höhe lässt die Servos kalt! Die Scharniere der Querruder sind aus dünnem Klebband. Das ist effektiv, aber leider ein ziemliches Gefummel bis alles so passt wie es sein soll. Die Flügelnase sollte übrigens durchgehend mit Klebband beklebt werden. Das schützt diesen heiklen Bereich im Falle eines leichten Chrashes und glättet zudem die Eintrittskante des Profils.
Die einzelnen Teile passen gut und die Arbeit schreitet zügig voran. Eine Bauanleitung wird nur selten benötigt, sollte aber trotzdem zu Baubeginn eingehend studiert werden. Aus der Wettbewerbszene übernommen hat es sich durchgesetzt die Antenne im Tragflügel zu verlegen. Die Antenne des Empfängers wird mit einem Stecker versehen. Dadurch kann der Flügel leicht vom Rumpf getrennt werden. Die Anlenkung der Querruder wird wie im Bauplan beschrieben mittels 3mm Alu-Torsionsrohr gelöst. Meine Leitwerke aus sehr leichtem 4,5 mm Vollbalsa gefertigt, profiliert und mit Hohlkehlenscharnieren versehen und durch Bohrungen nochmals erleichtert und anschließend mit Oracover light bebügelt, wiegen zusammen etwa 13 Gramm. Torsionsfedern für die Rückstellung der Leitwerks-Ruderflächen sind aus der HLG-Szene mittlerweile hinlänglich bekannt und kaum mehr wegzudenken. Ein Dankeschön an Wolfgang Zach der diese Entdeckung gemacht hat.
Das gesamte RC-Equipment befindet sich im Rumpf und damit vor dem Schwerpunkt. Sehr gut! Die Servos können mittels CNC - gefrästen Halterungen befestigt werden (erhältlich bei PCM). Eine sehr saubere Lösung! Nach Abschluss des RC-Einbaues sieht das Rumpfinnenleben sehr aufgeräumt aus. Die Querruder werden innerhalb des Rumpfes mittels 1,5mm Kohlestangen angelenkt. Nichts unnötiges stemmt sich gegen den Fahrtwind! Von der Möglichkeit, die Servos in den Flügel einzubauen sah ich ab, da diese Variante aus meiner Sicht gleich mehrere Nachteile hat. Die Ruderhörner für die Leitwerke werden aus 0,6 mm Sperrholz gefertigt. Die Kevlarseile zur Ansteuerung werden vor dem Ablängen maximal belastet und dann direkt und unverrückbar mit Superkleber an die Ruderhörner geklebt. Natürlich muss zuvor auf korrekte Stellung aller Ruder geachtet werden da ein späteres justieren nur schwer möglich ist. Erstaunlich war in meinem Fall, dass sich der Schwerpunkt gänzlich ohne Bleizugabe, allein durch die Verlagerung aller RC-Einbauteile ergab. Damit kommen wir zum Abfluggewicht und ich musste mich vor Aufregung erst mal setzen. Mit einem sehr leichten Potensky 7 Kanal Empfänger (5,7 Gramm inkl. Gehäuse) sowie 4 Stück der 8mm Servos (a 5,4 Gramm) und vier 250'er NiMh Akkus (22 Gramm) brachte die Orchidee grade mal 223 Gramm auf die Waage. Das ist ein sehr guter Wert!
Flugerfahrung:
Um das gesamte Potential des Fliegers auszuschöpfen sollte der Sender folgende Mischer beherrschen: Differenzierung der Querruder, Snap Flap, Querruder mit Seitenruder Mischer und als Landehilfe die Butterfly oder Krähenstellung. Weiters wäre es kein Nachteil, wenn der Sender auch über die Möglichkeit der Flugphasenumschaltung, für die Start, Speed und Thermikflugphase verfügt.
Gleich vorweg muss betont werden, dass jeder Pilot beim Fliegen so seine Eigenheiten hat und die Flugeigenschaften natürlich nicht gleich empfindet. Deshalb ist der von mir als angenehm empfundene Schwerpunkt bei 78 mm nur ein subjektiver Wert. Es gibt Kollegen die fliegen den Fireworks mit Schwerpunkt bei 82 mm und andere wieder bei 72mm bzw 69mm. Eine Frage des Flugstils! Die Wölbung, bei Thermikstellung beträgt 2 mm. Mehr kann ich nicht empfehlen, da der Flieger sonst stärker bremst und bei Wind leicht in den Sackflug übergeht! Mit der beschriebenen Klappenstellung lässt sich der Fireworks trotz geringem Gewicht, auch bei Wind, noch sehr präzise fliegen und der Flügel produziert weniger Kraftmomente beim umschalten von Speed auf Thermik.
Nach dem Einfliegen ging es an den typischen SAL-Start. Zum ersten zaghaften Wurf wurden die Klappen 1mm nach oben gestellt. Pendelneigungen sind kaum zu erkennen und schnurgerade zieht der Flieger nach oben. Sehr gut! Apropos Einfliegen, beim Höhenleitwerk würde ich zu einem Pendelhöhenruder raten. Damit lässt sich der Fireworks optimal einstellen. In meinem Fall versieht ein gedämpftes HLW seinen Dienst.
Die Thermikstellung erlaubt es ausgesprochen langsam zu fliegen. Während im Normalflug null Höhenrudertrimmung notwendig ist, muss bei gewölbten Flaps etwas Höhenrudertrimm dazugemischt werden. Der Flügel arbeitet beim umschalten auf die diversen Flugzustände also nicht momentfrei! Beim Speedflug verhält sich das Kraftmoment durch negativ gewölbte Flaps in gleicher Art und es muss Tiefentrimm dazugemischt werden. Mit nur 223 Gramm Fluggewicht ist der Fireworks bei Nullwind natürlich ein optimaler Partner und kann in den Kurven mit Seiten und Höhenruder bis zum Anschlag richtiggehend gewürgt werden. Dabei sollte die Schräglage mit den Querrudern kontrolliert und der Flieger gestützt werden. Bei Wind wäre Bleizugabe erforderlich. Leider ist eine Möglichkeit dafür nicht vorgesehen. Mit vielleicht 20 oder 30 Gramm Blei im Schwerpunkt müsste das Flugbild, bei Wind, wesentlich ruhiger und ausgeglichener sein. Das würde den Piloten entlasten! Auch könnten durch Bleizugabe der Durchzug erhöht und damit die Abwindfelder leichter überbrückt werden. Der Wettbewerb ist für das Material ein Grenzgang. Nachdem mein erster Tragflügel beim Wettbewerb, vermutlich durch die extrem leichte Bauweise Probleme verursachte, wurde mir von Markus Podevin ein nagelneuer Kohle D-Box Flügel zur Verfügung gestellt.
Dieser neue Flügel hält allen Beanspruchungen, die beim SAL-Start auftreten, stand. Zudem ist dieser Flügel nun wesentlich drehsteifer. Das Gewicht wurde trotz insgesamt erhöhter Festigkeit nur um 10 Gramm höher. Ein vernachlässigbarer Gewichtszuwachs!
Fazit:
Ein Top Gerät!
Der Fireworks III ist ein toller Gleiter, äußerst wendig und gutmütig zu fliegen. Das sind schon mal sehr gute Voraussetzungen für einen Wettbewerbshlg. Die Starthöhen sind in etwa vergleichbar mit den Starthöhen der Top-HLG's anderer Hersteller, wobei zu erwähnen wäre, dass es sicherlich auf den Piloten ankommt wie viel Geschwindigkeit er dem Fluggerät mitgeben kann und wie wenig er den Fireworks beim Start stört. Der Kreisflug ist, wenn man sich erst mal an den Flieger gewöhnt hat, gut. Die Sinkgeschwindigkeit ist hervorragend.
Die Klappenstellung im Strak beschleunigt den Flieger enorm und ein sicheres Heimkommen im gestreckten und sehr flachen Gleitflug sollte kein Problem darstellen. Mit +1mm der Klappen wird gestartet. In Thermikstellung, mit -2mm nach unten gefahrenen Klappen, lässt sich gut kreisen, herumhungern und Thermikschnüffeln. Der Langsamflug ist gut! Die Domäne des Fireworks ist aber der flotte Flug mit geringem sinken und die maximal erreichbaren Starthöhen und ruhiger Thermikflug. Hier ist er nahezu unschlagbar. Zerrissene Thermik bzw. Umgebungsluft mag er gar nicht!
Was könnte verbessert werden?
Bleizuladung im Schwerpunkt sollte unbedingt möglich sein.
Die Klappen sind aufgrund des sehr dünn auslaufenden Profils nicht sehr drehsteif. Hier sollte CFK verwendet werden, aber es gibt bereits Abhilfe. PCM baut auch einen Voll-Kohleflügel und damit ist auch dieser Punkt abgehakt!
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