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Christoph Gruber ist der eigentliche Motor dieses Projektes. Nachdem er viele Segelflugmodelle geflogen hat und doch mit keinem so richtig zufrieden ist, ist für ihn klar, dass nur ein absolutes Spitzenmodell auf die Dauer Freude macht. Also ein reinrassiges F3B - Wettbewerbsmodell. Doch hier ist das Marktangebot eher mager. Vielleicht 5 Hersteller kommen in Frage, und die Lieferzeit für so ein Ding liegt ungefähr bei einem Jahr. Besonders nervig, wenn man Ersatzteile braucht! Außerdem bewegt man sich hier normalerweise in einer Preisklasse, in der Warten erst recht keinen Spaß macht. Christophs Wunsch ist, möglichst schnell und günstig ein solches Modell zur Verfügung zu haben, für jedermann!
Es entstand eine Kooperation mit Martin Weberschock (ein namhafter deutscher Wettbewerbspilot), der Urmodelle aus CNC-gefrästen Formen zum Abformen zur Verfügung stellt - von einem Modell, das Christoph Gruber als "das Beste aus zwei Welten" bezeichnet. Was damit gemeint ist erläutert der Konstrukteur der Europhia, Martin Weberschock, auf seiner Internetseite: "Mit der Europhia 2 werden die aktuellsten aerodynamischen Erkenntnisse mit den Erfahrungen aus vielen erfolgreichen F3B Modellen zu einem neuen Konzept zusammen gefasst."
Das Profil dieses Flügels wurde schon erfolgreich bei der "Estrella" verwendet und findet man jetzt in modifizierter Version am Europhia2 Flügel. Die Leitwerkskonfiguration wurde hier von der "Racemachine" (schwedische F3B Nationalmannschaft) übernommen. Hebelarm und Höhenleitwerksfläche wurden dabei an den Europhia 2 Flügel angepasst. Die Europhia 2 mit Kreuzleitwerk stellt durch ihr ausgezeichnetes Handling die ideale Grundlage für den Einstieg in den F3B-Sport dar.
Wem "Estrella" und "Racemachine" kein Begriff ist, der braucht nur die F3B Wettbewerbs-Ergebnislisten der letzten Zeit hernehmen. Die "Estrellas" sind meist recht weit oben zu lesen, "Racemachine" bekannt für ein super Handling. Das Beste aus zwei Welten!
Die Grundlage ist gelegt. Mit Rainer Stratberger bringt sich ein weiterer wichtiger Mann ein. Er finanzierte den Bau der Formen, (die Christoph Gruber nach einem neuen Verfahren vollständig aus Kohle baute), und übernimmt den Vertrieb der Maschine. (www.stratair.at)
Ich will mehr wissen über diese neu entstandene Europhia- Euphorie, und nehme mir ein Vorserienmodell unter die Lupe, was mich sehr freut, denn eventuellen Kinderkrankheiten kommt man da ja viel schneller auf die Spur.
Das Modell:
Hochglänzende 3,2m Spannweite werden mittels 4 Klappenflügel, Seiten- und Pendelhöhenruder durch die Luft dirigiert. Die Fläche ist vollständig aus CfK-Laminat aufgebaut, es gibt eine Standardversion und eine Hochmodul-Kohleversion. Der Rumpf ist eine CfK/GfK Kombination. Ein verstellbarer Hochstarthaken ist eingebaut. Das Höhenruder eine GfK Konstruktion. Optisch wirken die Randbögen der Fläche und des Leitwerks eher wie Hund und Katz, aber aerodynamisch gibt's da nix auszusetzen, Form follows function. Das die Wölbklappen beim Rumpf dicht abschließen ist ja wohl seit Arthur Frenslichs "Skorpion" Standard, (wozu etwas verschenken?), also ist das natürlich auch hier zu finden. Außerdem sind die Querruder als Gigaflaps auslaufend gebaut. Damit ist gemeint, dass die Querruder am Außenflügel nicht rechtwinkelig abrupt aufhören, sondern einen sanften Verlauf zur Endleiste bekommen. (siehe Foto) Das verringert die Wirbelbildung vor allem am Außenflügel, der ja speziell für das Abreißverhalten ein Kriterium ist. Auffällig ist die enorme Torsionsfestigkeit aller Ruderklappen. Verbunden werden die beiden Flügel wie üblich mit einem CfK-Verbinder, wobei hier 2 Versionen erhältlich sind. Standard ist 6° V-Form, für den Hangflugeinsatz gibt es auch einen 4° Verbinder.
Recht eigenwillig, aber funktionell und vor allem den auftretenden Kräften entsprechend, ist das Rumpfboot. Ein auf der Unterseite zu öffnender Deckel gibt den Blick ins Innenleben der Europhia frei. Hier will genau überlegt sein, wie die Fernsteuerungskomponenten eingebaut werden, denn das könnte knapp werden. Mir war wichtig die Struktur in diesem Bereich nicht zu schwächen, deshalb hab ich sorgsam nach passenden Servos gesucht. Beim Seitenruder fiel die Wahl auf ein HiTech HS 81MG, beim Höhenruder gibt's für mich nur die Wahl zur Superqualität, denn die Stellgenauigkeit ist vor allem beim Pendelruder unerlässlich. Ich habe hier das Futaba S3150 Digitalservo genommen.
Wenn schon eigenwillig, dann gleich richtig. Beide Servos mit Abdeckklebeband eingepackt und mit Superkleber stumpf auf die Fläche im Rumpf geklebt, die eigentlich als "Servobrett" hätte zerfräst werden müssen. Das hält bombenfest! Sollte hier einmal ein Service nötig sein, brauche ich nur das Abdeckband mit einer scharfen Klinge einschneiden, zur Seite ziehen und das Servo rausnehmen. Die Reste vom Papierklebeband lassen sich gut wegschaben, das Servo bleibt unversehrt. Nun hatte ich Platz genug um den Empfänger unter den Servos zu platzieren. Trimmblei, Akku und Schalter gehen sich somit locker aus. Und den Schacht für den Ballast habe ich auch gut zugänglich.
Somit bin ich in meinem Bericht schon beim Zusammenbau der Teile angelangt. Eines vorweg. Eine Bauanleitung gibt's zu diesem Modell nicht, zum Einen, weil eher der Könner zur "Europhia" greifen wird und zum Anderen, weil's eh schon fertig ist! Es ist nur noch der Kabelsalat und das Servo-einbauen notwendig, alles andere ist fertig. Anlenkungen, Spaltabdeckungen, alles...!
Beim Vorserienmodell war hier ein kleiner Mangel festzustellen, das Höhenruder hatte ein wenig Spiel.
Die Ursachenforschung ließ mich weiter ins Innere des Vogels vordringen. Da ich hier einfach keine Fehlerquelle sitzen haben wollte, hab ich die gesamte fertige Anlenkung des Pendelruders samt Schubstangen herausoperiert - zuletzt dann mit dem Stemmeisen! Also, ich muss schon sagen- der Rumpf hält was aus!
Der Fehler war mickrig aber wirkungsvoll, Spiel im Achslager des Umlenkhebels! Ein bisschen Spiel bei den Gabelköpfen, ein wenig im Lager und in Summe wackelt alles daher.
Ich habe dann eine komplett neue Anlenkung gebaut, aus Platinenplattenmaterial. Die Bohrungen sind nun wirklich knapp bemessen, so dass erst ein wenig "gängig machen" die richtige Passung machte. Außerdem packte ich die Gelegenheit gleich beim Schopf und baute den Umlenkhebel so ein, dass "Höhe" auf Zug kommt. Da gibt's kein Risiko wegen ausbeulender Schubstangen oder sonstiger Ungenauigkeiten. Ein Gespräch mit Rainer Stratberger über dieses Problem hat dazu geführt, dass er diese Konstruktion in die Serienfertigung übernommen hat. Ja, Vorserienmodell testen hat was!!!
Erstflug:
Ich bin vorerst mit einem "Referenzmodell" einem F3B "Phönix" auf unserem Hang im Wienerwald geflogen. Ich wollte die thermischen Verhältnisse vorerst mit einem mir bekannten Modell erkundschaften. Winde oder Gummiseil hatte ich nicht zur Verfügung. Und weil ich mit meinen Lieblingsflieger "Luft testen" war, bin ich mit der "Europhia" eigentlich recht emotionslos am Hang gestanden. Was soll da schon besser sein. Dann ein ordentlicher Wurf und ab damit. Vorerst in Bodennähe dahin, mit dem Gedanken - ja, fliegt auch ... In einem großen Bogen bin ich durch die Landschaft geflogen, ha - ein kleiner Heber. Einkurbeln! Lieber sachte, die spitz auslaufenden Randbögen sind mir nicht geheuer. Beim Erstflug gleich ein Strömungsabriss mit anschließendem lustigen Teileeinsammeln kann ich nicht brauchen. Doch, meine Sorge war unbegründet. Ich konnte Höhe aufbauen, und mit der Höhe wurden auch die Flugzustände extremer. Zeitweise hab ich die "Europhia" in der engen Thermik gekurbelt wie wenn ich einen HLG fliegen würde. Seitenruder voll, Höhenruder soviel nötig ist, und mit dem Querruder flach halten. Wölbklappe nach Bedarf. Kurbeln wie auf einer Briefmarke. Sogar im sich ankündigenden Abriss konnte ich noch wählen, ob ich schnell aus dieser Fluglage raus möchte, oder ob ich sozusagen im "Drift" daherkommen will. Also, des Messers Schneide ist recht stumpf.
Aus recht ansprechender Höhe hab ich zum Speedflug angesetzt, bin vor mir vorbei durch die bodennahen Turbulenzen wieder in den Himmel geschossen. Kein Wacheln, kein Flattern und kein Biegen. Und das mit der Standardversion! Sehr leise ist das Teil, war mein Gedanke. Dabei fiel mir zum ersten Mal auf, dass ich nicht einmal einen Zahn trimmen musste! Wieder Einstieg in die Thermik, Höhe aufbauen. Dann wollte ich einfach etwas herumturnen. KREUZbrav folgt der Flieger jedem Steuerbefehl. Noch nie habe ich einen so schnellen und engen Looping geflogen ohne Tempo dabei zu verlieren. Rückenflug, Rolle, langsam, schnell, wieder durch die Turbulenzen in Bodennähe und wieder aufkurbeln.
Die erreichte Höhe hab ich dann wieder mit einem Speedflug und einigen engen Wenden abgebaut. Ob der optische Eindruck auch der Stoppuhr standhält wird wohl die F3B -WM im August 2005 zeigen. Ich wollte eigentlich die Alltagstauglichkeit testen, denn nicht nur im Wettbewerb ist Leistung gefragt. Und gerade hier möchte ich das Kreuzleitwerk besonders loben. Hier ist ein Seitenruderausschlag etwas wert, was ich bei einem V-Leitwerk nicht oft erlebt habe. Möglicherweise ist das Kreuz im Wettbewerb etwas langsamer, (wird man sehen), aber zum Alltagsfliegen ein Quantensprung der Verbesserung. Und Transportfreundlich- 2 Quantensprünge.*)
Der Ansatz zur ersten Landung kommt zirka 5m hoch, Klappen raus.... Wie wenn ich seit Ewigkeiten diese Maschine fliegen würde. Europhia gelandet- emotioneller Höhenflug gestartet. Europhia-Euphoria, ein passendes Wortspiel. Ich kann die mitgelieferten Einstellwerte nur vollends bestätigen, nicht einen Pieps habe ich anders trimmen müssen! Ich bin echt begeistert. Ich bin dann im Gespräch mit Martin Pirker draufgekommen, dass er auch eine Europhia hat, und genauso eingestiegen ist, ohne große Erwartung. Seine Internetseite http://fly.to/pirker möchte ich hier empfehlen und mich hiermit für sein Datenmaterial danken.
*) Neueste Meldung: Die F3B WM 2005 in Finnland ist entschieden. Weltmeister Andreas Böhlen fliegt einen "Crossfire" mit Kreuzleitwerk unter anderem auch die absolut beste Speedzeit (14,9 s).
Martin Weberschock erreicht mit der "Europhia" den 4. Platz. Gratulation!
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