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Cap 231 EX von simprop

Bei der Vielzahl von Vergnügungs-Parkflugmodellen war eigentlich auch ein um alle Achsen steuerbarer Kunstflugtyp am Markt zu erwarten. SIMPROP wählte dafür die Cap 231 Ex aus. Ihren großen Bekanntheitsgrad als Großkunstflugzeug verdankt sie der Breitling-Werbung.

        Die vorliegende Modellversion bietet gute technische und optische Vorfertigung von Fläche, Rumpf und Leitwerk. Nach dem Zusammenbau könnte es schließlich laut Schlusskommentar der Textbauanleitung lauten: 'Zu schön und zu schade zum Fliegen'. Bevor es aber beim Testerteam so weit war, galt es doch einige Hürden zu überwinden.
        Klare Bauanweisungen erhält man hier durch eine sehr gute Bilderanleitung, deren 51 Skizzen konform mit der Textanleitung ablaufen, so dass eigentlich dazu nur auf wenige Punkte eingegangen werden muß. Beim einleimen der Querruderanlenkungen 19 und 20 ist unbedingt darauf zu achten, dass beide Hebel absolut parallel und senkrecht in die Gabel der Servoscheibe eingreifen, sonst treten später während des Steuerns ungewollte Differenzierungen auf. Schon vor dem einleimen der Fläche in den Rumpf ist es daher ratsam, die Ruder aber auch das Servo auf Null zu stellen und Letzteres erst dann wie angegeben in die vorgesehene Halterung zu montieren.
        Vorsicht ist vor dem einleimen des Höhenleitwerkes geboten. Ohne EWD-Kontrolle hätte sich beim Testmodell eine EWD von >3° eingestellt. Bei einem Kunstflugmodell mit vollsymmetrischem Profil liegt der Sicherheitswert bei +0,75max/0°. Ohne Angabe scheint es also jedem Erbauer selbst überlassen, hier seinen eigenen Erfahrungswert einzubringen. (Siehe auch weiter unten: Abschnitt Flugbericht). Richtig gemeutert wurde bei der Vorbereitung und dem verkleben der Hamsterbacken und Radverkleidungen. Diese Teile gehörten aus dem selben Material gefertigt wie der Cockpitboden 51. Mit dem dünnen Plastikmaterial hat man so seine liebe Not. Die hat man auch beim anbringen der Abziehbilder am Rumpfboden. Hier ist also viel Geduld für ein faltenfreies Endergebnis erforderlich.
        Als es schließlich zum Auswiegen kam, stand der schon leicht genervte Tester erneut sprachlos da. Um den Schwerpunkt wenigstens in das erste Drittel des Tragflügelmittels zu bekommen, kann man auf die vorhandene, aufwendige Akkubox vergessen und gleich eine neue anfertigen. Die kommt dann hinter dem Hauptspant auf der Fläche zu liegen. Ab da konnte sich der Tester des Eindruckes nicht erwehren, dass entweder ein Prototyp dieses Modells, nie aber die Baukastenversion einem Flugtest unterzogen wurde. Oder: dass tatsächlich mit der oben vorgefundenen großen EWD (bedingt großes Moment um die Querachse und Widerstände) auch die Baukastenversion geflogen wurde, was dann auch mit dem angegebenen Schwerpunkt halbwegs übereinstimmen würde. Hier sollte man es dem gewissenhaften Modellflieger durch Angabe der EWD doch ein bisschen leichter machen, zumal dieses Modell wahrlich nicht den Typ des Trainers oder Vergnügungsfliegers darstellt. War das Modell erst einmal flugbereit, verflog der Baufrust wegen der wirklich guten Optik des Modells umgehend.

Flugbericht:
        Fast gleichzeitig stellte sich die bange Frage, wie denn der Bodenstart ohne jegliche Lenkmöglichkeit zu bewerkstelligen sein wird. Keinerlei Bedenken hingegen traten betreffs genügender Motorisierung auf. Bei einem Abfluggewicht von 526 g = 5,16 N und einer angenommenen Propellerleistung von 30 W (Motorisierung: Acro Drive 350+BB) sollte ein theoretischer Steigflug mit etwa 5,5 m/s für genügend Durchzugsvermögen bei einfachem Kunstflug ausreichen.
        Der erste Flugtag ließ nicht lange auf sich warten. Rollversuche auf der Piste zeigten die herrlichsten Ringelpieze, nur keinen Geradeauslauf. Also wurde nach mehreren imaginären Handstartproben ein solcher gewagt. Das hätten wir doch lieber bleiben lassen sollen. Gezwungenermaßen greift man bei einem Handstart den Tiefdecker weit hinter dem Schwerpunkt an, was beim Wegwerfen ein starkes kopflastiges Kippmoment hervorruft. Man sollte daher das Modell in so einem Fall ganz unüblich überzogen wegwerfen. Tut man das nicht, dann...
       Inzwischen sind die Landeschäden dieses ersten Versuches längst repariert. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser noch an den Bericht in der prop-Folge 6/95 Seite 43 über die kleine fahrgestelllose Graupner - Me 109. Dort brachte der Tester eine kaum auffallende Griffleiste an der Rumpfunterseite im Schwerpunkt an und hatte damit für die notwendigen Handstarts eine gute Lösung gefunden. Nun wurde auch hier zur gleichen Methode gegriffen und siehe da, schon der erste Start klappte.
        Bevor jedoch das Fliegen zum Vergnügen wurde, mussten zunächst die Ruderausschläge mittels Servo-Wegbegrenzung beträchtlich korrigiert werden. Für die Querruderausschläge genügen zunächst 8 mm und für das Höhenruder 6 mm. Zur Eliminierung der Fingernervosität wurde beiden Rudern 50% exponential verabreicht. Wem dann der Adrenalinausstoß zu gering erscheint, kann sukzessive die Ausschläge wieder vergrößern. Für die oben angegebene EWD von 0,75°/0°, muß der Motorsturz durch unterlegen von Beilagscheiben noch geringfügig vergrößert werden. Der Schwerpunkt liegt dann 80 mm von der Nase der Wurzelrippe (Flügelunterseite). Die elegantere Methode, ohne Motorsturz auszukommen, indem man das Höhenleitwerk zur Bezugsachse (Motorzugachse) leicht positiv anstellt - also z.B. +1°/+0,5° - dürfte hier schwer zu verwirklichen sein, ist doch der Flächensitz vorgegeben.
         Noch ein weiterer Ratschlag zum Einfliegen: Radverkleidung und Spinner sollte man erst dann anbringen, wenn man das Modell gut beherrscht und imstande ist, entsprechende Landungen damit auszuführen.
Oskar Czepa
Internet: www.czepa.at
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