Ein Aspirin mit 1,5 Meter!

Aspirin ist der Name eines Medikaments. Das ist allseits bekannt! Der von mir getestete HLG gleichen Namens zauberte ein breites Grinsen auf mein Gesicht. Mit dem Runterschlucken jedoch wird es massive Probleme geben. Soviel steht fest! Matthias Gerstgrasser hat mir dieses schöne Modell freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Ein herzliches Dankeschön dafür!

Der hier getestete Aspirin ist ein Hightech-Produkt aus dem Hause TUD. Der Entwurf stammt von den Brüdern Herig welche derzeit die F3/B-Szene mit ihren neuen frischen Ideen aufscheuchen. Beim Profil und beim Flügeldesign wurden neue Wege beschritten. Es geht wieder in Richtung dickeres Profil. In Verbindung mit der CFK D-Box verhilft es dem Flügel zu einer einzigartigen Verwindungssteifigkeit bei noch geringem Gewicht. Die diversen lieferbaren Varianten dieses Modells unterscheiden sich hauptsächlich durch die Ausführung der Tragflächen. Von Balsa/GFK über CFK und Kevlar ist die komplette Palette an Hightech lieferbar und wird nur durch den Geldbeutel begrenzt. Selbst Spezialausführungen sind möglich!

Beim Seitenleitwerk wurde, am Testmodell, offenbar ein größeres und asymmetrisch profiliertes Seitenleitwerk verbaut. Das soll helfen die Startphase so schnell als möglich in einen ungestörten, geradlinigen, Steigflug überzuleiten und die Pendelneigung im Ansatz zu reduzieren. Das Höhenruder ist als Pendelruder ausgelegt. Die Kraftübertragung erfolgt durch einen 0,3mm Stahldraht auf Zug. Rückgestellt wird mittels Torsionsfeder. Die Leitwerke sind in unserem Fall aus Balsaholz gefertigt, mit Erleichterungsbohrungen versehen und anschließend mit ultraleichtem, farblosem, Folienmaterial bespannt. Das RC-Mobilar besteht aus einem 4 zelligen NiMh Akku mit 330 mAh Kapazität, einem winzigen Mikroschalter, Ladestecker, 2 Stk. D47 Servos sowie 2 Stk. Graupner DS 281 digital Servos für die Querruder und einem Schulze 835 Empfänger. Die Querruderservos, im Rumpf, steuern über Kohlestangen die Querruder. Die Antenne wird im Flügel verlegt! Das Gesamtgewicht der getesteten D-Box Version liegt bei 278 Gramm. Soviel zur Hardware!

Die Erprobung:

Ein Blick aus dem Fenster. Das Wetter ist gut! Die Augen verengen sich und der Entschluss ist gefasst. Ganz klar "dass ist ein Flugtag"!
Am Modellflugplatz angekommen herrscht leider starker, böiger, Wind. Üblicherweise kein gutes Wetter für den Erstflug, aber wenn wir schon da sind wollen wir es wissen. Der erste Start erfolgt im Speerwurfstil und gleich zu Beginn zeigt sich dass das "Schmerzmittel" sehr einfach zu fliegen ist. Angenehm im Handling und wendig um alle Achsen!

Also schreiten wir zum ersten SAL-Start. Noch etwas vorsichtig, man weiß ja nie, werfe ich den Flieger. Vielleicht etwas zu steil, der Start, aber nach der Korrektur der Einstellungen geht der Aspirin wie an der Schnur gezogen nach oben. Beinahe stellt sich die Frage ob es mit rechten Dingen zugeht. Die Starthöhen sind schon bei lockerem Werfen sehr gut. Die nächsten Würfe werden bereits mit vollem Power durchgezogen und eines kann ich verraten, der Aspirin ist ein Überflieger. Derartige Starthöhen sowie exakte, geradlinige, Starts sah ich noch nicht. Jedenfalls nicht von mir! Das Startgeräusch kann man als aggressiv dynamisch beschreiben. Das macht Spass! Der starke Wind scheint dem Aspirin nichts auszumachen. Einen Pieps nach vorne getrimmt schon setzt sich der Flieger mühelos gegen den Wind durch und macht Strecke ohne zuviel an Höhe zu verschenken und es gelingt der eine oder andere Thermikflug mit sicherer Heimkehr!

Gegen Abend beruhigt sich der Wind. Nun lernt man die andere Seite des Aspirin kennen. Dieses Modell ist ein perfekter Allrounder! In der schwachen Abendthermik, beim weiträumigen Fliegen fühlt sich der Aspirin ebenso wohl wie bei Starkwind. Enges Kurbeln gelingt ausgezeichnet und die Kurven lassen sich mit wenig Höhenverlust fliegen. Bei ausreichender Thermik lässt sich der Aspirin in den Kurven regelrecht würgen. Handlandungen sind überhaupt kein Problem! Wenn man beim Wurf an die Grenze geht, steigt das Modell steil hoch und verliert lange nichts von seiner Startgeschwindigkeit. Am Kolumnationspunkt muss rechtzeitig nachgedrückt werden. Die maximalen erreichbaren Höhen dürften enorm sein und meine Prognose kann eigentlich nur falsch liegen denn es hängt definitiv vom Werfer ab wie hoch es in Zukunft gehen wird.

Das Landen erfolgt total entspannt! Klappen runter und wenn nötig ein wenig ziehen. Schon setzt sich der Flieger brav hin.
Was macht den Aspirin also so herausragend? Es ist eindeutig die enorme Starthöhe und das eher eigenstabile, gute, Allroundverhalten welches praktisch zu jedem Wetter passt.

Fazit:

Wer bis jetzt, so wie ich, bedenken hatte seinen HLG mit vollem Power zu starten wird es hier bei diesem Flieger wissen wollen. Davon gehe ich aus! Nie kommt auch nur der Gedanke auf, dass dieser Flieger zerbrechen könnte. Der Widerstand, beim Start, ist äußerst gering und das Modell gleitet sehr leicht, beinahe widerstandslos, aus der Hand und setzt die Startenergie leichtfüßig in Höhe um. Noch größere Starthöhen scheitern, wie gesagt, an der eigenen Fitness!

Das gesamte Konzept des Fliegers ist auf flottes herumfliegen ausgelegt. Schnelles ansteuern einer Thermik, Bart zentrieren und ab in die Stratosphäre. Das sind die Stärken dieses Modells.
Zu starkes Hungern quittiert der "Aspirin" durch Sackflug! Damit befindet er sich in guter Gesellschaft. Einzig der Shark bzw. der Turbo der früheren Jahre konnte noch um einiges langsamer geflogen werden und ging dabei nicht in den Sackflug. Durch die relativ hohe V-Form von 6° je Seite fliegt der Aspirin ordentlich eigenstabil und kann auch mal kurze Strecken "schaffnerlos" fliegen. Ein Vorteil der Eigenstabilität liegt darin, dass das am Computer optimierte und auf beste Leistung getrimmte Profil nicht gestört wird. Ein neuer Denkansatz bei HLG's! Die zugespitzten Randbögen sehen wild aus sind es aber nicht. Die Flugeigenschaften bleiben auch in Extremsituationen gutmütig. Das relativ dicke AH-84 Profil ist keine schlechte Wahl und macht den Flieger zum Spitzenathleten und Sonntagsflieger zugleich.

Die V-Form ist, für das Auge, etwas gewöhnungsbedürftig aber kein Nachteil. Verarbeitet ist der Aspirin "top" und last but not least hat Mattias Gerstgrasser mit seinem Aspirin im Vorjahr die Austrian Tour gewonnen und konnte die Turbos von Wolfgang Zach und die Fireworks III von Markus Podevin ordentlich ärgern. Mit dem neuen "Turbo 06", der in Kürze vorgestellt wird, möchte Wolfgang Zach mit seinem "Turbo 06" den frechen Schmerzmittel-Angriff abwehren. Demnächst werden wir mehr über dieses Duell erfahren!

Die Einstellwerte und Ausschläge:

1.) Querruderweg ^ 20mm v 12mm

  • Speed bzw. Startstellung: Klappen 1 mm nach oben. Dabei wird kein Ausgleich am Höhenruder benötigt!
  • Normalflugstellung: Bei Neutralstellung ist das Profil vollkommen im Strak. Die Unterseite des AH-Profils ist gerade und der Aspirin kann auf bestes Gleiten eingestellt werden!
  • Thermikstellung: 1,5 bis maximal 2 mm nach unten gewölbt. Wer hier mehr wölbt der bremst und verliert! Ein Höhenruderausgleich ist notwendig.
  • 2.) Höhenruder ^15mm v 13mm
    3.) Seitenruder < 12mm > (mehr Ausschlag bremst und führt zu keiner Verbesserung)
    4.) 15% Snap Flap-Zumischung zum Höhenruder
    5.) Combi Mix Quer -> Seite 100%
    6.) Lande/Krähenstellung: Maximal möglicher (synchroner) Weg beider Klappen nach unten. Ideal wäre die Klappen in einem Winkel von etwa 40° nach unten zu fahren. Tiefenruder zur Landestellung -25%
    7.) Der Schwerpunkt liegt beim Aspirin bei 78 mm!

    Was besonders gefallen hat:
    • Der Startvorgang ist ein Fest und man möchte es immer und immer wieder tun. Die Starthöhen des Aspirin sind sehr gut. Wenig Pendelneigung und ein geradliniger Steigflug! Es bleibt ausreichend Zeit für ausgedehnte Thermiksuche oder Kunstflugeinlagen!
    • Die Flugzeiten sind, nicht zuletzt wegen der überragenden Starthöhe, sehr gut.
    • Das Durchsetzungsvermögen bei Wind ist sehr gut!
    • Die Wendigkeit ist angenehm.
    • Sensationelle Landeeigenschaften! Einfach Klappen runter und warten bis sich der Aspirin hinsetzt. Die Höhe wird effizient vernichtet ohne jedoch die Manövrierfähigkeit zu beeinflussen.
    • Thermik nimmt der Aspirin, HLG-typisch, gut an.
    • Das Kreisflugverhalten ist "tadellos"! Kunstflug auch!
    • Der Aspirin benimmt sich äußerst wohlerzogen und bleibt in jeder Situation berechenbar.
    Was nicht so gut gefallen hat:
    • Das geringste Sinken, beim herumsoaren, könnte einen Tick besser sein. Das können andere HLG's besser und liegt wohl am dicken Profil welches im Langsamflug an Widerstand zulegt.
    • Einen HLG, mit einem Preis der ihn als deutschen Nobel-HLG ausweist, wird nicht jeder sein Eigen nennen können und das ist schade!
    Unterm Strich: Der Aspirin ist "sehr empfehlenswert"!

    Ein Bericht von Heinz Pfaffinger
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