Extra 300 88" von Extremeflight RC

Als ich die Extra 300 88" von Extremeflight RC zum ersten Mal sah, kam eine Art "haben muss Gefühl" in mir auf. Nach kurzer Zeit stand fest dass ich mir das Modell zulegen werde. Vorher durchstöberte ich noch tagelang ein amerikanisches Forum wo es mehr als 200 Seiten Information zu verarbeiten galt. Die Extremeflight RC Modelle sind in Amerika sehr beliebt und die Extra wird unter anderem in der IMAC geflogen wo sie das vorjährige Siegermodell wurde. Irgendwann dann war klar welche Komponenten ich verbauen werde, also rief ich bei Modellbau Lindinger an und orderte die Extra inklusive dem ganzen Zubehör. Nach wenigen Tagen dann kam die Lieferung nach Hause. Unser Briefträger, der ja mittlerweile auch schon weiß was in den großen Paketen immer enthalten ist, meinte nur "da hast Du aber ordentlich Arbeit vor Dir diesen Winter". Naja, er muss ja nicht wissen dass in den 3 Holzkisten ein bereits fast fertiger Flieger enthalten ist.

Verwendete Komponenten:

Motor DLE55
Akkuweiche Engel PMS base
Akku 2x 2S 1800er Lipo für PMS base
Zündung 1x 2S 1800er Lipo
Servos Höhe: 2x Hitec HS7985MG Digital G2
Seite: 1x HS 5955TG
Quer: 2x HS7954SH
Motor: 1x HS625MG
Spinner 95mm GFK mit Alurückwand
Räder 95mm mit Alufelge
Luftschraube Metts 3D 23x8
Tank Graupner Kunstflugtank 500ml
Fernsteuerung Futaba T12FG 2,4Ghz


Die Extra wird wie gesagt in drei großen Holzkisten geliefert, in der größten ist der Rumpf samt Motorhaube und Kabinenhaube enthalten, in der zweitgrößten sind die Tragflächen und in der kleinsten sind die beiden Höhenleitwerke enthalten. Alles gut gegen verrutschen und Beschädigungen gesichert. Serienmäßig sind auch Flächenschutztaschen für Flügel und Leitwerke enthalten ebenso eine Schutzabdeckung für die Kabinenhaube. Das weitere Kleinteilezubehör der Extra 300 beschränkt sich auf Ruderhörner und Scharniere, jede Menge Schrauben und Muttern und das CFK Heckfahrwerk samt Rad. Alles andere ist wie Tank, Seilzüge, Haupträder und solche Sachen sind noch anzuschaffen. Die Qualität der Extremeflight RC Extra 300 ist sehr gut. Alle Komponenten passen exakt zueinander, das ganze Modell ist eine beeindruckende, filigrane aber sehr stabile und leichte Holzkonstruktion. Kaum zu glauben dass hier später mal ein 55ccm Benziner vibrieren soll. Das Modell ist auch mit einem aufwändigem Finish versehen, jedoch musste noch hin und wieder nachgebügelt werden allerdings erst nachdem die Extra das erste Mal für längere Zeit in der Sonne stand. Die Folie machte doch an ein paar Stellen ordentliche Blasen, das konnte aber zu Hause wieder ausgebessert werden.

Zusammenbau des Modells:

Nachdem die riesigen Kisten erstmal beseitigt wurden war wieder Platz für den Aufbau des Modells vorhanden. Man kann es durchaus schaffen die 88" Extra 300 an einem Wochenende aufzubauen und fliegen zu lassen vorausgesetzt man hat alle Komponenten beisammen. Man muss dann allerdings zweieinhalb Tage lang fleißig basteln. Die Anleitung ist in amerikanischem Englisch gehalten aber im Endeffekt doch leicht zu verstehen. Begonnen wird mit dem Einbau der Ruderhörner und der Scharniere. Dann installierte ich das Fahrwerk und machte mich an den Motoreinbau samt Dämpfer. Ich entschied mich beim Motor für den leichtgewichtigen DLE55. Mitbestellt habe ich auch einen Dämpfer mit Frontauslass der im Resorohrschacht eingebaut ist. Der Hersteller des Dämpfers ist mir unbekannt, er ist jedoch um einiges leichter als z.B. ein MTW oder Zimmermanndämpfer gewesen, trotzdem aber leider genauso teuer. Da der DLE55 so wenig wiegt wäre es eher von Nachteil gewesen einen schweren Dämpfer einzubauen, da dieser doch ein ganzes Stück hinter den Schwerpunkt reicht. Im Internet gibt es auch passende Bohrschablonen für den DLE55 was den Einbau natürlich total vereinfacht. Wie erwartet sitzt der Motor nach dem Einbau exakt mittig. Den Arbeitsaufwand für das Anpassen des Spinners an den Propeller habe ich leicht unterschätzt. Bis das Ergebnis perfekt war sind ganze drei Stunden vergangen. Ich habe mit Plastilin einen Abdruck der 23x8 Metts 3D Luftschraube an der Stelle wo sie aus dem Spinner herausragt gemacht und so eine genaue Vorlage gehabt was am Spinner ausgeschnitten gehört. Ich habe mich so Stück für Stück an das exakte Maß herangearbeitet. Als nächstes habe ich dann noch das Cockpit ausgebaut, hier ist ein Instrumentenpanel samt Pilotenbüste mit Vollvisierhelm enthalten. Der Pilot ist zwar kein Leichtgewicht aber wertet das Cockpit optisch doch auf. Zum Schluss habe ich dann noch Servos, Akkuweiche (Engel PMS base), Empfänger, Tank (500ml) samt Leitungen und die Radschuhe eingebaut. Dafür ist bei einem Modell dieser Grösse natürlich Platz genug. Der ganze Aufbau hat bei mir etwa eine Woche gedauert. Es geht wie gesagt auch viel schneller.

Der nächste Schritt war dann das Auswiegen des Modells und das Setup des Schwerpunktes für den Erstflug zu finden. Die Anleitung gibt einen Schwerpunkt von 6 inch vor der noch ¾ inch nach hinten verlegt werden kann. Meine Extra war selbst bei 6 ¾ inch noch hecklastig und ich musste 500 Gramm Blei ganz vorne einlegen um auf den Schwerpunkt zu kommen. Das kam mir viel zu viel vor für eine Extra mit 225 cm Spannweite. Also baute ich alle Komponenten wie Tank, Akkuweiche und Empfängerakkus so weit wie möglich nach vorne. Das dauerte wieder einen ganzen Tag, weil ich einige Servokabel verlängern musste. Nachdem auch diese Hürde geschafft war ging es erneut ans Auswiegen der Extra. Diesmal schaute das ganze schon besser aus, das Blei war wieder herausgenommen, sie war allerdings immer noch etwas hecklastig. Trotzdem entschied ich mich mit dieser Auslegung den Erstflug zu machen. Nun wurden noch die Ruderausschläge programmiert, einmal für den klassischen Kunstflug und einmal für 3D jeweils mit Expo gemischt. Die Ausschläge wurden in etwa von der Bauanleitung übernommen, für 3D stellte ich alles bis auf "mechanischen Anschlag" ein.

Vor dem Erstflug wurde dann der DLE55 zum ersten Mal angestartet. Der Motor hat einen echt tollen Sound in Kombination mit der optionalen Auspuffanlage. Für die Zündung verwende ich einen 2S Lipo mit 1800mAh, das reicht locker für ein ganzes Wochenende fliegen. Ich habe jeweils an drei Tagen fünf Flüge gemacht und in den 1800er Lipo 800 Milliampere nachgeladen. Als Luftschraube habe ich eine Metts 3D 23x8 genommen, damit dreht der DLE55 bei Vollgas etwa 7000 RPM.

Dann war es soweit, der Erstflug stand an. Ich muss zugeben dass ich vor dem Erstflug dieser Extra doch eher ein wenig angespannt war, so wie das schon länger nicht mehr der Fall war. Und wie es so ist, waren an diesem Tag abnormal viele Leute am Platz, auch fremde Zuschauer. Aber egal dachte ich, Gas rein und los geht's. Die Extra beschleunigt bei Halbgas enorm, mehr ist für Start und kraftvollen Kunstflug eigentlich nicht nötig. Nach kurzer Strecke hat sich das Heckfahrwerk gehoben und die Extra beschleunigt schnurgerade mittig auf der Bahn. Dann leicht am Höhenruder gezogen und es tut sich nicht viel, also noch mehr gezogen und sie entfernt sich in flachem Winkel mit konstanter Geschwindigkeit und tollem Brummen vom Boden. Einfach herrlich das Flugbild. Nachdem ich die Extra auf Sicherheitshöhe gebracht habe trimmte ich sie über die Querachse aus, sie war nämlich überraschenderweise kopflastig. Also trimmte ich das Höhenruder ein wenig nach oben und schon maschierte die Maschine geradeaus. Ein wenig geärgert habe ich mich schon darüber, denn ich konnte im Nachhinein die ganzen Komponenten erneut an deren ursprünglichen Platz zurückbauen. Sprich Tank, Lipos und Akkuweiche. Ich machte dann noch ein paar tiefe Überflüge um einfach den tollen Sound des Modells zu geniessen und mit den Flugeigenschaften vertraut zu werden. Das Modell liegt satt am Steuerknüppel und gibt einem ein gutes, vertrautes Gefühl. Nach ein paar Runden wollte ich es wissen und bin die ersten gerissenen Rollen geflogen. Das geht einfach traumhaft, die Extra überschlägt sich total gut und rastet exakt wieder ein. Die Windgeräusche, die eigentlich nur Nebeneffekt sind, begeistern zusätzlich. Als nächstes legte ich sie in den Messerflug, noch nie war das so einfach wie mit diesem Modell. Die Extra läuft absolut gerade ohne irgendwelche Eigenheiten 200 Meter am Platz vorbei bis man eben das Messern beendet. Mittlerweile freute ich mich richtig auf die erste Landung die absolut unspektakulär war. Mit Schleppgas anfliegen und einen Meter über dem Boden Gas raus und etwas ziehen. Langsam nähert sich die Extra der Bahn und setzt butterweich auf. Die Extra bescherte mir den wahrscheinlich einfachsten Erstflug den ich in meiner Modellflugkarriere bisher hatte.

Zu Hause wieder angekommen baute ich wie gesagt Tank, Akkus und Weiche wieder weiter nach hinten, ebenso musste ich die Radschuhe neu befestigen da die originalen Schrauben dafür verbogen waren. Das verwendete Material ist Aluminiumähnlich und man kann sie sogar mit dem Schraubendreher verbiegen. Ich habe daher aus meiner Kleinteilekiste passende Schrauben genommen, seither sitzen die Radschuhe wieder fest. Bei den nächsten Flügen konnte ich dann das Höhenruder auf neutral zurücktrimmen, nun passt der Schwerpunkt genau, allerdings hat sich der bei meiner Extra auf etwa 7 ½ inch eingependelt anstatt den 6 ¾ inch laut Anleitung. Ebenso wurden im Laufe der Zeit die 3D Ruderausschläge erflogen und eingestellt, es macht riesigen Spaß die Extra umherzappeln zu lassen. Es ist kaum zu glauben dass die Extra nicht einfach zerbricht in der Luft, man kann mit ihr Manöver fliegen das ist unglaublich. Sie lässt sich vom Flugstil fast wie ein Shocky bewegen. Überschläge, Flachtrudeln mit und ohne Gas, alles ist möglich. Und sie bleibt jederzeit voll kontrollierbar und das ist das tolle an dem Ganzen. Torquen geht mit Halbgas, mit Vollgas geht sie aus jeder Lage problemlos heraus.

Fazit:

Die Extremeflight RC Extra 300 88" ist absolut jeden Cent wert! Das Modell ist zwar eines der teuersten in der Klasse, für 200 Euro weniger bekommt man bestimmt auch schon gute Modelle aber die Flugleistungen sind einfach beeindruckend. Zusammen mit dem DLE55 hat man Power im Überfluss. Und ein ganzes Wochenende Fliegen ohne nachzuladen hat auch was. Ich bin total begeistert von der Maschine und kann sie nur weiterempfehlen.



Christian Pfannhauser
MFC Northwoodhornets
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