 Noch nie habe ich Alexander nach einem Erstflug so begeistert erlebt. Die Rede ist hier von der Extra 300 88" von Extreme Flight im Vertrieb von Modellbau Lindinger.
Warum wieder eine Extra, werden Sie vielleicht jetzt fragen? Zunächst einmal wurde ein 3D Modell mit einer Spannweite knapp über zwei Meter gesucht. Des weiteren musste das Modell möglichst leicht, stabil und der Baukasten weit vorgefertigt sein. Neben der Extra 300 88" gibt es von Extreme Flight nur noch die YAK 54 88" und noch dazu in der von uns favorisierten Farbgebung gelb/blau.
Bevor man sich aber so ein Modell auf die Werkbank stellt, heißt es erstmal, sich auf den Weg zum Lindinger zu machen. Und dann wurden zwei Modelle, einmal die Extra und dann die Yak, sorgfältig ausgepackt und alle Einzelteile abgewogen. Dass wir dabei die Versandabteilung für einige Zeit blockiert haben, sei nur am Rande erwähnt. (Ein großes Dankeschön an Markus Mayerhofer, dass Du dir die Zeit genommen hast und unsere Neugier geduldig ertragen hast!)
Hier die Fakten: Beide Modelle sind von ihrem Aufbau identisch, jedoch hat die Extra 300 aufgrund ihrer schlankeren Rumpfform und der kleineren Motorhaube rund ein halbes Kilo weniger Rohgewicht. Da der Antrieb, ein DA 50, schon vorhanden war, wurde letztlich die Extra mit auf den Heimweg genommen.
Waren wir schon bei der 'Schnellbesichtigung' in Molln angetan vom Aufbau des Modells, konnte dann zu Hause erstmal alles in Ruhe genauer unter die Lupe genommen werden.
Alle Komponenten sind von erstklassiger Qualität. Rumpf, Flächen und Leitwerke bestehen aus lasergeschnittenen Holzteilen und sind mit original Oracover - Folie perfekt bespannt. Die Motorhaube, Spinner und Radschuhe sind aus GFK und bereits fertig lackiert. Eine Augenweide ist die große Kabinenhaube, die bereits einbaufertig mit dem Rahmen dem Bausatz beiliegt. Ein GFK Heckfahrwerk und hochwertiges Zubehör sowie eine ausreichend bebilderte Anleitung runden die Ausstattung ab. Auch nicht alltäglich in dieser Klasse sind die Kohlefasersteckrohre für die Flügel- und Höhenleitwerkssteckung sowie Schutztaschen für Tragflächen und Höhenleitwerk aus alubeschichteter Luftpolsterfolie. Ebenfalls aus diesem Material ist eine Abdeckung für die Kabinenhaube beigelegt. Praktisch im Sommer, da sich der Innenraum nicht extrem aufheizen kann.
Für die Fertigstellung dieses erstklassigen Modells benötigt man neben entsprechender Zeit noch einen Motor - in unserem Fall einen DA 50 mit dem für die Extra passenden MTW Komplettset (best. aus Resonanzrohr RE2 und Edelstahlkrümmer - Danke Volker!) - und natürlich das ganze RC-Equipment. Wir verbauten robbe/Futaba Servos: zwei Stück 452 BLS Servos jeweils für Höhenruder und Querruder ein BLS 351 für das Seitenruder, einen 6014FS 2.4GHz Empfänger und eine PowerBox Gemini für die RC-Anlage und einen Digi-Switch, ebenfalls von PowerBox Systems für die Zündung. Vorteil der Powerbox Komponenten: Es können für die Stromversorgung je zwei Lipo Akkus (2x 2S1P 1000mAh) und für die Zündung (2S1P 1600 mAh) ein Lipo Akku direkt angeschlossen werden.
Der Einbau des Motors:
Der DA 50 wird mit vier Aludrehteilen am Motordom befestigt. Im Auspuffschacht wird das Resonanzrohr provisorisch für den Einbau vorbereitet. Dank des fix fertig verlöteten passenden MTW Krümmers ist die Montage sehr einfach in kurzer Zeit erledigt. Um 'Krümmerrisse' zu vermeiden, wurden der Krümmer sowie das Resorohr jeweils einmal abgestützt. Nach dem Anpassen der Motorhaube mit den Ausnehmungen für den Zylinder und Chokeverlängerung ist dieser Bauabschnitt abgeschlossen.
Der Einbau der RC-Anlage, insbesonders die Servogestänge, wurde von Anfang an auf härteste 3D Beanspruchung dimensioniert. Alle Ruderhörner wurden doppelt ausgeführt und die Gestänge sind ausnahmslos mit Kugelköpfen versehen. Gabelköpfe findet man nur zur Anlenkung der Drosselklappe. Das Seitenruder wird mit Drahtseilen angelenkt.
Durch den großen Rumpf kann man die einzelnen Komponenten sorgfältig mit Klettband befestigen und sichern. Servokabel und Verlängerungen werden mit Klebeband mehrfach abgeklebt um Vibrationsbrüchen vorzubeugen.
Das serienmäßige Heckfahrwerk wird mit Blechtreibschrauben befestigt und mit dem Seitenruder mitgelenkt.
Nach viel Geduld mit dem unfreundlichen Wetter in diesem Frühjahr und privater und beruflicher Verzögerungen erfolgte der Erstflug relativ spät im April.
Nach den letzten Einstellungsarbeiten und dem Reichweitentest verlief der Erstflug emotionslos normal, außer den ersten begeisterten Äußerungen nach der Landung, siehe Artikelanfang.
Das Modell geht schnurgerade durch alle Figuren und für den Messerflug braucht man keine Mischer. Das spricht für die hohe Fachkenntnis des Konstrukteurs und die hohe Qualität des Modells. Der DA 50 mit Resonanzrohr in Verbindung mit einer (noch) Menz 21x10" - nach einigen Liter Sprit werden dann größere Propeller, etwa 23x8"/22x10", getestet - hat ein leichtes Spiel mit der Extra 300 bei einem Gewicht von 8050g mit halbleeren Tank. Der Tank besteht aus einer leeren PET-Flasche und hat ein Fassungsvermögen von 500ml.
Ein paar Worte noch zum Schwerpunkt. Mitunter wurde ich von Lesern meiner Berichte gerügt, da ich keine Schwerpunktsempfehlungen abgebe. Ein Modell dieser Kategorie ist kein Anfängermodell mehr sondern es werden nur versierte Piloten das gesamte Potential dieser Maschine ausnützen können. Da kommt es natürlich auf das persönliche Empfinden des jeweiligen Piloten an, wie 'scharf' oder 'stabil' er sein Modell mit Zusatzgewichten abstimmt. In unserem Modell wurde bis jetzt kein Blei, weder vorne noch hinten, auch für exzessives 3D benötigt. Wenn man alle Komponenten so einbaut, wie es der Hersteller vorbereitet hat, ist auch kein weiteres Trimmgewicht notwendig.
Ebenso kann und will ich keine Angaben zu Ruderausschlägen machen. Alle modernen Computeranlagen verfügen über zumindest Dual Rate Funktionen. Man muss sich ohnehin die richtigen Ruderausschläge erfliegen. Unsere Extra 300 hat jedenfalls für 3D die mechanisch größtmöglichen Ausschläge. In der Anleitung werden Empfehlungen von etwa 8° bis 10° für die Querruder gemacht. Wer sich nun die Mühe macht und Winkelschablonen anfertigt, ist natürlich mit den Werksangaben gut beraten. Aber Experten werden hier ihre eigene Methodik haben um die für sie passenden Ausschläge zu finden.
Speziell im 3D Flug kann die Extra 300 88" (88" - Zoll entsprechen 2,23m Spannweite) voll überzeugen. Extreme Flight gelingt die Brücke zwischen dem 'Gutaussehen' und dem 'Gutfliegen', anders kann ich es nicht formulieren. Egal ob Überschläge, Power Rollen, Sackflug, etc., die Extra 300 meistert diese Figuren meisterlich.
Die Flugeigenschaften kann man immer nur schwer beschreiben, zu subjektiv sind die jeweiligen Eindrücke. Diese Extra lässt sich wie ein großer Shocky fliegen. Wer also noch am überlegen ist und noch ein einigermaßen transportfreundliches Topmodell sucht oder auch braucht, ist mit der Extra 300 88" von Modellbau Lindinger gut beraten. Da kann man einfach nichts falsch machen - Extreme Flight eben.
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