1. Weltmeisterschaft F3F

Im Oktober 2012 fand zum ersten Mal eine Weltmeisterschaft in der FAI Klasse F3F statt.
Der Austragungsort war die Insel Rügen in Norddeutschland, auf der schon einige internationale Bewerbe dieser Klasse durchgeführt wurden. Unser Team bestand aus Lukas Gaubatz, Stefan Hölbfer und Josef Wicklicky Der Helfer von Lukas und Stefan war Mario Perner, ich übernahm die Funktion des Helfers von Josef und den Teammanager.

Als Vorwettbewerb zur WM wurde ein internationaler Wettbewerb – die German Open – am Samstag und Sonntag durchgeführt. Schon bei diesem Vorwettbewerb zeigte sich eine Vormachtstellung der österreichischen Piloten Hölbfer und Gaubatz, die diese auf den sehr niedrigen Hängen anzuwendende Starttechnik, am besten beherrschten. Es ist eine Art DS Technik, die die bis zu 5 kg schweren Modelle auf Ausgangshöhen von fast 100m steigen ließen. Genau diese Ausgangshöhen waren der Weg zum Erfolg. Lukas Gaubatz war schließlich der Sieger dieses Vorwettbewerbs vor Stefan Hölbfer. Josef kam mit den Bedingungen noch nicht ganz so gut zurecht und landete im hinteren Feld. Im Laufe des Sonntags wurde dann noch die technische Abnahme der Modelle durchgeführt.

WM:

Montag, erster Wettbewerbstag.
Es blies kräftiger Wind mit 12 – 14m/sek aus westlicher Richtung und der Wettbewerb begann in Dranske, dem gleichen Hang (Turbulator) wie beim Vorwettbewerb. Gleiches Bild wie beim Vorwettbewerb. Die beiden Österreicher Hölbfer und Gaubatz teilten sich die Tausender des ersten Tages. Runde 1, 2 und 3 gehen an Lukas. Runde 4 und 5 an Stefan. Am nächsten der beiden kommen noch die beiden Herrig Brüder und Kyle Paulson sowie der Franzose Mervelet. Josef flog konstante Flüge mit Zeiten um Platz 30. Ein Novum war auch die Möglichkeit das Ganze per livestream via Internet verfolgen zu können. Der Organisator scheute keine Mühen und Kosten diese WM für alle nicht anwesenden mitverfolgen zu können. Generell war die WM organisatorisch das Beste was ich in meinen 30 Jahren Wettbewerb je erlebt hab. Perfekter geht es nicht mehr und ich kann den Deutschen Freunden um Franz Demmler Ralf Decker und dem Wettbewerbsleiter Armin Horzitz nur gratulieren.

Dienstag, Tag zwei der WM. 
Der gleiche Hang, das gleiche Bild, der gleich starke Wind. Lukas und Stefan fliegen der Konkurrenz
einfach auf und davon. Ein Teil der Piloten verzweifelt förmlich an den Begebenheiten des Hanges.
Man muss sich vorstellen, dass dieser Hang nur eine Höhe von ca. 6 – 8 Meter (kein Scherz) aufweist. Unsere Piloten waren sich dieser Situation aber bewusst und haben deshalb das ganze Jahr genau diese Art von Fliegen trainiert. Am Ende des zweiten Tages lagen die beiden Österreicher Stefan und Lukas vor den beiden Deutschen Brüdern Herrig in Führung.

Mittwoch, Tag drei der WM. 
Der Wind hat sich nach Nordwest gedreht und alle Teilnehmer fahren zum Hang Namens „Windtunnel“. Ein etwas höherer Hang als Dranske und für einige Piloten eine gewisse Erleichterung, da das Meer doch einige Meter tiefer liegt. Die Höhe des Hanges beträgt ca. 20m. Ins Meer stürzten leider insgesamt 21 Modelle, welche nach der Bergung alles Totschäden waren, da nicht nur das Modell im wahrsten Sinne des Wortes „absoff“ sondern auch die Elektronik durch das eindringende Salzwasser zur Gänze zerstört wurde. Drei der Modelle tauchten aus der Nordsee nie mehr auf. An diesem Tag war die Vormachtstellung der Österreicher nach wie vor gegeben, doch einige andere Piloten konnten mit sehr guten Leistungen an unsere das erste Mal mit ihren Flugzeiten näher herankommen. Der Wind war schwächer geworden. Ca. 6 – 8m/sek.

Donnerstag, Tag vier der WM, 
Gleichzeitig der Ruhetag. Auf Grund des „einschlafenden“ Windes wurde am Morgen beim Teammanagermeeting in Kap Arkona beschlossen, an diesem Tag nicht zu fliegen. Nach drei Tagen Anspannung einmal ein Tag zum Relaxen und ausruhen. Er gab allen Teilnehmern und Mitreisenden die Möglichkeit die Insel ein wenig zu erkunden.

Freitag, Tag fünf der WM.
Der Wind hat nun auf Nordost gedreht und somit fuhren wir wieder zu einem neuen Hang in Vitt. Dem Höchsten – ca. 50m Höhe. Bei angenehmen Temperaturen und Wind von 8 – 12m/sek ging es an diesem Hang so richtig zur Sache. Es wurden sehr viele 30er Zeiten geflogen (alleine 26 in Runde 20) und man spürte förmlich wie sich Piloten, welche höhere Hänge bevorzugen, wohl fühlten. An diesem Hang flog Stefan die schnellste Zeit der WM mit 31,93sek.

Samstag und letzter Tag der WM. 
Der Wind hat sich wieder auf die westliche Seite bewegt und es geht wieder weiter wo es anfing, in Dranske, am Turbulator. Der Wettbewerbsleiter verkündete am Morgen beim Briefing die Vorgangsweise des letzten Tages. Es wird bis 14:00 geflogen. Alle Runden die zu diesem Zeitpunkt im Gange sind werden beendet. Danach ist die WM zu Ende. Somit gab es keine Diskussionen der Beendigung.

Es entwickelte sich ein Zweikampf zwischen Lukas und Stefan um den Weltmeistertitel. Erst die 23. und somit letzte Runde, brachte die Entscheidung welche zu Gunsten von Stefan ausfiel. Für meinen Begriff sind beide Weltmeister, denn wenn nach 23 Runden und knapp 20000 Punkten ein Unterschied von nur 8 Punkten besteht, ist das wohl eine identische Leistung und zeigt von der Leistungsstärke der Beiden. Sehr erfreulich war auch die Mannschaftsleistung, wo nach anfänglichen Bedenken bezüglich der Mannschaftsnominierung, doch ein zweiter Platz herausgeflogen wurde. Weltmeister wurde Deutschland vor Österreich und Frankreich.

Die Einzelplatzierungen:

Weltmeister Stefan Hölbfer

Vizeweltmeister Lukas Gaubatz

38. Josef Wicklicky.

Die restlichen Einzelresultate findet man unter: http://www.f3f.de/index.php?id=153 Am Abend wurde dann die Siegerehrung feierlich in Putgarten durchgeführt und voller Stolz konnten wir die österreichische Bundeshymne hören. Anschließend gab es noch ein tolles Banquette wo noch bis in die Nacht hinein gefeiert und diskutiert wurde.

Ich gratuliere jedem einzelnen im Team zu diesem großartigen Erfolg im Namen aller Beteiligten. Ferner bedanke ich mich im Namen aller Teammitglieder für die Unterstützung des österreichischen Aeroklubs. Die Tätigkeit als Teammanager war auch mein letzter offizieller Auftritt als Bundesfachreferent im Hangflug. Ich hab diese Funktion nun nach 20 Jahren Tätigkeit beendet.

Teammanager Kurt Planitzer