 Flug und Erlebnisbericht Turbo!
Der Turbo:
Wolfgang Zach zeichnet, wie auch schon beim Shark, für die Form und aerodynamische Auslegung des gesamten Flugzeuges. Von der Grundkonzeption blieb der Turbo gegenüber dem Shark unverändert und bei einem flüchtigen Blick fällt kein gravierender Unterschied auf. Bei genauerem Hinsehen muss jedoch die größere Flächentiefe auffallen und die perfekt angeformten Griffwinglets aus Kohlefaser, die selbst der Kraft eines Leichtathleten widerstehen können. Durch diese Griffwinglets ist es nun möglich, den Flieger sowohl mit der rechten Hand als auch mit links zu starten.
Beim nun verwendeten Tragflächenprofil handelt es sich um eine von Franz Muschler computerberechnete in Schalenbauweise hergestellte Eigenentwicklung. Dann wären da noch die neuen superleichten GFK-Schalenleitwerke in vielen Farben und mit großer Streckung sowie minimalem Gewicht. Auch hier war Wolfgang Zach ein Vorreiter. Kaum jemand konnte sich vorstellen, ein komplettes GFK-Leitwerk unter 10 Gramm zu bauen, noch dazu in dieser Festigkeit. Danach fällt sofort die sehr stabile, leichte und strömungsgünstig angeformte Abziehschnauze mit mehr Platz für das RC-Equipment auf. Der Einbau der neuen 8mm Servos ist nun eine leichte Übung und der restliche Einbau ist nicht schwierig. Wie auch im Shark werden keine Servos in die Tragflächen verbaut. Das schwächt die Flächen und erschwert die bleifrei Erlangung des Schwerpunktes. Die Servos werden mit Abdeckband beklebt und beidseitig des RC-Trägers mit Sekundenkleber im Rumpf befestigt. Die Gestänge für die Querruderanlenkung mit Stahldraht und Kohlestangen in Länge angepasst und mit Superkleber und Schrumpfschlauch verklebt. Das hält bombenfest und lässt sich recht einfach justieren! Der Rest, Empfänger und Akku, wird mit Klebeband gehalten. Das ist ausreichend elastisch und hält ebenso sicher.
Das eigentliche Kriterium bei HLG's ist neben der genauen Bauweise, die Anlenkungen und Steuerseile so zu verlegen, dass kein Spiel entsteht und trotzdem alles leichtgängig funktioniert. Die Kräfte beim SAL-Start sind enorm und selbst geringes Spiel kann den Flug höchst unsanft beenden. Vor allem beim Pendelhöhenruder wirkt sich Anlenkungsspiel fatal aus. Deshalb verwende ich für die Steuerseile nur mehr 0,3 mm Stahldraht in Verbindung mit 0,3mm gewachsten Kevlarfaden aus dem Anglerladen. Die Anlenkungen werden unter Belastung getestet und nur wenn wirklich nichts nachgibt wird der erste SAL-Start durchgeführt.
Flugeigenschaften:
Beim Fliegen kann zuerst kein großer Unterschied zum Shark festgestellt werden, allerdings fliegt der Turbo zielstrebiger als der Shark und liegt bei Wind wesentlich besser und sehr angenehm in der Luft. Wenn man nach dem ersten wettbewerbsmäßig durchgeführten Flug auf die Stoppuhr schaut wird sonnenklar, dass hier ein Riesenschritt nach vorne getan wurde. Erreicht wird das durch größere Starthöhen, einen sehr großen Aktionsradius und damit die Möglichkeit weit entfernte Aufwindfelder zu erreichen. Das wirkt sich insbesondere bei den Wettbewerben aus, wo oft sehr weit mit der Thermik mitgewandert wird. Die Möglichkeit, ein Abwindfeld schnell zu durchstoßen und ein sicheres Heimkommen, entscheidet oft über Sieg oder Niederlage. Ich würde den Turbo als sehr berechenbar einstufen. Man weiß immer genau ob sich eine sichere Heimkehr noch ausgeht. Allerdings bin ich manchmal selbst überrascht wenn ich aus 10 Metern Höhe noch Thermikanschluss habe und mich emporarbeiten und mein Max fliegen kann. Genau das sind die Stärken des neuen Turbo!
Meine letzte Entwicklung, der "Stiftlet", ein Mittelding zwischen Wurfwinglet und Wurfstift, beschert in etwa die gleichen Flugeigenschaften wie ein Flügel mit Winglet, jedoch mit dem Vorteil der größeren Starthöhen. In der nächsten Saison wird man sehen in wieweit sich der Versuch mit dem Stiftlet lohnt.
Fazit:
Die hoch entwickelten HLG's von Wolfgang Zach sind nicht nur für den Wettbewerbspiloten interessant. Ganz im Gegenteil. Geradezu begeistert sind Einsteiger, denn ein HLG lässt sich langsamer als jeder Anfängersegler fliegen und wer den Flieger schnell machen will, kann feststellen, dass er ganz schön daherpfeift. Erstaunlich wie viel Spaß das macht. Wie ich festgestellt habe, sind auch ohne Motor oder Seilstart jederzeit sehr lange Flüge drinnen. Selbst Klubbewerbe lassen sich ganz leicht bestreiten, wenn es um Ziellandungen oder Zeitaufgaben geht.
Zu Erwähnen wäre auch die beachtliche Haltbarkeit im Alltagsbetrieb. Harte Landungen steckt der Turbo aufgrund geringer Massenkräfte locker weg und die Genugtuung auch dann noch ausgiebig zu fliegen wenn die anderen längst zuschauen müssen ist nicht zu toppen.
Einziger Nachteil: Bei Starkwind ist Fliegen mit dem 260 Gramm leichten Fluggerät nur begrenzt und mit Bleizugabe möglich und es macht keinen Spaß. Ansonsten kann ich nichts Negatives berichten. Meine Empfehlung: Ein, zwei, oder auch mehrere HLG's sind ein absolutes Muss im Hangar.
Ich hoffe, dass dieser Bericht von vielen Modellfliegern gelesen wird und vielleicht hat der Eine oder Andere Lust bekommen und wird uns in Zukunft bei nationalen oder internationalen Bewerbern verstärken.
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