 Flug und Erlebnisbericht Zach HLG Shark
Irgendwann vor etwa 2 Jahren kaufte ich mir einen HLG und dachte, wenn die Werbung in dem Prospekt stimmt, dann könnte ich hinterm Haus, ohne Motor und Seilwinde, den ganzen Nachmittag ohne Lärm und Hochstartequipment fliegen. Gesagt getan, einen Baukasten gekauft und soviel sei gesagt, es war ein totaler Flop. Der Flieger war überhaupt nicht geeignet für den Handstart und besaß schreckliche Flugeigenschaften. Im Internet fand ich dann die Adresse und Telefonnummer von Wolfgang Zach aus Katzelsdorf. Bis dahin war mir dieser Name (oh Schande) vollkommen fremd. Das sollte sich aber sehr bald ändern!
Ich fuhr also nach Katzelsdorf und erstand dort eines dieser ultraleichten Gebilde, von denen ich mir nicht vorstellen konnte, dass sie die erste Landung überleben, geschweige denn überhaupt fliegen. Es kam anders und ich war infiziert. Der Bau dauerte etliche Monate da ich für einen derartigen Leichtbau keine Erfahrung besaß und viele Sachen mehrmals in Angriff nehmen musste, oder schlicht und einfach falsch machte. Wolfgang Zach half mir dieses Gebilde flugfertig zu machen. Das Einfliegen fand dann am Spitzerberg anlässlich eines HLG-Trainingslager's statt und wurde durch einen Wettbewerb abgerundet. Eine Gruppe privat organisierte Jungs die gerade im Vorfeld des Wettbewerbs am Flugzentrum Spitzerberg ihre Wurftechnik verbesserte und mir bereitwillig Tipps in jeder Richtung gab, war dabei eine große Hilfe.
Nun zur Beschreibung des Shark und einem kurzen Bericht über die Flugeigenschaften.
Der Shark ist ein sehr leichter HLG für Handstart, der flugfertig mit vier Servos, Empfänger und Akku, zwischen 230 und 270 Gramm auf die Waage bringt. Die Spannweite beträgt knapp unter 1500mm. Der Flügel ist in GFK-Schalenbauweise mit kohleverstärkten Balsaholmen aufgebaut. Als Stützmaterial wird 0,6mm Balsa verwendet. Erstmals kommen in dieser Klasse Elastikflaps mit sehr gut abdichtenden Dichtstreifen auf der vollkommen glatten und glänzenden Unterseite des Flügels zum Einsatz.
Die fix einlaminierten Grifflöcher, an denen der Flieger beim Startvorgang gegriffen wird, lassen nur diese eine Startmethode, also SAL für Rechtshänder zu. In späteren Versionen wurden dann Griffwinglets angebaut. Damit konnte die Umfangsgeschwindigkeit beim SAL und damit die Starthöhe und sowie die Flugeigenschaften insgesamt verbessert werden. Den Namen Shark erhielt der Flieger übrigens aufgrund der schuppenartigen Oberfläche im hinteren Drittel des Flügels. Wolfgang Zach geht davon aus, dass diese leicht rauhe Oberfläche an der Oberseite des Flügels die Strömung besser anliegen lässt, sodass bei der geringen Minimalgeschwindigkeit die Strömung laminiar bleibt und kaum ein Strömungsabriss erfolgt!
Wolfgang Zach empfiehlt sogar die Oberseite im hinteren Flügeldrittel mit einem 1000'er Schleifpapier vorsichtig anzuschleifen. Der Rumpf aus Kohle ist sehr schlank. Die Servos sowie das gesamte RC-Equipment befinden sich im Rumpf vor dem Schwerpunkt. Dadurch ist es leicht, den Schwerpunkt auch ohne Bleizugabe korrekt einzustellen. Soviel sei gesagt, es wird kein Millimeter verschenkt!
Der Shark ist ein Mitteldecker. Damit ist die Kräfteverteilung erheblich besser als es beim alten Rumpf, einem Schulterdecker, der Fall war. Die Einbauten sind im Vergleich zu anderen HLG's sehr leicht zugänglich und ein Service ist einfach durchzuführen. Der Rumpfkonus (Leitwerksträger) besteht ebenfalls aus Kohlefaser. Die Leitwerke wurden im Selbstbau, nach den Angaben von Wolfgang Zach, aus Balsa gefertigt. Typisch bei Zach Modellen ist das ca. 15-20mm nach unten abgesetzte Höhenleitwerk, welches beim langsamen floaten bzw. bei der Landung nicht im Wirbelbereich des Tragflügels liegt und die Steuerbarkeit bzw. das selbständige Abfangen bei überzogenem Flugzustand verbessern soll. Nebenbei ergibt sich dadurch eine ideale Anlenkung des Höhenruders. Das wird inzwischen von vielen HLG-Herstellern nachgebaut.
Das Kreuzleitwerk soll eine gleichmäßige Kraftverteilung während der Startphase gewährleisten und anschließend das Kurvenflugverhalten verbessern. Auch das ist mittlerweile Standard bei den meisten HLG's. Der Schwerpunkt sollte zwischen 73 und 75 mm liegen. Ich entschied mich Schlussendlich für einen Schwerpunkt von 74mm. Bei meinen Leitwerken wurden natürlich Erleichterungsbohrungen gebohrt. Das ist notwendig um die Bleizugabe in der Schnauze so gering wie möglich zu halten. Überhaupt ist geringes Gewicht nicht gleich schwach gebaut. Stärkere Bauweise bedeutet, dass die gesamte Zelle dem gestiegenen Gewicht angepasst werden muss. Es entsteht ein Teufelskreis. Noch ein Nachteil ist, dass bei härteren Landungen oder hohen Geschwindigkeiten höhere Massenkräfte an der zarten Zelle zerren. Also ist es unser Ziel leicht und dennoch fest zu bauen!
Deshalb werden alle Bauteile, welche hohen Belastungen ausgesetzt sind, aus Kohlefaser bzw. GFK gefertigt.
Die Anlenkung von Seiten und Höhenruder erfolgt durch ultradünne und leichte Kevlarseile bzw. durch 0,3mm Stahldraht. Die Rückstellung der Ruder erfolgt durch eine Torsionsfeder aus 0,3mm Stahldraht. Das hat sich perfekt bewährt! Die Vorteile sind sehr billige und dennoch hochwerte Herstellung, völlige Wartungsfreiheit sowie null Zahnradspiel der Servos und noch eins drauf, eine äußerst exakte Rückstellgenauigkeit der Ruder. Perfekt!
Die Antennenverlegung im Flügel ist wichtig. Niemals am Heck entlang oder gar am Kohlekonus ankleben. Neben ungünstiger Gewichtsverlagerung am Heck (ja auch die Antenne wiegt etwas) gibt es bei bestimmten Fluglagen keinen Empfang. Ich gehe sogar soweit, die Antenne innerhalb des Flügels am Winglet nach außen zu verlegen und mit einem 10cm langen 0,3'er Stahldraht zu verlängern. Seither gibt es nicht die geringsten Empfangsprobleme selbst bei sehr weiten Entfernungen.
Flugbericht:
Gleich vorweg, der Shark flog mit winzigen Korrekturen hervorragend. Fast hält man es für nicht möglich. Dabei sind der gute Gleitwinkel und die extrem langsame Fluggeschwindigkeit natürlich ein toller Hingucker. Man hat nie das Gefühl, dass etwas schief gehen könnte. Sauber und sicher lässt sich der Shark pilotieren. Nach dem vorsichtigen Einschweben geht es ans Eingemachte und der erste SAL-Start wird probiert. Also auf Speedstellung mit etwa 2 mm nach oben gewölbten Flaps. Zwei, drei Schritte Anlauf, Drehung und ab damit. Absolut kein Problem! Durch den langen Leiwerkshebelarm sind die Pendelbewegungen beim Start sehr gering und verschwinden nach wenigen Metern zur Gänze. Der Steigflug ist schnurgerade und hört erst jenseits der 30 Meter auf. Bei guten Werfern und einiger Übung ist jedoch noch wesentlich mehr drinnen.
Der Gleitwinkel mit den Klappen in Normalstellung ist sehr flach, dient aber wohl eher dem Streckenflug als dem Thermik suchen. Mit gewölbten Klappen lässt sich wunderbar langsam in der Thermik kreisen. Kurven mit Snap Flap gelingen einfach toll und mit sehr geringem Höhenverlust. Zwei bis drei Vollkreise in Bodennähe sind keine Seltenheit und zur Landung lässt sich der Flieger sehr langsam machen und praktisch mit Nullfahrt auf den Punkt setzen. Die Thermikstellung macht den Flieger noch mal langsamer, sodass im Extremfall knapp über Schrittgeschwindigkeit geflogen werden kann. Zum Landen können die Flaps nach oben gefahren werden und durch Zumischung von Höhenruder setzt sich der HLG ganz brav ins Gras. Damit kann auch aus großen Höhen sehr einfach und gefahrlos gelandet werden.
Fazit:
Der Shark ist mit seiner geringen Sinkgeschwindigkeit einfach unübertroffen. Er läßt sich unglaublich eng kreisen und sehr stark aushungern ohne dass das Sinken merklich zunimmt. Damit lassen sich auch engste Bärte sicher und effizient auskurbeln. Das Modell spricht sehr gut auf die unterschiedlichen Klappenstellungen an und nimmt auch minimale Thermik ganz hervorragend an. Es gibt zwei verschiedene HLW-Varianten. Pendel und gedämpftes HLW. Beides hat so seine Vorzüge. Beim Fliegen gefällt mir persönlich das gedämpfte Höhenleitwerk besser. Für die Dauer des Einfliegens ist ein Pendelleitwerk natürlich günstiger, aber das ist Geschmacksache. Für Einsteiger wie für Profis das richtige Fluggerät. Ein sehr guter Flieger mit hervorragenden Flugeigenschaften!
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