Vorerst mal, es geht hier um funkferngesteuerte Segelflugmodelle.
Mein erster Kontakt mit den sogenannten Wurfgleitern war vor ungefähr 5 Jahren. Berichte in deutschsprachigen Modellbaujournalen sprachen von 'aus der Hand in die Thermik ... und so'. Die erste handfeste Begegnung hier im Wienerwald bestätigte meine damalige Meinung, durch deutschsprachiges 'Bla bla bla...' schon vorgebildet, und in Natura dann gesehen - 'zweiachsgesteuerte lahme Krücken!' - also nicht mein Ding.
Zeitsprung: Jahr 2002 - Ich steh am Hang, sehe die Oberseite der Tragflächen meines fliegenden Modells, stell mich innerlich auf den bevorstehenden Fußmarsch ein. - Plötzlich pfeift ein Modell seitlich neben mir in die Höhe, ca. 30m hoch, kurvt ein wenig umher, kurbelt ein und ignoriert das allgemeine Absaufen!!! Was soll das? Und warum schaut das Ding auch noch dazu so komisch aus, eigenartiges Leitwerk...Wo ist der Hochstartgummi? Keiner, na halt die Winde - auch nicht. Ach so aus der Hand, ja ja - Fliegerlatein. Nochmal machen...
Dann sehe ich zum ersten mal den Schleuderstart, und wieder so einen Flug - 'haben wollen'.
Aus den 'lahmen Krücken' sind High Tech Geräte geworden, (HLG -HochLeistungsGerät). Die widersprüchlichen Anforderungen an das Modell werden heute sehr aufwendig, aber doch für jedermann erschwinglich, gelöst. Das Modell soll sehr schnell fliegen können, beim Start ca.110km/h, sehr langsam die winzigste Thermik auskurbeln und auch gegen den Wind wieder 'nach Hause' kommen. Bei Wettbewerben handelt es sich um verschiedene Zeitflugaufgaben mit Landung in einem Landefeld, also eine Anforderung, die viele Piloten auch beim Freizeitfliegen an ihre Modelle stellen, außer begeisterte Wanderer. Fliegen, herumturnen, Landung bei Fuß!
Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung der Modelle war und ist Wolfgang Zach. Bei Wettbewerben werden heute zum Großteil Modelle eingesetzt, die er entwickelt hat.
Stand der Technik ist derzeit:
4 Servo Steuerung , Seite, Höhe, Quer (auch als Wölb), Snap Flap (Mischung der Wölbklappe zum Höhenruder), Rumpf CFK, Tragfläche sind Schalenflügel aus der CNC gefrästen Form, GFK mit CFK- Holm. Abfluggewicht ab 220g !!!!
Nun doch kurz zur Entstehungsgeschichte dieser Sparte, HLG - F3K.
Der Versuch besonders leichte Modelle zu bauen, die dennoch ein großes Leistungsspektrum haben ist nicht neu. Berichte im Dezember 1975 in einer Amerikanischen Modellzeitschrift zeugen davon. Ich selbst hatte vor ca. 15 Jahren eine 'Mücke' von Bodo Gumpert, ein superleichtes Modell, Quer/Höhe/Seite gesteuert, durchgehende Fläche E178, Spannweite ca.2m. ( geerdet auf der Schmittenhöhe nach einem Superspeedflug mit Flächenflattern und Leitwerksträgerverbiegung).
In Österreich setzte bereits 1991 ein Mann ein Zeichen mit einem Aufruf im Prop. HLG-Interessierte Piloten mögen sich melden. 1992 wurden in Österreich die ersten Wettbewerbe dieser Modellkategorie geflogen, mit ca. 10 Teilnehmern. Ein Wettbewerb in Hamburg brachte die Österreicher näher zusammen. Der Aufrufende Werner Stark sah ein Auto mit Grazer Kennzeichen, dachte vorerst an einen Urlauber, doch es war ein Österreichischer HLGler, Micheal Bene. Die Beiden begannen die HLG infizierten Österreicher zu vernetzen.
Die Interessensgemeinschaft - 'HLG Austria' wurde geboren. Werner Stark war und ist der Mann bei dem die Fäden zusammenlaufen. Die Modelle damals waren alle auf Starttechniken die an den Speerwurf erinnern, ausgelegt - 2achs gesteuert. Auch mit Gummiseil wurde (wird) gestartet. Die Flugaufgaben waren im Prinzip immer Zeitflüge mit Landung in einem Landefeld. Wettbewerbe waren und sind seither in Österreich privat organisiert. Der erste Österreichcup wurde 1996 durchgeführt.
1999 wurde F3K in der FAI als Erprobungsprogramm aufgenommen, das Reglement international festgelegt.
Die Modelle sind Segelflugmodelle mit höchstens 1500 mm Spannweite und höchstens 600g Abfluggewicht. Die Zahl der Servos zur Steuerung der Ruderflächen ist seither freigegeben.
Und jetzt begann der rasante technische Entwicklungsschub. Auch änderte sich die Starttechnik zu dieser Zeit. Bei einem Bewerb in San Diego, der inoffiziellen HLG-WM, startete ein 'beleibter älterer Amerikaner mit Mexikanerhut', Dick Barker sein Modell, indem er sich Golfhandschuhe anzog, das Modell an der Flächenspitze nahm, sich einen Halbkreis um die eigene Achse drehte und hochschleuderte. Er war damit ein wenig höher als die athletischen Mitstreiter. Der damals verwendete Balsasegler hielt nicht lange, aber die Idee. Geburtsort dieser Starttechnik dürfte Seattle sein, dort hatte man Nurflügelmodelle mit dem Halbkreiswurf gestartet. Der große Vorteil dieser Startmethode ist, das auch körperlich nicht so begnadete Menschen gut starten können und vor allem ist die Verletzungsgefahr gebannt. Ohne Aufwärmen war mit der Speerwurftechnik das Problem im Schultergelenk vorprogrammiert.
Wolfgang Zach übernahm diese Starttechnik - den SAL (Side-Arm-Launch) welch ein Wort, (und nicht nur Formel 1 Boliden haben eine Launch Control oder ist Ihr Wurfarm out of control?) - und verwendete sie bei einem Wettbewerb in Regau im Frühjahr 2000. Die Überlegenheit der Athleten schrumpfte und Zach, nach seinem Unfall sicher kein gesegneter Werfer, konnte sogar die Eurotour 2000 gewinnen. Der SAL wird heute mit einer ganzen Drehung des Piloten durchgeführt. Allerdings wollen jetzt neue Kräfte gemanagt werden. Wolfgang Zach baute F3B Technologie in diese Modelle ein, gepaart mit der Konsequenz, weglassen was unnötig ist und genaueste Beachtung der wirkenden Kräfte. Und das macht aus, warum manche Modelle so komisch aussehen.
Ein 300g leichtes Modell wird in der Drehung beim Start 10kg! schwer.
Und hier sind wir schon in der Gegenwart.
Die Flügelprofile sind in den letzten 2 Jahren von RG15 (8,9%) zu HD45 (6%) Freudenthaler Grundriss, weiter zum jetzt verwendeten Habe Profil, HN 987 (8%) gewechselt. Die Flächen sind einteilige GFK Schalenflügel, (Oberseite gegen Endleiste Haifischhaut - Oberfläche), haben ca. 120g, werden in CNC - gefrästen Formen gebaut, vakuumgepresst, haben Holme und Nasenleisten aus CFK, Torsionsbeschichtete Klappenholme.
Die linke Flächenspitze hat Grifflöcher, (oder einen Stift) für den Schleuderstart. Bei linkswerfenden Piloten ist die Griffhilfe auf der rechten Tragfläche - eh klar.
Der Rumpf ist aus CFK, nimmt in der Nase die 4 Servos, den Empfänger und den Akku auf. Die Flügelauflage liegt relativ tief im Rumpf und wird etwas breit gehalten um Scherkräfte beim Start gering zu halten. Leitwerksträger CFK - Rohr
Das Leitwerk wird in GFK oder Balsa und Folie gebaut, Pendel oder Ruderklappen. Das besondere am Leitwerk ergibt sich aus den hier erhöhten Kräfte beim Drehwurf. Eine normale Leitwerkskonfiguration würde ein gegenläufiges Gier - Roll Moment erzeugen und somit den Leitwerksträger unnötig hoch belasten. Was ist damit gemeint? Das Modell eines Rechtswerfers startet mit einer extremen Linkskurve (110km/h Radius : Armlänge) die sofort nach dem Loslassen des Modells abgefangen wird. Der Druck auf der Seitenruderflosse entspricht also dem der Rechtskurve bei vollem Speed. An der konventionellen Seitenleitwerksspitze entsteht dadurch aber ein Rollmoment für eine Linkskurve...somit am Leitwerksträger, also Biegemoment, der Rechtskurve, Torsionsmoment der Linkskurve.....au weh! Zumindest das Rollmoment lässt sich aufheben, indem man das SLW zu gleichen Anteilen oben unten am Leitwerksträger befestigt. Die theoretisch günstigste Form wäre das hängende Seitenleitwerk (V-Leitwerk), hier wären Gier- und Rollmoment gleichsinnig. Beim Landen wieder nicht ganz so optimal, aber das geringe Fluggewicht lässt unsere Leitwerke leben.
Unnötige Belastungen erfordern unnötige Verstärkungen, die bringen wieder unnötig Gewicht ins Spiel usw...
Konsequent Weggelassen und in der Dimensionierung sparsamst - so geht's auch in der Rumpfspitze zu. Empfängergehäuse: unnötiges Gewicht und zu sperrig, weg. Laschen an den Servos, weg. Freier Raum neben den Ruderhörnern, 1,5mm!!!
Verwendet werden 320mA/h Akkus, Microempfänger, 26mm hohe Microservos ohne Kugellager (weniger Spiel), Ruderanlenkung der Querruder mit 2mm CFK Stäben, Höhen- und Seitenruder mit 0,3mm Stahldraht oder die superlight Variante, Kevlarfaden auf Zug. Torsionsfedern in den Rudern machen die Gegenbewegung - leicht und Spielfrei!
Abfluggewicht der momentan leichtesten Modelle 220g !!!
Das hier beschriebene Modell ist momentan das Wettbewerbsmodell schlechthin, kompromisslos. Das schöne an der Sache ist, bei nicht ganz so extremer Auslegung sind immer noch Modelle machbar, deren Leistungsspektrum einfach umwerfend ist. Auch fürs Spaßfliegen. Und das Landen... ein Genuß! Selbst noch in geringer Höhe, eindrehen, auf mich zufliegen, das Modell aus der Luft fangen und mit dem Gefühl, 'ich kann landen wie ein gewisser Herr Hoffmann', heimgehen!
Wenn allerdings der Wind auffrischt, oder sowieso die Überthermik da ist, dann sind unsere alten Modelle, vom Hanghobel bis zum Universalgeier, gefragt.
Doch wenn man zwischendurch eine kleine Wiese entdeckt, so einen kleinen HLG hat man bald im Kofferraum....
Für Fragen steht Wolfgang Zach himself unter 02622/44144 zur Verfügung.
Werner Stark ist unter 0732/385691 zu erreichen.
Ferner verweise ich auf die sehr gute Internetseite, Austrian HLG: http://home.pages.at/gliderpilot/hlg/
Wirklich gute SAL - HLG sind noch selten im Fachhandel.
Ich ersuche Hersteller solcher Modelle oder Leute die für Fragen interessierter Piloten offen sind sich bei mir zu melden, eine Aufstellung wird dann in einer der nächsten Propausgaben stehen.
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Ergänzung vom 26.08.2002
Aufstellung über in Österreich hergestellte SAL/HLGs (für den Dreh/Diskuswurf geeinete Modelle)
KIS-DLG von Werner Stark
Der KIS-DLG ist ein Low Cost Modell für den Dreh/Diskuswurf, und daher kommt auch der Name 'Keep It Simple Discus Launched Glider'. Dieser Flieger zeichnet sich durch seine gefräste Tragfläche aus (typisch für den Holzwurm Werner Stark). So ist die Tragfläche komplett in dieser Bauweise erstellt. Der Rumpf besteht hauptsächlich aus einem Kohlerohr, auf das vorne ein Sperrholzaufbau gesetzt wurde. Die komplette Bauanleitung und viele weitere Fotos können auf der Internetseite von Werner Stark (siehe unten) nachgelesen werden. Sehr interessant ist die Preisgestaltung: die ARF-Version kostet nur 100,- €. Wer jedoch mit einem KIS-DLG auf einem CONTEST-Wettbewerb 2002 Erfolg hat, bekommt den Kaufpreis nach einer Staffelung rückerstattet! Gewinnt man einen Wettbewerb, so bekommt man 100% erstattet, beim 2. Platz sind es noch 90%, usw. bis schließlich zum 10. Platz, bei dem man noch 10% des Kaufpreises erstattet bekommt. Eine sehr lobenswerte und F3K-fördernde Preispolitik! Gesteuert wird der Flieger über Querruder (Flaperons aus dem Rumpf angelenkt) und Höhenruder. Der Flügel hat einen Flächeninhalt von 24 dm² und der Flieger wiegt leer 210 g. Abflugfertig werden Gewichte zwischen 290 g und 310 g erreicht.
Werner Stark, Tel. +43 (0)732 385691 oder wstark@aon.at
http://members.aon.at/wstark/bobo/dlg/artf/artf.html
Fireworks 2 von PCM
Der Fireworks 2 ist ebenfalls für den Dreh/Diskuswurf konzipiert. Die Tragfläche ist eine Schalenkonstruktion aus einem GfK-Balsa-Sandwich und besitzt CfK-Holmgurte zur Aufnahme der auftretenden Belastungen. Der Voll-CfK Rumpf wurde flacher gestaltet, so dass die Servos liegend statt stehend montiert werden. Der Fireworks 2 wird in zwei Versionen ausgeliefert, die sich nur in der Bauweise der Leitwerke unterscheiden. Mit Voll-GfK Leitwerken wird ein Abfluggewicht von 255 g erreicht. Hingegen ist die Version mit Leitwerken aus Balsa 20 g leichter. Der Flügel besitzt ein HD 45 Profil und ca. 21 dm². Bemerkenswert ist beim Fireworks 2, dass alle 4 Servos im Rumpfkopf untergebracht sind. Zu kaufen gibt es den Fireworks 2 in drei unterschiedlichen Versionen: Für 182,- € erhält man nur den Rumpf und die Fläche, für 204,- € sind die Balsabretter für die Leitwerke und diverse Kleinteile dabei. Möchte man GfK-Leitwerke haben, so kostet diese Version 254,- €, jeweils zzgl. Verpackung und Versand.
PCM-Modellbau Email: markus.podivin@aon.at
www.pcm.at
Shark von Wolfgang Zach
Schon im letzten Prop habe ich im wesentlichen dieses Modell beschrieben.
Die Tragfläche ist eine Schalenkonstruktion aus einem GfK-Balsa-Sandwich und besitzt CfK-Holmgurte und Klappenholme mit einer Torsionslage. Beim Profil handelt es sich um ein NH 979, das auf der Oberseite ab ca. 50% Flügeltiefe eine Art 'Haifischhaut' aufweist. Der Rumpf ist eine voll CfK Konstruktion und ist im Bereich der Tragflächenaufnahme sehr flach um Scherkräfte beim Drehwurf so gering wie möglich zu halten. 4 Servos, ein superkleiner Akku und ein Empfänger ohne Gehäuse finden in der Rumpfspitze platz. Leitwerke werden aus Balsabrettern geschliffen, ausgebohrt und mit Superleichtfolie bespannt. Ruderflächen werden über Seilzüge und Rückstellfedern (eigentlich Torsionsfedern) angesteuert.
Wolfgang Zach himself unter 02622/44144 (Tel. und Fax) oder wzach@aon.at
Anm.: Modell "Lucia" hat mit Zach nichts zu tun!
Ehemalige Holzmann HLGs vom Modellbaudoktor
Ein Danke an dieser Stelle an den Modellbaudoktor, der als einer der wenigen noch 'unbekannten' Hersteller den Weg zu uns gefunden hat. Obwohl diese Modelle nicht geeignet sind für den Dreh/Diskuswurf und nur beschränkt HLG-Wettbewerbstauglich sind. Wohl in der Bungeeklasse (Start am Gummiseil), nicht aber in der Handstartklasse, die zu erreichenden Wurfhöhen im klassischen Speerwurfstil sind zu gering.
Zum Spaßfliegen allemal geeignet, GfK- Rumpf , Balsaholz Tragflächen. 2 Achsgesteuert.
www.modellbaudoktor.com
Walter Burmann
2531 Gaaden, Heiligenkreuzerstraße 4 Tel.: 02237/ 8756
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