Modellflugforumsantwort an einen Doppeldeckerpiloten in spe (gilt sinngemäß natürlich auch für Eindecker), redigiert für "prop" in Ergänzung zum wissenschaftlichen Zugang unseres Weltmeisters O. Czepa im Dezember"prop" 2001. Gültig für symetrische und halbsymetrische Profile.
Lieber Flugkollege,
das Problem mit dem Doppeldeckerschwerpunkt wird noch durch die verschiedenen Einstellwinkel der beiden Flächen verschärft.
Aber generell gilt als Hilfe vor dem ersten Flug, für gepfeilte und ungepfeilte Flächen mit ca. 35% Dickenrücklage des Profils:
Auf beiden Flächen bei ca. 30% von der Nasenleiste (zur Endleiste) den Punkt bei ca.1/3 der Spannweite markieren und diesen rechtwinkelig zur Rumpflängsachse auf den Rumpf projizieren.
Bei Flächen ohne Pfeilung ist dieser 1/3-Spannweiten-Punkt auf der 30%-Flächentiefenlinie natürlich ident mit dem Schnittpunkt dieser Linie am Rumpf, bei gepfeilten Flächen wird er irgenwo rund um 50% der Rumpfausnehmung (untere Fläche) liegen und bei der oberen Fläche sinngemäß zwischen den Pilonen, bei starken Pfeilungen sogar hinter dem hinterem Pilon .
(Anmerkung: Bei Trapezflügeln etc. wird die Pfeilung mittels der dicksten Profilstelle (nicht ganz exakt, aber ausreichend genau) beurteilt und NICHT anhand der Nasenleiste! Beispielsweise hat ein Trapezflügel mit ungepfeilten Nasenleisten somit eine negative Pfeilung.)
Diese beiden Punkte der oberen und der unteren Fläche braucht am jetzt nur mehr längsbezogen zu mitteln (Mitte Abstand zwischen den beiden Punkten) und das ergibt den UNGEFÄHREN Soll-Schwerpunkt, das aber zuverlässig. Dorthin würde ich für den Erstflug den Ist-Schwerpunkt einstellen.
Eventuell bei halbvollem Tank.
Das Erfliegen des sinnvollen(!) Schwerpunkts:
Die endgültige Schwerpunktlage läßt sich, wie immer, nur erfliegen: Sollte beim Rückenflug (3/4 Gas) Tiefenruder mit ca. 2-5 mm Knüppelweg notwendig sein, wärst Du auf der sicheren, non-akro Seite. Auch für die Landung.
Geht der Doppeldecker beim auf-den-Rückenlegen sofort in einen Looping nach OBEN, dann vor dem anschließenden Landen etwas auf "tief" trimmen und am Knüppel minimal hochhalten und ggf. nachlassen. Das ist nämlich viel einfacher, als eine wegen Schwanzlastigkeit sich im Langsamflug aufbäumende und überempfindliche Maschine sanft und erfolgreich=bruchfrei herunterzudrücken.
Sollte diese o.a. Rückenflug-Loopingautomatik auftreten, dann den Schwerpunkt um ca. 5% nach vorne verlegen. Und wieder testen.
Wenn Du fragst, warum nicht überhaupt gleich mehr nach vorne: Doppeldecker fliegen eher langsam und es kann aus verschiedenen aerodynamischen Gründe passieren, dass das Höhenruder dann zu wenig Wirkung zum Kompensieren der nasesenkenden Kraft hat, womöglich die Höhenruderströmung auf der Unterseite beim Abfangen und Ausschweben dann sogar abreißt. Dann geht der Bi auf die Nase und Du brauchst garantiert einen neuen Propeller. Mindestens.
Apropos Propeller: Vor dem Aufsetzen das Gas nur reduzieren, nicht herausreißen. Wegen des hohen Doppeldecker-Gesamtwiderstands und der sonst schlagartig nachlassenden Höhenruderwirkung bei fehlender Motoranblasung.
Keine Angst wegen alles Obigem. Wenn Doppeldecker eine nicht zu kleine Flächentiefe (RE-Zahl!) haben, sind sie toleranter als Eindecker, besonders beim Landen mit etwas Gas.
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