Nach langer Pause gab es am 24.09.2011 auf dem Flugplatz des MBC Günselsdorf für die Piloten von vorbildähnlichen Flugmodellen eine wichtige Veranstaltung. Zirka ein Jahr vorher fragte man den Obmann Rudolf Podivin vom MBC Günseldorf, ob er sich vorstellen könnte, einen Wettbewerb in der Disziplin Semi - Scale durchzuführen. Nach Rücksprache mit seinen Mitgliedern gab es ein verhaltenes Ja, aber ....... Für mich verständlich, da wir alle nicht wissen konnten, wie viele Piloten kommen werden. Piloten, die vorbildähnliche Modelle fliegen, gibt es viele und besucht man diverse Modellflugveranstaltungen, sieht man etliche Modellpiloten, die bei einem Wettbewerb locker mitfliegen könnten. Die Scheu, keine ausreichenden Unterlagen zusammen zu bekommen, sollte man beiseite lassen. Es gibt die vielfältigsten Kommunikationswege und diverse Möglichkeiten Originalunterlagen zu erhalten. Und wenn man das alles nicht so ganz möchte, kann man noch immer in der Klasse "Fly only" mitmachen.
Je näher der Austragungstermin kam, umso wichtiger war die Frage für den Veranstalter, wie hoch die Teilnahme tatsächlich bei diesem Bewerb sein wird. Die Spannung blieb bis zum Beginn der Meisterschaft. Trotz dieser Unsicherheit bereitete sich das Team vom MBC Günselsdorf besonders gut vor.
Von den kolportierten 13 Teilnehmern haben sich dann tatsächlich 11 Personen beim Österr. Aero-Club angemeldet. Diese Anzahl erscheint beim ersten Hinsehen nicht allzu üppig, ist aber für den Wiederbeginn eine gute Teilnehmersumme für eine Österreichische Meisterschaft in RC-SC. Neben der ÖM wurde auch die Niederösterreichische Landesmeisterschaft ausgetragen. Semi - Scale ist eine Klasse, in der man Flugmodelle präsentieren kann, die aus allen Epochen der Luftfahrt stammen. So war es auch bei dieser Meisterschaft der Fall, dass neben einer A10 auch eine Berg D I gestartet ist. Unterschiedlicher kann es nicht mehr sein.
Der Erste in der Starterliste war Manfred Wieser mit einer Bellanca Decathlon. Erbaut hat er sein Modell aus einem Holzbaukasten, bespannt ist dieses mit Gewebefolie und mit einem 2 K Anstrich lackiert. Das 3 m große Modell wird angetrieben von einem 3W Boxermotor und ist gutmütig zu fliegen. Das Original dieses Kunstflugtrainers steht in Wr. Neustadt.
Bernhard Klauscher mit der Startnummer zwei brachte eine Aviatik Berg D1 an den Start. Dieses Modell ist nach Originalbauplänen aus dem Heeresgeschichtlichen Museum erbaut. Viele Einzelheiten wie Profil, Farbgebung, Anlenkung etc. entsprechen genau dem Vorbild. Das Modell ist in Holz aufgebaut, wiegt 15 kg, hat eine Spannweite von 2,5 m und wird von einem Eigenbauelektromotor mit einem Untersetzungsgetriebe 1:2 angetrieben.
Martin Wurm als Nummer Drei in der Starterliste flog eine 3,33 m große Udet Flamingo, motorisiert mit einem 5 Stern-Moki 150 cm³ und aufgebaut aus Balsa- und Sperrholz sowie Verstärkungen aus Kohlerohren. Das Original des Udet Flamingo steht im Museum in Schleißheim und ist ein Nachbau des Oldtimer- Segelflug-Vereins München. Deren Mitglieder wendeten 8.500 Mannstunden in einer Bauzeit von zehn Jahren auf, um dieses Flugzeug entstehen zu lassen. Der Nachbau ist flugfähig, der Erstflug erfolgte am 17. Dezember 2004. Unser Flugkollege Friedrich Nake absolvierte seine Flüge ebenfalls mit einer Udet U 12a Flamingo, deren Vorbild in Graz Thalerhof erbaut und später in Wr. Neustadt stationiert war. Daher hat dieses Modell eine österreichische Lackierung und ist ein Selbstnachbau aus Holz nach Originalunterlagen. Dem 9,3 kg schweren Flugmodell werden hervorragende Flugeigenschaften bescheinigt.
Das imposanteste Flugmodell war die A 10 Thunderbold von Michael Wurm. Nicht nur dass dieses Modell die höchste Baubewertung erhielt, flog Michael dieses in alle drei Durchhängen perfekt. Zwei Turbinen mit je 8 kg Schubkraft geben genug Kraft, dass alle Kunstflugfiguren, die eine Original A10 fliegen kann, ebenfalls von diesem 3m großen Modell bewältigt werden. Selbstverständlich ist das Cockpit mit allen seinen Hebeln, Schaltern, Anzeigen usw. perfekt nachgebaut und der dazu passende Pilot ist ein wahrer Hingucker. Ebenso ist das elektrische Einziehfahrwerk ein technisches Glanzstück und befindet sich dieses Modell in der Luft, dann sind die hell leuchtenden Positionslichter gut zu erkennen. Die Original A/OA-10 A Thunderbold II befindet sich auf der Air Base in Spangthalem/D. Von diesem Modell gibt es einen Bausatz, bei dem Michael Wurm maßgeblich mitgearbeitet hat. Daher ist der Bauaufwand von 1200 Std. nicht erstaunlich.
Eine Klemm L 20 setzte Artur Bail im Maßstab 1: 3 bei dieser Österreichischen Meisterschaft ein. Dieses Modell mit einer Spannweite von 4,4 m ist klassisch in Holz aufgebaut und wird von einem ZG 62 angetrieben. Alubeschläge an verschiedenen Stellen und mit den Querrudern mitgehende Randbögen vervollkommnen diese Modell. Eine Feinheit ist der Femastarter, der den ZG 62 zum motorischen Leben erweckt. Die Klemm L 20 war ein beliebtes einmotorisches Sportflugzeug und wurde in zwölf Versionen mit teils unterschiedlichen Motorisierungen verkauft.
Der in vielen Semi - Scale Wettbewerben teilgenommene Pilot Ernst Passenbrunner brachte seine erprobte P-47 D Thunderbold mit an den Start. Dieses Modellflugzeug besticht durch eine wunderschöne, sehr vorbildgetreuen Oberfläche an der Rumpf- sowie Tragflächenstruktur. Natürlich hat dieses Modell ein pneumatisches Fahrwerk, ausfahrbare Ladeklappen, ein ausgebautes Cockpit und vieles mehr. Das Besondere dabei ist aber die sich automatisch öffnende bzw. schließende Kabinenhaube, die durch seine Fernsteuerung betätigt wird. Der Antrieb ist ein bewährter Boxermotor mit 100 cm³ Hubraum, die Spannweite beträgt 2,48 m und das Modell ist 20,5 kg schwer. Das flugfähige Vorbild steht im Museum in Duxfort.
Als Startnummer 11 flog Kim Contento eine nur 9 kg schwere und 2,30m große American B-25 J, die auch über ein pneumatisches Fahrwerk mit Fahrwerksklappen verfügt. Der Antrieb besteht aus zwei Elektromotoren mit je 1100 Watt Leistung und einem 6500mA LiPo-Akku. Der Bombenschacht kann ebenfalls durch die Fernsteuerung geöffnet und geschlossen werden. Durch seinen Hexacopter wurden eindrucksvolle Luftbilder aufgenommen, die die Veranstaltung von oben zeigen.
Bei exzellenten Wetterbedingungen konnten an einem Tag alle drei Wettbewerbsflüge durchgeführt werden. Da der Flugplatz auch die flugtechnische Infrastruktur bietet, war bei allen Flugmodellen ein problemloses Starten und Landen möglich. Wenn Michael Wurm die beiden Turbinen der A10 Thunderbold hochfahren ließ und vor dem Start an den Punkterichtern souverän vorbeifuhr, konnte man sich dieser schönen Szenerie nicht verwehren . Bereits beim ersten Durchgang zeichnete sich ab, dass Michael Wurm den Meistertitel gewinnen wird. Seine Flugdarbietungen waren vom Flugbild, als auch von der Präzision sehr schön anzusehen. Aber auch die Flüge von Bernhard Klauscher, der den zweiten Platz erreichte und von dem Drittplazierten, Ernst Passenbrunner, waren gut vorgeführt. Auch die weiter hinten Platzierten zeigten ansprechende Flüge, obwohl einige von den Piloten zum ersten Mal bei einer Österreichischen Meisterschaft in Semi-Scale dabei waren.
Es war eine sehr gelungene Veranstaltung und Dank dem Team von Organisationsleiter Rudolf Podivin sowie den Funktionären des Österr. Aero-Clubs, Wettbewerbsleiter: ONF Gottfreid Schiffer, Jury: LS-NÖ Otto Schuch, Bauprüfer: BFR M. Stocker, F. Stinglmeier, W. Pretz, Punkterichter: N. Scheucher, F. Heider, A. Paul, war es auch ein Highlight in der Flugsaison 2011.
Eine neuerliche Austragung eines internationalen oder nationalen Wettbewerbes 2012 in dieser Klasse wäre ein erfreuliches Geschehnis und für viele Piloten eine Freunde wieder zu kommen.
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