Modellfliegerclub Lienz / Osttirol
3. Osttiroler Elektro-Schleppmeeting

Immer größer, immer schöner, immer schwerer.....

Am Modellflugplatz Lienz traf sich vor kurzem bei herrlichstem Flugwetter eine begeisterte Schar von Freunden des Seglerschlepps mittels Elektromodellen zu einer zweitägigen Leistungsschau und zum gemütlichen Erfahrungsaustausch. Etliche Piloten aus Österreich, Deutschland und Italien waren schon zum 3. Mal dabei und demonstrierten die erstaunliche Leistungssteigerung ihrer E-Schleppzüge. Auch heuer wurde das Meeting wieder durch die Firma Modellbau Hepf und Team tatkräftig unterstützt. So war auch Gernot Bruckmann mit Eltern wieder mit dabei, bevor er anschließend nach Tucson / USA abgereist ist, wo er wieder höchst erfolgreich war. Beim dortigen Aerobatic Shootout 2011 errang er den Sieg im Freestyle und wurde Zweiter in der Klasse Invitational.

Was waren die Eindrücke und Erfahrungen?
Generell kann gesagt werden, dass der E-Schleppflug sich voll etabliert hat: War vor wenigen Jahren ein Elektroschlepper wegen seiner geringen Leistung noch milde als "Exote" belächelt worden, ist er zumindest bei den mittelgroßen Seglern bis ca. 6 m Spannweite heute eine brauchbare, vor allem aber leise und saubere Alternative geworden.

Unübersehbar waren zwei Trends:
Der Einsatz von naturgetreuen (meist Fertig-) Modellen sowie die stetig wachsenden Dimensionen der Flugzeuge - offenbar ein Zeichen des im Lande herrschenden Wohlstandes.....

Modelle:
Bei den insgesamt 18 Seglern beeindruckten besonders die großen Oldtimermodelle, welche eine willkommene Abwechslung zum Einerlei der modernen Hochleistungssegler waren. Den größten und schwersten Segler präsentierte stolz Rudolf Buchacher (Feldkirchen). Sein Eigenbau "L-Spatz" mit 6,5 m Spw. und 18,0 kg Gewicht hat die anwesenden Schleppmaschinen ordentlich gefordert. Weitere Oldtimersegler waren neben der 5,8 m großen und nur 11 kg schweren Bruckmann-MG 19 noch das Grunau Baby, ein Schulgleiter und die KA-6. Von den modernen Geräten waren Mucha, Discus, ASW, ASH und DG vertreten.

Von den 11 (!) eingesetzten Schleppmaschinen waren mit zwei Ausnahmen alle Nachbauten von bekannten manntragenden Flugzeugen mit Spannweiten von 2,5 m und mehr. Die größte Schleppmaschine brachte Michael Sussitz vom MFC-Lienz an den Start: Eine brandneue und daher vielbeachtete Cessna 182 mit 3,65 m Spannweite und nur 18 kg Fluggewicht von der chinesischen Firma "the world models". Dieses elegante Modell mit 3-Beinfahrwerk hat ausgezeichnete Flug- und Schleppeigenschaften.

Die schwerste Schleppmaschine mit 21 kg brachte Kurt Sporer aus Innsbruck mit, eine sehenswerte Bellanca Super Decathlon, welche auch als einzige ein Getriebe (Eigenbaugetriebe von Bader - siehe Prop 4/2010) verwendet. Echte Eigenbauten gab es nur von den beiden Steirern Jürgen Schauer und Kurt Winkelbauer (MBV Airpower) zu bewundern: eine große Pilatus Turbo-Porter und eine wunderschön detaillierte Jodel Robin (3,4 m Spw.) mit beweglicher Haube und Landescheinwerfern.

Neben den bisher vielfach bekannten und bewährten Modellen wie Swiss Trainer, Pilatus Porter, Robin, Rascal etc. ist nunmehr auch die neue Maule lt. Fa. Hepf als Fertigmodell in Kürze lieferbar. Ein Traummodell wird für viele - wohl auch wegen ihres Preises - die OMF 160 der Flight Academy in Voll-GFK-Bauweise bleiben. In Lienz hat sie sich schon die zweite Saison als hervorragende Schleppmaschine bewährt.

Akkus und Antriebe:
Bei der Vielzahl der bis zu 15 S dicken Akkus ist auch das vereinseigene 120 A/DC-Netzteil an seine Grenzen gestoßen. Akku-Favoriten sind dzt. immer noch die Lipo-Zellen, vor allem wegen ihres niedrigen Paketgewichtes und des zwischenzeitlich eingetretenen Preisverfalles. Die schwereren LiFe-Zellen beeindrucken besonders durch die möglichen hohen Ladeströme, die ein "Nachtanken" in 5-10 Minuten (!) ermöglichen. Somit dauert eine Ladepause nicht mehr viel länger als das Nachtanken eines Verbrennerantriebes, was zudem noch einen kontinuierlichen Schleppbetrieb mit nur einem Akkusatz ermöglicht.

Kurt Sporer verwendete als weitere Alternative einen Lithium Manganpack (13 S / 9600 mAh) in seiner 21 kg Decathlon. Er berichtete von LiFe-ähnlichen, sehr positiven Betriebseigenschaften, bei gleichzeitig wesentlich geringerem Gesamtgewicht des Mn-Packs gegenüber den LiFe-Zellen. Diese Manganzellen sind jedenfalls künftig im Auge zu behalten!

Der Einsatz der neuen LiFe bzw. LiMn-Zellen im pausenlosen Schleppbetrieb erweist sich dann als besonders sinnvoll, wenn leistungsfähige Ladegeräte und ein starker Netzanschluss bereitstehen, um die jetzt mögliche hohe Ladeleistung (bis 3000 Watt!) bieten zu können. So wird in Lienz seit längerem zur Schnellladung der LiFe-Zellen kein herkömmliches Ladegerät, sondern ein umgebautes Regelnetzteil (Fa. Hepf) verwendet und mit diesem nach dem Konstantspannungsprinzip geladen. Dabei wird mittels angebautem Zusatzregler nur die genaue und vorgeschriebene Ladeschlussspannung des Akkupacks am Netzteil eingestellt und der Pack angeschlossen. Der Ladestrom geht sodann nach einem anfänglichen Maximalwert selbständig bis zum Erreichen der Ladeschlussspannung gegen Null zurück. Die hier verwendeten LiFe-Zellen haben diese Ladeprozedur bisher in mehr als 1000 Ladezyklen problemlos überstanden!

Als Antriebe beim 3. Osttiroler Elektro-Schleppmeeting dienten Außenläufer der Marken AXI, Hacker und Turnigy mit 10 - 15 Zellen und Props von 22 bis 29 Zoll. Die Lärmmessungen in 7 m Entfernung und 1 m Höhe ergaben max. 86 dbA am stehenden Modell, wobei im Fluge speziell bei den großen Props eine deutliche Lärmreduzierung subjektiv feststellbar war. Dimension und Bauart der Props haben bei der Modellanpassung noch ein großes Reduzierungs- und Experimentierpotential für niedrigere dbA-Werte (bis ca. 3 dbA) in sich!

Ausblick
Während sich die Elektronik und Akkutechnik in letzter Zeit rasant weiterentwickelt haben, steht bei den Antrieben für Großmodelle ein weiterer Entwicklungsschub noch aus. Der allgemeine Trend nach größeren und schwereren Modellen bei gleichzeitiger maximaler Lärmreduzierung verlangt künftig noch mehr nach langsam drehenden Direktantrieben für große Luftschrauben. Hier warten wir noch auf Neuheiten, denn unsere großen Elektroschlepper sollten nicht nur leistungsstark sondern auch möglichst umweltgerecht leise betrieben werden können!

Abschließend sei allen Mitwirkenden und Helfern sowie der Fa. Hepf Modellbau wieder herzlich gedankt. Ihr Einsatz hat es ermöglicht, dass wir für unser interessantes Hobby nicht nur neue Anregungen und Erfahrungen sammeln konnten sondern auch schöne und gemütliche Stunden unter Freunden erleben durften.

Weitere Bilder und technische Daten gibt es auf: www.modellfliegerclub-lienz.at

Technische Daten:

Text: Walter Kozubowski
Fotos: Karl Dalpra, Markus Kozubowski, Marco Fedon
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