Portrait: Koloman Mayrhofer

Man kann fast sagen, wie immer: 'Alles fängt mit dem Modellbau an'. Ich sitze Koloman Mayrhofer gegenüber, Jahrgang 1960, gelernter Bildhauer, Künstler. Ruhig, bescheiden in seinem Auftreten merkt man doch die Begeisterung, die in diesem Mann steckt. Seit nahezu 18 Jahren ist er dabei, sich seinen Wunschtraum zu erfüllen: er möchte einen Original Albatros DIII besitzen. Bis 1918 wurden in Wiener Neustadt bei der ÖFAG Albatros DIII Flugzeuge gebaut. Fliegen wird er ihn wohl nie können, aber schon alleine die Gewissheit zu haben, dieses Flugzeug wird es nur einmal geben, treibt ihn voran.

Bis in die Mitte der 70iger Jahre baute Mayrhofer Modellflugzeuge. Dann reden wir kurz über die Zeit der kleinen COX Motore, das Heulen dieser kleinen Triebwerke und schweifen kurz ab in die Vergangenheit. Sein erstes Modell war ein Albatros DIII im Maßstab 1:72. Eine Vorahnung?

Und immer haben ihn schon Flugzeuge aus dem Ersten Weltkrieg fasziniert. Wie alles begann. Die großen Pioniere der Flugzeugkonstrukteure. In einer Ära, in der probiert und experimentiert wurde, Mitteldecker oder doch Dreidecker, Umlaufmotore oder besser Reihenmotore?

Also wurde mit der Beschaffung der Pläne begonnen. Von etwa 350 Plänen für einen Albatros DIII konnten aber vorerst nur 70 Pläne aufgetrieben werden. In Kriegsarchiven und Museen, Bibliotheken wurde gefragt, geforscht und manchmal etwas gefunden. Sobald aber die Unterlagen für einige Komponenten vorlagen, wurden diese gebaut. Mit diesen Teilen unterm Arm wurden weitere Archive besucht, und plötzlich änderte sich die Stimmung: dieser Mann meinte es ernst mit seinem Traum, und manche vorher verschlossenen Türen öffneten sich. So wurde Stück für Stück an Unterlagen gesammelt und der Bau ging weiter. Originalinstrumente wurden zusammengetragen, aber das wichtigste fehlte noch: ein original Austro Daimler Flugmotor sollte es sein. Dies war eine schier unlösbare Aufgabe, da alle Kriegsmaterialien nach dem Friedensvertrag von 1919 von den Alliierten Mächten zerstört wurden. So wurden etwa die Ventile abgeschlagen, Kurbelwellen zerstört, etc. Man besaß die Werksunterlagen mit den Motornummern und anhand dieser Listen sollte kein Teil übersehen werden. An dieser Stelle verweise ich an interessierte Leser an die Internetseite www.austrodaimler.at.

Es war im Jahre 1999 als der ORF in seiner Sendung 'Heimat' einen Bericht über Koloman Mayrhofers Vorhaben ausstrahlte. Und ab jetzt beginnt eine wahrlich abenteuerliche Geschichte. Ein älterer Zuseher erinnerte sich, als er noch bei den Steyr Werken arbeitete, dass er so etwas gesehen hätte. Jener Herr bemühte sich nun, obwohl schon längst im wohlverdienten Ruhestand, wieder Zutritt zu der jetzt zum Magna Konzern gehörenden Firma zu erlangen. Und tatsächlich, hinter Alteisenteilen lagen zwei Original Austro Daimler Flugmotore. Anfangs dachte man, es handelte sich um Luftschiffmotore, die ebenfalls in Wr. Neustadt gebaut wurden. Zum einen handelte es sich um einen Prototypen, den legendären Quadtratmotor (Bohrung zu Hub 180mmm, mit einer Leistung von 360PS aus 21 Liter Hubraum, Reihen Sechszylinder). Aber der zweite Motor war der große Haupttreffer: Aus der Serie 23.000 stammend, entsprach er exakt dem Originalmotor. Leistung 225PS bei 1400 U/min, 16 Liter Hubraum, obenliegender Nockenwelle, 4 Ventile, Königswellenantrieb mit der Seriennummer 23605, Baujahr November 1918. Konstrukteur war ein gewisser Herr Ferdinand Porsche. Von 496 ausgelieferten Motoren war ein einziger, flugfähiger Motor übrig geblieben. Es gibt zwar noch zwei, drei andere Exemplare, die aber in Museen stehen (etwa in Wr. Neustadt) und nicht zu haben waren. Natürlich ist dieser Motor nur eine Leihgabe und die komplette Überholung musste wieder aus eigener Tasche bezahlt werden. Eine Firma in Deutschland überholte den Motor komplett. So ist Koloman Mayrhofer doch zu einem neuen, original Austro Daimler Flugmotor für seinen Albatros DIII gelangt.

Besucher der Flugschau der Extraklasse '100 Jahre Luftfahrt in Fischamend' im Jahr 2009 konnten an beiden Tagen Probeläufe dieses Motors miterleben. Für alle jene, die es nicht geschafft haben, nach Fischamend zu kommen, gibt es hier einen Film auf youtube.com.

Es war im Jahr 1999, als der Deutsche Eberhard Fritsch bei Koloman Mayrhofer einstieg; er wollte auch einen Albatros DIII besitzen. Jetzt sind zwei Albatros DIII in der Fertigstellung. Aber fliegen wird nur einer. Der Grund? Es gibt eben nur mehr einen flugfähigen Austro Daimler Motor.

Durch seine Bekanntheit in der WWI Szene und seinem Eigenbau Albatros wurde Koloman Mayrhofer immer wieder gefragt, ob er nicht auch andere Aufgaben übernehmen könnte.

Im Jahr 2000 wurde die Firma CraftLab gegründet. Mit vier Mitarbeitern restauriert hier Koloman Mayrhofer mittlerweile Automobilaufbauten (für Austro Daimler Fahrzeuge, BMW, Darlmat oder Voisin), baut Flugzeugkomponenten für Focker D VII, D VIII, Stampe oder er baut ihnen auch ganze Flugzeuge, wie eine Bleriot oder Albatros DII.

Bei meinem Besuch in seiner Firma im XXIII. Bezirk in Wien sah ich eine zerlegte, original Bleriot, eine bekannte Maschine, die im Film 'Lawrence von Arabien' mitspielte. Dieses Flugzeug wird komplett restauriert und nebenher eine Replica angefertigt. Eine 'nackte' Stampe wartet auf neue Teile und die beiden Rümpfe sowie die Tragflächen neuer Albatros DII konnten besichtigt werden. Ein V8-Zylinder Renault Flugmotor aus dem Jahr 1915 wartet in seiner Halterung auf die Restauration und aus zwei Le Rhone Umlaufmotoren soll ein flugfähiges Aggregat aufgebaut werden (für die Bleriot).

Über Arbeitsmangel kann sich Koloman Mayrhofer nicht beklagen.
Noch in diesem Jahr soll der offizielle Erstflug seines Albatros DIII erfolgen.

Einen genauen Termin wollte mir Koloman aber nicht verraten. Es muss einfach alles passen. Eine österr. Zulassung für dieses Flugzeug konnte Koloman nicht erreichen. Zu groß wären die technischen Eingriffe in die Konstruktion geworden. Jetzt wird das Flugzeug mit einer deutschen Zulassung fliegen.

Ein Mann verwirklicht seinen Traum: vom Modellbauer zu seinem eigenen WWI Flugzeug -einem Albatros DIII


Wolfgang Lemmerhofer
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