Fesselflieger trotzen Kälte, Wind und Regen
Beim Internationalen Fesselflug Cup in Kraiwiesen bei Salzburg vom 14.-16.5 zeigte sich der Wettergott von seiner miserablen Seite. Bei Temperaturen unter 10 Grad, Wind und Regen waren die anwesenden Fesselflieger aufs äußerste gefordert. Es waren über 60 Teilnehmer gekommen und zeigten damit, dass der Wettbewerb in der Gunst der Fesselfluggemeinde ganz oben steht. Hier an dieser Stelle gleich ein großes Dankeschön an die Teilnehmer, Jurymitglieder, Punkterichter und Helfer, die sich trotz der widrigen Umstände ihre Freude am Fesselflug nicht nehmen ließen und es so ermöglichten, dass der Cup in einer tollen Atmosphäre ablaufen konnte. Die Organisation lag in den Händen des neuen Obmanns des MFC Salzburg, Peter Krasnitzer und des Schriftführers Martin Kornfeind, tatkräftig unterstützt vom Ehrenobmann Oswald Hajek.
Wie üblich begann der Wettbewerb am Freitag mit dem Kunstflug, wobei das Starterfeld mit 31 Kunstflugpiloten so groß wie schon lange nicht war. Der Regen hörte glücklicherweise zu Beginn auf und auch der Wind ließ nach und das aufgrund des starken Regens aufgeweichte Kreiszentrum wurde vorsorglich mit Hilfe eines Teppichs verbessert sodass bis auf die Kälte gute Kunstflugbedingungen herrschten. Wie schon des Öfteren zeigte gleich der 1. Durchgang wo Bartl den Most holt. Richard Kornmeier, Deutschland, legte so wie in Bitterfeld einen perfekten Flug hin und führte mit 1147,16 Punkten vor Alexander Schreck, Slowakai, 1126,80 Punkte, Luc Dessaucy aus Belgien, 1112,56 Punkte und Christoph Holtermann, Deutschland, 1102,40 Punkte.
Die österreichischen Teilnehmer, die zugleich die Staatsmeisterschaft ausflogen, hielten sich sehr gut. Erhard Weinmann, regierender Staatsmeister, rangierte mit 1035,76 Punkten auf dem 5. Platz, einige Plätze dahinter, Franz Wenczel. Walter Weinseisen, der zu den Favoriten für die Staatsmeisterschaft zählte, konnte leider aus familiären Gründen den ersten Durchgang nicht fliegen, was sich für ihn später als entscheidender Nachteil herausstellen sollte.
Am Samstagmorgen wurde bei gleichen Wetterkonditionen der 2. Durchgang gestartet und die Rangfolge der ersten Vier änderte sich nicht. Leider war der Flug von Weinmann in diesem Durchgang nicht optimal und er landete nicht unter den ersten Zehn. Walter Weinseisen zeigte eine hervorragende Leistung und war bester Österreicher mit einem 9. Rang. Aber der Wettergott war ihm und allen Teilnehmern nicht wohl gesonnen, denn am Sonntag, da sollte der 3. Durchgang geflogen werden, regnete es heftig, der Wind war stark böig und die Temperatur ging fast gegen Null Grad. Nachdem ein großer Teil der Kunstflieger und auch anderer Teilnehmer auf einen Start verzichteten und die Wettervorhersage keine Besserung in Aussicht stellte, kamen die FAI-Jury und die Veranstalter überein, den Wettbewerb schweren Herzens abzubrechen und die Sieger aufgrund der Wertungen der Vortage zu küren. Dadurch wurde die Reihung nach dem 2. Durchgang endgültig und Richard Kornmeier gewann mit 2278,39 Punkten vor Alexander Schreck, 2252,23 Punkte und Luc Dessaucy, 2216,49 Punkte. In der Form, in der sich Richard Kornmeier zur Zeit befindet, ist er ein heißer Favorit für die WM in Gyula, Ungarn, Ende Juli. Halten wir ihm die Daumen.
Nicht nur die Piloten hatten unter dem Wetter zu leiden, sondern auch die Punkterichter, Klaus Kosmalla, Deutschland, Rostislav Rozboril, Tschechien und Franz Oberhuber, Tirol denen ein großes Lob gebührt.
Für die österreichische Staatsmeisterschaft bedeutete dies, dass Walter Weinseisen seine Aufholjagd nicht fortsetzen konnte und mit nur einem gewerteten Flug weit hinten landete. Leider traf dies auch auf für einige internationale Teilnehmer zu, wie z.B. Peter Germann aus der Schweiz, der mit nur einem gewerteten Flug im Gesamtklassement den 27. Platz belegte, ein Platz, der seiner Klasse keinesfalls entspricht.
Alter und neuer Staatsmeister wurde Erhard Weinmann, SMBC-Eferding, 2065,45 Punkte, vor Franz Wenczel, MBC-Günselsdorf, 2043,45 Punkte und Adolf Hansemann, Akaflieg Graz, 1521,46 Punkte.
Am Samstag wurde als erste der anderen ausgetragenen Klassen F2A-Geschwindigkeit geflogen. Natürlich hatten auch hier Jury und Teilnehmer unter dem Wetter zu leiden und es war daher nicht verwunderlich, dass die in 2 Durchgängen geflogenen Zeiten nicht berauschend waren und vier Teilnehmer keinen gültigen Flug zu Stande brachten, darunter auch der Vorjahressieger und Weltrekordhalter Sandor Kalmar aus Ungarn. Er hatte hoch gepokert, seinen 2. Flug mit annähernd 290 km/h nicht werten lassen, da er seinen Griff nicht, wie vorgeschrieben, in die Gabel legte und auf den 3. Durchgang am Sonntag gesetzt, der aber abgesagt werden mußte. Die hochempfindlichen Geschwindigkeitsmotoren sind gerade bei Kälte extrem schwierig einzustellen. Gewonnen hat Imre Elekes aus Ungarn mit 285,7 km/h vor seinem Landsmann Ference Szvacsek, 283,4 km/h und Peter Gründel aus Deutschland, 267,4 km/h.
Beim Mannschaftsrennen F2C, wurden am Samstag 3 Durchgänge geflogen. Mit 11 Teams war das Starterfeld gut besetzt. Gleich im ersten Durchgang flog das ungarisch-österreichische Team Istvan Mohai/Hans Straniak mit 3:14,7 die beste Zeit aller drei Durchgänge. Zugute kam ihnen dabei der Umstand, dass ein Team ausfiel und sie einen großen Teil des Rennens nur zu zweit flogen. Das beflügelt die Zeiten. Den 2. Lauf flog das Team zum Test mit einer Ersatzmaschine, die Zeit, 3:50, war dementsprechend schlecht. Im letzten Durchgang wollten sie nochmals angreifen, doch das Rennen war dermaßen umkämpft, dass Mohai unbeabsichtigt den Motor abstellte und außertourlich landen musste. Sie gaben daraufhin das Rennen auf. Ihnen am nächsten kam das belgisch-schweizerische Team Luc Dessaucy/Cesare Saccavino, das ebenfalls im 1. Durchgang mit 3:20,3 die zweitbeste Zeit flog. Die drittbeste Zeit erreichte das italienische Team Giancoarlo Martini/Marco Menozzi mit 3:22,5, das mit dieser Zeit im 3. Durchgang die bis dahin Drittplazierten Roberto Marasini/Roberto Losi, 3:28,1 noch überholen konnten. Die Jury, bestehend aus Paul Rietbergen,Holland, Andy Sweetland, Schweiz und Josef Fischer, Österreich, hatte einges zu tun und es gab ein Anzahl von Reflights aber zum Glück keinen Bruch. Am Sonntag sollten die 2 Semifinalläufe und das Finale geflogen werden aber da der Wettbewerb abgebrochen wurde, galten die Resultate von Samstag, wodurch das Team Mohai/Straniak vor Dessaucy/Saccavino und Martini/Menozzi gewann.
In der Klasse MTR (Mini Team Race) waren 6 Teams am Start und die Rennen wurden mit jeweils 2 Teams geflogen. Auf Grund ihres Sieges in Bitterfeld ging das Team Max Dillinger/Hans Straniak als Favorit an den Start und konnte als einziges MTR-Team eine Zeit unter vier Minuten fliegen, nämlich 3:55,5. Zweitbeste Zeit flog das Schweizer Team Heiner Borer/Heiner Studer mit 4:34,7 vor dem Team Uwe Kehnen/Michael Binner mit 4:57. Alle diese Zeiten wurden im 1. Lauf geflogen. Im 2. Lauf konnte sich nur das holländische Team Rob Olijve/Bram Anker verbessern, doch reichte ihre Zeit von 5:03,67 nur für den 4. Platz. Auch im MTR wurde wegen des Wettbewerbabbruchs am Sonntag kein Finale geflogen, sodaß das Team Dillinger/Straniak vor Borer/Studer und Kehnen/Binner gewann.
Alle Fotos von Claudia Kehnen. Mehr davon unter www.Fesselflug.eu
Genaue Ergebnisse unter www.mfc-salzburg.at.
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