Bericht von der F3C Weltmeisterschaft 2007 in Wloclawek/Polen

Der Polnische Aeroclub und der regionale Aeroclub Wloclawek wurden von der FAI mit der Durchführung der 12. Helicopterweltmweisterschaften F3C 2007 betraut.

Wloclawek ist eine Stadt, etwa in der Größe von Sankt Pölten und liegt rund 200 km nordwestlich von Warschau an der Weichsel. Wloclawek besitzt eine nette Altstadt, eine imposante Kathedrale und viele kleine Restaurants und Kneipen. Umringt wird Wloclawek von vielen Seen und Wäldern die, wenn das Wetter passt, sicher zu allen Arten von Wassersport und schönen Wanderungen einladen. Eine Besonderheit ist jedoch der Flugplatz des regionalen Aeroclubs Wloclawek. Es handelt sich hierbei um einen großen Flugplatz mit drei Hangars für Segel- und Motorflugzeugen, einen Abstellplatz für Helikopter und einem schönen Flugplatzgebäude mit aller nötiger Infrastruktur und was uns Modellflieger besonders freut, hier sind die Modellpiloten mit einer eigenen Piste am Flugplatz voll in den Flugbetrieb integriert.

Gleich vorweg muss man festhalten, dass sowohl die Organisation des Bewerbes als auch das ausgewählte Fluggelände keine Wünsche offen ließen. Obwohl an zwei Plätzen (Flightlines A und B) geflogen wurde, waren diese nur soweit von einander entfernt dass nahezu die gleichen Wetterbedingungen vor Ort herrschten.

Leider waren die Wetterbedingungen bei dieser WM nicht die Besten und die warmen Jacken die wir Punkterichter vom Veranstalter erhielten haben sich im Laufe des Bewerbes mit Temperaturen um die 15°C und kaltem Wind und Regen, bestens bewährt.

Die Erfolge der Österreichischen Nationalmannschaft F3C in den letzten Jahren und insbesonders der zweite Platz in der Mannschaftswertung bei der Europameisterschaft 2006 in Blandford (GB) ließen auf ein gutes Abschneiden bei der heurigen WM hoffen.

Unsere Mannschaft bestehend aus Bernhard und John Egger, Andreas und Sepp Kals sowie Wolfgang Worgas hatten bereits einige Tage früher die Anreise angetreten um sich und die Helis zu akklimatisieren. Ein guter Trainingsplatz war bald gefunden und so waren sowohl Piloten als auch Teammanager John, Helfer Sepp und auch die Helis guter Dinge. Schon beim offiziellen Training ließen unsere Piloten mit den gezeigten Leistungen die Mitbewerber aufhorchen. Die Japaner waren natürlich wie erwartet eine Klasse für sich aber die Amerikaner und die übrigen Nationen, besonders die Europäer waren durchaus, wenn Alles klappen würde, zu schlagen.

So wurde also unser heimliches Traumziel, ein Platz am "Stockerl" in der Mannschaftswertung und alle drei Piloten im Fly-off der besten 15 Piloten durchaus möglich. Unsere gefährlichsten Gegner waren natürlich wie immer unsere Europäischen Freunde allen voran Frankreich und Italien sowie die Schweiz, die jedoch durch das Fehlen von Europameister Patrik Kessler (Todesfall in der Familie) geschwächt war.

Doch nun zum Wettbewerb:
Nach einer Eröffnungsfeier mit Einmarsch der Nationen, einigen Reden der VIP´s, sehr netten folkloristischen Darbietungen sowie einer Flugshow unserer großen Brüder, einem Heli und Motor- und Seglerkunstflug ging´s dann endlich am Montag den 30.07 los.

Gleich dieser Tag zeigte, dass das Wetter kein Erbarmen mit den Piloten hat und die Wetterbedingungen oft während eines Fluges wechselten. Besonders die Windrichtung als auch die Windstärke machten besonders das fliegen der Schwebefiguren zu einer Lotterie. Glück bei dieser Lotterie hatten jedoch Weltmeister Itou Hiroki und der Kanadier Steven Gray, die ihr Können bei kurzfristiger absoluter Windstille zeigen konnten und sich damit souverän an die Spitze der Wettbewerber stellten.

Unsere Piloten schlugen sich recht wacker kämpften jedoch sehr mit dem Wetter. Bernhard belegte als bester Österreicher den dreizehnten Platz vor Andreas Platz 23 und Wolfgang Platz 24. In der Mannschaftswertung lag unser Team auf Platz fünf hinter Japan den USA und Kanada und der Schweiz. Auch an den folgenden Tagen änderte sich das Wetter kaum. Im zweiten Durchgang fiel Bernhard um zwei Plätze auf Platz 15 zurück, jedoch konnte sich in diesem Durchgang Andreas mit einem guten Flug um acht Plätze auf Platz 15 und Wolfgang um zwei Plätze auf Platz 22 verbessern. Ein Stockerlplatz rückte erstmals mit dieser guten Mannschaftsleistung in greifbare Nähe unser Team belegte erstmals den dritten Platz in der Mannschaftswertung hinter Japan und den USA vor Italien und Frankreich. Ein harter Kampf um diesen dritten Platz zwischen Frankreich, Italien und Österreich zeichnete sich ab. Nun würde sich zeigen welches Team die besseren Nerven haben würde.

Auch der dritte Durchgang war von Wetterkapriolen gekennzeichnet und selbst die Japanischen Piloten zeigten bei starkem Wind Wirkung. Mit den Plätzen 13, 18 und 22 konnte sich unser Team wiederum auf Platz drei der Mannschaftswertung setzen dicht gefolgt von Italien und Frankreich.

Die Stimmung in unserem Team war hervorragend. Die Helis als auch das Nervenkostüm unserer Piloten, Teammanager und Helfer waren in ausgezeichnetem Zustand und auch das Wetter versprach besser zu werden. Mittlerweile war es Donnerstag geworden, das Wetter war wirklich etwas besser und alle Teams versuchten nun im letzten Durchgang der Vorrunde alles zu geben um eine gute Mannschaftswertung zu erzielen. Bernhard hatte einen tollen Flug und legte mit einem neunten Platz den Grundstein für den Mannschaftserfolg. Andreas flog seinen besten Durchgang und Wolfgang sicherte mit einem sehr guten Flug den dritten Platz in der Mannschaftswertung ab.

Ein Traum war wahr geworden!!!



Österreich ist hinter Japan und den USA die beste Helination der Welt!
Bernhard und Andreas schafften den Aufstieg ins Finale und Wolfgang, der sicher unter seinem Können geschlagen wurde, verfehlt nur knapp den Einzug ins Finale.

Hätte dass mit etwas mehr Wetterglück für Wolfgang geklappt hätten wir die USA auch noch....
Als ich Teammanager John Egger und Helivoter Sepp Kals nach Bekanntgabe der Teamwertung treffe, ist unsere Freude grenzenlos und ich scheue mich nicht zu berichten, dass von uns allen so manche Freudenträne zerdrückt wurde. Nach dem dritten Platz in der Einzelwertung bei der Heliweltmeisterschaft 1987 in Bern den Sepp Brennsteiner belegte, war das das beste Ergebnis das von Österreichischen Helipiloten je erreicht wurde.

Bei den Fly-Off Runden zeigte das Wetter wieder kein Erbarmen und die für Freitag angesetzte erste Runde ging im wahrsten Sinne des Wortes in Gewittern und Regenschauern unter.

So war der Samstag der alles entscheidende Tag für die Einzelwertung. Es wurden drei Durchgänge geflogen. Wie erwartet konnte Itou Hiroki sein volles Können ausspielen und wurde verdient wieder Weltmeister. Heliurgestein Curtis Youngblood belegte den dritten Platz.

Für die wahre Sensation bei dieser WM sorgten jedoch der Kanadier Scott Grey und unser Bernhard. Scott konnte erstmals die jahrelang gewohnte Phalanx der Japaner und Amerikaner mit einem zweiten Platz sprengen und Bernhard unterstrich mit seinem achten Platz seine Position als zurzeit bester Helipilot Europas.

Andreas belegte in der Endwertung Platz fünfzehn und Wolfgang Platz achtzehn. Unsere Piloten konnten sich mit diesem Ergebnis verdient unter die besten zwanzig Piloten der Welt einreihen. Dieser Erfolg ist das Ergebnis jahrelangen Trainings und laufender Optimierung der eingesetzten Flugmodelle und der technischen Komponenten und zeigt, dass vieles möglich wird, wenn man ein Ziel konsequent und ausdauernd verfolgt. Unser Team hat einen großartigen Erfolg für Österreich und unseren Modellflugsport erreicht und ich gratuliere im Namen aller Modellflugsportler!

Manfred Dittmayer
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