piloten-portrait

Gerd Kirchert

Geboren am 26.10.1941 in Wien
Er wächst ohne Vater bei seiner Mutter Grete im 14. Wiener Gemeindebezirk auf. Nach Volksschule und Hauptschule beginnt er eine Schlosserlehre. In der Berufsschule faszinieren ihn Bilder von Flugmodellen, außerdem locken Plakate einer Modellbaugruppe mit der Aufschrift "...komm zu uns..". So kommt Gerd Kirchert durch den Berufsschullehrer Edwin Krill zum Österreichischen Modellsport Verband (ÖMV), wodurch sein restliches Leben geprägt sein wird.

Edwin Krill war nicht nur Berufsschullehrer sondern auch Obmann des ÖMV, der Gruppen in ganz Österreich hat. Krill war außerdem sehr engagiert im Österreichischen Aeroclub, er war Bundessektionsleiter für den Modellflug und mit Leib und Seele für die Fliegerei da. Es werden Lehrgänge für Saalflug und Freiflug organisiert. Gerd Kirchert tritt 1956 dem Aeroclub bei und hilft im Verein fleißig mit, wo jemand gebraucht wird. In der Materialstelle des ÖMV wird das Rohmaterial für die Gruppen des Verbandes gekauft und per Post verschickt. So kommt Gerd Kirchert das erste Mal mit dem Handel in Berührung.

Auch erste Wettbewerbe besucht er. Er fährt sogar mit dem Moped nach Salzburg um dort an einem Bewerb teilzunehmen. (2 Uhr morgens aufstehen - und ab geht die Post/lerhonda), 11 Uhr Start des Bewerbes und abends retour). Er wird 1961 prompt Staatsmeister in der Klasse A2 (heute F1A - Freiflug) und im Fesselflug-Mannschaftsrennen (in einem Monat).

Im ÖMV hat sich eine Entwicklungsgruppe formiert, mit dabei G. Kirchert, Erich Jedelsky, Johann Keinrath, u.a. Die berühmte Standard Bauweise wird geboren, profilierte Balsabretter, die mit Rippen und gerader Beplankung das Flügelprofil ergeben. Es entstehen die Kindersegler mit der Spannweite von 20, 40 cm (Mücke) und Segler mit 60, 90 und 120 cm (Standard A1). Nachdem diese Segler in großer Auflage benötigt wurden, sind die profilierten Bretter von einer Tischlerei gefräst worden.

Der Airfish, das wohl bekannteste ferngesteuerte Anfängersegelflugmodell, geht auch auf das Konto dieser Entwicklungsgruppe. Nach dem Bundesheer, bei den Pionieren, arbeitet er vormittags beim Verlag Jugend und Volk und geht Nachmittag zu den Kinderfreunden, um mit den Kindern Modelle zu bauen. Einige Zeit danach arbeitet er in einem Spielwarengroßhandel, wo er auch seine Frau Gerlinde kennen lernt. Gemeinsam beschließen sie ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Auf der Linzer Straße 28 ist ein altes Haus mit einem Sportgeschäft, in dem bald auch Modellflugzeuge hängen. (1964)

Um die Lücke der geschlossenen Materialstelle im ÖMV zu schließen, übernimmt Gerd den Vertrieb und Produktion der Standard Bauelemente sowie die Modelle der Entwicklungsgruppe. Doch schon nach einem Jahr müssen die Kircherts, bald schon zu dritt, das Feld räumen, weil das Haus abgerissen wird. Ersatz findet sich ein paar Häuser weiter gegenüber, ein älterer Herr will in den Ruhestand gehen und sein Farbengeschäft hergeben. Und so kommt es, dass es bei Kirchert von dieser Zeit an Sportartikel, Farben und Lacke und Modellbaubedarf zu kaufen gibt. 1965 kommt Sohn Gerold zur Welt, 1970 die Tochter Gudrun (das Monogramm GK als Familientradition, Gerd, Mutter-Grete, Frau-Gerlinde, Sohn-Gerold, Tochter-Gudrun).

1973 stirbt Gerds Frau, und er zieht seine beiden Kinder alleine, mit der Unterstützung seiner Mutter, auf. Trotzdem schafft er es so "nebenbei", sich noch weiterhin um den Modellsport zu kümmern. Die ganze Zeit hindurch baut und fliegt GK seine teils selbst konstruierten Modelle, besucht Wettbewerbe als Pilot oder auch als Funktionär. Er erfliegt alle Leistungsabzeichen des Aeroclubs bis zum Gold-C (Nr.13.) GK hilft auch im österreichischen Aeroclub mit wo es geht. 1976 liegen massenhaft bedruckte A4 Zettel, die noch händisch sortiert werden wollen, in der Mollardburg: Das erste prop wurde von BSL Edwin Krill in mühevoller Kleinarbeit ins Leben gerufen und hier gedruckt, sortiert, gebunden und für den Versand fertig gemacht. Damals wurden die Ausgaben noch an alle Vereine geschickt, diese haben dann die Verteilung an die Mitglieder übernommen. Ab 1977 wurde diese Arbeit bei GK im Kellergewölbe seines am 7.7.77 neu eröffneten Geschäftes in der Linzer Str. 65 abgewickelt.

Gemeinsam mit BSL Edwin Krill und dem österreichischen Aeroclub gelingt es GK, am Spitzerberg ein Modellflug-Ausbildungszentrum aufzubauen. (wird heute weiterhin von seinem Sohn Gerold betreut) Als 1988 auch ein Kopierservice im Geschäft eingerichtet wird, tritt ein ÖMV Mitglied mit der Bitte an ihn, so manchen gesammelten Bauplan zu kopieren. In der Folge (15 Jahre sortieren, kopieren, archivieren) entsteht in Kleinarbeit eine Sammlung von alten Flugzeug Bauplänen, die er für die Nachwelt erhalten möchte. (Falls jemand einen alten Plan hat, auch von Booten, bitte mit GK Kontakt aufnehmen). Vermutlich ist das das größte Antik-Bauplan Archiv Österreichs.

Außerdem ist der frischgebackene Pensionist auch leidenschaftlicher Schifahrer und organisiert jährlich ModellfliegerSchiWochen (Obergurgl, St. Christoph).
Auf diesem Weg ....Gratulation zum "Ruhestand"

Mario Testory
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