Es gibt eine Menge Full-Scalemodelle, die ihren Vorbildern auf den ersten Blick gar nicht besonders ähneln. Doch mit dem Fastfertig-Bausatz des FI 162 C-2-Storches in der Afrika-Version wurde es 'robbe' möglich, ein Semiscalemodell in der Slowflyerklasse anzubieten, das trotz einfachem Aufbau und ohne besonderem Aufwand dem Original durch seine gelungenen Proportionen optisch verblüffend nahe kommt.
Technische Daten des Testmodells
'Fieseler Storch' der Firma robbe, Bestell-Nr. 3046 |
| Spannweite: |
1045 mm |
| Länge: |
675 mm |
| Leergewicht: |
134 g |
| Fluggewicht mit Power 300-Motor,7 NC 350-Akku und Bleiballast |
390 g |
| mit 280er-Motor, 9x6 Luftschraube und obigem Akku: |
372 g |
| Gesamtflächeninhalt: |
0,193 m² |
| Flächenbelastung: |
19,82 oder 18,90 N/m² |
| Erhobener Bestpreis des Baukastens inklusive Antrieb für Normalbetrieb ohne Akku: |
ATS 1.398.- |

Dass auch sogenannte Fertigmodelle Bauschwierigkeiten aufweisen, die nicht nur Anfängern unter den Modellbaujüngern beileibe keine Freude bereiten, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Nun ist die dem Baukarton beiliegende Skizzen-Bauanleitung wirklich hervorragend und nahezu fehlerlos gestaltet. Doch alles kann man einfach nicht darstellen und übergenau erklären, sonst würde sich dieses Anleitungsheftchen zu einem dicken Buch entwickeln. Andererseits sind ja wieder Testberichte dazu da, allfälligen Käufern, egal welchen Erfahrungsgrades, mit entsprechenden Ratschlägen nicht nur das Textgrübeln zu erleichtern, sondern auch über Bauhürden leichter hinwegzuhelfen.
Zunächst noch ein paar Sätze zur Qualität des Gebotenen. Die aus Depron gefertigten Hauptteile des Modells sind bereits lackiert. Depron ist ein kompaktes und trotzdem sehr leichtes, feingeschäumtes Kunststoffmaterial, ähnlich dem bekannteren Styropor. Allerdings ist seine Oberfläche äußerst druckempfindlich, so dass sorgloses Hantieren mit dem Material sofort entsprechende Grübchen hinterlässt. Allfällige Druckstellen lassen sich dann nur schwer ausbessern. Noch gar nicht geflogen, sieht das Modellchen dann schon 'gebraucht' aus.
Die aus verschiedenen Hölzern beiliegenden Stanzteile kann man mit passgenau qualifizieren und wirklich leicht aus den vier Brettchen herausdrücken. Nachschleifen vor dem Einleimen oder Weiterverarbeiten ist jedoch Pflicht. Besonders das Flügelhaltegerüst, aber auch der Motorspant sollten erst dann eingeleimt werden, wenn diese exakt in die im Rumpf vorhandenen Kerben passen. (Bauanleitung Abb. 5-8).
Achtung bei Abbildung 3: zuerst sticht man mittels angeschärften 3 mm Messingröhrchen, im Winkel von 45°, Löcher durch die Rumpfaußenwand. Die Stellen sind an der Außenseite des Rumpfes markiert. Erst dann legt man die Sperrholzstreifen 4 nach angezeigter Lage in den Rumpf und markiert mit einem Bleistift die daran vorzunehmenden Bohrlöcher. Dann bohrt man bei diesen Markierungen mindestens 4 mm Löcher (auch 45°) und überzeugt sich zunächst mittels des später einzuleimenden Plastikröhrchens, dass alle Bohrungen deckungsgleich liegen, um ein späteres Einleimen der Teile 43-44 unter 45° spannungsfrei zu ermöglichen. Also noch nicht verkleben!
Bei Abb.11 beachten, dass die Zeichnung die Unterseite des Höhenleitwerkes zeigt. Sonst kann es passieren, dass man die Ruderhörner falsch einleimt. (Richtig: Höhenleitwerk unten links, Seitenleitwerk rechts).
Vor dem Einleimen der Einheit HLW+SL (Bild 13) rate ich dringend, die Rumpfinnenseite im Bereich der fiktiven Höhenleitwerknasenleiste mit Harz und etwas Glasfaser zu verstärken. (Rumpf bricht an dieser Stelle sehr leicht).
Eine clevere Lösung ist der Einbau der Servos. Durch die Verschiebbarkeit der Servoplatte 27 ist es möglich, die bereits an beiden Enden fertiggebogenen Rudergestänge zu verwenden. Ein Querhölzchen aus einem 1mm-Sperrholzrest mit einer Mittelschraube zwischen beiden Servos erspart das Ankleben dieser. So bleiben sie durch Lockern dieser Schraube eventuell schnell verstellbar.
Im Text zu Abbildung 19 steht wohl: 'Achten sie auf richtige Polung', doch haben einstufige Stirnradgetriebe, wie das Mitgelieferte zur Folge, die Drehrichtung des Motors umzukehren. Also beim anlöten der Reglerkabel am Motor plus und minus tauschen!
Zwei Baukriterien seien wegen ihrer Heimtücke besonders hervorzuheben: man hat die Möglichkeit, die Kabinenverglasung vor der Fahrgestellmontage anzubringen oder danach. Ich entschied mich wegen des besseren Zuganges zur Fernsteuerung für Letzteres, obwohl dadurch das Anpassen an das Flügelgerüst schwieriger wird.
Kriterium zwei: die Teile 43-44, 45-47 und 49-50 sind unbedingt in einem Arbeitsgang einzuleimen, sonst gelingt es nicht, dass all diese Teile mit der Fahrgestellabdeckung 51-56, von vorn und der Seite gesehen, fluchten.
Die stumpfe Nasenleiste war dem Tester ein Gräuel. Aus optischen Gründen und weniger eines besseren Flugverhaltens wegen bot sich ihm aber dadurch Gelegenheit, die das Original auszeichnenden Spaltvorflügel, sozusagen als Nasenleistenersatz, anzubringen. (Hartbalsa 1,5x6,0 mm profiliert und sollten eigentlich dem Baukasten der Originalität wegen beiliegen).
Für Farbkorrekturen bzw. zum Einfärben der nicht lackierten Holzteile eignet sich die Humbrol-Farbe Nr. 63.
Flugtest:
Man sollte ja vor jedem Erstflug Schwerpunkt und Winkeldifferenz sorgfältig überprüfen. Ersterer ist in der Anleitung mit 40-50 mm angegeben, nicht jedoch die EWD. Diese hängt hier aber weitestgehend vom Einbau des Flügel- und Akkuhalteblocks der Bauteile 5-14 in den Rumpf ab. Ergibt sich dadurch eine kleinere EWD, liegt der Schwerpunkt mehr bei 50mm. Bei größerer EWD also bei etwa 40 mm von der Nasenleiste. Hier entscheidet also nur das Einfliegen. Dazu stellte sich erstaunlicherweise bald ein windarmer Tag ein (in der Umgebung Wiens eher selten und es macht wirklich keinen Sinn, solche Modelle bei mehr als 3 m/s Wind einzufliegen).
Die Winkeldifferenz beim Testmodell beträgt übrigens etwa 3°.
Wenn der Tester auch der Meinung ist, dass selbst bei Slowfliern zuerst ein Gleitflug vorgenommen werden sollte, wurde diesmal davon abgesehen und gleich ein Handstart mit ¾-Motorleistung vorgenommen. Glücklicherweise war das Modellchen, wie sich später heraus stellte, stark kopflastig, so dass es problemlos in einem flachen Steigwinkel wegstieg und somit alle EWD-Bedenken zerstreute. Die nun folgenden Seiten- bzw. Höhenruderbefehle ergaben, dass die angegebenen Einstellwerte der Ruderausschläge ausgezeichnet gewählt sind. Wer es noch subtiler haben will oder muss (weniger erfahrene Fernsteuerpiloten), der sollte auf beiden Rudern mit mindestens 50% Exponentialeinstellung fliegen. Auch volle Motorleistung zeigte zunächst nur geringe Veränderung des Flugbildes.
Nun wurde in etwa 30m Höhe zur Überprüfung des Gleitfluges in entsprechender Sicherheitshöhe der Motor abgestellt. Resultat: starke Kopflastigkeit. Bei Verwendung des Power-Motors und einem 7-zelligen Akku ist es jedoch erforderlich, am Schwanzende mehr als 10 Gramm Bleiballast anzubringen, bis sich der angegebene Schwerpunkt von 50 mm einstellt. Jetzt ließ sich ein zufriedenstellender Gleitflug erzielen.
An dieser Stelle ein Wort zur Aerodynamik dieses Flugmodells. Aus welchen Gründen immer, wurde dafür ein Tragflächenprofil ähnlich der gewölbten Platte, wenn auch relativ flach, gewählt. Zu ihren Charakteristika gehört, dass sie ein großes Drehmoment aufweisen, das bekanntermaßen nicht nur mit dem Anstellwinkel, sondern auch noch mit der Fluggeschwindigkeit wächst. Ist also das Modell für den Gleitflug gut ausgetrimmt, tritt im Kraftflug durch die größere Fluggeschwindigkeit logischerweise ein Überziehmoment auf, dem häufig ein Abschmierer folgt. Für den Kraftflug hilft also nur Auftriebserhöhung am Höhenleitwerk, also Tiefenrudertrimmung, oder wie vorher erwähnt, der nicht gerade elegante und auch nicht empfehlenswerte Weg der Gleitflugkopflastigkeit!
Jetzt war nur noch das Schleppverfahren mit der Lo 100 einem entsprechenden Test zu unterziehen. Dass vorher beide Modelle gut eingeflogen sein müssen, versteht sich von selbst. Als Schleppleine werden 6 m Gummischnur 5093 plus 10 cm dünne Perlonschnur empfohlen. Die Gummischnur wird an der Halterung SR fixiert und dort bleibt sie auch. Der 'Storch' landet also mit dem Schleppseil. Ausgeklinkt wird an der Lo 100 über die Höhenrudermaschine, durch voll ziehen.
Vor dem Start sollte die Ausklinkvorrichtung mit gespanntem Gummiseil auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden. Der Schleppstart selbst ist dann problemlos. Man hält den Segler waagrecht und wartet, bis er einfach aus der Hand gezogen wird. Das Gummiseil sorgt dabei für einen sanften, ruckfreien Flugbeginn.
Verzichtet man von vornherein auf das Schleppflugverfahren, ist dringend anzuraten, das Modell mit der einfachen, dem Baukasten beiliegenden Motorversion (Motor RC 280, Ritzel mit 10 Zähnen und Luftschraube 9x6) auszurüsten. Das Modell wird leichter und Motorlaufzeit aber auch das Flugvergnügen erhöhen sich für den weniger Routinierten beträchtlich. Um noch einen Grad vergnüglicher wird es, verwendet man die leichteren, die Flugzeit nochmals steigernden 500er Ni-Mh (Sanyo) Akkus.
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