Dipl.-Ing. Heimo Stadlbauer | 19.11.2017

Beginn des ferngesteuerten bzw. manntragenden Elektroflugs

1. EMFK Langenwang und Österreichisches Luftfahrtmuseum

Fred Militky; ein Name, der den älteren Modellfliegern sicherlich noch ein Begriff ist. Er konstruierte bereits Ende der 50er Jahre den freifliegenden, elektrisch betriebenen „Silentius“ und 1973 brachte Graupner seine Konstruktion, den fernzusteuernden „HI Fly“ heraus. Militky brachte hier beim Modell-Elektroflug alle seine bisher gesammelten Erfahrungen ein.

Aber wie schaute es mit dem elektrischen Antrieb eines manntragenden Flugzeugs aus? Militky’s Schulfreund, Heinrich Brditschka, betrieb in Haid bei Ansfelden eine Firma, die sich mit dem Bau von einmotorigen Flugzeugen beschäftigte (die Firma läuft heute unter der Bezeichnung HB-Flugtechnik). Militky und Brditschka machten 1973 eine Machbarkeitsstudie und holten die Firmen Bosch (Antriebsmotor) und Varta (Nickel-Cadmium Akku-Technik) mit an Bord. Heraus kam die MB-E1 (Militky- Brditschka Elektroflieger Nr. 1).

Am 21.10.1973, also bereits vor 44 Jahren, erhob sich das weltweit erste elektrisch betriebene manntragende Flugzeug in Wels erstmals in die Lüfte. Das Ergebnis war ein Flug von ca. 9 Minuten in einer  Flughöhe von 300 Metern. Einige Flüge von ca. 15 min Dauer wurden anschließend noch durchgeführt. Es konnte mit diesem Experiment damals gezeigt werden, der manntragende Elektroflug ist möglich, aber das erhöhte Gewicht und die geringen Flugzeiten ließen keine weitere Verbreitung zu.

Nach den Flügen wurden die Versuche eingestellt und die Flugzeugteile anderwärtig eingesetzt. Lediglich das Rumpfboot blieb übrig, dessen Aussehen im Lauf der Jahrzehnte stark litt. Schließlich gelangte es ins Österreichische Luftfahrt Museum Graz-Thalerhof, wo es wieder neu aufgebaut wurde. Das Mitglied Heimo Stadlbauer nahm sich 2016/2017 des Wiederaufbaus des kompletten Flugzeugs an.

Es wurde eine passende, nicht mehr flugfähige HB-23 in Niederösterreich gefunden und nach Graz transportiert. Mit Hilfe der Fachhochschule Joanneum Graz, Bereich Aviation, konnte im Sommer 2017 der Wiederaufbau gestartet werden. Vier Studenten und der Autor verbrachten viele Stunden in der Labor-Halle der FH Joanneum, um das Flugzeug wieder ausstellungsfähig zu machen. Mitte September stand dann die nicht mehr flugfähige MB-E1 fertig auf ihrem Fahrgestell. Ende September wurde die Maschine bereits bei der e-Mobility auf dem Red Bull Ring in Spielberg öffentlich präsentiert. Der Rollout der MB-E1 erfolgte am 26.10.2017 auf dem Museumsgelände, wobei auch der damalige Pilot Ing. Heino Brditschka begrüßt werden konnte. Das Flugzeug wird voraussichtlich ab dem 01.05.2018 im Österreichischen Luftfahrtmuseum (www.luftfahrtmuseum.at) ausgestellt werden.

 

Technische Daten:

 MB-E1: Hi FLY:
 Spannweite: 12 m Spannweite: 2,3 m
 Fluggewicht: 440 kg Fluggewicht: 1,9 kg
 Antrieb: Bosch-Motor 8 kW Antrieb: 2 x Jumbo 2000. ca. 88 W
 120 Varta NiCd Akkus 25 Ah 10 x VARTA NiCd Akkus 1 Ah
 Flächenbelastung: 31 kg/m² Flächenbelastung: 41 g/dm²

Fotos Stadlbauer, Gollner