Peter Hoffmann | 12.08.2017

FAI F3B - WM 2017 - Bernhard Flixeder aus OÖ ist Weltmeister

Der Österreichische Aero-Club, Modellflug gratuliert auf das Herzlichste zu dieser hervorragenden Leistung !

F3B-WM 2017 in Jesenik, Tschechische Republik

Die 21. Weltmeisterschaft der Klasse F3B wurde in Jesenik / Tschechien durchgeführt. 49 Piloten aus 18 Nationen waren am Start. Wie auch beim Vorwettbewerb fand die Weltmeisterschaft bei hochsommerlichem Wetter statt, die heftigen Gewitter zogen in den Nachtstunden durch. Der Flugplatz in Jesenik liegt auf einem Bergrücken und hügeliger Landschaft. Von den bisher dort ausgetragenen Bewerben sind uns die stets schwierigen thermischen Bedingungen in Erinnerung geblieben. Unser Quartier bezogen wir kaum 3 Kilometer vom Flugplatz entfernt, sodass nicht auch noch unnötig lange Reisezeiten anfallen. Am Sonntagabend wurden die Sieger des Vorbewerbes (unsere Nationalteam-Piloten ersparten sich die zusätzlichen Strapazen) geehrt und die WM mit einer schlichten Zeremonie eröffnet.

Unser Team:
Piloten:  Hans Rossmann, Bernhard Flixeder, Jürgen Pölzl
Helfer: Robert Piss, Patrick Piss, Gerhard Flixeder, Peter Hoffmann (auch Team Manager)

Für weitere Unterstützung sorgten: Beate und Petra Flixeder sowie Elisabeth Schmidt-Puffing. Das Meeting der Teammanger verläuft recht entspannt. Deutschland schickt 5 Piloten ins Rennen und hat sich als „Working Team“ genannt. Der Vorteil liegt darin, dass die Piloten eines Working Teams nicht gegeneinander antreten müssen. Der Nachteil ist wohl darin zu sehen, daß nur 6 Winden und Akkus zur Verfügung stehen. Die Frage nach zusätzlichen Akkus wird von der Jury abgelehnt, mit dem Hinweis, dass man auch ein eigenes Team für den regierenden Weltmeister hätte melden können. Montagfrüh ist es endlich so weit, mit dem Zeitflug beginnt der fliegerische Teil. Der Montag läuft für uns recht gut, nur ein Verwender von Hans beim ersten Speedflug trübt die Freude etwas. Der Dienstag verläuft sehr erfreulich, ab und an ein bis zwei Strecken abgegeben, Zeitflüge voll und im Speed durchwegs mit Spitzenzeiten unterwegs, Bernhard gelingt mit 13,03 der absolut schnellste Speed der WM. Zwischen den Durchgängen kocht immer wieder einmal die Gerüchteküche. Diesmal hat man das Thema erlaubter und unerlaubter Profilveränderungen aufzuarbeiten. Bei einem Flugzeug tauchten mal Turbulatoren auf, dann sind sie wieder weg, manchmal sind sie zu sehen, mal ist das Licht zu schlecht, um sie jemals sehen zu können oder es wird versucht, sie unter den Flügeltaschen zu verstecken. Die Wettbewerbsleitung hat jedenfalls schon ein Auge darauf, was hier so abläuft und stellt auch schon ab und an eine Frage dazu. Wir lassen uns davon nicht beirren, starten in den  sonnigen- heißen Mittwoch.

Am Mittwochabend ziehen wir eine etwas ernüchternde Bilanz:
Jürgen liegt im Streckenflug mit Martin Herrig voran, aber die beiden Modelle kollidieren an der Basis B. Damit haben Martin und Jürgen jeweils ein Modell weniger, im Wiederholungsflug verlieren wir leider mit vier Strecken Differenz gegen Martin. Auch die Zeitflüge stressen jetzt erheblich, das berüchtigte Jesenik – Wetter mit seinen schlecht kalkulierbaren Wind- und Thermiksystemen fordert auch bei Hans und Jürgen ein paar Minuten Flugzeit ab. Immerhin gelingt die Rückkehr zum Landepunkt und der Schaden bleibt einigermaßen überschaubar. Trotzdem ärgerlich. Im Speed mangelt es zum Teil am Wetter, insgesamt ist der Mittwoch nicht befriedigend verlaufen. Der Donnerstag ist mit Regen am Nachmittag prognostiziert, aber die großräumige Südströmung lässt die Temperaturen doch wieder auf 32 Grad steigen und verschiebt den Regen in die Nacht auf Freitag. Die Ergebnisliste nach fünf Runden sieht sehr erfreulich aus: Bernhard ist immer noch Führender,  Jürgen liegt auf den 8. Platz und Hans zur Zeit auf Platz 20, seinem Verwender im Speed der ersten Runde geschuldet. Sportlich betrachtet hat der WM-Donnerstag einen herben Beigeschmack. Es drückt auf die Stimmung der Teilnehmer, wenn jemand die Unerfahrenheit der offiziellen Zeitnehmer zu seinem Vorteil ausnützen möchte. Ein unsportliches Verhalten in dieser Art findet hier niemand angemessen. Mit der vollendeten 6. Runde werden dann die jeweils schlechtesten Aufgabenergebnisse gestrichen, damit ist mit einschneidenden Verschiebungen in der Platzierung zu rechnen. Mit gemischten Gefühlen betrachte ich die Gesamtliste nach der Runde 6, unter erstmaliger Berücksichtigung der Streichresultate:
Bernhard ist in Führung geblieben, Jürgen auf 8 und Hans auf 17. In der Teamwertung liegt Österreich hinter Deutschland auf Rang 2, dahinter mit einigem Abstand die Schweiz. Da huscht mir trotz der angespannten Stimmung doch glatt ein Lächeln über die Lippen. Andererseits ist auch klar: Die nächsten beiden Tage werden knallhart! Zum Einen ist es bis zu 32 Grad heiß, zum Anderen ist angesichts der gereizten Stimmung mit besonderer Beobachtung durch die Konkurrenz zu rechnen. Am frühen Nachmittag wird Runde 7 gestartet. Hans und Jürgen haben leider eine und zwei Strecken Rückstand, während Bernhard seinen Streckenflug gewinnen kann. Der anschließende Zeitflug der Runde 7 läuft für unsere drei Piloten endlich wieder problemlos ab, 10 Minuten plus/minus 2 Sekunden und 100 Landepunkte lassen keine Wünsche offen. Wir versuchen, uns am Abend etwas zu entspannen, doch vor dem alles entscheidenden Freitag kreisen die Gedanken immer wieder um Verlustpunkte und taktische Varianten, die uns vorwärts bringen können.

Freitag, Tag der Entscheidung
6:30 Frühstück im Hotel
7:00 Abfahrt zum Flugplatz
8:00 Start der ersten Zeitfluggruppe

Alles schon Routine, trotzdem ist heute alles in gespannter Erwartung. Die Woche hat schon einige Energie geschluckt, fast wortlos tut jeder seinen Job, die Winden werden klar gemacht, die dünnen Seile für diesen windarmen Morgen vorbereitet. In der Runde 7 ist nur noch der Speedflug zu absolvieren, mit wenig Wind- und Wettereinfluss auch für die Spitzenpiloten eine Herausforderung. Mit 15,38 Sekunden ist Jürgen der schnellste, mit niedrigen 16-er Zeiten schneiden auch Hans und Bernhard gut ab. Mit dem Zeitflug beginnt die 8. und letzte Runde dieser WM. Bei Bernhard haben wir nicht viel zu verlieren, wir können schlimmstenfalls auf ein Streichergebnis von 985 Punkten zurückfallen. Das würde Bernhards Führung nicht gefährden. Aber unsere 3 Piloten fliegen die 10 Minuten sicher aus – das hilft uns, den 2. Mannschaftsrang weiter abzusichern. Beim Streckenflug ist die Lage deutlich kritischer: alle unsere Piloten haben schon einmal Punkte liegen gelassen, umso wichtiger wären jetzt die vollen 1000 Punkte. In der Zwischenzeit hat der Wind aufgefrischt, jetzt bläst er aus Nordwest quer zur Strecke. Es ist wieder stark thermisch geworden, da ist doppelte Vorsicht geboten. Unsere direkten Konkurrenten um den zweiten Mannschaftsrang geben gleich in den ersten Gruppen ein paar Strecken ab, für die Mannschaft wird der zweite Rang also zu halten sein. Bernhard hat den einzigen bisher fehlerfreien Streckenflieger, Johannes Krischke zum Gegner. Wie von uns erwartet fliegt dieser eine Angriffsstrategie und sucht gegen den Wind nach gutem Wetter, schließlich hat er nichts mehr zu verlieren, schlimmstenfalls wird dieses Streckenflugergebnis gestrichen. Das Wetter an der Westseite des Kurses sieht tatsächlich gut aus, wir sind natürlich gleich am Weg dorthin, kommen aber etwas zu spät in der „guten Luft“ an. In dem spannenden Match verlieren wir mit 2 Strecken (26 zu 28). Der direkte Verfolger Andreas Herrig gibt sogar 3 Strecken ab, das gibt Bernhard etwas mehr Vorsprung für den abschließenden Speedflug. Jürgen und Hans geben jeweils eine Strecke ab und verbessern dadurch ihre Streckenflugbilanz. Die Mittagspause will gar nicht enden, dann kommt noch eine falsch gereihte Startliste für den Speedflug in umgekehrter Reihenfolge der Platzierung daher….. Ich versuche zwischenzeitlich zu analysieren, wie viel Druck wir im Speedflug haben:
Penalties sind um jeden Preis zu vermeiden, aber damit leben wir schon die ganze Woche. Der zweite Rang im Team ist fix, die Abstände nach vorne und hinten sind einfach zu groß. Bernhard ist in jedem Fall zumindest Vizeweltmeister, sein bisheriges Streichresultat im Speed garantiert das. Andreas Herrig müsste um etwa 2 Sekunden schneller als Bernhard fliegen, um ihn noch abfangen zu können. Eine weitere Absicherung für Bernhard besteht darin, dass Andreas Herrigs Streichresultat im Speedflug niedriger ist, als das Bernhards. Außerdem besteht Hoffnung, dass durch die unmittelbar folgenden Startzeitpunkte die Wind- und Wetterverhältnisse ähnlich bleiben.

Endlich geht es los, Hans wird als erster des österreichischen Teams dran sein. Von Südwesten ist ein Wolkenschirm aufgezogen, der Wind ist wieder schwach und so ergeben sich eher bescheidene Hochstarthöhen. Nur selten gibt es thermische Ablösungen zur Unterstützung, lange ist eine 15,4 die Bestzeit. Hans fliegt in neutralem Wetter 16,4 Sekunden – alles auf der sicheren Seite. Wenig später hat Joachim Stahl aus Schweden etwas Wetterglück und auch eine minimalistische Längenauslegung: 14,6 Sekunden lautet damit die neue Bestzeit. Jürgen ist als nächster Österreicher an der Reihe. Die Hochstarthöhe ist besser als der Teilnehmer zuvor. Der Flug läuft wie immer bei Jürgen ganz rund durch, die Längen super getroffen – 14,9 sind eine absolute Spitzenzeit. Das Finale der besten fünf findet unter einem dichten Wolkenschirm ab, die erwartete Front ist bedrohlich nah gekommen. Martin Herrig versucht alles, um noch unter die besten drei der Welt zu kommen. Auf der letzten B-Wende ist er sehr kurz, beim Nachdrücken verschwindet der Flieger in der Wiese, das war es wohl mit dem Spitzenplatz. Die Bergung des Modells wird demonstrativ langsam angegangen, man schlendert in Richtung Absturzstelle. Offenbar hofft man auf das nahende Schlechtwetter, um den Speedflug abbrechen zu müssen. Ich bin nicht mehr bereit, mich diesem unwürdigen Schauspiel zu widmen, wir checken noch einmal unsere Seile und Winden, als Teamchef zähle ich ein letztes Mal die Anzahl der Helfer an Umlenkrollen und an der Startstelle – alles klar – wir sind bereit fürs Finale. Nach mehrfachen Urgenzen ist die Speedstrecke dann doch wieder geräumt.  Andreas Böhlen fliegt 16,9 Sekunden, ohne Wetterunterstützung geht jetzt nicht mehr viel weiter. Johannes Krischke liegt derzeit auf Rang 3, braucht noch einen durchschnittlichen Flug um den Platz zu halten. Er fliegt ihn sehr routiniert und sauber herunter, mit 16,3 ist sein 3. Rang gesichert. Andreas Herrig, Rang 2 bisher. Der Start ist ganz OK, keine Sensation. Sehr sauberer Flug, die Längen passen und damit bleibt 16,18 auf der Uhr stehen. Ich spüre die ersten, winzigen Tropfen. Startfreigabe für Bernhard. Und wir sind in Eile, um noch mit möglichst wenigen bremsenden Tropfen über die Runden zu kommen. Der Start funktioniert gut, Höhe ähnlich der von Andreas Herrig. Bernhard entscheidet sich, einzufliegen. Eher höher begonnen, um bei dem stumpfen Wetter noch genug Spielraum nach unten zu haben. Erste Wende an der B passt, A sowieso, letzte B-Wende wieder auf der sicheren Seite. Ich starre auf die Uhr und noch vor dem Ausflug ist mir klar: die Sensation ist perfekt, Bernhard IST Weltmeister. Den Applaus können wir jetzt richtig genießen, es war für alle Teammitglieder eine harte Woche. Der jetzt einsetzende Regen drängt uns ins Zelt zurück, bald haben wir Gäste aus  allen Nationen, wir feiern mit kühlen Getränken, so gut es die Erschöpfung zulässt. Den Abend verbringen wir in unserem Hotel, beim Abendessen werden wir des öfteren unterbrochen, dank Livestream waren viele via Internet dabei. Zu uns werden schon mal Mobiltelefone weitergereicht, um der Mannschaft und natürlich Bernhard zu gratulieren. Den Samstag widmen wir dem Packen, hatten wir doch die Winden und Akkus am Flugfeld zurückgelassen. Dank Robert, Patrick und Wolfgang waren wir mit Kühlschrank, Kaffeemaschine und reichlich Proviant ausgestattet, die Woche ließ diesbezüglich keine Wünsche offen. Unser altgedientes Mannschaftszelt der letzten Jahre müssen wir zwar am Ende notschlachten, das Gewitter der vorletzen Nacht war dann doch zu viel.

Als Teammanager versende ich die notwendigsten, aktuellen e-mails an den Aero-Club, auch die ersten Fotos für die Websites müssen raus. Um 16 Uhr finden die Siegerehrung und das Bankett statt. Bernhard bekommt, mit 20 Jahren jüngster F3B Weltmeister, den berühmten Wanderpokal, die Houlberg Trophy, überreicht. Platz zwei für Andreas Herrig, Platz drei wird von Johannes Krischke belegt. Er ist damit auch Juniorenweltmeister 2017. Jürgen Pölzl erreicht den 5. Platz, Hans Rossmann wird 15. Durch die geschlossen gute Mannschaftsleistung sind wir auch in der Teamwertung vorne mit dabei:
Deutschland vor Österreich und der Schweiz. Damit ist die Weltmeisterschaft F3B 2017 offiziell beendet.

Als Teammanager bedanke ich mich bei allen Teammitgliedern für die ausgezeichnete Zusammenarbeit, die trotz aller Anspannung durch die äußeren Umstände immer effektiv, zielorientiert und – das Ergebnis zeigt es – höchst erfolgreich war.

Bericht: Peter Hoffmann
Fotos: Gerhard Flixeder