04.05.2017 | Ing. Wolfgang Semler

The last Farewell: F-4F Phantom

Anlässlich ihrer Ausflottung hat die deutsche Luftwaffe die letzte Maschine des Typs F-4F- Phantom mit einer Sonderbemalung versehen. Nach 40 Jahren ging sie am 29. Juni 2013 in den Ruhestand. Dafür bekam sie eine spezielle Sonderlackierung in den Farben Blau - Gold samt origineller Schriftzüge. Die Firma Modellbau Lindinger hat sich des Originals angenommen und ein interessantes Impellermodell herausgebracht, das sie exklusiv ihren  Kunden anbietet. Das Modell macht nicht nur am Boden eine tolle Figur, sondern kann auch durch seine Flugeigenschaften beeindrucken.

Basics
Das Modell der F-4F ist in EPO-Schaumtechnik hergestellt und besitzt einige Features, die einen als Kunde überzeugen können. Neben den üblichen Funktionen, wie Landeklappen und elektr. Einziehfahrwerk ist das Modell noch mit ausfahrbaren Vorflügeln und einem gebremsten Hauptfahrwerk ausgestattet. Fast alle Servos sowie die zugehörigen Anlenkungen sind bereits werkseitig eingebaut, hier sind keine weiteren Schritte erforderlich. Die Ausnahme bildet allerdings nur die Anlenkung des Seitenruders. Das Servo ist zwar eingebaut, aber man muss noch nach dem Aufbringen des Dekorbogens das Horn samt zugehöriger Anlenkung im Seitenruder montieren.

Zwei Impellereinheiten mit 70 mm  Durchmesser sorgen für den nötigen Vorschub, die passenden Regler sind bereits ebenfalls werkseitig verbaut. Generell ist das Modell fast flugfertig aufgebaut, wobei jedoch noch einige Handgriffe zu erledigen sind. Besonders gut gefallen kann die bunte Lackierung, die sich von den sonst üblichen farblosen Luftwaffen- Lackierungen abhebt. Für den Modellflugpiloten ist das Modell durch seine Größe und tolle Optik interessant, hier kann man durchaus von einer Semiscale-Ausführung sprechen.

Ground Handling
Bevor die F-4F Phantom sich das erste Mal in die Lüfte erheben kann, warten noch einige Montageschritte. Zunächst einmal stehen das Zusammenfügen und Verkleben des dreiteiligen Rumpfes und die Montage des Leitwerks an. Empfehlenswert ist, mit der Verbindung des Seitenleitwerks mit dem Rumpf zu beginnen, da die Schrauben von innen leichter erreichbar sind. Dies erfordert einen speziell langen Schraubendreher, da die Schrauben vom Rumpfboden aus in einer Vertiefung liegen. Zum Glück hat der Hersteller hier mitgedacht und diesen beigepackt. Für die nun folgenden Klebearbeiten liegt der Klebstoff bei, er muss nicht extra angeschafft werden. Wer dem Klebstoff nicht traut, kann alternativ auch fünf Minuten Epoxydharz verwenden. Zur Sicherheit erfolgte neben der Verschraubung des Seitenleitwerks mit dem Rumpf zusätzlich die Verklebung der Verbindung.

Bei der Verbindung des Heckteils mit dem Rumpfmittelstück müssen dabei die Servokabel für das Seiten- und die beiden Höhenruderhälften über einen Kanal im oberen Rumpf nach vorne in den Cockpitbereich verlegt werden. Das Höhenruder ist zweigeteilt und als Pendelleitwerk ausgeführt. Die beiden Hälften werden in die dafür vorgesehenen Aufnahmen gesteckt und mittels einer Schraube, deren Zugang sich an der Rumpfunterseite befindet, gesichert. Nachdem die Montagearbeiten am Rumpf abgeschlossen waren, erfolgte noch das Verkleben der beiden Schubdüsen. Beim Einsetzen muss man darauf aufpassen, dass der Neigungswinkel stimmt, die Düsen müssen nach unten ausgerichtet sein. Als Ergänzung zur Richtungsbestimmung ist eine Nase vorhanden, in welche man die Teile hineinschiebt.

Bevor es mit den Arbeiten an der Tragfläche weitergeht, muss die Rumpfspitze am vorderen Teil des Rumpfes montiert werden. Hier sieht die Bauanleitung einen zu verklebenden Schnappverschluss vor, der ein Abnehmen ermöglicht. Jedoch ist dies nicht wirklich notwendig, sodass hier gleich eine feste Montage in Form einer Verklebung erfolgen kann.  

Wing-Assembling
Die Tragflächen sind bereits fertig aufgebaut, Fahrwerk, Servos und Anlenkungen für die Querruder, Landeklappen und Vorflügel  sind werkseitig bereits verbaut. Für die Verbindung der Tragflächenhälften mit dem Rumpf sind ein 100 mm langer Steckungsstift, und eine vordere und rückwertige Verdrehsicherung vorgesehen. Letztere dienen gleichzeitig als Flächenbefestigung. Zur Fixierung der Flächen werden durch die Befestigungen kleine selbstschneidende Schrauben gedreht. Die Anschlusskabel für die Querruder, Landeklappen und Radbremsen verlaufen in einem hierfür vorgesehenen Kanal. Jedoch ist dieser für die vielen Kabel zu klein und man muss ihn vergrößern. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten, entweder mit dem Lötkolben oder mit einem scharfen Cutter und Stahllineal. Beim Testmodell kam die letztere Variante zur Anwendung, da hierdurch ein präziserer Schnitt möglich ist. Nach dem Einlegen der Kabelstränge erfolgte mittels Klebeband die Fixierung in der Nut. Um dem Ganzen optisch noch einen Touch zu geben, wurde das Klebeband anschließend mit der passenden blauen Farbe lackiert. Dabei kam jene der Marke Gunze Hellblau zur Anwendung, sie passt perfekt zu der bereits vorhanden Lackierung. Sie kann später auch zu Ausbesserungsarbeiten verwendet werden bzw. diente zum Nachfärben der Befestigungsplättchen der Ruderhörner. Dem Bausatz liegen ein Vielzahl von Attrappen von Zusatztanks bzw. Waffen bei. Beim Testmodell kommen nur die Zusatztanks zwecks leichterer Lageerkennung im Flug zur Anwendung. Sie sind mit einer Kunststoff-Führung versehen, sodass die Tanks mittels Schnappverschluss befestigt sind und allenfalls wieder entfernt werden können. Auf die Montage der Raketen wurde aus Gewichts- und Strömungsgründen verzichtet. Die Erfahrung hat bei ähnlichen Modellen gezeigt, dass der Verzicht von Anbauten sich günstig auf die Flugeigenschaften auswirkt.    

Power on
In den nächsten Arbeitsschritten werden der Empfänger, bzw. dessen Verkabelung und der Flugakku eingebaut. Als Empfänger kommt der Graupner GR-24 mit 12 Kanälen zur Anwendung. Die notwenige Antriebsenergie liefert ein TopFuel LiPo 20C-ECO-X 5000mAh 6S Akku des Herstellers Hacker. Er bietet hierfür die beste Leistung und passt perfekt in die Ausnehmung im Rumpf. Da dem Bausatz zahlreiche V-Kabel beiliegen, könnten einige Funktionen wie Landeklappen, Seite - Bugfahrwerk oder die beiden Höhenruderservos zusammengefasst werden. Empfehlenswert ist jedoch die Variante, wo jedes Servo seinen eignen Kanal erhält, da hier die Einstellarbeiten einfacher sind. Ebenfalls dazu gehört die Verkabelung des Einziehfahrwerk- und des Bremsmoduls. Die beiden Module finden ihren Platz in einem Fach unter der Auflage für den Flugakku. Der Empfänger selbst ist in dem Hohlraum hinter dem Akku verstaut und kann bei Bedarf leicht hervorgeholt werden.
Nachdem die Verkabelung abgeschlossen war, konnte erstmals durch Verbinden des Akkus  mit dem Regler „Power on“ gegeben werden. Jetzt konnte das Mischen der Querruder, Landeklappen, Bugfahrwerkssteuerung und Höhenruder über die bei diesem Modell verwendete Graupner MC-32 Fernsteuerung erfolgen. Nicht vergessen sollte man auf die Programmierung der Vollgasstellung beider Regler, ansonsten wird entweder die Vollgasstellung nicht erreicht, bzw. ein asynchroner Schub kann die Folge sein kann.

In beiden Fällen fehlt eine Menge Leistung und darunter leidet natürlich die Flugleistung. Der dazugehörige genaue Einstellvorgang ist in der Anleitung beschrieben.     
Allerdings geht es nicht ganz ohne das Nachstellen der Gabelköpfe, denn die Landeklappen und Vorflügel werden über ein gemeinsames Servo angesteuert. Dabei kommen sehr komplexe Anlenkungen zur Anwendung, die für das gemeinsame Ein- und Ausfahren sorgen. Beim Testmodell lagen die Vorflügel im eingefahrenen Zustand nicht ganz am Profil, sodass hier durch Verdrehen der Gabelköpfe nachjustiert werden musste.  Auch war der Geradeauslauf des Bugfahrwerks nicht korrekt, auch hier war ein senderseitiges Nachstellen erforderlich.

Crew-Briefing
Da das Cockpit ziemlich leer wirkte, mussten bei einem so hochwertigen Modell natürlich zwei Piloten her. Die Recherche im Internet ergab, dass die Firma RC-Lander passende Jungs im Programm hat,  die im Vertrieb von Modellbau Schweighofer erhältlich sind. Da die Cockpithaube  werkseitig bereits verklebt ist, muss man sich den Zugang von unten verschaffen, um die Piloten auf ihren Arbeitsplatz zu befördern. Das geht am besten, indem man mit einem scharfen Cutter den Rumpfboden ausschneidet und die Piloten von unten durchschiebt. Gegen Verrutschen werden sie durch ein paar Tropfen 5min-Harz gesichert, das ebenfalls von unten aufgetragen wird. Bei der kosmetischen Operation wurde gleichzeitig an der Unterseite der Kabinenhaube im Bereich des Flugakkus ein Teil entfernt, da dieser mehr Platz benötigt. Nun passt die Kabinenhaube perfekt auf den Rumpf und schließt nach dem Einrasten im Schnappverschluss ohne Probleme ab. Nochmals alle Funktionen durchgecheckt, wobei die Ruderausschläge sich nochmals  einer Kontrolle unterziehen lassen mussten, dann konnte es zum Testflug auf den Modellflugplatz gehen.

Testflight
Nachdem das Modell kompakte Abmessungen besitzt, die einen Transport ohne Demontage ermöglicht, ist die F-4F Phantom nach dem Einsetzen des Flugakkus schnell startklar. Schon ein geringer Gasstoss genügt und das Modell rollt los, wobei die gute Manövrierbarkeit auffallend ist. Dies spiegelt sich auch beim sehr guten Beschleunigungsverhalten auf der Piste wider und die Phantom nimmt zügig Fahrt auf. Nach einer Startstrecke von ca. 20 Metern hob die Phantom ab und es zeigte sich sehr rasch, dass die Flugeigenschaften problemlos sind. Zu beachten gilt, dass hier keine Topgeschwindigkeiten erzielt werden.

Die F-4F Phantom beeindruckt eher durch ihr außergewöhnliches Flugbild. Auch ist der Sound der beiden Sechsblattimpeller von jenen moderner ein wenig entfernt. Aber das geht aufgrund der Vielzahl von Features und der sehr schönen Sonderlackierung durchaus in Ordnung. Die bei der Landung ausgefahrenen Landeklappen und Vorflügel geben eine tolle Optik. Der Landeanflug selbst ist dadurch auch mit einem hohen Anstellwinkel und geringer Geschwindigkeit möglich. 

Zum Abschluss
Wer ein Semiscale Impllermodell mit einem außergewöhnlichen Finish sucht, der wird bei der F-4F Phantom von Modellbau Lindinger fündig. Besonders gefallen kann das sehr stabile und robuste Fahrwerk inklusive der dazugehörigen Bremsen, der Landeklappen mit dem angesteuerten Vorflügel und der sehr überzeugenden Optik. Die ausgezeichneten Flugeigenschaften sind ein weiteres Argument für die Anschaffung des Modells.

Jedoch darf man sich kein Speedmodell erwarten, hier zählen eben andere Werte, wie Aussehen und vorbildähnliches Flugbild. Dieses kann zusätzlich noch durch das Platzieren von zwei Piloten erhöht werden, die leider serienmäßig im Bausatz nicht enthalten sind. Das ist auch aber schon der einzige Kritikpunkt, der anzubringen wäre. Ansonsten bekommt man für sein Geld ein wirklich tolles Modell, das dem Piloten viel Freude und Spaß bereitet.

Technische Daten
Modellname: F-4F Phantom
Typ: Impellermodell
Bauweise: EPO- Schaum
Hersteller/Vertrieb: Modellbau Lindinger
Preis: 299,99 €

Aufbau
Rumpf: EPO
Tragfläche: EPO
Leitwerk: EPO

Abmessungen
Spannweite: 1.070 mm
Länge: 1.510 mm
Gewicht (Herstellerangabe): 2.850 Gramm
Fluggewicht Testmodell: 3.050 Gramm

verwendeter Antrieb
Motor: 2.100 kV Brushless
Propeller: 2 x 70 mm Impeller
Regler: 2 x Brushless 50 A mit BEC
Akku: TopFuel LiPo 20C-ECO-X 5000mAh 6S

verwendete Komponenten
Sender: Graupner HOTT MC-32
Empfänger: Graupner HOTT GR24
Servos: insgesamt 11 Stk.

Bezug
Modellbau Lindinger

Technische Daten

Modellname F-4F Phantom

Typ      Impellermodell

Bauweise        EPO- Schaum

Hersteller/Vertrieb      Modellbau Lindinger

Preis    299,99 €

 

Aufbau

Rumpf            EPO

Tragfläche      EPO

Leitwerk          EPO

 

Abmessungen

Spannweite     1.070 mm

Länge  1.510 mm

Gewicht (Herstellerangabe)   2.850 Gramm

Fluggewicht Testmodell         3.050 Gramm

 

verwendeter Antrieb

Motor  2.100 kV Brushless

Propeller         2 x 70 mm Impeller

Regler 2 x Brushless 50 A mit BEC

Akku   TopFuel LiPo 20C-ECO-X 5000mAh 6S

 

verwendete Komponenten

Sender            Graupner HOTT MC-32

Empfänger     Graupner HOTT GR24

Servos            insgesamt 11 Stk.

 

Bezug

Modellbau Lindinger