Dr.Martin Hoff | BFR Elektroflug

F5J in Turnau/Stmk. – eine gelungene Premiere

Am 17. und 18. August fand auf dem Flugplatz des SFC Lanzen-Turnau der erste F5J-Wettbewerb in Österreich statt. Bei besten äußeren Bedingungen trafen sich 33 Piloten und eine Pilotin aus unseren Nachbarstaaten und aus Großbritannien (!) zu diesem Bewerb im Rahmen der Contest-Eurotour. Ebenfalls eine Premiere war die Benützung des wunderschön gelegenen Segelflugplatzes Lanzen-Turnau für eine Modellflugveranstaltung.
Da auf diesem Gelände 2014 die Elektroflug-Weltmeisterschaften in den Klassen F5B und F5D stattfinden werden, war es uns wichtig, schon heuer eine größere Veranstaltung hier zu organisieren. In bestem Einvernehmen zwischen den „Großen“ und uns Modellfliegern konnte eine sportlich hochstehende Veranstaltung abgewickelt werden. Dafür sei dem Verein unter Obmann Andreas Binder hier nochmals ausdrücklich gedankt.

Kurzfassung der F5J-Regeln: 
Thermik-Segelflug mit Modellen bis zu max. 4,0 Meter Spannweite, es wird in Gruppen von mind. 6 Piloten (meist 8 bis 10) geflogen und eine gruppenbezogene Wertung vorgenommen.
Rahmenzeit der Flugaufgabe: 10 Minuten in den Vorrunden, 15 Minuten in den Finalrunden
In den ersten 30 Sekunden ab Start wird mittels E-Antrieb Höhe gewonnen, früheres Abschalten ist möglich, ein Wiedereinschalten ist nicht erlaubt.
Je niedriger die Einstiegshöhe in den Segelflug gewählt wird, desto geringer ist der Punkteabzug für die Ausgangshöhe – allerdings steigt das Risiko mangels Thermikanschluss „abzusaufen? und vorzeitig landen zu müssen.
Die Landung selbst wird in Meterabständen vom Landepunkt bewertet.

Am Samstag konnten 6 Vorrunden geflogen werden, am Sonntag folgten dann noch 2 weitere Vorrunden und schließlich für die 10 Bestplatzierten 2 Finaldurchgänge über 15 Minuten Rahmenzeit. Da keine Punkte aus den Vorrunden mitgenommen werden können und die 10 Finalisten wieder bei Punktestand NULL beginnen, ist für maximale Spannung – auch bei den Zuschauern – gesorgt.
Gleich im ersten Flug des Finales konnte Hans-Joachim BOSCH (GER) einen deutlichen Vorsprung erfliegen und diesen Vorteil auch im zweiten Flug erfolgreich verteidigen.
Zweiter wurde Florian SCHAMBECK (GER) und der dritte Platz ging an Primoz RIZNER (SLO).
Zwei sehr schöne Videos dieses Bewerbes findet man auf youtube unter: „F5J Turnau 2013“ oder direkt www.youtube.com/watch?v=mdJTj3RMwOQ bzw. www.youtube.com/watch?v=6Bx5qHKCaXc 
Von den Österreichern schaffte es diesmal leider noch niemand in das Finale, aber ein Anfang ist einmal gemacht. Nochmals mein Dank an das Team Maria Schiffer (Wettbewerbsleitung), Daniel Habe (Organisationsleiter und Auswertung), Johann Sieber (Jury) und an alle Helfer!
Die Klasse F5J erfreut sich schon jetzt in unseren Nachbarländern eines großen Zuspruchs an Teilnehmern und es ist die Durchführung eines Bewerbes für den Veranstalter mit einem überschaubaren Aufwand an Technik und an Helfern möglich.
Interessierte Vereine für einen Bewerb im nächsten Jahr können sich gerne an mich wenden.

 


Ing. Oswald Wachtler, Elektroflug-Landesfachreferent Wien:
F5J – Neueinstieg in eine interessante Segler-Wettbewerbsklasse Vorgeschichte:
Als langjähriger F3F, F5B/F5F-Flieger wurde ich vom Fliegerfreund Fred Schuller, der schon im Vorjahr in die neue Klasse eingestiegen war, mit dem F5J-Virus infiziert.
Im Eurotour – Wettbewerbskalender 2013 standen einige F5J-Wettbewerbe vor, die gar nicht so weit entfernt lagen: Vipava in SLO, Koruna-Cup in HUN, KraviHora in CZ, Holic in SK, Turnau in der Steiermark und Weilheim in Bayern.
Modelle der Große von 3,5m bis 4,0m und Gewicht von max 1,8-2kg standen zur Auswahl:
wie z.B Pike-Perfection, Xperience, Stork, Electra, Satori und einige weitere.
Also kam eine Electra-X von MIBO in Logatec/SLO ins Haus. Ein Modell, das sein Geld wert ist. Ausgerüstet wurde es mit einem 3S-Getriebeantrieb und YGE 60-Regler mit S-BEC.
Ein Zeitlimiter, der nach 30sek. abschaltet und keine neuerliche Einschaltung während des Fluges zulässt, wurde mit dem Unilog 2 realisiert, später aus Komfortgründen gegen ein Altis V4 getauscht, welches das Anzeigedisplay schon integriert hat.
Nach rascher Komplettierung (Servo-und Antriebseinbau) folgten noch einige Trimm- und Trainingsflüge, bei denen ich die vorgeschlagene CG-Einstellung ans vordere Limit setzen musste.
In Ungarn, beim Koruna-Cup, zeigte die Erfahrung, dass man den Rahmenzeitbeginn beim Zeitnehmen nicht verschlafen darf, sonst verpasst man die gewertete Landung. Erstaunlich, wie neutral so ein Leichtgewicht-Thermiksegler fliegt und wie er doch auch gut Strecke macht und in Speed-Stellung sogar ohne Drücken auf dem Rücken fliegen kann. Ein Vorteil dieser Klasse ist auch, dass man auch ohne Helfer auskommt, wenn auch im Wettbewerb die Hinweise eines Helfers über Thermikanzeichen, Landepunkt und die Lage der Konkurrenten wertvoll sind.
Wettbewerb:
Nun ging´s zum ersten Wettbewerb. In Vipava, nahe Triest blies uns ein heftiger Wind (Bora) um die Ohren, sodass schon die Fliegbarkeit angezweifelt wurde. Es wurde dann etwas besser – vielleicht haben wir uns auch daran gewöhnt- aber der Wind brachte doch einige Außenlandungen. Für mich sogar in einem Weingarten jenseits eines Baches neben dem Flugfeld. Auch einen Luft-Touch mit einem Konkurrenten konnte ich verbuchen. Alles ohne Beschädigung der Electra-X - gutes Modell!
In KraviHora, einem Flugplatz in einer fast teilautonomen Region (Republik KraviHora) im mährischen Weinbaugebiet, eingesäumt von Maisfeldern auf einer Seite und vielen Bäumen am anderen Rande des Platzes lernte ich die Entfernung zum ungewohnt großen Modell neu einzuschätzen. Ein Landeanflug wurde überraschend durch eine Baumlandung verkürzt.
Auch einigen Mitbewerbern gelang dieses Kunststück. Die ausgezeichnete Wettbewerbsorganisation organisierte die örtliche Feuerwehr, die das Modell mit einer langen Leiter unbeschädigt herunterholte. Außer meinem Dank wollten sie nichts dafür annehmen – Hochachtung!
In Holic, gleich nach dem tschechischen Grenzwald, war das Gelände des Flugplatzes schon bedeutend hindernisfreier. Das Wetter durch die starke Sonneneinstrahlung gut thermisch, aber wo es raufgeht, da geht’s auch runter, wenn man nicht aufmerksam ist.
In Turnau, einem wunderschönen Segelflugplatz in der Steiermark, wo 2014 auch die F5B/F5D- Weltmeisterschaft geflogen wird, fand Mitte August der österreichische F5J-Eurotour-Wettbewerb statt. Bei bestem Wetter gab es auch bei diesem Wettbewerb etwas, das in Erinnerung bleibt: Mehrere Air-crashes, die zu vielen Reflies führten. Am schlimmsten traf es unseren Juun Albers, der nach einem Crash mit Absturz beim nachfolgenden Refly gleich ein zweites Mal abgeschossen wurde, das Ende der Wertungsflüge bei diesem Bewerb.

Flugerfahrungen:
Die Vorrunden werden meistens noch mit wenig Risiko, d.h. sichere Ausgangshöhe bis unter 200 m begonnen. Später, bei möglicher Bodenthermik sind 50m Ausgangshöhe für die Thermikschnüffler schon drinnen um 10 Minuten und im Fly-Off sogar 15 Minuten droben zu bleiben. Manche – auch Experten - verzocken sich dabei.
Für F5B/F5F – gewohnte Zeitflieger ist das eine neue Herausforderung, weil die ja zuerst hochsteigen und dann fast nur die hohe Thermik nützen.
Außerdem muß man sich an den viel intensiveren Gebrauch des Seitenruders gewöhnen. Es erzeugt im Vergleich mit anderen Wettbewerben eine besondere Aufmerksamkeitsstimmung, wenn die Wettbewerbsleitung über Lautsprecheranlage mit musikbegleiteter Vorbereitungs- und Rahmenzeitansage den gleichzeitigen Start von bis zu 11 Modellen dirigiert. Und wenn es gute Bedingungen gab, kamen auch fast alle Modelle zeitgleich zu den Landeanflügen auf ihre individuellen Landepunkte heran.
Wir, die österreichischen Teilnehmer Juun Albers, Roman Manhalter, Gottfried Schiffer, Fred Schuller, Oswald Wachtler und in Turnau zusätzlich Rudi Freudenthaler, Peter Hoffmann, Martin Hoff, Bernd Poppel und Egon Gottlieb haben es bisher noch nicht in das Fly-off der besten 6-10 geschafft, die die 15min mit mehr oder weniger Risiko bzw.„Starthöhenzocken“ ausfliegen dürfen.
Aber schon allein das Beobachten der Spitzenpiloten ist interessant und lehrreich, wie sie mit reduzierter Motorkraft in niedriger Höhe die Gegend innerhalb der ersten 30 Sekunden nach Aufwindzonen absuchen, in geringer Höhe abschalten, erfolgreich aufkurbeln und dann erst wieder nach fast einer Viertelstunde bei der Landung gesehen werden.
Von den eingesetzten Modellen sind einige bis zu 1,6 kg bei 3,5 bis 3,8 m Spannweite leicht, aber die Erfolgsaussichten hängen eindeutig von den Pilotenleistungen ab. Entsprechende Modelleigenschaften erleichtern allerdings die Aufgabe.
Interessierte Piloten können sich gerne an einen der Landesfachreferenten Elektroflug wenden: Oswald Wachtler (Wien), Alfred Schuller (Stmk), Peter Kolp (Bgld), Franz Riegler (NÖ) oder an Martin Hoff (BFR F5)