Stephan Prisching

5. Graupner Classic Treffen

Hast du tiefgezogene ABS Radschuhe für meine Piper PA18? Wieso nimmt mein Taifun Diesel das Vollgas so schlecht an? Bringst du mir den Amigo beim Huckepack - Schlepp bitte mal hoch? Wenn man diese Fragen hört, dann weiß man: das ist kein normaler Flugtag heute!

Am Flugfeld des MSC Alpenvorland fand am Samstag den 19. September 2015 zum Fünften mal das Graupner Classic Treffen statt. Eingeladen waren alle Piloten und Interessierte mit Modellen aus den Baujahren bis ca. 1980.

Nun – ARF Modelle gab es damals nicht, sondern Werkpackungen und Baukästen! Daraus original aufgebaute Modelle waren in großer Zahl zu sehen. Einige davon im Erstbesitz und natürlich auch viele Nachbauten.

Wobei die Spezialisten und „echten Fans“ niemals einen alten originalen Baukasten zu einem Modell zusammenbauen, sondern mit großem handwerklichen Aufwand und Geschick Balsa und Sperrholzteile nach den Plänen aussägen und so ein dem originalen Baukasten entsprechendes Modell in die Luft bringen. Erhalten bleibt der Geruch des jahrelang sorgsam gelagerten Balsaholzes und die Freude an der schönen Zusammenstellung der Materialien. Viele haben es schon vergessen, die liebevolle Zusammenstellung von Holzstäben, Klebstoff, Messing-Hochstarthaken, Bespannpapier mit der kleinen Packung Glutofix und den extra RC – Einbauplan.

Solche Fans kamen also nach Mechters im Bezirk St.Pölten und trafen sich bei schönstem Herbstwetter für einen ganzen Tag zum Herzeigen und Staunen, Diskutieren und Vergleichen und natürlich zum Fliegen ihrer wunderschönen Graupner Modellen. In diesem Jahr waren 44 Piloten und eine Pilotin aus Österreich und Deutschland mit insgesamt 100 Modellen dabei. Auch die Firma Graupner selbst lässt es sich jedes Jahr nicht nehmen, dabei zu sein, wenn Ihre Fans zu dem Treffen kommen.

Die historische Modellpalette von Graupner ist riesengroß und es ist sehr interessant, wenn man über die Geschichte der Modelle einen Bezug zum Zeitgeschehen knüpfen kann. Groß ist auch der Bogen, den die Modelltechnik spannt: ein einfacher Wurfgleiter mit Raketenmotor bis hin zum Segler mit 3m Spannweite – der damals als Großsegler angepriesen wurde. Heute erscheint der uns eher klein neben aktuellen 5m Kunstflugmaschinen.  Gestartet wurden die Segler übrigens mit dem klassischen Gummiseilstart oder Huckepack - Schlepp.

Bei den Motormaschinen ging es von der langsamen kreisenden Topsy bis zum rasanten Speedflug mit dem Chico oder dem Delta 2000. Das älteste Modell am Graupner Classic Treffen war diesmal ein Kirschke Baby aus dem Jahr 1936. Der größte Teil der Modelle stammte aus den 60/70er Jahren. Darunter waren das allseits bekannte Taxi in verschiedensten Varianten, Electra, Satellit, Kwik-Fly, Kadett und Mosquito, um nur einige zu nennen. Auch Hubschrauberfans kamen auf ihre Kosten, es waren zwei Bell 212 Twinjet mit originalem HB Motor, geflogen von Sepp Buchner, zu bestaunen.

Die Übersicht haben wir diesmal aber perfekt behalten, da in einer Time – Line am Rande des Flugfeldes die Modelle nach Erscheinungsjahr 1953 bis 1985 aufgelegt wurden. Diese Idee von Franz Schaberger, dem Initiator und organisatorischen Leiter des Treffens, war einfach ein weiteres tolles Highlight an diesem schönen Flugtag.

Auch in der RC Technik war der Vergleich leicht möglich: flogen die meisten Piloten ihre wertvollen Modelle mit modernen 2,4 GHz Anlagen, so sah man noch einige 35 MHz Systeme und sogar drei originale Tipp – Anlagen wurden im Einsatz gezeigt. Da ist perfektes Einstellen der Rudermechanik im Modell Pflicht, denn eine Trimmung sucht man vergeblich am Sender.

Sehr spannend fanden die Gäste auch, wie gut die alten Glühzündermotoren der Piloten in Schuss waren. Wenn der Eisfeld Diesel oder der Baby Bee Cox mit der Hand angeworfen wird oder der vollgekapselte Bernhard HB61 in der Bell sofort anspringt und konstant im Schwebeflug läuft, gab es großen Applaus am Platz! Auch die Entwicklung des Elektrofluges war gut nachzuvollziehen, wenn der Hi-Fly mit den beiden Druckantrieben auf Höhe gebracht wurde. Viele Motormodelle waren jedoch mit modernen Brushlessantrieben ausgerüstet, einige auch mit einem Elektroantrieb „getarnt“ hinter einer originalen Verbrenneratrappe.

Ein großes Lob gebührt dem ausrichtenden Verein MSC Alpenvorland, der neben dem tollen Flugplatz bestens für das leibliche Wohl der Teilnehmer gesorgt hat. Vielen Dank auch an die Firma Graupner, vertreten durch Thomas Garus, für die wertvolle Tombola - Preise.

Am Ende des Tages fanden sich dann auch Radschuhe für die Piper und bald kann sie - wie damals mit originalen Scaleausbausatz - abheben. Auch der Diesel lief dann wieder, der Tank war einfach zu tief platziert.

Schauen sie doch ganz hinten im Bastelkeller oder am Dach ihres Elternhauses nach – vielleicht wartet dort noch ein Schatz mit dem berühmten roten Logo und der spannenden Bezeichnung „Schnellbaukasten“. Dann kommen sie nächstes Jahr zum MSC Alpenvorland – zum Graupner Classic Treffen 2016!