Wolfgang Lemmerhofer

Internationale Airshow in Peking vom 2.- 4. Oktober 2015

Emmerich Deutsch, Inhaber von Powerbox Systems, organisierte mit Hilfe seiner chinesischen Kontakte die beeindruckende Phantom-Rider Airshow in Wuqing im Bezirk Tianjin.

In Wuqing, knappe zwei Autostunden südöstlich von der Hauptstadt Peking gelegen, befindet sich ein riesiges Freizeitgelände und Erholungsgebiet. Um einen künstlichen See sind Straßen angelegt, verschiedenste Tempel und Attraktionen und eine riesige Fläche für Veranstaltungen errichtet worden. Vom ersten bis zum 7. Oktober sind in China Nationalfeiertage und nach meinem Empfinden sind ca. die Hälfte der rund 1,2 Milliarden Chinesen auf dem Expo-Gelände unterwegs gewesen.

Mr. Yong Tuxin – wir nannten ihn ‚Franki’,  ein junger, sympathischer Chinese hatte es geschafft, für diese Show alle notwendigen Genehmigungen und auch die Geldmittel aufzutreiben um in diesem Erholungsgebiet eine derartige Veranstaltung zu durchzuführen.

Folgende Weltklassepiloten waren eingeladen:

Alexander Balzer (www.showfly.at)
Enrico Thäter und Ralf Losemann (ElsterJET Formationsteam, Deutschland)

Enrico Richter und Günther Hölzlwimmer (Supporter, Deutschland)

Stephan  Völker (Mehrfacher Jetweltmeister, Deutschland)

Chen Zarfati (Hubschrauber 3D, Israel)

Ido Segev (EXFC Sieger, Australien)

Michael Wisbacher (Hubschrauber 3D, Deutschland)

Martin Pickering (Showflugpilot, Spanien)

Hans Litjens und Tessa Van de Munckhof (Deltamodell mit Pulsorohrantrieb, Holland)

Am 29. September ging die Reise los. Nach einem 10stündigen Flug traf die europäische Mannschaft auf dem extra für die olympischen Spiele errichteten Pekinger Flughafen ein. Martin Pickering war aus Barcelona angereist und Ido Segev kam direkt aus Australien. Alle teilnehmenden Piloten waren natürlich schon gespannt auf das Flugfeld und wie die Bedingungen aussehen würden.

Nun ja, es waren alle Piloten gelinde gesagt sehr überrascht als sie zum ersten Mal das Fluggelände in Augenschein nahmen.

Eine ebene, gepflasterte Piste mit einer geschätzten Länge von 300m sollte schon ausreichen, jedoch war diese Piste mit einem Geländer zum See abgesichert. Die Herausforderung war zum einen der Anflug über oder neben dem eigens für die Modelle aufgebauten Zeltes sowie die Überfliegung des Geländers.

Die Modellflugkisten wurden erst sehr spät abends angeliefert und es wurde sofort bis zum Einbruch der Dunkelheit ausgepackt und geschraubt. In der Nacht auf den ersten Oktober streifte ein Ausläufer eines Tornados die Gegend um Tianjin und wir hatten schon Bedenken, ob das Zelt  dem Sturm Stand gehalten hat.

Böse hat es das ElsterJET Formationsteam mit Enrico Thäter und Ralf Losemann erwischt. Durch den Zwischenraum vom Boden zur Zeltwand wurde ein Seitenleitwerk in den See geweht und ein noch in Luftpolsterfolie verpacktes Kohlesteckungsrohr war verschwunden. Das Seitenleitwerk wurde in unmittelbarer Nähe des Zeltes im Wasser treibend gefunden, während hingegen das Kohlerohr eine ca. 1,5km lange Reise quer über den See auf den gegenüberliegenden ‚Küstenabschnitt’ geschafft hatte.

 Nach einigen Trainingsflügen war schnell klar, dass alle Piloten mit den Verhältnissen klar kommen würden.

Auch die besonders schnellen Modelle wie das mit einem Pulsorohr angetriebene Delta von Hans Litjens schafften die Landungen ohne Probleme. Das Delta erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von ca. 350km/h und der einzigartige röhrende Sound des Antriebes ließen die Besucher zunächst etwas ratlos in den Himmel blicken. Das Modell wird von einer Rampe gestartet und Hans hatte das Modell und die Technik sehr gut im Griff. Ido Segev zeigte sein neues Modell mit Elektroantrieb, welches er anfangs im Duett mit dem Hubschrauber von Chen Zarfati zeigte. Ralf Losemann eröffnete die Airshows mit seiner J-10 von CARF. Mittlerweile ist seine Konstruktion schon sehr verbreitet und Ralf beherrscht auf beeindruckende Weise diesen Jet. Martin Pickering flog eine Extra 330SC von Pilot mit einem 120ccm Motor, wobei er bei einigen Passagen den Sender am Rücken hielt. Enrico Thäter hatte seinen mit einer Turbine  angetriebenen Segler dabei und mit einer Smokeanlage und Rauchpatronen an den Flügelenden zeigte er, dass Segelmodelle nicht immer nur langsam sein müssen. Michael Wisbacher zeigte mit seinem Logo Hubschrauber eine ausgezeichnete  3D Show.

Alexander Balzer von showfly.at zelebrierte einmal mehr mit seiner großen Hangar 9 SU 26MM ein Aeromusical vom feinsten in den Himmel. Mit seinen vielen Pyrotechniken – mehrfarbiger Rauch und dem Abschießen eines Feuerwerkskörpers mit lautem Knall - eroberte er die Herzen der Zuschauer. Die Chinesen lieben Feuerwerke. An einem Tag wurde auch vormittags ein Feuerwerk abgeschossen. Für uns Europäer ein ungewohnter Zeitpunkt. Andere Länder - andere Sitten.  Den Abschluss jeder Airshow bildete das ElsterJET Formationsteam mit Enrico Thäter und Ralf Losemann mit ihren großen Su 30 MKK. Die Modelle werden von zwei Jet Cat Turbinen mit Vektorsteuerung angetrieben und wirken nicht nur am Boden durch ihre Größe. Kaum zu glauben, dass diese Modelle unter 25kg Abfluggewicht bleiben. Die beiden zeigten Syncronflug vom feinsten und gelten als die Erfinder des 3D Jetfliegens. Stephan Völker, mehrfacher Jet-Weltmeister, brachte eine BAE Hawk im roten Royal Airforce Design mit nach China und zeigte wunderschöne Flüge mit dem Jet. Einen ganz besonderen Effekt konnte bei dieser Airshow noch geboten werden. Vor der Landebahn in Ufernähe sind starke Wasserfontänen installiert, die bei einzelnen Vorführungen für einen ganz besonderen Eindruck sorgten. Es war schon ergreifend, wie die Piloten zwischen den bis zu 50m hohen Wassersäulen ihre Flugkünste zeigten oder diese sogar noch in ihre Programme einbanden.

Das absolute Highlight der drei Tage andauernden Airshow war zum der Abschluss die gemeinsamen Flüge von Ralf Loseman mit  dem Jet J-10, Martin Pickering mit seiner Extra 330SC und Alexander Balzer mit seiner 3m SU 26MM. Diese Piloten zeigten auch ohne vorheriges Training dass sie die Zuschauer zu begeistern verstanden.

 Die gesamte Organisation im Vorfeld durch Emmerich Deutsch sowie die Betreuung vor Ort war erstklassig und alle Teilnehmer haben sich sehr wohl gefühlt. Jedem von uns wurden BetreuerInnen zur Seite gestellt und jeder Wunsch wurde umgehend erfüllt. Wenn es sein mußte, standen auch plötzlich mehr als 20 Tequin (Securitypersonal) am Platz zur Absicherung der Modelle und zur Sicherung des Flugraumes. Nach jeder Show wurden die Piloten und auch Helfer von Besuchern nahezu überrannt. Als Erinnerung erhielten alle Teilnehmer noch eigens angefertigte Jacken. Sowohl Emmerich Deutsch als auch den beiden chinesischen Organisatoren 'Franki' und Mr. Li gebührt ein großes Lob und unser aller Dank an diesem einmaligen Ort dabei sein zu dürfen. Wie mir beim Abschied unser chinesischer Freund 'Franki' mitteilte, könne er sich eine Wiederholung dieses Events im nächsten Jahr wieder vorstellen. Sollte es so sein, dann freuen wir uns alle auf ein Wiedersehen 2016.

Peking Airshow 2015