Walter Kozubowski

Ein Leben für den Modellflugsport Willi Lassnig (1926 – 2015)

MFC-Lienz-Vereinssenior Willi Lassnig ist am 23. September 2015 im 90. Lebensjahr von uns gegangen.

Sein Leben und Wirken ist eng mit der Geschichte und Entstehung unseres Vereines und unseres Hobbys verwoben. Willi hat wie wenige den Aufstieg des Modellflugsportes von der ressourcenarmen Kriegszeit bis herauf zu einem hochtechnisierten Trendhobby mitgetragen.

Mit seinem Ableben verliert der Modellfliegerclub Lienz ein Gründungsmitglied der ersten Stunden, einen erfahrenen Funktionär, hilfreichen Kollegen und lieben Freund.

Vom Modellfliegervirus befallen wurde Willi bereits Anfang der 1940er-Jahre, als im Krieg aus den Jugendlichen „ein Volk von Fliegern“ gemacht werden sollte. So landete er als Modellbaulehrer an der damaligen Reichsmodellbauschule in Rothenburg ob d. Tauber Weiters begann er auch seine Pilotenausbildung. Einberufung und französische Gefangenschaft beendeten dann aber vorerst seine fliegerischen Aktivitäten.

1949 trat er der in Lienz / Osttirol neu gegründeten Baugruppe des „Österreichischen Modell- und Flugsportverbandes“ (ÖMV) bei. Dieser Verband wurde zur Wiedererlangung der österreichischen Lufthoheit gegründet und vereinte damals noch Modell- und Segelflieger in einer Baugruppe.

Aber bereits 1955 – also vor 60 Jahren! – leitete Willi Lassnig eine gesonderte Modellbaugruppe unter dem Dachverband des ÖMV.

Mit dem Eintritt in den Österreichischen Aeroclub 1959 wurde aus der Baugruppe ein selbständiger Verein mit neuem Namen „Modellfliegerclub Lienz“.

Als der Verein ab 1961 einen eigenen Modellflugplatz mit asphaltierter Startpiste und ein Clubhaus errichten konnte, war Willi mit viel Begeisterung ein verlässlicher Helfer in allen handwerklichen Belangen.

Als Vereinsfunktionär waren ihm immer die Jugendbetreuung und das Leistungsfliegen ein besonderes Anliegen. Bis ins hohe Alter stellte er sich als Leistungsprüfer, Punkterichter und Wettbewerbsleiter zur Verfügung. Zuletzt hatte er noch die Leitung des ÖMV-Tirol von seinem erkrankten Vorgänger übernommen.

In kritischen Situationen oder Diskussionen bewahrte er stets eine überlegte Ruhe. Nie kamen grobe oder gar verletzende Worte von ihm, auch wenn er in der Sache nicht einverstanden war.

Seine modellbauerischen Fähigkeiten wurden von den Kollegen gerne beansprucht: Seine vielen Holzbaumodelle waren stets von höchster Fertigungsqualität – so war es nicht verwunderlich, dass manche zeitgestresste Modellflieger ihre Flugzeuge lieber von Willi bauen ließen. Es war damals eine Zeit, in der es noch keine Fertigmodelle und keine Kunststoffe im Modellbau gab. Man war froh, dass die RC-Anlage überhaupt funktionierte.

Neben seinem geliebten Hobby war Willi aber ein ausgesprochener Familienmensch: Für seine Familie mit fünf Kindern und zwei Pflegekindern gelang es ihm, ein Einfamilienhaus zu errichten.

Das Materielle war ihm nie besonders wichtig. Er wollte immer vorrangig für seine große Familie da sein, für sein Fliegerhobby, für den Verein und den Aeroclub.

Für Willi war Stress ein Fremdwort. Er hatte immer für uns alle Zeit.

Wenn er in unserer Clubhütte gemütlich und langsam Schluck für Schluck sein Bier genoss, verstanden wir endlich die Bedeutung des Wortes „Entschleunigung“ und dass sich Probleme immer irgendwie auch von selbst lösen können.

Sein Lieblingsplatz – neben der Lienzer Clubhütte – war zweifelsfrei seine große Werkstatt, die eines Fachgeschäftes durchaus würdig war.

Seine menschlichen Qualitäten, sein großer Idealismus und Optimismus machten Willi so beliebt und für uns Modellfliegerkollegen so unvergesslich.

Sein Bild in der Clubhütte wird uns nun immer an die gemeinsam verbrachte schöne Zeit mit ihm erinnern.


Text: Walter Kozubowski

Foto: Markus Kozubowski