Klaus W. Salzer

Zweimal Bronze bei der Freiflug-WM


Der Windmesser war das entscheidende Gerät bei dieser WM. Nur selten zeigte er so wenig an wie auf diesem Bild!Bei der diesjährigen Weltmeisterschaft für Freiflugmodelle, die vom 24.6. bis 1.7. in Odessa (Ukraine) durchgeführt wurde, errangen die Österreichischen Freiflieger die besten Erfolge seit Jahren: Bronze in den Klassen F1A (Segelflugmodelle) durch Rudolf Holzleitner, und F1C (Motormodelle) durch Reinhard Truppe!


Der Beginn
Dabei sah es zu Beginn gar nicht nach einem erfolgreichen Bewerb für Österreich aus. In letzter Minute musste Gerd Aringer aus beruflichen Gründen absagen - seinen Platz in F1A konnte Helmut Fuss übernehmen, ein Ersatzpilot für F1C ist in unserem Land leider nicht vorhanden ... Odessa ist in dieser Beziehung für uns wie verhext, auch im letzten Jahr bei der Europameisterschaft hatten wir einen Ausfall einen Tag vor dem Start.

Die F1B- und F1C Piloten, sowie unser Helfer Franz Wutzl kannten das Gelände vom letzten Jahr und sorgten mit ihren Berichten bei dem "neuen" F1A-Team für Besorgnis. Zum Glück unbegründet: Das 2006 nahezu undurchdringliche Distel- und Unkrautfeld hatte sich in gepflegtes Ackerland mit nur kniehohem Korn verwandelt, und zusätzlich war der Landwirt zu beobachten, der eine große Fläche für den Startbereich aberntete.

Dass es dennoch eine der schwersten Weltmeisterschaften der letzten Jahre werden würde war noch nicht erkennbar.

Sonntag und Montag: Training
... von wegen! Von morgens bis abends blies starker Wind, oft weit jenseits des von der FAI für Freiflugbewerbe festgelegten Limits von 9 m/s. Es gab nur die Möglichkeit die für Wind eingeflogenen Modelle vorsichtig zu überprüfen - kennenlernen der Besonderheiten des Geländes, überprüfen der Modelle für ruhiges Wetter war schlicht unmöglich. Besonders für Harald und mich, die schon zum Black-Sea-Cup (unmittelbar vor der WM auf dem gleichen Gelände) angereist waren, etwas frustrierend - 4 Tage ohne echte Trainingsmöglichkeit zu den nicht gerade "landestypischen" Unterkunftspreisen von 64 € pro Tag.
Die Aussichten für die WM schienen nicht gut, wenn auch die Eröffnungsfeier am Montag bei besten Wetterbedingungen stattfand, und allen 40 (!) teilnehmenden Nationen - soviel wie nie zuvor - von allen Rednern die besten Wünsche mit auf den Weg gegeben wurden.

Dienstag: F1A
Obwohl Südwind angesagt war, wurde die nördliche Startstelle im frisch abgeernteten Stoppelfeld gewählt, da von dort auch bei drehendem Wind geflogen werden konnte. Als Maximalzeit für den 1. Durchgang war 210s angesetzt. Pünktlich um 7:00 Uhr wurde der Start freigegeben. Der Wind blies zwar kräftig, war aber mit 3-5m/s beherrschbar, und der strahlend blaue Himmel versprach kräftige Thermik für die späteren Durchgänge.

Helmut Fuss startete als erster. Ein schöner, hoher Start, der leider nicht hielt was er versprach. Die Senke 

Das F1A-Team: Helmut Fuss, Manfred Grüneis, Rudolf Holzleitner (v.l.n.r.)

im Lee der Startlinie saugte das Modell nach unten - 186s. Auch bei Rudi Holzleitner sah es über der Senke kritisch aus, es reichte jedoch gerade so zur Maximalzeit. Inzwischen hatten wir beobachtet, dass alle Starts der westlichen Startstellen (wir waren mit Nr. 21 in der Mitte) weit sicherer flogen. Manfred Grüneis schleppte daher weit nach rechts und flog tatsächlich ein sicheres Max.

6 Startstellen weiter in Richtung Ost bescherten uns im 2. Durchgang 2 knappe Mäxe für Helmut und Rudi, und wieder ein hohes, sicheres Max für Manfred. Die Thermik war jetzt schon kräftig, leider frischte auch der Wind auf und blies schon mit 6-7m/s. Der 3. Durchgang brachte eine zweite Enttäuschung für Helmut: nur 163s. Rudi und Manfred dagegen flogen wieder die Maximalzeit. Der 4. Durchgang sieht uns ganz am Ende der Startlinie, wieder etwas mehr Wind - und für Helmut kommt das absolute Aus. Beim Anschleppen in Richtung des "besseren" Endes der Startlinie reißt eine Bö den Haken auf, nach dem Bunt in wenige Meter Höhe zeigen die Uhren 21s Flugzeit. Rudi schafft ein sicheres, hohes Max, und Manfred - nach einem Fehlstart - ebenfalls.

Nach unserem Umzug ans andere Ende der fast 300m langen Startlinie fliegt Helmut sein erstes, hohes Max - und unmittelbar darauf wird der Durchgang unterbrochen. Ein Landwirt beklagt sich (zu recht) dass einige Modellflieger mit Autos durch die noch nicht abgeernteten Felder fahren. Nach langer Diskussion kann wieder Frieden hergestellt werden. Inzwischen ist der Wind aber so stark geworden, dass eine Fortsetzung des Bewerbs nicht möglich ist. Der Durchgang wird annulliert (schade um Helmut's Max), und zunächst auf 17:00 Uhr vertagt.

Auch abends ist der Wind jedoch noch zu stark, die letzten 3 Durchgänge werden auf den Reservetag (Donnerstag) verschoben. Nur noch 29 Teilnehmer, darunter Rudi und Manfred, haben eine "saubere Weste" - bei einer Weltmeisterschaft mit 105 Startern ein klarer Hinweis auf die schwierigen Bedingungen.

Mittwoch: F1B
Erneut Südwind, aber diesmal wird die Südliche Startstelle gewählt. Nicht weniger hügelig, aber stärker verwirbelt wegen einer Baumreihe. 240s Flugzeit sind für den ersten Start angesetzt. Harry Meusburger als erster schafft nur 175. Ich fliege als nächster, eine katastrophale Kurve in der ersten Phase, keine Höhe - 112s. Dietmar Piber als letzter fliegt immerhin 215s, aber auch er schafft das Max nicht. Später erfahren wir, dass nur 15 der 99 Starter die 240s erreicht hatten. Der 2. Durchgang war auch nicht viel besser, Harry mit 151 s, ich mit 134 s, Dietmar immerhin mit einem Max. Jetzt drehte auch noch der Wind, sodass die Startstelle mit gedreht werden musste, 30 min Unterbrechung.

Harry startet wieder als erster und wird voll in das Tal gesaugt, nur 106s aus guter Ausgangshöhe. Mein Modell steigt Anfangs gut, dann bleibt die Winkelsteuerung hängen und das Modell liegt nach 56s am Boden. Auch Dietmar schafft nur 114s. Inzwischen haben gerade noch 4 Starter eine reine Weste, ein Hinweis auf die extremen Bedingungen. Im 4. Durchgang fliegt Harry sein erstes Max, ich habe einen Fehlstart und muss ein zweites Modell holen, derweil fliegt Dietmar 155s. Als ich dann wieder am Start stehe dreht der Wind erneut um 90° auf West und frischt auf über 10m/s auf - Abbruch des Durchgangs. Fortsetzung soll am Nachmittag sein, die Wettervorhersage ist günstig.

Tatsächlich ist um 16:00 Uhr der Wind zurückgegangen, die Sonne lacht, und in der Fortsetzung des 4. Durchgangs fliege ich mein erstes Max in dieser WM - eigentlich unfair, die anderen hatten weit schlechtere Bedingungen. Das schöne Wetter hält, wir fliegen den 5. Start alle voll, im 6. fehlen nur mir 13s, und auch der 7. Durchgang bringt 3 Mäxe für uns.

Nach wie vor sind 4 Piloten mit 7 Maximalzeiten vorne (3 Ukrainer und der für Deutschland startende Russe Zilberg), Dietmar ist 37., Harry 53. und ich 87. Die Mannschaft hat Japan gewonnen vor der Ukraine (von den dreien im Stechen ist einer der Titelverteidiger und zählt nicht für die Mannschaft!) und Israel auf Platz 3, wir sind 21. von insgesamt 36 startenden Nationen.

Das erste Stechen in F1B über 5 min führt erwartungsgemäß zu keiner Entscheidung, alle 4 schaffen die Zeit. Für den nächsten Morgen wird die Entscheidung angesetzt.

Donnerstag: Reservetag - Stechen F1B, Reststarts F1A
Gleich früh um 6:00 Uhr wird auf der Nord-Startstelle das zweite F1B-Stechen angepfiffen. Der mäßige Wind aus Nordost weht genau auf eine Buschreihe zu - alle 4 Modelle geraten hinter dieser Reihe außer Sicht, rund 30s trennen den ersten (Titelverteidiger Oleg Kulakovsky, UKR) vom 4. (Igor Zilberg, GER). Igor Vivchar wird 2., Anatoly Zastavenko 3. (beide UKR).

Wegen der Buschreihe wird dann beschlossen, die restlichen 3 Durchgänge F1A doch von der Süd-Startstelle zu fliegen. Umzug ... erst um 9:00 Uhr geht's endlich los bei Ostwind mit inzwischen schon wieder um 5 m/s. Manfred kann seine Serie vom Dienstag nicht fortsetzen: nur 124s zeigt die Uhr. Rudi fliegt ein knappes Max, und Helmut 

Die Mannschaft in F1B: Dietmar Piber, Klaus Salzer, Harald Meusburger (v.l.n.r.)

wiederholt das "gestrichene" Max wieder hoch und weit. Ähnlich der 6. Durchgang: Manfred knapp daneben (161s), Rudi knapp über 3 Min und Helmut wieder hoch und weit. Noch 25 der 105 Piloten haben nur volle Zeiten - wird es Rudi auch im letzten Durchganng schaffen? Er fliegt diesmal als erster - ein Supermax, fast 3min braucht das Modell nach Auslösen der Thermikbremse bis zum Boden. Leider schafft Manfred wieder kein Max (122s) und auch Helmut erwischt einen kapitalen "Absaufer" mit nur 82s.

19 Piloten bleiben übrig für das Stechen, das zunächst für den Abend (19:00 Uhr) angesetzt wird. Rudi ist dabei, Manfred ist 57., Helmut 90. Die Mannschaftswertung ist schon entschieden, Ungarn führt vor Italien und Russland, wir sind 17. von 38 Nationen.
Wir fahren zum Essen, andere bleiben auf dem Gelände zum Trainieren ... und kommen am Nachmittag schreckensbleich zurück: Ein Wirbelsturm war übers Gelände gezogen und hat Zelte, Stühle, die Lautsprecheranlage und auch den Campingplatz regelrecht verwüstet. Der nachfolgende heftige Regen machte das angesetzte Stechen endgültig unmöglich.

Freitag: F1C, Stechen F1A und F1C
6:00 Uhr zum F1A-Stechen auf dem Platz - aber wieder Absage. Nordwind würde die Startstelle Nord erfordern, die ist aber über die aufgeweichten Wege nicht erreichbar. Für F1C kann die Startstelle Süd jedoch genutzt werden. Für die Stechzeit von 600s in F1A ist zwar zuwenig Platz, für 180s - die dann auch für den ersten Durchgang in F1C angesetzt werden - reicht es aber.

Robert Hegenbart startet als erster und fliegt ein sicheres Max, kurz darauf folgt Reinhard Truppe ebenfalls klar über 180s. Im 2. Start sieht es für Robert knapp aus, erleichtert sehen wir 181s auf den Uhren ... Reinhard fliegt sicher voll. Im dritten Start ist es umgekehrt: Robert sicher hoch und voll, Reinhard pumpt in der Bodenturbulenz, taucht gerade noch einmal auf, 181s reichen auch diesmal. Der nächste Start ist wieder sicher für Robert, bei Reinhard wird ein Überlauf mit 5,8s gestoppt, m.E. zu Unrecht, aber Zeitnehmerentscheidungen sind nicht anfechtbar. Mit dem Ersatzmodell fliegt er aber gleich anschließend ein korrektes, sicheres Max.

Inzwischen ist es recht heiß geworden und die Thermik entsprechend stark. Die Modelle brauchen länger 

Unsere F1C-Piloten mit dem Helfer: Reinhard Truppe, Franz Wutzl, Robert Hegenbart (v.l.n.r.)

mit der Thermikbremse bis zum Boden, und treiben bei inzwischen 5m/s Wind entsprechend weiter ab in etwas unwegsameres Gelände. Wir haben Glück, beide Mäxe des 5. Durchgangs können problemlos geborgen werden, das Modell eines Engländers "verglüht" jedoch auf einer Hochspannungsleitung. Auch im 6. Durchgang haben weder Robert noch Reinhard ein Problem, genauso wie im 7. und letzten Start. Wir freuen uns, dass beide das Stechen erreicht haben, bis von der Rückholmannschaft eine Alarmmeldung kommt. Robert's Modell ist in einem Garten gelandet, und der Besitzer weigert sich, das Modell herauszugeben. Erst nach über 2 Stunden gelingt es der Organisation, den Mann mit 50$ zu "bestechen" und wir können endlich versuchen, ein 17-Uhr-Mittagessen zu bekommen. Immerhin sind wir seit 5 Uhr auf den Beinen, und haben nur ein Frühstückspaket bekommen.

28 Piloten haben sich für das Stechen qualifiziert, darunter unsere beiden. Auch an diesem Tag ist die Mannschaftswertung schon vor dem Stechen entschieden: Ungarn liegt vorn, gefolgt von Polen und Deutschland, wir sind 19. von 29, allerdings mit nur 2 Startern anstelle der 3 bei den ersten 18.
Für das gemeinsame Stechen am Abend wird dann doch die Nord-Startstelle gewählt, ein einigermaßen passierbarer Weg wurde gefunden. Um 19:45 Uhr fällt der Startschuss für das erste Fly-off in F1C, Reinhard startet bald und fliegt sichere 5min. Robert hat etwas Schwierigkeiten mit dem Starten des Motors, als er endlich läuft startet er leicht schräg und vergibt dadurch seine Chance: "nur" 217s bedeuten Platz 21. Noch 15 Piloten warten auf das 2. Stechen.

Rudolf Holzleitner, Gewinner der Bronzemedaille in der Seglerklasse F1A.

Inzwischen müssen aber die 19 F1A-Piloten noch zur Entscheidung antreten. Entsprechend dem FAI-Reglement wird für 20:00 Uhr ein einziger 10-min-Stechflug angesetzt. Rudi startet sehr früh mit einem perfekten Bunt, das Modell schwebt wunderschön in die Abenddämmerung. 334s zeigen die Uhren - was ist diese Zeit wert? Bronze! Nur 7s hinter dem Schweden Per Findahl, und 3s hinter dem Slowaken Ivan Bezak.

Wir haben kaum Zeit zum Jubeln, denn um 20:15 Uhr geht die 2. Stechrunde in F1C los. Reinhard's Modell ist noch nicht zurück, er muss das Ersatzmodell nehmen. Wieder ein sehr guter Start, die Motorlaufzeit wird akzeptiert - Schafft er die 7 Min? Gerade nicht, 386s ist die offizielle Zeit. Auch die ist Bronze wert! Zwei Piloten haben es geschafft, und müssen am Samstag früh noch mal antreten: Artem Babenko (UKR), der spätere Sieger, und Shigeru Kanegawa aus Japan, der Titelverteidiger.

Samstag: Bauprüfung, Siegerehrung und Abschlussbankett
Wie immer werden die Modelle der 3 Erstplazierten sorgfältig überprüft. Und bei Rudi's Modell errechnete der Computer 2x "zu groß". Uns schlug das Herz bis zum Hals: sollte die Leistung wegen weniger als 3 cm² ungültig sein? Glücklicherweise fanden wir den Fehler. Die Flächentiefe war an der Verstärkung gemessen worden, nur 1mm war es, aber über die gesamte Spannweite! Mit dem endgültigen OK fiel uns ein Stein vom Herzen. Reinhard's Modell wurde problemlos akzeptiert, hier sind die Regeln ohnehin offener. Die Siegerehrung war gerettet.

Reinhard Truppe, Gewinner der Bronzemedaille in der Motorklasse F1C.

Aus den ersten Bulletins des Veranstalters ging nur hervor, dass das Bankett nicht in der Nähe des Quartiers, sondern an einem anderen Ort in Odessa stattfinden sollte. Wir hatten daher das Bankett nicht gebucht, da uns der Preis unangemessen hoch erschien. Dass auch die Siegerehrung dort sein würde, erfuhren wir erst bei unserem Eintreffen bei der WM.

60 km war es dann bis zu dem gebuchten Nachtclub, in dem für die Bankettgäste das Essen schon auf dem Tisch stand. Die Siegerehrung begann dann statt um 19:00 Uhr erst 2 Stunden verspätet, ein eigentlich unfreundlicher Akt gegenüber den Sportlern. Dafür wurden dann mit viel Pomp und hübschen Mädchen die Pokale, Medaillen und Urkunden überreicht. Außerdem erhielt jeder Sieger ein Foto von ihm und seinem Modell, eine nette Idee, die den Sieg persönlicher darstellt, als dies eine Urkunde tun kann.

Zum Schluss ...
Eine schwierige, für uns zweischneidige WM ist zu Ende. Hervorragende Einzelleistungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir bei so starkem Wind nicht sicher genug sind. Die Fluggelände in Österreich erlauben es normalerweise nicht, bei Windgeschwindigkeiten über 5m/s zu fliegen. Wir können das nur auf Veranstaltungen im Ausland trainieren. Auch das Zusammenspiel beim Rückholen klappt bei anderen Teams besser. Wir üben das nur bei EM und WM, vielleicht sollten wir auch bei anderen Großveranstaltungen diese Zusammenarbeit trainieren. Ich bedanke mich aber ausdrücklich bei allen Mannschaftsmitgliedern, und besonders bei den Helfern, die noch nicht einmal selbst fliegen konnten, für ihren Einsatz, ohne den unter so schwierigen Bedingungen überhaupt kein Ergebnis zu erzielen ist. Alle haben ihr Bestes gegeben und alle sind mit beteiligt am besten Ergebnis der Österreichischen Freiflieger seit 1995!