Bericht des Mannschaftsführers BFR Klaus Salzer

Europameisterschaft Freiflug Pazardzhik, Bulgarien vom 31.8. - 7.9.2008

Das offizielle Logo der EM

Vorbereitung

Mit durchaus hohen Erwartungen sah das österreichische Team der Europameisterschaft 2008 entgegen: seit langem hatten wir wieder einmal eine vollständige Mannschaft gemeldet: je 3 Piloten der Seglerklasse F1A (Fuss, Aringer, Wutzl), der Gummimotorklasse F1B (Piber, Salzer- gleichzeitig Mannschaftsführer -, Meusburger) und der Verbrennungsmotorklasse F1C (Truppe, Aringer, Hegenbart). Bereits im April hatten wir unabhängig vom Veranstalter ein Quartier gebucht. Die Reisevorbereitungen liefen problemlos und wir freuten uns auf den Beginn der EM Anfang September.

Mitte August kam der erste Rückschlag: Unser Hotel sagte ab. Nachrichten hin und her, bis schlussendlich doch die Zusage vorlag wir würden alle untergebracht. In Pazardzhik blieb dann nur das Problem, das Hotel zu finden. Über eine Stunde kreisten wir in der Stadt bis ein Taxifahrer uns zeigte, an welcher Stelle wir das Verbotsschild hätten ignorieren müssen ... Balkan-Sitten!

Den zweiten Schock gab uns der Bericht von Helmut Fuss, der bei dem Weltcup-Bewerb vor der EM mitgeflogen hatte. Bei dem dort herrschenden starken Wind erwies sich das Gelände als viel zu klein, die umliegenden Maisfelder als total versumpft, die Weingärten undurchdringlich verwildert.

Aller schlechten Dinge sind drei: Gerd Aringer sagte am Abend vor Beginn der EM ab. Die Lücken weder in F1A, noch in F1C konnten so kurzfristig nicht geschlossen werden, also mussten wir mit einem nur noch in F1B vollständigen Team antreten.

Dass die Veranstalter einen perfekten Zeitplan aufgestellt hatten, ließ hoffen. Dass es zwar Zeiten, aber keine Ortsangaben gab, war nur ein kleiner Schönheitsfehler, wozu gibt es Gerüchte ???

Der 1. Tag: F1A - Segelflugmodelle

Am Dienstag ging es dann endlich los. F1A wurde zuerst geflogen. Das Wetter: traumhaft. Kaum Wind, strahlend blauer Himmel. Sonnenaufgang 7 Uhr, Startbeginn 8 Uhr. Helmut beginnt. Ein ordentlicher Start, gute Ausgangshöhe, die geforderten 210s sollten möglich sein - bis das frei fliegende Modell nach über 2 min mit der Hochstartleine eines Konkurrenten kollidierte. Wiederholung! Auch dieser Start sah gut aus, aber bei der langsam steigenden Temperatur hatte sich die gut tragende Luftschicht am Boden aufgelöst: bei 184s lag das Modell am Boden. Franz Wutzl versuchte es als nächstes, aber auch er erreichte die 210s nicht: bei 192s blieben die Uhren stehen.

Für die restlichen Durchgänge mussten nur 180s geflogen werden. Helmut schafft sie im 2. Durchgang, Franz hat einen sehr schlechten Übergang nach dem Start und liegt bereits bei 129s am Boden. Der 3. Start kostet Helmut Action! Dietmar Piber gibt das F1A-Modell von Helmut Fuss frei.weitere kostbare Sekunden, nur 171s registrieren die Zeitnehmer. Franz dagegen fliegt hoch und sicher sein Max. Erst im 4. Durchgang können beide (und ich als Mannschaftsführer) zufrieden sein - 2 Maximalzeiten stehen auf den Startkarten. Die Temperatur ist inzwischen auf über 25° geklettert, und die Mittagspause kommt gerade recht.

Der 5. Durchgang, normalerweise kritisch nach der Pause, bringt uns 2 hohe Maximalzeiten, erst nach über 5 Min liegen die Modelle am Boden. Glücklicherweise ist wenig Wind, die Rückholer haben keine Probleme die Modelle zu bergen. Auch im 6. und 7. Durchgang fliegen die beiden sichere Mäxe. Wenn bloß der Beginn besser gewesen wäre ... So endet Helmut auf Platz 51, Franz auf Platz 59. 36 Piloten treten an zum Stechen, das für 18:00Uhr angesetzt wird. Als Sieger steht danach der Israeli Lior Bachasr fest, gefolgt von Per Findahl (SWE) und dem Finnen Juha Heikkinen. Die Mannschaft gewinnt Israel vor Ungarn und Frankreich. Wir - mit nur 2 Startern - werden 27te. Technisch gab es nichts Neues. Praktisch alle Teilnehmer fliegen Modelle in Kohlebauweise mit einem "Bunt"-Start, der allerdings gelegentlich Probleme macht, und dann zu schlechteren Ergebnissen führt als der klassische Katapultstart mit einer Steigkurve. Per Findahl setzte im Stechen seinen bekannten "Flapper" ein, ein Modell mit veränderlichem Profil.

Der 2. Tag: F1B - Gummimotor-Flugmodelle

Der nächste Tag, Mittwoch, war der Tag der "Gummiflieger". Das Wetter erfreulicherweise das gleiche wie am ersten Tag, ruhig, blauer Himmel. Dietmar Piber beginnt und fliegt ein Max mit ganzen 3s Reserve ... genug. Harald Meusburger als nächstes überbietet ihn mit 4s über der Maximalzeit. Ich starte als nächstes - und stürze mit 16s ab - Fehlstart. Bei der Wiederholung mit dem 2. Modell ist die Höhe nicht so gut, aber das Modell kämpft in Bodennähe um jeden Zentimeter, auch ich schaffe das Max.

Allgemeines Aufatmen, bei den nächsten Starts genügen 3 min, im ersten waren 4 min gefordert. Aber so einfach ist es nicht - Dietmar, wieder als erster, liegt bei 114s am Boden. Harry und ich fliegen voll, ich allerdings wieder erst im 2. Versuch. Beim 3. Flug ist die Thermik schon stärker und klar auszumachen, wir fliegen alle 3 sicher voll. Im 4. Durchgang fliegt Harry als erster und zeigt, wie tückisch die Luft heute ist - trotz guter Höhe liegt er mit 142s am Boden. Dagegen erwische ich einen "Riesenbart", trotz exakter Bremse liegt das Modell erst bei fast 6 min - und das in den verwilderten Weingärten. Dietmar hat auch Pech, er schafft nur 162s, auch bei ihm sah Anfangs der Flug gut aus.

Die Mittagspause reicht, um auch mein Modell zu finden und zurückzubringen. Nachdem ich als einziger noch "clean" bin, starte ich als erstes in den 5. Durchgang. Ein sicheres Max (fast 5min bis zum Boden), Harry folgt mit einem knappen, aber ausreichenden Start, und auch Dietmar fliegt sicher voll. 

Der 6. Flug ist bei mir wieder hoch, bei Harry sicher - aber Dietmar erwischt es erneut. Auf zum letzten Flug - wieder bin ich der erste. Nicht überzeugend, das Modell sinkt ... verschwindet hinter dem Hangar - die Uhren zeigen genau 180s! Harry fliegt wieder ein solides Max, während Dietmar erneut 10s verliert. Ich freue mich mit meinem einfachen Modell wieder einmal das Stechen erreicht zu haben, getrübt wird die Freude durch das Pech der beiden anderen. Es ist auch kein Trost, dass der mehrfache Weltmeister und Titelverteidiger Kulakovsky nur 6s vor Dietmar liegt!

Sie sind aber nicht die einzigen, die nicht die 7 Maximalzeiten erreicht haben. Zwar haben 27 das Stechen erreicht, aber viele große Namen sind der tückischen Thermik zum Opfer gefallen. Bis zum Flyoff versuche ich, das Modell vom 1. Durchgang einsatzbereit zu machen - es hat den besten Gleitflug - aber es gelingt nicht. Ich trete also mit dem Modell der Durchgänge 2 bis 7 an, es fliegt brav seine 211s, Thermikanschluss finde ich nicht. 9 haben die 5min geschafft und treten zum 7min-Flug an. Der Himmel hat sich zugezogen, genau zum Start dreht der Wind um 180°, die Luft ist entsprechend turbulent. Die Reihung ist dadurch überraschend, kaum jemand hätte das Endergebnis so vorausgesagt: Mark Gilad (ISR) vor Anatoly Zastavenko (UKR) und dem jungen Vladislav Urban (CZE). Ich selbst bin auf Platz 24, Harry auf 41 und Dietmar auf 65. Die Mannschaft gewinnt Tschechien vor Holland und der Ukraine, wir sind 13. von 28.

Ein Ruhetag ist vor dem letzten, dem Motortag, angesetzt - wir nutzen ihn teils zum Trimmen (Reinhard Truppe und Robert Hegenbart), teils zum Sightseeing in der Stadt und der Umgebung.

Der 3. Tag: F1C - Flugmodelle mit Verbrennungsmotor

Der Freitag beginnt dann wieder ruhig und klar. Mit nur 2 Startern hätten wir sogar etwas Wind vertragen, da wir dank Reinhard und Franz 2 Mopeds zur Verfügung haben. Der erste Durchgang, 4min wie bei F1B, ist für unsere beiden Piloten kein Problem. Im 2. Start fliegt Reinhard wieder ein sicheres Max, Robert's Modell fängt aber leider an zu pumpen und liegt bei 116s am Boden - aus der Traum vom Stechen! 

Nachdem im 3. Start Reinhard wieder ein Max geflogen hat, wird bei Robert ein Überlauf gestoppt, er muß wiederholen. Vielleicht ist es die Nervosität - er startet leicht schräg, Höhe und Übergang passen nicht, 139s werden eingetragen. Der 4. Durchgang, vor der Mittagspause, gibt endlich wieder eine Maximalzeit für beide. Dafür erwischt es Reinhard im 5. Durchgang. Guter Steigflug, volle Höhe - aber genau neben der Thermik. Nur 106s ... Auch hier aus der Traum für das Fly-off. Immerhin fliegt Robert voll, ein schwacher Trost. Ganz besonders, weil es ihn im 6. fast genau so schlimm erwischt, Reinhard legt ein Max vor, und Robert schafft nur 110s.

Im letzten Durchgang fliegt Reinhard erneut ein schönes Max, Robert gerät 2s vor der Maximalzeit hinter einer Geländekrümmumg außer Sicht - schade. Damit konnten beide nicht an den Erfolg von Odessa anknüpfen, wo beide das Stechen erreichten. Sie werden diesmal nur 30. (Reinhard) und 47. (Robert). Nur 10 Konkurrenten erreichten das flyoff, dass von Leonid Fuzeyev (Titelverteidiger, RUS) vor den beiden Ungarn Balasz Bauer und Gabor Zsengeller gewonnen wird.

Technisch gesehen haben sich Getriebe-Motoren mehrheitlich durchgesetzt, einige wenige "Flapper" (mit veränderlichem Profil) waren zu sehen, dafür aber eine handvoll der spektakulären "Folder", bei denen im raketenartigen Steigflug der Flügel 2- oder sogar 3-fach eingefaltet wird, um den Luftwiderstand zu verringern.

Ende ... gut?

Am Abend traf sich das Team zu einem gemütlichen Ausklang auf der Dachterasse des Hotels. Die Veranstaltung selbst schloss am nächsten Tag mit einer groß angelegten Siegerehrung auf dem zentralen Platz der Stadt, und einem Festbankett mit einer Tombola.

Insgesamt zeigte sich an allen 3 Tagen, dass die Thermik außerordentlich tückisch war. Ab dem 3. Durchgang lagen starke Aufwinde dicht neben nicht weniger starken "Absaufern", und selbst der Beginn eines Fluges im Aufwind war keine Garantie für die 3 Minuten! Zu unserem Glück war an allen 3 Tagen wenig Wind, mit unserer Rumpf-Mannschaft hätten wir sonst ernste Probleme mit dem Rückholen bekommen. An dieser Stelle noch mal Dank an alle für ihren Einsatz, der ein besseres Ergebnis verdient hätte.

Drücken wir die Daumen, dass bei der Weltmeisterschaft 2009 in Kroatien eine genauso harmonische Zusammenarbeit im Team mit besseren Platzierungen belohnt wird.