BFR DI Wilhelm Kamp

Freiflug, was ist das?

Darunter versteht man im Modellflug alles, was ohne Beeinflussung von außen - Fernsteuerung oder Fesselleine - also frei fliegt, vom Papierflieger bis zum Spitzen - Wettbewerbsmodell. In der Wettbewerbsklasseneinteilung des CIAM ist Freiflug in der Kategorie F1 zusammengefasst. Es gibt F1A, F1B mit Lücken bis derzeit F1Q, 15 verschiedene Klassen. Darüber hinaus v. a. in den USA und England eine größere Anzahl von nationalen Klassen.

Das zeigt, dass die Vielfalt des Freiflugs in wenigen Worten gar nicht zu beschreiben ist. Die Palette der Wettbewerbsmodelle reicht von Saalfliegern - diese können, wie schon der Name sagt, nur in Innenräumen geflogen werden - über reine Segler, von CO2 - oder Gummimotoren oder Elektromotoren angetriebene, bis hin zu Modellen mit Verbrennungsmotor.

Modelle der Klasse F1D in ActionDie im Freien eingesetzten Modelle haben im Wettbewerb eine durch Zeitschalter begrenzte Höchstflugzeit, im Fliegerjargon Max genannt. In guter Thermik würden sie sonst viel länger fliegen als man sie sehen und verfolgen kann und damit verloren gehen. Der Zeitschalter steuert modellintern und nicht von außen beeinflussbar weitere Funktionen wie Kurve oder Einstellwinkel. 

Ein paar Beispiele für typische Freiflugmodelle:
Ein Saalflieger der Klasse F1D hat 55 cm Spannweite, ein Gesamtgewicht von 1,8 g, in Worten eins Komma acht Gramm, davon 0,6 g Antriebsgummi. In einer geeigneten Halle fliegt so ein Modell an die 40 Minuten lang mit einer Geschwindigkeit, die deutlich unter langsamem Spaziergängertempo liegt.

Ein Segler der Klasse F1A hat um die 2,20 m Spannweite, 410 g Mindestgewicht und wird mit einer 50 m langen Schleppleine gestartet.

Gummimotormodelle der Klasse F1B sind etwas kleiner und leichter, der Antriebsgummi darf maximal 30 g wiegen.

Die spektakulärste Klasse ist F1C:
Spannweite um die 2 m, Gewicht 750 g, 2,5 cm³ Motor. Ein guter Motor dreht über dreißigtausend Umdrehungen, er darf ab dem Start maximal 5 Sekunden laufen, ein gutes Modell ist dann aber an die 150 m hoch. Ein solches Modell ist 400 mal schwerer und über 200 mal schneller als ein Saalflieger. Da ist Musik drin.

Seit neuestem gibt es auch eine Klasse mit Elektroantrieb, F1Q. Hier steht die Entwicklung erst am Anfang. Der Reiz und die Faszination des Freiflugs haben viele Gründe, einige seien hier genannt:

- Die Freiheit der Entwicklung, i. a. sind nur wenige Größen wie z. B. Mindestgewicht oder Flächeninhalt oder Motorhubraum vorgegeben. In diesem Rahmen ist man bei der Auslegung der Modelle völlig frei.

- Der Umgang mit high-tech Materialien. Viele Bautechniken wurden im Freiflug eingesetzt, lange bevor sie Eingang in den Großflugzeugbau fanden.

- Die intensive Beschäftigung mit Aerodynamik, Flugeigenschaften, Stabilität etc. bei der Konstruktion, beim Bau und beim Trimmen der Modelle. Alle erwünschten Eigenschaften müssen ja schon vorher im Modell stecken und perfekt abgestimmt sein, bevor es in den ersten Wettbewerbsstart geht.

START bei F1B Modellen ist sportliche Leistung gefragt- Die hohe Sportlichkeit. Freiflug macht am meisten Spaß wenn man Wettbewerbe fliegt und seine eigenen und die Fähigkeiten der Modelle mit anderen vergleichen kann. Ein Wettbewerb besteht aus 5 -7 Durchgängen. Dauer ca. 1 Stunde. Das Max ist normalerweise 3 Minuten. An nationalen und internationalen Wettbewerben kann jeder teilnehmen. An Welt- und Europameisterschaften können nur Nationalmannschaften teilnehmen. Dafür muss man sich mit guten Leistungen erst qualifizieren.

- Die objektive Wertung im Wettbewerb. Keine Punkte, es zählt nur die reine Flugzeit. Der menschliche Faktor ist wegen der Sehfähigkeit der Zeitnehmer, vor allem bei diesigem Wetter, doch nicht ganz auszuschließen.

- Sehr wichtig, vielseitig und faszinierend das Spiel mit den Gegebenheiten der Natur. Einschätzen und Finden der Thermik, taktisches Wählen des Startzeitpunktes in Abhängigkeit von der Entwicklung der Wetterlage, Einschätzen des Geländes - Bewuchs, Neigung, Farbe etc. - und Ausnützen zum fliegerischen Vorteil. Es macht Spaß die Elemente zu kontrollieren.

- Der Anspruch an die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit. In den Seglerklassen muss man auch über längere Strecken schleppen können und dabei trotz Anstrengung einen klaren Kopf behalten, um den richtigen Startzeitpunkt zu wählen. In allen Klassen die Fähigkeit sich beim Rückholen imÖsterreichische Nationalmannschaft Freiflug WM/EM  1999;   Fotos: W.KampGelände zu orientieren, das Modell auch in größerer Entfernung wieder zu finden und rechtzeitig zum nächsten Durchgang wieder zurück zu sein.

- Freiflug hält jung. Man findet auf den Wettbewerben auch viele ältere Teilnehmer. Umgekehrt kann man sagen, geistige Beweglichkeit und körperliche Leistungsfähigkeit sind eine gute Voraussetzung, um auch in höherem Alter noch Freiflug zu betreiben.

- Die Konkurrenz und die Kameradschaft mit - auch in Österreich - Weltklassepiloten.

- Der Anreiz und die Möglichkeit an internationalen Wettbewerben, und wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat, an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen zu können und dabei neue Leute und Länder kennen zu lernen.

In einem kurzen Satz zusammengefasst:

Freiflug ist toll!!